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Humor in der Schule – ein Plädoyer für mehr Leichtigkeit

„Alles, was wir unseren Kindern beibringen, muss sich von dem unterscheiden, was Maschinen können” – das ist eine wichtige Botschaft für unsere Zukunft.

Schule und Humor. Klingt das nicht ein wenig wie Nordpolarmeer & Badeurlaub, Kirchenchor & Heavy Metal oder Heidi Klum & Empathie? Irgendwie widersprüchlich, fast unmöglich. “Nein!”, sagt der Lehrer und Autor Gerald Ehegartner. Hier sein Plädoyer für mehr Humor in der Schule.

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Wir kennen sie alle noch – so manch gestrenge Unterart der Spezies Lehrer. Alles an ihrem Leben scheint fein säuberlich, wohl geordnet, korrekt und fehlerlos.

Dort, wo ihr Blick hinfällt, zieht sich spontan das Leben zurück. Sie sind angetreten, das Leben zu zähmen, das sich in einer quicklebendigen Schülergruppe vor kurzem noch zeigte.

Doch eines sucht man vergeblich: Sinn für Humor in der Schule

Als Old Man Coyote in meinem Buch „Kopfsprung ins Herz – Als Old Man Coyote das Schulsystem sprengte“ eine imaginäre Aufnahmeprüfung für Lehramtsstudent*innen (im Wohnzimmer der Hauptperson Noah) nachstellt, da verlangt er zuallererst eine Lachprobe von den angehenden Student*innen.

neuer-humor-in-der-schuleDie alte, versteinerte Beamtenwelt und das neue, neoliberale Kompetenzuniversum  – sie waren wohl angetreten, um dem Humor in der Schule den Garaus zu machen. Ob Beamten-Granit oder Kompetenz-Asphalt – beide Anonymitäten sind kein Freund der bunten Blumenwiese…

Und dann schaukelte ich mit einem Kollegen während des letzten Schul-Schikurses am Sessellift Richtung Berggipfel – und er meinte plötzlich zu mir:

„Mindestens einmal während der Unterrichtsstunde sollen meine Schüler lachen können.“
Ich musste ihm begeistert zustimmen, während ich daran dachte, dass das Leben zum Glück nicht aufzuhalten ist.

Ist es nicht die Freude, die uns aus dem Überleben in den Schöpfermodus katapultiert?

Und ist der Humor, das Lachen vielleicht die Revolution an der Schule –  jener elementare Aspekt, den wir übersehen hatten, als wir, in ernste Sorgenfalten gelegt, über der Idee der perfekten Schule brüteten?

Ist DAS vielleicht der Neubeginn mit den Schüler*innen – der viel beschworene Aufbruch in eine bessere Zukunft?

Hatten wir vielleicht genau diesen Punkt in der ernsthaften Debatte über eine bessere Schulwelt übersehen? Ist der Humor jene Fähigkeit, die uns den Kopfsprung ins Herz auch mitten in der Schule gelingen lässt? Können wir dann noch unter-richten, oder beginnen wir nicht eher aufzurichten?

Viele  von uns sind ja überzeugt, Ernsthaftigkeit sei gleichbedeutend mit Aufrichtigkeit, Effektivität und Reife. Tatsächlich aber hat das wenig miteinander zu tun.

humor-in-der-schule-lachenGerade im Lachen, in der Verspieltheit und im Humor steckt eine Qualität, die uns zu echten Menschen macht. Nur intelligente und komplexe Lebewesen spielen.

Und es braucht echte Intelligenz, um die Welt mit dem Blick des Humors wahrnehmen zu können. Genau diese Qualitäten öffnen das Herz und machen uns lebendig. „Alles, was wir unseren Kindern beibringen, muss sich von dem unterscheiden, was Maschinen können” – fordert Jack Ma, der Gründer des Internetgiganten Alibaba und ehemaliger Lehrer.

 Lachen, Humor, Verspieltheit, Fantasie – diese Qualitäten machen uns lebendig und unterscheiden uns von Maschinen.

Der geniale William Blake meinte sogar, dass uns erst diese Qualitäten zu echten Christen machen würden – und nicht das brave und kompetente Befolgen von Vorschriften  und Programmen, von anderen entworfen.

