Kategorien Anzeigen

Erfolg Body Arbeit Beziehungen Deine Welt Glück Seele Podcasts humantrust @Redaktion

abwesende-väter

Abwesende Väter und die Auswirkung auf ihre Töchter

Ich weiß nicht, wie es dir mit dem Thema „abwesende Väter“ geht, doch ich kenne keine einzige Frau und Klientin, die mit diesem Thema keine Berührung hat. Ganz im Gegenteil. Viele Frauen in meinem Umfeld und unter meinen Klientinnen haben unter einem abwesenden Vater gelitten. Diese besondere Beziehung zwischen Vätern und Töchtern möchte ich im aktuellen Artikel beleuchten. Zudem ist es auch meine eigene Geschichte.

Abwesende Väter und ihr Erbe

Das Erbe der abwesenden Väter ist so alt wie das Patriarchat selbst. Man schätzt den Beginn der patriarchalen Gesellschaftsform auf einen Zeitraum zwischen 4000 – 5000 Jahre zurück. Schamanen und mittlerweile auch Historiker sprechen von der Zeit davor als ein „Goldenes Zeitalter“, in dem es keine Kriege gab und in dem Frauen und Männer friedlich zusammen gelebt haben.

Es soll keine Beziehungsformen wie heute gegeben haben, denn es gab keine Ehen, und dennoch wurden die heranwachsenden Kinder in Gemeinschaften gut versorgt sowie zusammen aufgezogen. Eine Sprache gab es kaum, sondern es wurde auf einer feinstofflichen Ebene miteinander über die Augen, Mimik, Gestik und Körpersprache kommuniziert. All das, was unserer heutigen modernen Kultur fehlt, weil Sprache, Verstand, Denken und sogenannte Logik für wichtiger erachtet werden als der Körper mit seiner eigenen Weisheit. Mutter Erde war eine treibende Kraft im Leben der Menschen, ob für Frauen oder für Männer. Geburten waren ein großes Wunder und wurden als heilig angesehen. Sexualität wurde frei und offen gelebt. Frauen und Männer haben sich friedlich ihren sexuellen Sinnesfreuden hingegeben.

abwesende-väter

Bevor das Patriarchat aufkam, wurde jede Geburt als Wunder betrachtet und die weibliche Natur geehrt

 

Dies hörte mit dem Beginn des Patriarchats auf.  Die weibliche Natur wurde zurück gedrängt und dem männlichen Prinzip unterworfen. Damit wurde das Männliche zum dominanten Gesellschaftsmodell und setzte sich selbst an die Spitze der Evolution. Machtstreben und das Entwerten alles Weiblichen mit Gefühlen, Ritualen sowie der Sexualität nahmen Überhand. Männer waren nun damit beschäftigt, Kriege zu führen, Länder zu erobern und ihr eigenes Territorium zu verteidigen. Später bauten sie Fabriken auf, arbeiteten von früh bis spät, um die Familie zu ernähren und um sich ein äußeres Ansehen zu verdienen. Dieses neue Prinzip wurde von den Vätern an die Söhne weitergegeben. Damit auch alle verbundenen Traumata. Doch was ist mit den Töchtern?

Die Ambivalenz in der Beziehung zwischen Vater und Tochter

Vor allem die Abwesenheit von Vätern, erst in Kriegszeiten, aber später auch durch das viele Arbeiten, erlaubte es vielen Kindern – und an dieser Stelle Töchtern – nicht, eine liebevolle Beziehung zu ihren Vätern aufzubauen. Viele Frauen berichten von Vätern, die entweder nicht da waren oder in ihrer emotionalen Aufmerksamkeit nicht präsent waren.

