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Die Mutterwunde heilen – Über die besondere Beziehung zwischen Mutter und Tochter

Wenn du eine Frau bist, hast du dich sicher schon einmal mit der Beziehung zwischen Mutter und Tochter näher auseinandergesetzt. Ob auf eine gute Art und Weise, weil du deiner Mutter dankbar bist. Oder weil deine Mutter kein Vorbild für dich war, so wie in meinem Fall. Über dieses besondere gleichgeschlechtliche Band möchte ich heute schreiben und dir meine Sicht auf das Thema anbieten.

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, wie ich sie erlebt habe

Die meisten Frauen in meinem Umfeld berichten von einer schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter. Ich bin Jahrgang 1979 und habe eine Mutter, die zur sogenannten Nachkriegsgeneration gehört. Dieser Generation ist eigen, dass sie aus einem Mangel heraus agierte und so ihr Leben gestaltete. Es war oft zu wenig da – Nahrungsmittel oder Kleidung, ganz zu schweigen von materiellen Luxusgütern. Materielle Dinge waren Mangelware und so lag der Fokus stark auf dem Aspekt der Nahrungsbeschaffung. Meine Mutter hat mich wunderbar materiell versorgt, auch wenn sie unsicher war, da ihr niemand das Mutter-Sein beibrachte. Was in dieser Generation allerdings zu kurz kam, war die geistig-spirituelle, emotionale Seite. An dieser Stelle bin ich fast verhungert. Und ich mache meiner Mutter keinen Vorwurf darin, denn sie wusste es nicht besser. Es ging viel mehr um das Überleben und das Versorgen, als um Spiritualität oder Emotionalität. Vor allem in einem sozialistisch geprägten Staatengefüge wie der Sowjetunion, in der ich bis zu meinem achten Lebensjahr lebte. 1988 siedelten wir als Russland-Deutsche nach Deutschland über und hatten die Hoffnung, dass sich von dann an „alles“ ändern würde. Dies war leider nicht der Fall.

Verrat und Mutterwunde

Spätestens, als ich anfing, mich zu einer Frau zu entwickeln, wurde ich durch meine Mutter verraten bzw. im Stich gelassen. Vor dem Einsetzen meiner Periode hörte ich von ihr, dass ein Tag kommen würde, an dem „etwas Schreckliches“ passieren würde. Was es war, sagte sie mir allerdings nicht. Genauso wenig, dass ich keine Angst haben sollte. Ich hatte demnach entsetzliche Angst davor, dass etwas Schlimmes mit mir passieren würde. Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir die „Erbsünde“ von Frau zu Frau übergeben wurde. Ich bekam meine Periode und ab dann schien ich ein Stigma mit mir herumzutragen.

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Weder Aufklärung noch ein liebevolles Zusprechen konnte meine Mutter mir geben. Wie denn auch, wenn sie das selbst nicht erfahren hatte? Diese Mutterwunde ist seit der damaligen Zeit entstanden und begleitet mich bis heute noch. Sie wurde immer wieder aufgerissen. Ob durch Konkurrenzverhalten mir als junger Frau gegenüber oder als fehlendes Vorbild für eine Mutterfigur, die ICH ganz persönlich gebraucht hätte. Um mich z.B. als Frau in dieser Welt sicher, beschützt und geliebt zu fühlen.

Ambivalente Beziehung zur Mutter

Von dieser ambivalenten Beziehung zu ihrer Mutter berichten mir viele Frauen aus meiner Generation. Aber auch von Misshandlungen körperlicher und seelischer Art. Weil die Mütter ihre Emotionen nicht anders ausdrücken konnten, als sie an ihre Töchter weiterzugeben. Ich bin jedes Mal erschüttert, zu hören, wie vielen Töchtern es genauso erging wie mir. Da sich zudem viele Konzepte aus spirituellen Kreisen darum drehen, die eigene Mutter als Ahnin lieben und ehren zu “sollen”.

