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Willst du echte Bindung? Dein Weg zu authentischen Beziehungen

Echte Bindung scheint immer seltener zu werden, stattdessen erleben wir zunehmend, wie sich flüchtige Bekanntschaften, Kurzzeitaffären und schnell scheiternde Beziehungen in der Gesellschaft breit machen. Im heutigen Artikel möchte ich darauf eingehen, warum es gerade in unserer unsicheren und schnelllebigen Zeit so wichtig ist, sich selbst und seine Wünsche und Bedürfnisse zu kennen – und diese auch kommunizieren zu können. Um zu so etwas wie echten, lebendigen und authentischen Beziehungen zu gelangen.

Echte Bindung und unser Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit

Jeder von uns sehnt sich nach Liebe, menschlicher Wärme, Zugehörigkeit. Das seelische Grundbedürfnis nach Bindung begleitet uns von Geburt an. Ein Säugling braucht in den ersten Monaten nicht nur regelmäßig Schlaf und Nahrung, sondern vor allem auch Körperkontakt und das Gefühl der Geborgenheit. Es ist sogar so, dass Säuglinge ohne regelmäßigen Körperkontakt sterben können.

Erlebt das Kleinkind in seinem Grundbedürfnis nach Kontakt Vernachlässigung, Ablehnung oder gar Misshandlung seitens der Eltern, hat das gravierende Auswirkungen auf sein späteres Bindungs- und Beziehungsverhalten. Der Erwachsene ist dann in seiner Bindungsfähigkeit eingeschränkt und verunsichert. Die Forschung geht davon aus, dass 30 bis 40 Prozent der Menschen einen sogenannten „unsicheren Bindungsstil“ aufweisen. Dies bedeutet, dass diese Menschen enge / nahe Bindungen vermeiden bzw. immer wieder zerstören.  Oder sie legen ein anklammerndes, abhängiges Bindungsverhalten gegenüber ihren Partnern und anderen Menschen an den Tag. Ein Mensch mit einem unsicheren Bindungsstil traut sich nicht, das auszusprechen, was er wirklich will – oder er kennt noch nicht einmal seine Bedürfnisse.

Diese „Strategien“ dienen dazu, den alten Schmerz des Nicht-Geliebtwerdens nicht erneut fühlen zu müssen. Die Folgen solch einer traumatischen Bindungserfahrung sieht man übrigens gerade in ausgesprochen pathologischer Form in dem Kinofilm „Joker“. Ein vereinsamter, traumatisierter Mensch, der die Leute eigentlich unterhalten will, aber in einer empathielosen, verhärteten Gesellschaft immer weiter ins Abseits gedrängt wird – bis die aufgestaute Wut explodiert.

Alte Glaubenssätze und Angst vor Ablehnung

Woran liegt das? Es liegt daran, dass in dir eine alte Angst vor Ablehnung steckt. Eine Angst, die, wie so oft, in die Kindheitstage zurückreicht. Und diese Angst – oder Wurzel der mangelnden Verbindung mit dir selbst – schauen wir uns jetzt etwas genauer an.

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Schon in frühen Kindheitstagen legen wir uns Strategien zu, um Zurückweisung auszuhalten

 

Aufgrund der Erfahrungen von Zurückweisung und mangelnder Liebe hat sich irgendwann in deiner Kinderseele ein Glaubenssatz gebildet, der dir zumindest damals Halt gab. Der dir half, mit der Situation bzw. dem Liebesentzug umzugehen. Ihn zu ertragen. Du hast die Zurückweisung, die Nicht-Erfüllung deiner (Ur-)Bedürfnisse nach Wärme und Anerkennung auf dich bezogen:

Nicht Mama oder Papa haben sich falsch verhalten, sondern ich.“

Als Kind war dies damals die einzige Möglichkeit, um mit dieser Vernachlässigung seelisch und emotional umzugehen (in besonders gravierenden Fällen sogar, um zu überleben).

Auf die Angst folgen unterdrückte Bedürfnisse

In der Folge beginnst du, deine Bedürfnisse und Wünsche zu unterdrücken, weil du „gelernt“ hast, dass sie nicht wichtig sind. Oder, wenn du sie zeigst, dass du mit Ablehnung bestraft wirst. Daraus resultiert, dass du dich als Kind so an das gewünschte Verhalten der Eltern anpasst, bis du die ersehnte Aufmerksamkeit, Zuwendung und Nähe erhältst. Das ist das eigentlich tragische an der Eltern-Kind-Beziehung in diesem Entwicklungsstadium: Wir geben uns selbst die Schuld dafür!

