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Neue Werte für die Wirtschaft: Gemeinwohl-Ökonomie

Gemeinwohl-Ökonomie Teil 2 –
Wie die Gemeinwohl-Bilanz neue unternehmerische Werte ins Zentrum rückt.

Voilà – hier hat unsere Gastautorin Stephanie Ristig-Bresser ein Video für euch aufgenommen. Den kompletten Stoff, den sie dir im Video erzählt, hat sie auch als Text aufbereitet. Wenn du ihn also lieber lesen möchtest, dann lies direkt unter dem Video weiter.

Eine Vorbemerkung habe ich noch zum Video und auch zum Artikel:
Bitte schau dir das Video an oder lese dir den Artikel durch, mit dem Grundverständnis, dass die Gemeinwohl-Ökonomie eines von vielen Konzepte eines alternativen Wirtschaftens, nicht das Rezept, sondern eine Möglichkeit ist. Eine Möglichkeit, ein Prozess, der sich immer weiter entwickeln darf. Wenn wir uns eine neue, eine andere Wirtschaft wünschen, sind wir alle eingeladen, sie anders zu machen.

Gemeinwohl-Ökonomie und Gemeinwohl-Bilanz in a nutshell: die zentralen Fakten voran:

Damit du den Stand der Dinge ein wenig besser einordnen kannst: Das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie, das ich dir hier präsentiere, ist fünf Jahre jung und wurde auf Basis des Buchs „Die Gemeinwohl-Ökonomie“ von Christian Felber, Mitbegründer von Attac Österreich, gemeinsam mit einigen Unternehmer*innen entwickelt. Die Grundidee der Gemeinwohl-Ökonomie ist es, parallel zum momentan einzig maßgeblichen Erfolgsindikator eines Unternehmens, dem Unternehmensgewinn, seine Gemeinwohl-Orientierung messbar zu machen.

Dazu haben einige Akteure der Gemeinwohl-Bewegung das Instrument der Gemeinwohl-Bilanz entwickelt. Mittlerweile zählt die Gemeinwohl-Ökonomie über 9.000 Unterstützer*innen, davon 2.000 Unternehmen. Hunderte von Unternehmen haben eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, 250 Unternehmen haben eine Gemeinwohl-Bilanz veröffentlicht – darunter sind so renommierte Unternehmen wie die Spardabank München eG, die Sonnentor Kräuterhandels GmbH oder auch der  Bergsportausstatter VAUDE. Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie hat mittlerweile in 40 Ländern Verbreitung gefunden. Es existieren ungefähr 100 GWÖ-Regionalgruppen (Energiefelder genannt), die die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie weiter verbreiten.

In den kommenden Absätzen erkläre ich dir die Grundidee der Gemeinwohl-Ökonomie und das Prinzip der Gemeinwohl-Bilanzierung. Um das möglichst anschaulich zu tun, habe ich zur Beschreibung der Gemeinwohl-Bilanz ein „Wimmelbild“ gewählt, in dem du all die Inhalte, die ich dir hier im Text skizziere, wiederfindest. Dieses „Wimmelbild“ ist Ende April 2016 bei einer Gemeinwohl-Ökonomie-Veranstaltung vom Künstler Joy Lohmann erstellt worden. Schau mal, hier ist es:

gemeinwohl_bild1

Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie in einem Wimmelbild“ – erstellt von Joy Lohmann – artlab.de

Hier siehst du einen Blickfang von Joy, als er gerade das Graphic Recording erstellt:

 Lohmann bei der Arbeit

Lohmann bei der Arbeit

Die Ausgangssituation: Geld, Gewinn und Wachstum als Maß aller Dinge.

Die maßgeblichen Indikatoren für ein erfolgreiches Unternehmen und eine erfolgreiche Volkswirtschaft sind in unserem heutigen Wirtschaftssystem rein monetärer Natur: Wenn ein Unternehmen schwarze Zahlen einfährt, wenn die Volkswirtschaft wächst, ist alles gut. In diesem Sinne erfolgreiche Unternehmen erhalten von Banken eher Kredite, erhalten Zuschüsse, haben in der Regel größere finanzielle Spielräume – und können weiter wachsen. Dabei ist es zunächst mal völlig egal, wie ein Unternehmen seine Gewinne erwirtschaftet, ob etwa das Unternehmensklima gut ist, wie das Unternehmen seine Lieferanten behandelt, ob das Unternehmen achtsam mit den Ressourcen unseres Planeten umgeht, ob das Unternehmen sich in seiner Stadt engagiert und Geld an wohltätige Zwecke spendet, etc. Zu welchen Ergebnissen, zu welchem Gesicht, unserer heutigen Weltwirtschaft das führt? Wachsende Ungleichheit, Konkurrenz, Leistungsdruck, Preiskämpfe, Verwendung der natürlichen Ressourcen, als wären sie unendlich verfügbar, Verlagerung von Produktion, um Produkte noch günstiger produzieren zu können und einige weitere Punkte

Von den Grenzen des Wachstums – und keinen Konsequenzen.

Spätestens seitdem der allererste mahnende Bericht des Club of Rome, die „Grenzen des Wachstums“, 1972 erschien, ist die Sensibilität dafür gestiegen, dass wir unsere Wirtschaft verändern müssen, wenn wir nicht einem Kollaps entgegensteuern wollen. Vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten haben sich Unternehmen zunehmend mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Der Geschäftszweig des Nachhaltigkeitsmanagement und der Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelte sich.

