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Das große Ding mit dem Vater & die wahre Route 66

Gastbeitrag  von Sebastian Feicht

Lieber Freund,

du bist ins Krankenhaus eingeliefert worden, Verdacht auf Herzinfarkt. Ganze 43 Jahre bist du. Per Chat schriebst du mir: „Melde mich, wenn es mir besser geht.“ Dann Funkstille.

Dieses Spiel, es geht schon länger: Mann feiert mit dir, palavert über Projekte, das große Geld und natürlich Frauen. Und klar macht das tierisch Spaß! Aber wie es dir wirklich geht? „Du, ich bin nah am Burnout“ sagtest du im vergangenen Herbst, „letzte Woche Freitag bin ich auf dem Sofa eingenickt und erst 28 Stunden später wieder aufgewacht.“ Dann kommt meistens ein Witz von dir, Brust raus und wieder rauf auf das Gas. Weiter brettern mit High Speed auf dem Highway.

Alter! Du kämpfst dich kaputt. Das ist nicht die Route 66, die in deine Freiheit führt. Das ist ein beschissenes Hamsterrad in einem alten und viel zu kleinen Käfig.

Es tut weh, das zu sehen.

Das große Ding mit dem Vater

Dein Vater wollte unbedingt, das du seine Praxis übernimmst. Du wolltest das nicht. Du folgtest unbeirrbar deinem Herzen, wurdest bildender Künstler aus tiefer Leidenschaft. Davor hab ich großen Respekt und das lieb ich an dir: dein unbeugsamer Wille. Nichts kann dich davon abhalten, deiner inneren Vision zu folgen. Das ist so stark. Chapeau, Mann.

Aber noch bist du nicht frei von dieser Geschichte. Du ringst um die Anerkennung deines Vaters wie ein Süchtiger nach Drogen. Trampelst dabei auf dir rum. Der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen ist nix dagegen. Wie soll deine Kunst so wirklich erblühen?

Das riesengroße Vaterthema, ich kenn das nur zu gut von mir selbst. Das ist wirklich leinwandsprengend episch: Vater weiß, was für Sohn richtig ist und will, dass Sohn seinen Vorstellungen entsprechend lebt. Er weiß ja schließlich, was gut für ihn ist. Was er ihm damit antut, weiß Vater aber nicht. Udo Jürgens konnte ein Lied davon singen. Oder auch ein beliebtes Thema: Vater will nicht, dass Sohn erfolgreicher wird, als er selbst. Michael Douglas kann davon gleich mehrere Opern singen und das im Falsett.

Und so mancher Sohn ringt sich sein Leben lang blutig. Auch das kenn ich noch gut von mir. Für nur einen anerkennenden Blick des Vaters: „Sohn, jetzt seh ich dich. Was bist du schön!“ Doch erringen können wir diesen Blick auch mit unserem blutigem Schweiß nicht. Im Gegenteil.

Offen sprechen darüber und Gefühle zeigen, miteinander oder mit dem eigenen Vater? Schwer, weil Mann Recht haben muss und die Dinge immer im Griff. Nur nicht die Kontrolle aufgeben. Dicke Stahlmauern formt so das uralte Männerparadigma und isoliert unsere Herzen. Die patriachalische Pose muss stimmen, das äußere Bild. Sonst galt Mann nix.

So erstarren manche Männer lieber in steinerner Denkmalspose und malochen, bis das Herz aussetzt. Reißen Chauvi-Witze über Frauen und verzehren sich doch sehnsüchtig nach ihrer Liebe. Zeigen, dass Mann sich auch mal klein fühlt, ohnmächtig gar oder schwach? Dann lieber cooles, einsames Singledasein und der kesse Sprücheklopfer bleiben. Und vielleicht mal ein kurzer, schneller Fick, der einem nur nicht zu nah kommt.

Die wahre Route 66

Lieber Freund, ich bin bei dir! Ich kann dein Leid auf meine Weise nachvollziehen. Du hast mein offenes Herz. Und ich nehm deine Geschichte zum Anlaß, selbst jetzt auch noch mehr Offenheit zu wagen. Nicht nur mit Frauen – da geht das mich-Öffnen schon lange sehr gut – auch unter uns Männern mehr über mich zu reden. Auch über meine Unsicherheiten, Schatten. Auch Schwäche zu zeigen. Insgesamt mehr Transparenz wagen. Und vor allem tiefer in den Gefühlstopf greifen. Und wirklich, wirklich bunt damit zu malen. Quasi die „Villa Männerbunt beziehen ;-). Ich werd das auch üben mit dir, wenn wir demnächst wieder ein Bier zusammen köpfen oder nen Gemüsesaft.

Still und leise darf so die Starre des alten Rollenbildes brechen, das viele Männer noch so schwer drückt. Mehr Luft kommt dann zu uns rein und Regen. Sonnenlicht. Und auch der wahre Duft der Frau, der uns ganz, ganz tief berühren darf. Dann kann auch dein Herz wieder atmen und gesunden. Und das Schrittchen für Schritt. Und dabei immer weiter, mutig nach vorne.

Das atmende Herz eines wahren Mannes. Das überwindet wirklich jedes Hindernis. Das schmelzt jeden Widerstand. Dann fahren wir laut lachend und still lächelnd auf unserer eigenen „Route 66“ dem Sonnenuntergang entgegen. Bereit für jedes Abenteuer spüren wir im Herzen, wo uns der Wind des Lebens hintragen will. Starkweiche Helden sind nun für uns, die Frauen und unsere Kinder.

Wirklich gesehen und anerkannt werden wir dabei in unserer ganzen würdevollen Größe und Schönheit. Und zwar von den wichtigsten Menschen, die es für uns gibt: von uns selbst.

Das ist Freiheit.

Prost!

Dein

Sebastian

 

Sebastian hat noch einige Filmempfehlungen zum Thema:

  • Wall Street, USA, 1987
  • After Earth, USA, 2013
  • Um Himmels Willen, Dänemark 2001

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