Ich möchte an dieser Stelle Wert darauf legen, dass es nicht um die Schuldfrage geht. Denn jeder von uns ist Teil einer patriarchalen Kultur, die Gewalt, Missbrauch und Traumata in vielerlei Dimensionen hervorgebracht hat. Wir wissen mittlerweile, dass Kriegstraumata bis in die 7. Generation zurückverfolgt werden können und weiter in uns wirken. Um das Thema der ambivalenten Beziehung zwischen Vätern und Töchtern zu verstehen, dürfen wir uns einfach nur diese Zusammenhänge vor Augen führen.

Leistungsdruck und Mitgefühl

Wenn wir uns die heutige Zeit anschauen, ist der Wert der Leistung für die Männer und damit auch Väter vordergründig. Viele Männer versuchen, mit der schnellen Welt mitzuhalten, leugnen so mitunter ihre Sensibilität und betäuben ihre Gefühle mit Suchtmitteln wie Alkohol, Tabak, Pornografie oder Fernsehen. Wenn sie bei der Familie sind, sind viele so erschöpft, dass sie in den Schlaf fallen und am nächsten Morgen weitermachen. Ohne Pause. Ohne Innezuhalten und ohne adäquat für ihre Kinder da zu sein. Viele Väter hassen sich mittlerweile selbst dafür, dass es ihnen so wenig möglich ist, für ihre Kinder da zu sein. Leistungsdruck, Stress und das Geld für die Familie zu verdienen sind die Faktoren dafür, dass viele Männer bzw. Väter abwesend sind. Körperlich, aber auch psychisch-emotional.

abwesende-väter

Zu erschöpft, um sich dem Kind zu widmen. Auch den Vätern macht dieser Zustand schwer zu schaffen.

 

Ich möchte an dieser Stelle mein Mitgefühl für jeden Mann und Vater aussprechen, denn ich empfinde viele Männer heutzutage als unzufrieden, getrieben und gehetzt, um noch mithalten zu können. Burnout-Erfahrungen und andere psychische Krankheiten nehmen auch und vor allem bei Männern zu. Nicht ohne Grund. Zum Glück kenne ich auch viele Männer, die durch solche Grenzerfahrungen den Weg zu ihrer inneren Stimme und ihrem Herzen wiedergefunden haben.

Die Rückkehr zur Weiblichkeit als Schlüssel

Die Entfremdung von seinen Kindern hat für den Mann auch etwas mit der Entfremdung von der eigenen Weiblichkeit zu tun. Jeder Mensch hat eine weibliche und eine männliche Seite. Carl Gustav Jung hat sie als die Archetypen Anima (Weiblichkeit) und Animus (Männlichkeit) beschrieben. Die Frau entwickelt häufig aufgrund der Sozialisation mehr die Anima, der Mann mehr den Animus in sich. Es fehlt jedoch jeweils der andere Pol in einer gesunden Integration. Männer unterdrücken ihre weibliche Natur, weil sie so erzogen werden, und schneiden sich somit von der Quelle ihrer Intuition ab. Folgerichtig haben sie zum weiblichen Geschlecht damit eine ambivalente Beziehung, die zwischen Attraktion und Bedrohung hin und her schwankt.

Somit ist der Weg zu einer gesunden Beziehung zu ihren Töchtern oft blockiert. Weil sie ihren eigenen Zugang zur Weiblichkeit verloren haben oder nicht gesund entwickelten. Wenn ein kleines unschuldiges Mädchen auf sie zukommt, sind viele Männer erst einmal überfordert und werden mit der eigenen Anima konfrontiert. An dieser Stelle entscheidet sich, wie ein Mann es schafft, den eigenen Bezug zu seiner weiblichen Natur zuzulassen und sich zu positionieren. Kann er sein Herz für dieses Wesen öffnen, das ihm spiegelt, welch zarte, weibliche Seite auch er in sich trägt?

abwesende-väter

Mit seiner schützenden Umarmung zeigt ein Vater auch ein Stück seiner weiblichen Seite

Was tun, wenn du dich als Frau angesprochen fühlst?

