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Die Kriegsenkel und ihr seelisches Erbe

Warum wir alle heute noch ein seelisches Trauma aus der Vergangenheit haben. Fast alle direkten Nachkommen von Kriegsteilnehmern tragen ein seelisches Erbe mit sich. Allerdings nicht nur die Kinder von Soldaten und kriegstraumatieserten Eltern, sogar eine Generation weiter hat jetzt noch mit den seelischen Nachwirkungen des  2.ten Weltkrieges zu kämpfen. Wir möchten diesen Gastartikel von Manuela Thurisch veröffentlichen, weil wir glauben, dass dies ein wichtiger Impuls ist, die unglaublich weiten, emotionalen Auswirkungen von Krieg und Leid zu begreifen.

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„Geht´s wieder?“ Die sanfte Stimme des Therapeuten riss mich aus meiner Betäubung. Seine warme Hand legte sich auf meine. Tröstend. Beschützend. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich nun fühlst. Aber konzentriere dich bitte auf das Schlußbild, ja? Lass es nachwirken, so oft du kannst.“

Inzwischen war Ruhe eingekehrt – betroffene Stille – und jeder saß gedankenverloren auf seinem Platz.

„Die beiden Weltkriege haben so viel Leid über unsere Großeltern und Eltern gebracht – es wirkt immer noch nach, wie ihr spüren könnt… und nun ist es an uns zu lernen, mit dieser Vergangenheit umzugehen.“

Der Therapeut griff zu seiner Gitarre und einen Augenblick später erklang leise eine tröstliche Melodie in die wir uns dankbar einhüllten…

Bis zu diesem Tag, an dem ich diese Familienaufstellung machen ließ, hatte ich nicht geahnt, wie weitreichend, generationsübergreifend die Schrecken des Krieges in mir, in uns heute noch nachwirken. Dabei wollte ich lediglich herausfinden, warum ich mit Anfang 40 immer noch alleine durch´s Leben lief, obwohl ich mir eine Partnerschaft wünschte.

Nun hatte ich zwar einen Anhaltspunkt, nur fehlten mir die genauen Zusammenhänge.

kriegsenkelMeine Mutter konnte ich nicht mehr befragen, sie war ein Jahr zuvor gestorben. Und an meinen Vater wollte ich mich nicht wenden, weil ich Angst vor seiner Reaktion hatte, denn in unserer Familie wurde die Vergangenheit kaum bis gar nicht erwähnt.

Etwa 4 Jahre später bekam ich einen entscheidenden Tipp und ich besorgte mir sofort das Buch: „Die vergessene Generation“ von Sabine Bode.

Und mit jeder Zeile begannen sich Schleier zu lichten…

Generation Kriegskinder – Geboren zwischen 1930 und 1945

Ich las von Flucht, Vertreibung, Bombenangriffen, Hunger, Tod und Traumatas – mit all dem wurden unsere Eltern damals im Kindesalter konfrontiert.

Für unsere Generation, die wir den Krieg nur aus Schulbüchern kennen, schier unbegreiflich.

Von meiner Mutter (*1939) wusste ich, dass sie ihren Vater mit drei Jahren das letzte Mal sah – danach galt er als vermisst. Meine Oma kam nie darüber kriegsenkelhinweg, ihre große Liebe verloren zu haben. Bis kurz vor ihrem Tod hat sie noch nach ihm suchen lassen. Und meine Mutter hat den Verlust ebenso wenig verkraftet.

Mein Vater (*1933) verbrachte seine Kindheit im Riesengebirge (Schlesien). Er war knapp 13, als sie aus dem Elternhaus vertrieben, in Viehwaggons gepfercht und nach Niedersachsen verfrachtet wurden.

Zwei klassische Kriegs-Vergangenheiten.

Doch was hat das mit bzw. aus ihnen gemacht?

Nun, sie haben sehr viel geleistet, haben geschuftet, die Trümmer beseitigt, haben emsig ein neues Leben aufgebaut – sie (er-)lebten das Wirtschaftswunder.

Ihre geschundenen Kinderseelen hungerten nach Sicherheit. Nie wieder wollten sie Elend und Entbehrungen erleiden.

Wir – ihre Kinder – sollten es einmal besser haben.

Deswegen wurde gespart und gehortet, um uns zu ermöglichen, was ihnen verwehrt geblieben war – zumindest materiell gesehen.

Emotional haben sie sich allerdings verschlossen, haben Erlebtes verdrängt und wenn sie noch leben, halten sie vieles bis heute unter Verschluss.

Wie hast du deine Eltern erlebt?

Kamen sie dir auch immer so unnahbar vor?

Hast du auch oft geglaubt, sie würden dich nicht lieben, weil du ihre Liebe nicht spüren konntest?

Musstest du für sie da sein?

Ihnen bedingungslos gehorchen?

Konntest du auch nie mit ihnen über Dinge reden, die dich berührten?

