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Das Trauma der unterdrückten Wut heilen

Viele Menschen, vor allem die mit einem frühen Trauma haben oft das Gefühl, wie auf einem Vulkan zu sitzen. Sie fühlen eine tiefe Wut in sich, die sie als Kind nie zeigen durften und auch heute noch – meist aus Angst vor Beziehungsverlust – unterdrücken. Die Wut ist eine enorme Kraft. Sie wird dem Element des Feuers zugeordnet. Wird sie unterdrückt oder mit einem anderen Gefühl (wie z.B. der Trauer) ersetzt, zeigt sie ihren Ausdruck in einer verzerrten Form: Entweder auf selbstzerstörerische Weise oder

  • in der unterdrückten Form als Depression oder
  • in der explosiven Form als Aggression.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

 

Umfeld und Erziehung: Der innere Kritiker

Wenn bestimmte Gefühle nicht gefühlt oder gelebt werden dürfen, entwickelt das Kind Persönlichkeitsanteile, die gelernt haben, in irgendeiner Form damit umzugehen. Wie diese Persönlichkeitsanteile sich dann verhalten, hängt wiederum mit der Prägung und dem Umfeld zusammen, indem das Kind aufgewachsen ist. Der innere Kritiker ist ein solcher Persönlichkeitsanteil. Er entwickelt sich meist schon früh in der Kindheit, in einem Umfeld wo

  • es mehr um “Rechthaben anstatt Liebhaben” ging.
  • hoher Leistungs- und Absolutheitsanspruch („Ich habe Recht“) herrschte,
  • ein strenges “Vorbild” herrschte und
  • sich die Wut bereits in seinem verzerrten Ausdruck bei Eltern oder Erziehungspersonen zeigte.

 

Trauma: Selbstkritik und Schuldgefühle

Menschen mit einem inneren Kritiker kritisieren sich häufig selbst, bevor sie von anderen kritisiert werden. Starke Selbstkritik ist eine Form des Selbstschutzes des kindlichen Selbst. Sie kann innerlich “zerfleischen“ und ist oft mit Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen gekoppelt. Selbstkritik kann aufkommende Wut unterdrücken. Alles was unterdrückt wird, wird irgendwann zum Schatten. Wenn Kinder z.B. in einem sehr rigiden und unterdrückenden Elternhaus und Umgebung aufwachsen, rutschen sie in ihrer Entwicklung automatisch auf die Schattenseite der Wut. Sie entwickeln zum Schutz dann noch einen viel härteren Teil als den inneren Kritiker – ich nenne ihn in der extremen Form: „Den scharfen Richter“.

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Selbstkritik als Schutz – ein oft unbekannter Zusammenhang

 

Im Schatten der Wut: Der scharfe Richter

Wenn Wut auf den scharfen Richter trifft, wird er cholerisch und äußerst aggressiv. Die Wut bekommt dann ihren Schattenausdruck durch die Stimme des Richters. Er urteilt und richtet über andere, was am Ende jede Beziehung zerstört. Liebe, Fürsorge und Mitgefühl kennt der scharfe Richter nicht. Er ist von der Überzeugung besessen, dass er für etwas absolut Richtiges einstehe, und er die Aufgabe hat, etwas absolut Falschem den Garaus zu machen.

 

Menschen, die von einem wütenden, scharfen Richter bestimmt werden, können andere traumatisieren, wie das Video von Pink Floyd zeigt – wenn auch auf eine etwas heftige und überzogene Weise.

 

Es überzieht die Dinge jedoch, um auf ein traumatisierendes Schulsystem hinzuweisen. Es zeigt Mobbing, Schläge und Unterdrückung durch den Lehrer; der wiederum selber Opfer ist. Es weist letztendlich auf eine typische Opfer- und Täter-Spirale hin, die sich auch in der Schule zeigt.

 

 

Die Revolution, die Pink Floyd am Ende dieses Videos angedeutet hat, kennen Kinder jedoch nicht. Kinder können weder flüchten noch kämpfen – sie erstarren und sind dann traumatisiert.

