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Was brauchen Jugendliche? – Beziehung statt Erziehung

Liebe Leserinnen und Leser, den aktuellen Artikel zur „Pubertätsserie“ habe ich aufgrund der Länge in zwei Teile unterteilt. Nach dem Blick auf die Eltern vom letzten Artikel schaue ich nun auf die Bedürfnisse von Jugendlichen. Was brauchen sie von ihren Eltern, damit es ihnen gelingen kann, zu seelisch gesunden und glücklichen Erwachsenen heranzuwachsen?

1.     Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen

Eltern sind oft der Meinung, dass Jugendliche sich ihr Vertrauen verdienen müssen. Meiner Ansicht nach ist das eine falsche Annahme. Denn das würde für den Jugendlichen bedeuten, dass er sein Leben danach richten muss, das zu tun, was die Eltern als richtig erachten und nichts zu tun, was diese als falsch erachten.

Diese Art von Vertrauen bietet keine gute Voraussetzung dafür, dass Jugendliche sich zu selbstständigen, seelisch gesunden Menschen entwickeln können. „Das Vertrauen, das Kinder so sehr von ihren Eltern benötigen, ist die Zuversicht, dass die Kinder ihr Bestes geben werden, um zu dem Menschen zu werden, der sie gerne sein möchten. Und zwar auf dem Fundament, das sie gemeinsam mit ihren Eltern, dem Kindergarten, der Schule und ihrem gesamten Netzwerk errichtet haben.“ (Jesper Juul)

„Eltern von heute können u.a. auf folgende Dinge vertrauen, falls das Verhältnis zu ihren jugendlichen Kindern in Ordnung ist.

Sie können darauf vertrauen, dass die Jugendlichen

  • einigen Versuchungen erliegen und eine Reihe schmerzhafter Erfahrungen machen werden.
  • sich aktiver darum bemühen werden, ihr Verhältnis zu folgenden Dingen zu klären: Alkohol, Nikotin, Haschisch und eventuell andere Drogen, Sex, Pornografie und Verliebtheit.
  • zu unterscheiden beginnen, worüber sie mit den Eltern oder worüber mit Gleichaltrigen sprechen wollen.
  • alles, was sie in den nächsten Jahren unternehmen und tun, für sich selbst tun und nicht gegen die Eltern.“ (Jesper Juul)

2.     Empathie

Unter Empathie versteht man das, was der international renommierte Säuglings-forscher und Entwicklungspsychologe Daniel N. Stern als „Einfühlung“ bezeichnet: nämlich die Fähigkeit, die Gefühle eines Anderen zu erspüren und sich gewissermaßen in sie hineinzuversetzen.

„Empathie wird oft als Fähigkeit zum Mitgefühl missverstanden. Doch Mitgefühl setzt voraus, dass man ähnliche Erlebnisse und Gefühle hatte wie derjenige, dem man das Mitgefühl entgegenbringt.“ (Jesper Juul)

Wenn es Eltern immer wieder gelingt, sich in die Gefühle ihres Kindes einzulassen und diese anzuerkennen ohne zu „vertrösten“, sich lächerlich zu machen, zu belehren, zu bevormunden oder zu werten, dann ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine stabile Eltern-Kind-Beziehung gelungen, die es dem Jugendlichen in seiner weiteren Entwicklung ermöglichen wird, ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen aufzubauen bzw. weiter zu entwickeln.

3.     Ehrliches Interesse ohne Wenn und Aber

Jugendliche brauchen Eltern, die ein wirkliches Interesse daran haben herauszufinden, wer ihr Kind eigentlich ist. D.h. Eltern sollten sich darauf einlassen mit ihrem Kind Dialoge zu führen, die kein anderes Ziel haben als die Persönlichkeit, die Interessen, die Meinungen und die Gefühlswelt des Jugendlichen zu erkunden.

Wenn dieses Interesse von Eltern gegeben ist, dann werden Jugendliche nicht zu deren „Projekt“ gemacht (was z.B. die Themen Schule, Kleidung, Wertvorstellungen, das Image der Eltern betrifft), sondern es steht die Person im Mittelpunkt, die gerade im Begriff ist herauszufinden, wer sie eigentlich ist.

4.     Bedingungslose Liebe

Jugendliche brauchen zumindest einen oder zwei Menschen auf der Welt, die bereit sind es zu lieben und zu akzeptieren so wie es ist.

Aber wir Eltern sitzen oft mit dem „Rotstift“ da und schauen darauf, was an unserem Kind noch nicht richtig ist, was noch geändert gehört. Wenn es uns gelingt, den Fokus auf das zu richten, was wunderbar ist, erleichtern wir den Jugendlichen den Weg ihrer Selbstfindung.

5.     Authentische Eltern

Unter Authentizität versteht Jesper Juul die Fähigkeit, die Person zu sein, die man wirklich ist, damit man auch andere in ihrer Einmaligkeit wahrnehmen kann.

In der Erlangung dieser Eigenschaft sehe ich ein der großen Herausforderungen für Eltern in unserer Zeit: denn es ist wichtig, nicht eine Elternrolle zu spielen und das zu tun, was man glaubt, das von der „Gesellschaft“ erwartet wird, sondern wirklich „echt“ in seinen Reaktionen und Handlungen zu sein. Dafür ist es dringend notwendig, dass Eltern sich mit sich selbst auseinandersetzen.

BeziehungDie Schwierigkeit besteht aber darin, dass viele Erwachsene selbst in Familien aufwuchsen, wo Authentizität nicht gefragt war. Authentizität hatte keinen Platz in einer Gehorsamskultur, in der Erwachsene behauptet haben zu wissen, was ihre Kinder brauchen. Daher gibt es kaum Geeignetes, auf das Erwachsene zurückgreifen können. Somit ist es nun auch für Eltern an der Zeit, herauszufinden, wer sie wirklich sind.

Wenn Eltern „echt“ in ihren Handlungen und Reaktionen sind, dann ist das nicht nur für sie selbst gesünder, sondern gleichzeitig stellen sie auch hervorragende Rollenmodelle für ihre Kinder dar.

„Wir werden als Originale geboren und sterben als Kopie“, sagte der Philosoph Max Stirner. „Bei Authentizität geht es darum, zur eigenen Kraft zu stehen und zu kommen. Zur eigenen Kraft kommen wir, wenn wir zu dem Menschen werden dürfen, der wir wirklich sind. Das bedeutet, dass wir versuchen, die eigene Persönlichkeit jeden Tag aufs Neue zu vertreten und die unserer Kinder mit aller Liebe und Wohlwollen zu entdecken und zu akzeptieren.“ (Jesper Juul)

Die Punkte 6 – 10 folgen im neuen Jahr.

Ich wünsche euch an dieser Stelle wundervolle Rest-Weihnachten mit euren Lieben. Vielleicht bieten die Feiertage manche Gelegenheit mit euren Jugendlichen in den Dialog zu treten. Ich möchte euch einladen, die Verantwortung für eure Familien-atmosphäre zu übernehmen, denn dafür sind NUR wir Erwachsene verantwortlich, was schon alleine aufgrund des Altersunterschiedes klar sein sollte, und GENIEßt eure Kinder. Schaut liebevoll auf das, was sie gut machen. Schaut genauso liebevoll auf euch als Eltern, was IHR gut macht. Kinder und Jugendliche brauchen keine perfekten Eltern. „Good enough is the new perfect.“ (Jesper Juul)

In diesem Sinne bedanke ich mich für eure zahlreichen, sehr wertschätzenden Rückmeldungen und freue mich auf ein Wiederlesen im neuen Jahr.

Eure Ines

inesberger.at 

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