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Burnout – mein großes Erwachen

Vor genau 10 Jahren brach alles zusammen. Ich brach zusammen. Ich hatte einen Burnout – genauso, wie viele Menschen heutzutage, die aufgrund der zahlreichen Anforderungen dieser neuen, schnelllebigen Welt zusammenbrechen. Die von den vielen Reizen, von dem rasant wachsenden Tempo der Technologien, von den unnatürlichen Arbeitsbedingungen in einem Großraumbüro, dem starken Leistungsdruck und vielen anderen Menschen um sich herum überfordert sind. Die Zahlen der psychischen Erkrankungen nehmen weiter zu und immer häufiger wird die Diagnose Burnout zusammen mit weiteren Symptomen gestellt.

Wie sich der Burnout zeigt

Burnout ist mittlerweile eine Art geflügelter Begriff geworden. Man hört ihn überall und weiß doch nicht so recht, was sich dahinter verbirgt. Bis man dieses Burnout-Syndrom – so heißt es in der internationalen Klassifikation der psychischen Störungen im ICD-10, Kapitel V – selbst erlebt.

Das Burnout-Syndrom ist nur eine Zusatzdiagnose, keine eigenständige psychische Erkrankung und wird auch Erschöpfungsdepression genannt. Doch anders als bei einer klassischen Depression, sind die Betroffenen eines Burnouts nicht niedergeschlagen oder depressiv, sondern häufig unruhig und aufgekratzt. Sie haben einen starken Adrenalin-Ausstoß und kommen kaum zur Ruhe. Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Libido-Verlust, Migräne, Panik, Ängste und Selbstmordgedanken können weitere Symptome sein. Partnerschaftskrisen, Trennungen, familiäre Schwierigkeiten treten sehr häufig im gleichen Zeitraum auf, da sie im Vorfeld des Burnout-Syndroms ignoriert wurden.

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Beziehungsfrust, Partnerschaftskrisen und Trennungen treten oft Hand in Hand mit dem Burnout auf

Mein Burnout – das große Erwachen beginnt

Nach 10 Jahren einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Burnout, bin ich „meinem Burnout“ sehr dankbar. Wie kann man für eine Erschöpfungsdepression dankbar sein, fragst du dich sicher. „Mein Burnout“ – und jeder Burnout sieht anders aus – war ein Warnschuss meines Körpers, ein gefühltes Stopp-Schild und eine deutliche Grenze, nicht mehr so weiterzumachen, wie ich es bisher tat.

Damals war ich in der Schifffahrt im Personalbereich tätig. Ich kam frisch aus der Uni und wollte die Welt verändern und am besten auch retten. So, wie es wahrscheinlich viele Uni-Absolventen empfinden. Voller Idealismus und Werten im Gepäck dachte ich, dass ich die Seeleute auf den Schiffen einer Reederei, menschlich und monetär unterstützen könnte. Damit die Seemänner ihren Familien in den Heimatländern (auf den Philippinen, in Osteuropa und Skandinavien) gute Einkommen ermöglichen, da sie bereits so viele Entbehrungen an Bord der Schiffe erlebten. Leider habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn der Geschäftsführung der Reederei war es ziemlich egal, wie es den Seeleuten auf den Schiffen geht. Sie sollten einfach funktionieren und der Reederei im Sinne der Gewinnmaximierung zur Verfügung stehen. Ich legte mich mit Vorgesetzten und Chefs an, kämpfte für das Personal an See und brannte immer mehr aus. 

Der Weg rein in die Erschöpfung

Eines Morgens, nachdem ich mal wieder ein nächtliches Telefonat mit einem Kapitän in Übersee geführt hatte, der inhaftiert worden war, konnte ich nicht mehr aufstehen. Mein Körper bremste mich komplett aus. Es ging nichts mehr. Mein inneres Kind schrie umso stärker, so dass ich es plötzlich hören MUSSTE. Vorher schrie es auch, doch ich konnte es nicht hören, weil ich zu sehr mit Kämpfen beschäftigt war. Ich ließ mich krankschreiben, als ich mich mit dem letzten bisschen Kraft zum Arzt schleppte.

Ab dann begann mein Weg raus aus der Erschöpfung und hin zur Heilung. Mein Burnout war im Nachhinein betrachtet das Beste, das mir hätte passieren können. Denn die meisten, die einen Burnout erleben, entwickeln keine anderen schwerwiegenden chronischen Krankheiten oder Störungsbilder. Sie pflegen sich zudem immer noch wie vorher, achten auf ihr Äußeres und man sieht ihnen – Fluch und Segen zugleich – nicht an, dass sie Schiffbruch (in meinem Fall wortwörtlich!) erlitten haben.

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Vielen Betroffenen sieht man oft lange nicht an, dass sie innerlich schon längst Schiffbruch erlitten haben

 

Heute weiß ich, dass ich nicht meine eigenen Werte lebte, sondern für meine Familie „funktioniert“ habe, die als Migranten (Russland-Deutsche) ein besseres Leben für ihre Kinder in Deutschland gewählt und gewollt haben. Doch dass ich einen anderen Weg und ein anderes Wesen habe, das Fähigkeiten hat, die nicht in die Schifffahrt einer freien Wirtschaft passen, habe ich damals noch nicht gewusst.