Sind sie dir fremd geblieben?

Waren sie auch oft unangemessen misstrauisch und/oder überängstlich?

Seit ich das Buch gelesen habe, kann ich vieles nachvollziehen. Für mich war es ein Schlüssel, der mir die Türen zur verschütteten Welt meiner Eltern öffnete… und indem ich mich endlich dem Thema zuwendete, kam ich mir selbst um einiges näher.

GENERATION KRIEGSENKEL – GEBOREN ZWISCHEN 1960 UND 1975

Ich besorgte mir mehr Literatur, fing an, mit Freunden, über Kriegsenkel zu sprechen und bekam überraschend viel Resonanz. Auch besuchte ich eine Selbsthilfegruppe und je länger ich forschte, desto mehr erschloss sich mir das damalige Leben im 3. Reich.

Und ich entdeckte die Zusammenhänge zu meinen Gefühlen wie:

kriegsenkel–   Nähe-Distanz-Problem

–   inneres Getrieben sein

–   hohes Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit

–  das Gefühl, nirgendwo dazu zu gehören, heimatlos zu sein

–  das Gefühl, alles alleine stemmen zu müssen

–  Melancholie

–  Kinderlosigkeit

–  das Gefühl, es allen recht machen zu müssen

–  Einsamkeit

Mich hat diese Erkenntnis sehr traurig gemacht und gleichzeitig war ich dankbar, denn ich fühlte, dass sich daraus nun eine Chance ergab, meinem Leben eine neue Richtung zu geben.

Dabei helfen mir einige Therapiemethoden – die ich während meiner Heilpraktikerausbildung kennen gelernt habe – mich aus diesen alten emotionalen Verstrickungen zu lösen, zu vergeben und Frieden mit der Vergangenheit zu schließen.

Und trotz der vielen Verletzungen kann ich erkennen, welches Potenzial mir meine Eltern mitgegeben haben: meine Empathie, mein Organisationstalent, meinen Sinn für Humor, meine offene und ehrliche Art und meine Liebe zur Literatur und Musik.

WURZELN,  SIE WACHSEN

Übrigens habe ich meine Angst vor der Reaktion meines Vaters überwunden.

Das Buch hat mir vieles erleichtert. Weil ich weiß, dass mein Vater neugierig ist, habe ich es eines Tages mit zu ihm genommen und „wie zufällig“ darin gelesen. Es dauerte nicht lange und seine Aufmerksamkeit war geweckt.

Ganz beiläufig hat er darin geblättert und letztendlich hat er es sogar gelesen.

Ich hatte Glück.

Es hat das große Schweigen zwischen uns gebrochen.

Zuerst nur ganz langsam und zaghaft und schließlich brach der Damm.

Er erzählte mir von seiner Kindheit im Riesengebirge, von unserer Familie, von den Polen und den Russen, von der Vertreibung, den langen Tagen und Nächten eingepfercht im Güterzug, dem Auffanglager und dass sie an dem neuen Ort nicht willkommen waren, lediglich geduldet.

Und mit jeder Geschichte kam er mir und mit ihm unsere Familie näher – mir wuchsen Wurzeln.

Inzwischen legt sich diese innere Rastlosigkeit immer mehr und ich komme langsam zur Ruhe, fühle mich in mir geborgen und weiß endlich wohin ich gehöre.

Neulich meinte mein Vater übrigens: „Der Ossi (= sein Jugendfreund) hat sich schon wieder gemeldet. Wegen dem Schlesiertreffen. Ach, weißt du was, die alten Schlesier und ihr Heimatgedöns… das nervt langsam. Irgendwann muss man die Vergangenheit auch mal ruhen lassen.

Und außerdem ist Heimat dort, wo man sich wohl fühlt…“

Danke Papa…

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel Mut machen auch nach deinen Wurzeln zu suchen und Frieden zu finden.

 Manuela Thurisch

Heilpraktikerin,  Rosenheim

ela.maui@web.de

kriegsenkel-artikelManuela über sich: 

Also ich bin u.a. Heilprakikerin und mein Schwerpunkt liegt auf manuelle Techniken, vorzugsweise Lomi, die Massage aus Hawaii. Da habe ich schon verschiedene Techniken gelernt (zum Teil direkt von Hawaiianern) und da ich selbst inzwischen schon ein paar mal auf den Inseln war, kenne ich mich auch ein wenig mit der hawaiianischen Kultur aus. Das ist mein großes Steckenpferd und Hawaii liegt mir sehr am Herzen.

Ansonsten beschäftige ich mich immer wieder mit verschiedenen Themen, die mir immer wieder begegnen, wie z.B. Hochsensibilität, Kriegsenkel, Mobbing, Burn Out, aktuell Wechseljahre ;), neuer Lebensabschnitt…


 

 

 

 

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Der Einfluss unserer Ahnen

 

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