Kategorien Anzeigen

Erfolg Body Arbeit Beziehungen Deine Welt Glück Seele Podcasts humantrust @Redaktion

titel-alle-jahre-wieder

Alle Jahre wieder… Wie du an Weihnachten deinen Partner stressfrei neu entdeckst

Alle Jahre wieder kommt das gerade für Paare und Familien so gefürchtete Fest: Weihnachten. Meistens verbunden mit einer Verschnaufpause zwischen den Jahren, auch Urlaub genannt. Die beste Zeit also, um sich gehörig auf den Wecker zu gehen – no way out, weil der Weg ins Büro verschlossen ist. Keine Türchen mehr offen, durch das man einem vielleicht stressigen Paarleben (ent)schlüpfen könnte.

Vertrackte Situation, für die es aber vielleicht auch andere Wege gibt. In der Psychologie kennt man das Als-ob-Handeln, einfach mal so tun, wie wenn etwas schon wahr oder zumindest anders wäre. Und wenn du Spannungen in deiner Partnerschaft hast, dann könntest du ja auch mal schauen, wie sich das anfühlt, wenn ihr beide so tut, wie wenn diese nicht da wären.

Ist er denn jetzt wahnsinnig geworden?

Mag sich der Leser fragen. Ich kann doch nicht einfach so tun, als wäre alles ok? Doch – einfach mal ausprobieren. Der von mir geschätzte Psychoanalytiker Paul Watzlawick hat ein schönes Buch geschrieben, über „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“. Geht leider neben seinem Beststeller „Anleitung zum Unglücklichsein“ etwas unter.

Will heißen, wir konstruieren uns die Wirklichkeit so, wie wir sie sehen wollen. Im Positiven wie im Negativen. Das nennt man Projektion.

Und wie kann das gehen?

Nehmen wir doch mal an, dass wir täglich munter projizieren. Also unsere Erwartungen auf unseren Partner übertragen, anstatt ihn so zu nehmen, wie er ist. Vor allem die unausgesprochenen Erwartungen.

Was passiert, wenn wir uns dieser Projektionen bewusst sind? Und so tun, als wären sie nicht da, weil wir uns selbst etwas disziplinieren und eher an der gelebten Realität orientieren? Wie würden wir denn dann unseren Partner sehen? Und er uns? Das kann auch ein lustiges Spiel zu zweit werden

Zeitstrahl mit dem Partner bauen

Ich gebe mal eine kleine Spielanleitung dazu, die natürlich munter abgewandelt werden kann, so dass es in den jeweiligen Kontext passt:

Nimm ein Seil, circa 1,5 bis 2 Meter lang und leg es vor dir auf den Boden. Dein Partner macht dasselbe. Und nun nimm nette Kärtchen oder sonstige Dinge, die du gerade an der Hand hast und markiere mal die Highlights eurer Beziehung:

  • Kennenlernen
  • Zusammenziehen
  • Eventuell das erste Kind
  • usw.

Lege diese Gegenstände und / oder Kärtchen neben das Seil hin, so entsteht ein Zeitstrahl deiner Beziehung, vom Anfang bis zum heutigen Tag.

Schau bei jeder Markierung, wie es dir damals gegangen ist? Hast du die Schritte freiwillig gemacht, die du gegangen bist? Wurdest du überrumpelt? Hast du sie deinem Partner zuliebe gemacht, obwohl du selbst gerne etwas anderes getan hättest? Ging es zu schnell, zu langsam, gerade richtig? Welche Gedanken sind dir dabei durch den Kopf gegangen? Welche Empfindungen und Gefühle haben sich dabei eingestellt?

Und vielleicht teilst du alles, was dir durch an den einzelnen Punkten den Kopf gegangen ist, mit deinem Partner. Worüber hast du gesprochen, was wurde verschwiegen und an welchen Punkten hattest du welche Erwartungen und Gefühle? Oder – vielleicht fühlst du dich erst einmal sicherer, wenn du diese Reise nur für dich machst, ohne gleich deinem Partner etwas mitzuteilen. Damit du deine innere Landkarte nochmals komplettierst.

Und jetzt komm bitte nicht, wie letztens in einer Paarsitzung, mit dem Satz „Ich hatte keine Erwartungen“. Doch, die hattest du – wir sind alle mit Erwartungen und Projektionen unterwegs, weil wir Menschen die Lebewesen sind, die aus der Vergangenheit lernen, das Gelernte auf die Zukunft projizieren und dabei oft die Gegenwart vergessen. Ich glaube mittlerweile, dass wir nicht nicht projizieren können.