Der Weg raus aus der Erschöpfung

Meine Körperweisheit und mein inneres Kind haben mir durch den Burnout als deutliche Grenze aufgezeigt, dass ich den Weg zurück zu meiner Herzensstimme und Intuition finden musste. Ja, musste. Sonst hätte ich so weitergemacht, wie vorher und es wäre Schlimmeres passiert. So durfte ich lernen, wieder auf meine innere Stimme zu hören und mein inneres Kind ernst zu nehmen.

Ich machte zahlreiche Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung, las viele spirituelle Bücher und schloss meine Ausbildung zur Logotherapeutin ab. Ich machte innere Imaginationsreisen und Meditationen, nahm mir viel Zeit für mich und die Heilung, ließ mich von Freunden und meinem damaligen Partner halten, unterstützen und ermutigen. Bis ich merkte, dass ich für etwas anderes bestimmt war, als den „geraden Weg“ eines Angestelltenverhältnisses zu gehen. Ich kündigte meine feste Stelle, ohne Aussicht auf eine neue zu haben und kümmerte mich endlich um mich. Ich machte den Heilpraktiker für Psychotherapie und eröffnete nach 10 Monaten Heilungsweg meine eigene Praxis. Ein Kaltstart.

Neue Perspektiven zum Burnout-Syndrom

Heute darf ich andere Menschen in ihren Erschöpfungsprozessen begleiten und ihnen Wege aufzeigen, um ihre Heilung nach einem Burnout zu beginnen. Jeder Weg sieht anders aus. Doch es gibt Gemeinsamkeiten. Denn für mich ist ein Burnout keine reine Zusatzdiagnose mehr, sondern der Weg des großen Erwachens. Es ist der Heilungsversuch des Körpers, zu einem Umdenken und einer Umkehr zurück zur eigenen Essenz, Herzensstimme und Intuition zu kehren.

Natürlich gibt es Menschen, die diesen Ruf überhören und in einen weiteren Burnout oder Schlimmeres schlittern. Doch meine Erfahrung war die, dass ich in der Heilungszeit sehr viel über meine körperlichen und psychischen Grenzen lernte. Sodass ich üben durfte, immer mehr auf sie zu hören, meine innere Stimme wahrzunehmen und ihr entsprechend zu handeln. Ich spürte meine Weiblichkeit des Yins (weibliches intuitives Prinzip) wieder, da ich vorher sehr stark im Yang (männliches lineares Prinzip) funktionierte. Ohne zu spüren oder zu wissen, dass dies nicht meiner Natur entsprach. Heute lebe ich eine gute Balance zwischen Yin und Yang, dem weiblichen und dem männlichen Prinzip in mir. Sodass ich meinen Alltag in der Selbständigkeit entsprechend gestalte und damit auf meine gesunden Grenzen achte. Wie viele meiner Klientinnen es auch neu erlernt haben, auf ihre innere Stimme zu hören.

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Ein Burnout kann einen lehren, seine eigenen Grenzen besser zu achten und zu verteidigen

Was kannst du tun, wenn du akut einen Burnout hast?

Du darfst alle Emotionen fühlen und dir bitte eine gute Unterstützung für den Heilungsprozess suchen. Es gibt zahlreiche Heilpraktiker, Heilpraktiker für Psychotherapie, Coaches und Trainer, die selbst bereits einen Burnout meisterten und ihn als einen wertvollen Erwachensprozess verstanden haben. Freunde, Familie und Partner können in der Unterstützung ggf. an ihre Grenzen kommen und so ist es ratsam, sich neutrale Personen zu suchen, um sich unterstützen zu lassen.

Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst, um dich zu erholen und zu heilen. Das kann sehr individuell sein. Man sagt, man braucht ungefähr so lange raus aus dem Burnout, wie man sich hineinbegeben hat. Doch auch das kann individuell unterschiedlich aussehen.

Finde heraus, was deine Passionen, deine Werte, deine Begabungen sind, die dir eigen sind und die nur du hast. Kleiner Tipp: Das sind die Fähigkeiten, die sich so natürlich anfühlen und dir so leicht fallen, dass du sie als selbstverständlich ansiehst. Vielleicht kannst du diese Fähigkeiten weiter fördern, vertiefen und sie in einem Hobby oder neuem Berufszweig verwirklichen. Setzt dich bitte nicht unter Druck, denn den hattest du schon genug. Sondern gehe in deinem Tempo und in deiner Selbstfürsorge deinen Heilungsweg weiter.

Suche dir gute Vorbilder, die einen Burnout hatten und die diesen erfolgreich gemeistert haben, um ihren eigenen Weg zu gehen. Heilungsgeschichten anderer Menschen ermutigen uns, auf unserem Weg der Heilung weiterzugehen und wie ein Phoenix aus der Asche neu geboren zu werden.

Wenn du allein nicht weiterkommst und ich dich auf deinem Weg unterstützen darf, freue ich mich über deine Kontaktaufnahme.

In Verbundenheit

Deine Lidia

 

Über Lidia:

Lidia Schladt ist Logotherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Integraler Coach, Retreat-Leiterin und Emotionshebamme von „Sinn und Werte“ in Bremen.

Homepage: www.lidia-schladt.de

Facebook: https://www.facebook.com/Lidia.Schladt/

 

Du möchtest mehr von Lidia lesen? Alle ihre Artikel findest du unter ihrem Autorenprofil.

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