Viele Männer stehen bis heute in einer gespaltenen Beziehung zu ihren Töchtern. Dabei haben kleine Mädchen ihre Väter vergöttert, genauso wie es kleine Jungen mit ihren Müttern tun. Das sind wichtige Phasen in der Entwicklungspsychologie, in der Mädchen ihre Väter und Jungen ihre Mütter am liebsten heiraten würden. Ich möchte damit sagen, dass es sehr gesunde Entwicklungsverläufe sind, um die eigenen weiblichen oder männlichen Anteile zu integrieren. Doch nicht jeder Elternteil weiß darum und kann an solchen Stellen durch entsprechende Abwehrreaktionen eine tiefe Verunsicherung bei den Kindern entstehen lassen.

Tipps im Umgang mit dem Thema der abwesenden Väter

Was können wir als Frauen tun, wenn wir einen abwesenden Vater hatten, der entweder physisch oder emotional nicht präsent war? Erst einmal sollten wir uns bewusst machen, dass wir kein Einzelfall sind. Denn erst jetzt bricht dieses alte Paradigma auf und gestattet es den neuen Generationen von Vätern, offen, liebevoll und wertschätzend mit ihren Töchtern umzugehen. Weil die eigene Weiblichkeit nicht mehr bekämpft oder geleugnet wird.

Als Frau darfst du hinschauen und dir bewusstmachen, dass dein Vater einer Generation angehört hat, die immer stark und angepasst sein musste. Ohne Anklage und ohne Verurteilung. Einfach nur im Hinschauen und Fühlen. Was hat die Abwesenheit oder Abwehrreaktion mit dir gemacht? Bitte fühle alle deine Gefühle dazu, trauere nach und mache dir deine daraus resultierten Glaubenssätze zu deinen Mann-Beziehungen bewusst. Vielleicht lauten diese:

  • „Ich habe einen zuverlässigen Partner an meiner Seite nicht verdient“
  • „Nie ist mein Partner da, wenn ich ihn wirklich brauche“ oder
  • „Meine Liebe wird nicht gesehen.“
abwesende-väter

Erlaube dir, genau hinzuschauen: Was hat die Abwesenheit deines Vaters in dir bewirkt?

 

Suche dir, wenn es nötig ist, eine gute Unterstützung, um dir die Beziehung zu deinem (abwesenden) Vater anzuschauen, aufzuarbeiten und nachzutrauern, aber auch deiner Wut bzw. deinem (heiligen) Zorn darüber Raum zu geben. So ist es möglich, loszulassen und neue Glaubenssätze zu entwickeln, die den alten entgegenwirken und dir neue Beziehungen zu Männern ermöglichen. Denke daran, dass alles, was du tust, nicht nur deiner Heilung dient, sondern auch zur kollektiven Heilung beiträgt.

Wenn du nicht weiterkommen solltest und ich dich in einer Begleitung auf deinem Weg unterstützen darf, freue ich mich über deine Kontaktaufnahme.

Literatur, die ich dir zu diesem Thema empfehlen möchte:

  • „Und sie erkannten sich“ von Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm
  • „Die Wiedergeburt des Goldenen Zeitalters“ von Marion Ritz-Valentin

In Verbundenheit,
deine Lidia

 

Über die Verfasserin:

Lidia Schladt ist Logotherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Integraler Coach, Retreat-Leiterin und Emotionshebamme der Praxis „Sinn und Werte“ in Bremen.

Homepage: www.lidia-schladt.de

Facebook: https://www.facebook.com/Lidia.Schladt/

Weitere berührende Artikel von Lidia – insbesondere zum Thema neue Weiblichkeit – findest du in ihrem Autorenprofil.

Dieser Artikel gefällt dir! 77 Personen gefällt das

Wie hilfreich fandest du den Artikel?1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 Bewertungen: 4,50 von 5)

Diskussion

fan

Die Beliebtesten Artikel