Volkswirtschaften haben erkannt, dass es anderer Indikatoren bedarf, um Wohlbefinden und Wohlstand einer Gesellschaft wieder zu spiegeln: So setzte der Deutsche Bundestag im Jahr 2010 die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität“ ein, um alternative Indikatoren zu entwickeln, wie der Wohlstand der Volkswirtschaft Deutschland erhoben werden könne. Die sog. W3-Indikatoren, die Wohlstand anders definieren, wurden entwickelt, noch werden sie nicht eingesetzt. Lediglich die Partei Bündnis 90 / DIE GRÜNEN veröffentlicht seit dem vergangenen Jahr einen Wohlstandsbericht, der alternativ zum jährlichen Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung auf weitere Wohlstandskennzahlen fokussiert.

Trotz dieser Entwicklung bleiben die Rahmenbedingungen nach wie vor erhalten: Maßgeblich für den Erfolg eines Unternehmens bleibt der Unternehmensgewinn, maßgeblich für den Erfolg einer Volkswirtschaft bleibt ihr Wachstum. Weitere Indikatoren, die im Rahmen eines Corporate-Social Responsibility-Managements gewonnen werden, bleiben unverbindliche Marginalia, die allenfalls als „weiche Faktoren“ in die Unternehmensbewertung einbezogen werden. Sie sind ganz schick, werden aber oftmals lediglich zu Marketingzwecken verwendet und nicht als wirkliche Instrumente, die Nachhaltigkeit eines Unternehmens zu steigern. Stichwort: Greenwashing; die Volkswagen AG führte bspw. jahrelang die Nachhaltigkeits-Rankings der Konzerne an. Nach dem Abgasskandal kann man diese Tatsache sicherlich ganz anders interpretieren.

Gemeinwohl statt nur Gewinnmaximierung: wie unsere Wirtschaft gemeint ist – ein Blick auf unsere Verfassungen.

Wie schafft nun die Gemeinwohl-Ökonomie „den Dreh“ weg von reinem Zahlenwerk hin zu den Werten, die für ein gutes Leben und ein gutes Wirtschaften wichtig sind? Sie lenkt mit der Gemeinwohl-Bilanz den Blick der Unternehmen wieder darauf hin, wozu ihre Tätigkeit ursprünglich gemeint war: dem Gemeinwohl zu dienen. Dies ist sogar unseren Verfassungen festgehalten; in Artikel 151 Absatz 1 der Verfassung des Freistaates Bayern etwa heißt es:

„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl,
insbesondere der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle
und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.“

Auch in Artikel 14 Absatz 2 des deutschen Grundgesetzes ist festgehalten: “Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Erstaunlich –  Hättest du es gewusst?

Die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie: Neue Werte für die Wirtschaft.

Wie erreicht die Gemeinwohl-Ökonomie jetzt, dass Organisationen darauf schauen, welche weiteren Werte sie schaffen? Um die oben skizzierte einseitige Fokussierung auf den monetären Unternehmensgewinn aufzuheben, schlägt die Gemeinwohl-Ökonomie vor, dass Organisationen neben ihrer Finanzbilanz eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen. Damit machen Unternehmen eine Bestandsaufnahme, wie solidarisch, gerecht, fair, nachhaltig und menschenwürdig ihre Organisation aufgestellt ist. Diese Ist-Analyse lädt zum Umbau des Unternehmens ein – viele Unternehmen nutzen die allererste Bilanz in der Tat als Beginn einer Organisationsentwicklung. Die zentralen demokratischen Grundwerte, die im Rahmen der Gemeinwohl-Bilanzierung betrachtet werden, sind:

  • Menschenwürde
  • Solidarität
  • Gerechtigkeit
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Mitbestimmung

Die zentralen Parameter der Gemeinwohl-Bilanz sind in Form einer Matrix mit insgesamt 17 Indikatoren zusammengefasst. Für den Prozess der Gemeinwohl-Bilanzierung steht Unternehmen u.a. ein umfassendes Handbuch zur Seite, das alle 17 Indikatoren ausführlich beschreibt und Leitfragen dazu formuliert. Die Gemeinwohl-Matrix und das zugehörige Handbuch wurden von erfahrenen Aktivist*innen der Gemeinwohl-Ökonomie, dem Redaktionsteam, in jahrelanger akribischer Arbeit entwickelt und werden fortwährend aktualisiert. Hier siehst du die Matrix mit ihren 17 Indikatoren im Überblick:

 Die Gemeinwohl-Matrix im Überblick

Die Gemeinwohl-Matrix im Überblick

Matrix und Handbuch stehen allen Unternehmen völlig kostenfrei zur Verfügung. Jede/r, die/der die Gemeinwohl-Ökonomie kennen lernen und (Elemente davon) in seine tägliche Unternehmenspraxis zu integrieren, ist herzlich eingeladen.

Viel Freude dabei – wir sehen uns lesen uns dann in einem Monat!
Mehr zur Gemeinwohl-Ökonomie

Die Autorin
Stephanie Ristig-Bresser ist als freiberufliche Publizistin, Moderatorin, Dozentin und „Format-Createurin“ im Themenbereich „Anders besser wirtschaften“ tätig. Sie engagiert sich in der Gemeinwohl-Bewegung und in der Transition-Bewegung und ist in beiden Bewegungen in den Entscheidungsgremien auf Bundesebene tätig. Für Rückfragen, Feedback und Anregungen kannst du sie gerne kontaktieren unter stephanie.ristig-bresser@gemeinwohl-oekonomie.org

Im ersten Artikel zur Serie haben wir bereits ausführlich darüber berichtet, wie eine faire Wirtschaft möglich sein könnte.

 

Wir freuen uns hier auf regen Austausch mit euren  gutgesinnten Meinungen

 

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