Hab Verständnis für dich und deinen Partner

alle jahre wieder annerkennungDas ist die nächste Stufe. Anerkennen was war und ist. Verständnis im Sinne von „Ich erkenne an“ entwickeln – für deine Situation und für die deines Partners. Und vielleicht schafft ihr es, dem anderen ganz neugierig zuzuhören – wie ein Anthropologe, der einen fremden Stamm erforscht, ohne einzugreifen, zu kommentieren, zu lamentieren.

Nur zu hören, was der Partner sagt, wie er sich gefühlt hat, was ihm durch den Kopf gegangen ist. Ausreden lassen. Nur wahrnehmen. Keine Kommentare, keine Schuldvorwürfe oder Berichtigungen.

Das wahrnehmen, was der andere erlebt hat auf der gemeinsamen Lebensschnur seit dem Kennenlernen. Aus meiner Erfahrung heraus kann das ganz schön still machen. Und staunend, auch nach vielen gemeinsamen Jahren. Und wohltuend erfrischend sein, den anderen vielleicht jenseits der normalen Kreisläufe der Beziehung wahrzunehmen.

Wir tun uns alle schwer, aus unserer Haut rauszukommen. Das gilt für deinen Partner, als auch für dich. Und selbstverständlich nehme ich mich da nicht raus, meine Frau kann ein Lied davon singen. Und trotzdem neugierig zu sein, ohne zu interpretieren: Wie hat er das empfunden, was hat ihn um- und angetrieben und wie ging es ihm?

Und danach: Nehmt euch einfach die Zeit, das alles auf euch wirken zu lassen. Ihr habt euch gerade eine besondere Weihnachtsgeschichte vorgelesen: Die Geschichte eurer Beziehung aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen heraus.

Bleibt still. Nicht alles muss sofort hinterfragt, kommentiert und dialogisiert werden. Respektiert, dass es dem anderen so und so ging. So wie euch auch. Habt Verständnis für euch beide. Das ist dann beginnende Nächstenliebe – Verständnis für sich haben und für den anderen.

Zeit der Stille, Zeit der Liebe

Weihnachten ist die Zeit der Stille und der Liebe. Was ist, wenn ich mich daran halte? Und vielleicht noch einen Turbo zur oben beschriebenen

alle jahre wieder

Forschungsreise: Was passiert, wenn ihr euch während der stillen Tage mit bewegtem Herzen begegnet. Und wenn ich „bewegtes Herz“ schreibe, dann meine ich ganz pragmatisch, dass ich versuche, meine Lungenflügel beim Atmen etwas mehr zu füllen, als ich das normal mache. Und durch die Füllung auch die Organe darunter etwas mehr bewege.

Und gleichzeitig den Kontakt zum DU halte, über die Augen, über kleine Berührungen, über das Fasten meiner sonstigen Gewohnheiten: Vielleicht etwas weniger in Smartphone und Tablet kucken, etwas TV- Fasten und etwas mehr bei mir und beim anderen sein.

Und ganz gespannt darauf sein, ob ich an mir eine Veränderung feststelle. Wie geht es mir mit mir? Was plappert mein Hirn dazwischen? Wie geht es mir mit meinen Informationen und denen, die ich von meinem Partner erfahren habe? Entdecke ich etwas Neues in mir, bei meinem Partner?

Still bleiben, durchatmen und bei mir bleiben. Und aus dieser Position auf meinen Partner schauen.  

So kannst du an den stillen Tagen deine Partner und dich neu entdecken. Alle Jahre wieder 😉

Schöne Weihnachten und eine gute Zeit!

Volker Hepp

www.volkerhepp.com

+++

Hier findest du alle Artikel von unserem Paar- und Beziehungsexperten Volker Hepp

+++

Wie geht es dir   an den Feiertagen mit deinem*r Partner*in?  Hast du gute Tipps, wie man ohne Stress mit seinen Liebsten durch die Zeit kommt? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

 

Mehr glückliche Partnerschaft gewünscht…? 

Warum unsere Partnerschaft meistens nie an der Partnerschaft scheitert

 

Gefällt mir 329 Personen gefällt das

Wie hilfreich fandest du den Artikel?1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

Diskussion

fan