Ein echter Meister ist doch meist er– und keine programmierte, seelenlose Kompetenzmaschine.

Also, verwandeln wir die Ernsthaftigkeit wieder in Humor, das Marschieren wieder in einen Tanz, die Kompetenzraster in Freiräume, die Humanwissenschaften in Humorwissenschaften, Kälte wieder in seelenvolle Wärme, Ressourcenausbeutung in Potentialentfaltung und kompetent-brave Menschen wieder in Christen à la William Blake. Verlassen wir doch das rostige Schiff der jammernden Opfer, ewig geankert im sicheren Hafen der schlechten Kneipen – und besteigen wir das Schiff des Lebens.

Wir brauchen Sauerstoff, frische Luft zum Atmen.

humor-in-der-schule-frustNicht die verstaubte Beamtenwelt und die noch lebensfeindlichere, schädliche Fabrikshallenluft jener Fabriken, die Kompetenzen definieren und produzieren, nach denen Roboter-Menschen sich orientieren.

Steigen wir raus aus dieser Bevormundung – rein in die verrückte Welt des freien Geistes.

Und plötzlich wird man nicht mehr wissen, wohin der lebendige Geist uns führt – aber das Leben wird ein Fest des Lachens, des Humors und Tanzes.

Kinder lieben es zu lachen. Sie lieben Lehrer, die mit ihnen auch Spaß haben können und Sinn für Humor in der Schule zeigen. Nicht umsonst empfiehlt Shakespeare den Humor als eines der besten Kleidungsstücke in Gesellschaft zu tragen.

Gerade der Humor öffnet lange verschlossene Türen, ansonsten kaum zu öffnende Herzen und Hirne. Er bringt verkrustetes, starres Leben wieder in Bewegung.

Lassen wir uns vom Humor auch impfen gegen so manche Widrigkeiten der Schulwelt.
„Ich habe eine Sechsfach-Impfung hinter mir: Der Wirkstoff hilft gegen Kompetenz, Bildungsstandards, Portfolio, Evaluierung, Professionalisierung und Hochbegabung“, erklärt in „Kopfsprung ins Herz …“ ein Kollege der Hauptperson Noah.

Der Mentor und Heilige Narr Coyote mahnt sogar ein:

„Ich warne euch! Vergesst nicht auf den Humor.

Lacht, weil alles so absurd ist. Wenn ihr über die

Absurdität und Paradoxie des Lebens lacht, dann

wird euch das noch den Arsch retten, um mal

Klartext zu reden.“

Am Ende des Buches findet sich noch ein Aufruf an alle, die den „heiligen Medizinbeutel des Humors“ bei sich tragen:

„Heilige Narren, Clowns, Trickster dieser Welt – vereinigt euch! Der Zustand dieser Welt ist viel zu ernst!“

Also: Rein ins das beste Kleidungsstück, das wir tragen können – und raus in die Welt!

Gerald.

 

Zum Autor:
Gerald Ehegartner ist Lehrer, Autor, Natur- und Wildnispädagoge und Visionssucheleiter.
Sein Buch „Kopfsprung ins Herz – Als Old Man Coyote das Schulsystem sprengte“ begeistert seit seinem Erscheinen viele Leser*innen und zählt zu den Bestsellern auf Amazon.
Gerald Ehegartners Leidenschaft ist die Begleitung von Kindern und Jugendlichen beim Entwickeln ihrer Potenziale. Er gründete mit einer Kollegin das erste Naturpädagogik-Wahlpflichtfach Österreichs – „Abenteuer Natur“ – und wurde dafür mit dem „Teacher´s award“ ausgezeichnet.
Er ist Mitglied der „Lernwelt“ sowie der „Akademie für Potenzialentfaltung“ von Prof. Gerald Hüther.
Gerald Ehegartner war auch Teilnehmer des Online-Kurses „Schreibglück“.

http://www.lernwelt.at/leitung/team/index.html

 

Hier findest du seinen Artikel über die Herzensbildung in Schulen


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Wie du Beziehungen in Schule & Alltag gelingend gestaltest

 

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