 

Trauma: Verstörte Kinder und Erschöpfte Lehrer

Und wie sieht es heute in den Schulen aus? Der Rahmen hat sich zum Glück geändert – Kinder werden nicht mehr gezüchtigt oder geschlagen. Doch auch heute lernen Kinder in der Schule nicht für das Leben. Sie lernen nicht, wie sie mit Gefühlen und emotionalen Leid umgehen können. Oder auch was Freundschaft und Beziehungen bedeuten. Sie üben in der Schule nicht das Glücklichsein. Stattdessen nehmen psychische Probleme in den Schulen zu:

 

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Nicht nur Kinder leiden unter dem heutigen, unzeitgemäßen Schulsystem – auch Lehrer kämpfen mit den zunehmenden Belastungen

 

Jeder 3. Lehrer fühlt sich ausgebrannt. 20 % der Lehrer gehen in Vorruhestand wegen Burn-out oder Depression. Laut einer Forsa-Umfrage von 2016 zur “Zufriedenheit im Lehrerberuf” fühlen sich Lehrer von politischer Seite überfordert, missverstanden und alleingelassen. Sie stehen in einem ständigen Spannungsfeld zwischen persönlichen Ansprüchen, Zielen und Engagement und der schulischen Realität – nach Vorgaben des politischen Schul- und Bildungssystem. Die Berufsgruppe der Lehrer ist die am häufigsten anzutreffende Berufsgruppe in psychosomatischen Kliniken. Die psychosomatische Klinik Heiligenfeld in Bad Kissingen bietet mittlerweile ein spezielles Behandlungsangebot für Lehrer an.

 

Unterdrücktes kreatives Potential durch Trauma

Wenn Kinder keine Freude mehr am Lernen und Gestalten haben, stimmt etwas grundlegendes am Schulsystem nicht. Ich empfehle hier den Film „Alphabet – Angst oder Liebe“ von Erwin Wagenhofer anzusehen.

Kinder werden auch heute noch auf die Verwertbarkeit im Berufsleben „hintrainiert“. Ihr wahres Potential und ihre Begabungen bleiben dabei oft auf der Strecke.

Sich an ein Schulsystem anzupassen, kann bedeuten sein kreatives Potential wegzudrücken. Doch was passiert mit der Seele eines Kindes, wenn es seine Begabungen und sein kreatives Potential nicht entfalten kann? Was passiert mit einem Kind, das für seine Kreativität beschämt und lächerlich gemacht wird, wie es der Lehrer im Video von Pink Floyd tat?  Die Seele des Kindes wird krank oder wie es im Thomas Evangelium steht:

„Wenn Du hervorbringst, was in Dir ist, wird das, was Du hervorbringst, Dich retten. Wenn Du nicht hervorbringst, was in Dir ist, wird das, was in Dir ist, Dich zerstören.“

 

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Kreatives Potential will sich entfalten – andernfalls drohen Blockaden und Depressionen


Heilung vom alten Trauma

Damit ist nicht gemeint, zurück in die Vergangenheit zu gehen, um den ursprünglichen Schmerz nochmals zu erleben oder gründlich zu analysieren. Bleibe in der Gegenwart, wenn du ein altes Trauma heilst. Heilung auf kollektiver Ebene bedeutet auch nicht ein krankes System zu heilen. Es bedeutet sich selbst zu heilen und sich aus der Unterdrückung zu befreien. Es bedeutet Bewusstheit und Achtsamkeit zu säen und damit  begegnest du dann auch anderen auf ihren Heilungsweg. Die folgenden Schritte der Heilung kann ich nur rudimentär beschreiben. Ich empfehle sie zu Beginn aber auch in Begleitung mit einem guten Therapeuten zu machen, der mit Persönlichkeitsanteilen arbeitet. Die Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen und das wahre Selbst habe ich im Artikel „Die Weisheit von Rumi – umgesetzt für die Praxis“ beschrieben.