Wie habe ich mich mit dem Thema Mutterwunde auseinandergesetzt? Eine sehr große Heilung habe ich durch eine „alte, weise Frau“ erfahren, die ich in der Zeit meines Studiums in Bremen kennenlernte. Sie half mir dabei, die schmerzende Mutterwunde zu heilen und zu schließen. Denn sie war ein Teil meines Tribes, meines Stamms. Eine Gleichgesinnte, die mich emotional und geistig-spirituell nachnährte. Ein wahres Vorbild als Frau, als Mutter und auch als Großmutter. Dabei lagen 50 Jahre Altersunterschied zwischen uns. Mittlerweile ist sie verstorben, doch sie lebt in meinem Herzen weiter. Sie zeigte mir, was wahres Frau-Sein und weibliche Integrität bedeuten. Ich empfand sie als Wahl-Mutter und Mentorin auf meinem Weg. Sie hörte mir zu und liebte mich bedingungslos. All das, was ich durch meine leibliche Mutter nicht erlebte. Ich bin dieser alten, weisen Frau unendlich dankbar dafür, dass sie in mein Leben trat. Durch sie durfte ich erfahren, was eine Mutter als Vorbild für mich persönlich bedeutet. Das ist für mich pure Gnade und ein Riesengeschenk gewesen.

Die Mutterwunde heilen

beziehung-zwischen-mutter-und-tochterWie kannst du deine Mutterwunde heilen, wenn dich dieses Thema betrifft? Eine Mutterwunde kann auch durch abwesende Mütter entstanden sein. Eine Mutter, die uns weggegeben hat oder die verstorben ist. Das, was uns am meisten schmerzt, ist ein Groll und Vorwurf gegen unsere Mutter. Du tust nicht ihr, sondern in erster Linie dir selber weh damit.

An dieser Stelle taucht oft das Konzept der Versöhnung bzw. Vergebung auf. Wie geht es dir damit, wenn du das hörst? In mir regt sich sofort ein schlechtes Gewissen und auch ein Widerstand dagegen. Zu Recht. Denn warum soll ich mich versöhnen und meiner Mutter vergeben wollen, wenn es für mich nicht stimmt? Wirf mal alle Konzepte über Bord und spüre in dich hinein. Was ist stimmig für dich? Das heißt nicht, dass du weiterhin mit Groll im Bauch auf deine Mutter durch die Welt laufen musst. Doch sei sehr ehrlich zu dir. Weder ich schulde meine Mutter etwas, noch schuldet sie mir irgendetwas. Es steht nirgendwo geschrieben, dass wir einander etwas schulden. Und selbst, wenn es so wäre, dürfen wir das hinterfragen. Macht das Sinn für dich?

Dankbarkeit

Mein Verständnis von Versöhnung ist nichts, was wir „machen“ können, sondern was uns loslässt, sobald wir Dankbarkeit praktizieren. Öffne deine Mutterwunde behutsam und schreibe alles auf, was mit deiner Mutter schmerzhaft war. Schreibe aber auch auf die andere Seite oder ein anderes Blatt auf, welche Geschenke du durch sie erfahren hast. Was hat sie dir an Gaben mit auf den Weg gegeben? Sei gnadenlos ehrlich mit den Licht- und den Schattenseiten deiner Mutter. Ehrlichkeit befreit. Du gehst nicht den Umweg über das Konzept des Verzeihens, sondern du legst ALLES auf den Tisch. Und vielleicht findet Vergebung absichtslos von alleine statt, sobald du ehrlich mit dir bist. Nimm dir so viel Zeit dafür, wie du brauchst, und dann warte ab, was sich in dir dazu verändert. Vielleicht nimmst du deine Mutter neu und in einem anderen Licht wahr. Vielleicht auch nicht. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Alleine dein eigener Weg der Auseinandersetzung ist wahrhaftig und stimmig.

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Foto: Maika von Wolfframsdorff

Wenn du alleine nicht weiterkommst und ich dich auf deinem Weg in einer Begleitung unterstützen darf, freue ich mich über deine Kontaktaufnahme.

 

In Verbundenheit und Schwesternschaft,

Deine Lidia

 

Über Lidia:

Lidia Schladt ist Logotherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Integraler Coach, Retreat-Leiterin und Emotionshebamme von „Sinn und Werte“ in Bremen.

Homepage: www.lidia-schladt.de

Facebook: https://www.facebook.com/Lidia.Schladt/

 

Weitere heilsame und tief berührende Artikel von Lidia findest du in ihrem Autorenprofil!

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