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“Double Awareness” ‒ Die Ambivalenz ausleben

In der letzten Woche besuchte ich mit meiner Schwester das NDR Klassik Open Air im Maschpark Hannovers. Für mich war unser gemeinsames Er-leben ein großes Geschenk, und ich fühlte mich sehr, sehr glücklich, gemeinsam mit ihr so wundervolle Erinnerungen generieren zu dürfen. Umso mehr, da ich am Abend zuvor einen Anruf meiner behandelnden Ärztin bekam, der mich in Unruhe versetzte. Seit meiner Krebsdiagnose im November 2017 brechen immer wieder Stürme, Brüche und Fragezeichen in mein Leben herein. Sicher habe ich mehr als einmal gen Himmel geschaut und um einen neuen Schutzengel gebeten, weil ich annahm, meiner sei mit den Nerven am Ende.

Aber an diesem Abend mit meiner geliebten Schwester wurde mir mein Doppelbewusstsein (Double Awareness) so friedlich gewahr: Ich konnte das Leben genießen und voller Freude die vielen Geschenke empfangen, die sich mir tagtäglich offenbarten und ich konnte vor Furcht nicht in den Schlaf kommen.

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Das bedeutet Ambivalenz:

„Sowohl-als-auch“ – beide gelten!

Vor meiner Diagnose habe ich die Ambivalenz stets eher als lästigen Begleiter empfunden, der zu Zerrissenheit und innerer Anspannung führt. Sie als Gast in mir willkommen zu heißen, war kaum vorstellbar. Jetzt empfinde ich sie als erworbene Fähigkeit im Reifeprozess meiner Diagnose. Sie zeigt sich so unverhüllt im Krankheitsgeschehen, dass ich sie nicht länger abwehren kann und will. Durch meine Krankheit lerne ich, gegensätzliche Erlebenszustände gleichzeitig er-tragen zu können.

Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag sagte einst über ihren Krebs:

„Ich hatte Anfälle reinster, elementarer Panik. Aber ich erlebte auch euphorische Momente von gewaltiger Intensität.“

Damit spricht sie mir aus dem Herzen. Gerade dieser Vielfalt des Fühlens Raum zu geben, kann sich sehr positiv auf die Bewältigung von Krankheit auswirken.

„Smile or die“ ­ ‒ ein widerlegtes Konzept

Rund um die Krebserkrankung bin ich mit allerlei kryptischen Grundannahmen und Regeln der Gedankenhygiene konfrontiert worden. All das befeuerte mein Leid und meine Furcht auf der Wegstrecke noch zusätzlich. So kommt es nicht selten vor, dass Menschen im Umfeld suggerieren, es käme nun nur auf die richtige Denkweise und Haltung an, die über mein Leben oder Sterben bestimmt. Scheinbar existiert vielerorts die Vorstellung, positives Denken alleine könne gesund machen. Mich haben diese Äußerungen zu Beginn meiner Erkrankung zusätzlich stark belastet. Wurde mir zuweilen doch der Eindruck vermittelt, ich brächte mein Tumorwachstum sofort in Schwung, wenn ich Traurigkeit, Wut und Bärbeißigkeit fühle. Ganz so, als könne jeder negative Gedanke mich noch kränker machen.

Mittlerweile weiß ich mich besser zu distanzieren von dieser Diktatur des positiven Denkens.

Ich freue mich über alle Möglichkeiten und Geschenke des Seins, bin mir aber auch bewusst, dass es nicht hilfreich ist, Widrigkeiten, die auf der Wegstrecke auf mich warten könnten, auszublenden. Ich fühle zuweilen Glanz und Gloria, kleistere meine dunklen Gedanken aber nicht damit zu.

Ambivalenz (lateinisch ambo „beide“ und valere „gelten“) ­ ‒ hoch sollst du leben!

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Hoch will ich leben ­ ‒ mit allen dazugehörigen Tiefen!

Jüngere Studien der New York University zeigen, dass wer nur positiv denkt, sogar schlechter gewappnet ist in herausfordernden Lebensumständen.

„Wer sich auf seine Fantasien einer rosigen Zukunft verlässt, der investiert zu wenig Anstrengungen, die auf dem Weg dorthin notwendig sind“, sagt die Verhaltensbiologin Gabriele Oettingen.

Natürlich gefallen auch mir Bilder einer rosigen Zukunft! Ich empfinde große Freude daran, nach Bildern, Ereignissen und Gründen zu fahnden (A reason big enough), die mich ans Leben binden und mich gleichermaßen entfesseln. Trotzdem hat mit dem Krebs der Tod als ständiger Begleiter Einzug gehalten in meinem Leben und Bewusstsein.

Double Awareness – Weil das Leben alle Farben hat

Und damit auch die Liebe. Ja, ich habe ein unbändiges Verlangen meine Liebe zu verströmen, als sei es mein letzter Tag. Ich verteile Botschaften, Liebesbeteuerungen und Geschenke. Und ich ordne mich und meine Angelegenheiten, als könne es mein letzter Tag sein. Und ich glaube nicht, dass ich dadurch meinen letzten Tag heraufbeschwöre. Vielmehr mache ich jeden einzelnen Tag in seiner zeitdichten Schotte genau dadurch zu einem intensiveren Tag. Eben weil das so ist, keimt in mir manchmal ein Wunsch auf. Dass wir uns alle auch ganz ohne Not und Krankheit, schon im prallen Leben dem Fragenkatalog der Würdetherapie (“Dignity Therapy”, Chochinov, 2005) stellen. Sie dient der Psychologie als Stärkung der Würde am Lebensende.

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Getreu des Mottos:

„Was Du am Ende Deines Lebens getan haben möchtest, das tue jetzt!“

Aus dem Fragenkatalog der o.g. „Dignity Therapy“ von Chochinov:

▶ Erzählen Sie mir ein wenig aus Ihrem Leben; besonders über die Ereignisse, an die Sie sich am meisten erinnern oder die am wichtigsten in Ihrem Leben waren. Was war Ihre beste Zeit?

▶ Gibt es bestimmte Dinge, die Sie Ihrer Familie über sich mitteilen wollen? Gibt es bestimmte Erinnerungen, die Sie mit Ihrer Familie teilen wollen?

▶ Was waren die wichtigsten Rollen, die Sie in Ihrem Leben eingenommen haben (familiär, beruflich, gesellschaftlich etc.)? Warum waren Ihnen diese Rollen wichtig und was haben Sie Ihrer Meinung nach darin erreicht?

▶ Was waren Ihre wichtigsten Taten, worauf sind Sie besonders stolz?

▶ Gibt es Dinge, von denen Sie merken, dass sie noch ausgesprochen werden wollen?

Oder auch Dinge, die Sie Ihren Angehörigen gerne noch einmal sagen möchten?

▶ Was sind Ihre Hoffnungen und Wünsche für Ihre Angehörigen?

▶ Was haben Sie über das Leben gelernt, was Sie gerne anderen weitergeben möchten? Welchen Rat oder welche Lebensweisheiten würden Sie gerne an Ihren … (Sohn, Tochter, Mann, Frau, Eltern etc.) weitergeben?

▶ Gibt es Worte / Botschaften oder vielleicht sogar dringende Empfehlungen, die Sie Ihren Angehörigen mitgeben möchten, um ihnen zu helfen, ihre Zukunft gut zu bewältigen?

▶ Gibt es andere Dinge, die Ihnen während dieses Gesprächs einfallen und die Thema sein sollten?

 

Verbunden grüßt euch,

wertvolle erfahrungen-beateeure Beate

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Website von Beate Kohlmeyer

 

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