Wie kann eine Heilung nun aussehen?

  1. Das wahre Selbst stärken
    Mit einer annehmenden und freundlichen Haltung, die dem wahren Selbst entspricht, kannst du mit den verhärteten Teilen, die aus einem erstarrten Trauma hervorgehen, in Kontakt treten.
  2. Die Transformation des inneren Kritikers und Richters
    Innere Kritiker und Richter unterdrücken die Lebenskraft. Sie können jedoch nicht einfach „ausgelöscht“ werden. Sie beschützen seit langer Zeit ein verletztes Kind, und dafür brauchen sie erstmal deine Anerkennung. Danach können sie in die Stimme der Integrität transformiert werden. Sobald sie dem wahren Selbst vertrauen, tritt man mit ihnen in Dialog und überzeugt sie davon, dass es heute andere Möglichkeiten gibt, dem verletzten Kind zu helfen. Dann hören sie meist auf zu kämpfen, zu richten und zu urteilen. Sie treten beiseite und machen den Zugang zum verletzten Kind und zur Heilung alter Ohnmachtsgefühle frei.
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Innere Kritiker und Richter wünschen sich Anerkennung – erst danach können sie sich verabschieden

 

  1. Integration und Heilung des traumatisierten Kindes im Licht
    Für die Heilung von einem traumatisierten Teil, werde dir zunächst deines Lichtes bewusst. Du bist im Innersten wie eine strahlende Sonne und diese ist viel größer als der traumatisierte Teil in dir. Lass den verletzten Teil vor deinen Augen erscheinen – vielleicht siehst du ein Kind? Es kann aber auch ein anderes Wesen sein. Während du es mit ruhiger Aufmerksamkeit betrachtest, denke daran, dass dieses Wesen lange unterdrückt in der Dunkelheit gelebt hat. Lasse dein Licht wie einen Scheinwerfer drüber leuchten. Wenn du dabei mit schmerzhaften Emotionen konfrontiert wirst, habe Geduld und Mitgefühl mit dir. Manchmal dauert es eine Weile bis sich der Teil aus der Erstarrung löst und zu dir kommt. Doch indem du dich ihm immer wieder liebevoll zuwendest, fließt mit der Zeit seine Seelenenergie zu dir zurück.
  2. Die unterdrückte Wut aus ihrem Schattendasein befreien
    Nachdem du dich von Schuldgefühlen und Urteilen befreit hast. Nachdem du dein traumatisiertes Kind zu dir nach Hause geholt hast, kann auch die Wut wieder zurückkommen. Wenn sie zu explosiv zum Vorschein kommt, kann es vorübergehend auch mal hilfreich sein, auf ein Kissen einzuschlagen. Doch Wut sollte nicht blindlings ausagiert werden. Die Wut kann in Lebenskraft verwandelt werden. Wenn du sie wie eine Welle durch dich hindurchrollen lässt, wirst Du bemerken, sie hat einen natürlichen Höhepunkt und rollt dann wieder aus. Am Ende der Welle kommt ein Moment der Stille und du fühlst dich frei.

 

Wir brauchen eine gesunde Wut-Kraft, um aktiv und vital zu sein. Wir brauchen sie um Entscheidungen zu treffen und klare Grenzen zu setzen. Diese Grenzen wurden bei einem Trauma überschritten. Doch wenn die Wut befreit ist, und du den Weg zu deinem inneren Licht zurückgefunden hast, wird niemand mehr deine Grenzen überschreiten. Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel einige Impulse zur Heilung mitgeben. Schmerz und unterdrückte Wut kann tiefe Schatten erzeugen. Dennoch bist und bleibst du eine Sonne, die ihr Licht bis in die dunkelsten Ecken scheinen lassen kann.

Mit herzlichen Grüßen

Sylvia Römer

 

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Mehr zu Sylvias Arbeit erfährst du auf ihrer Homepage

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Hast du Lust auf mehr Artikel von Sylvia? Alle Beiträge findest du in ihrem Autorenprofil

 

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