Beispiele für solche negativen Glaubenssätze aus der Kindheit:

  • „Ich bin nichts wert“
  • „Ich bin nicht willkommen“
  • „Anderen falle ich ohnehin nur zur Last“
  • „Ich bin nicht liebenswert“
  • „Für deine (schlechte) Stimmung bin ich verantwortlich“
  • „Ich kann dir nicht vertrauen“

Deine ständigen Begleiter

Diese fiesen und meist unbewussten Sätze, die sich ständig in deinem Kopf wiederholen, haben dann massive Auswirkungen auf deine sozialen Beziehungen. Egal ob mit Freunden, Kollegen oder dem Partner.

Ein Beispiel: Du triffst dich jeden Dienstagabend mit Freunden zum Essen. Diesmal hast du richtig Lust auf Sushi. Doch du traust dich nicht, dieses Bedürfnis gegenüber deinen Freunden auszusprechen. Am Ende landet ihr wie immer beim Italiener um die Ecke. Beim Essen bleibt dir die Pizza Margherita fast im Halse stecken. Vor Wut und Selbstvorwürfen.

Kennst du so eine Situation?

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Statt für deine Bedürfnisse einzustehen, quälst du dich immer wieder mit Pizza – den Freunden zuliebe

Der Ausweg: Stärkung deines Erwachsenen-Ichs und Selbsterkenntnis

So banal es erst einmal klingt: Bereits die Erkenntnis wird dir helfen, dich von diesen Begleitern zu lösen. Vergegenwärtige dir immer wieder mithilfe deines rationalen Verstandes, dass du heute erwachsen bist und diese miesen Sätze und damit verbundenen Gefühle einfach nur ein Resultat von Kindheitsprägungen sind. Und dass sie nicht der Wahrheit entsprechen!

Um diesen „inneren Erwachsenen“ zu stärken, können wir durchaus mit logischen Argumenten arbeiten. Sie sind wie ein stützendes Korsett, in dem wir Sicherheit finden.

Hier ein paar Argumente, die dir dabei helfen, dein Erwachsenen-Ich zu stärken und von den alten Schuldgefühlen deines inneren Kindes wegzukommen:

  • Kein Kind kommt schlecht auf die Welt. Kinder können per se keine schlechten Menschen sein.
  • Kinder können nerven und anstrengend sein, aber das ändert nichts an ihrem Wert.
  • Wenn Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind, dann sollten sie sich Hilfe suchen. Kinder können nichts dafür.
  • Ein Kind hat ein (Geburts-) Recht darauf, dass seine seelischen und körperlichen Bedürfnisse erfüllt werden. Seine Eltern sind dafür verantwortlich.

Unterscheide zwischen Kind und Erwachsenem

Es geht auch darum, dass du einen kleinen Abstand zwischen dem rationalen Anteil in dir (= innerer Erwachsener) und deinem ängstlich-gefühlvollen Anteil (= inneres Kind) herstellst. Um rauszukommen aus der kompletten Identifikation mit deinem inneren-Kind-Anteil, der nur ein Teil deiner Persönlichkeit ist.

Ein Beispiel: Anstatt immer wieder den Satz „Ich habe Angst, abgelehnt, verlassen, verspottet usw. zu werden“ zu wiederholen, kannst du dir anzugewöhnen zu denken: „Das innere Kind in mir hat Angst, abgelehnt … zu werden.“

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Schau hin, wer da aus dir spricht: dein erwachsenes Ich oder dein inneres Kind?

 

Des Weiteren ist es sehr hilfreich, nicht weiter gegen ungewollte Anteile in dir anzukämpfen. Du hast Stärken und Schwächen, wie jeder Mensch.

Nimm dich an

Das Wort Selbstannahme wird in diesem Zusammenhang jedoch oft missverstanden (insbesondere in der psycho-spirituellen Szene). Selbstannahme bedeutet nicht, dass du immer alles gut an dir finden musst. Vielmehr bedeutet Selbstannahme, dass ich zu dem, was da ist, JA sage.

In diesem Sinne bedeutet Selbstannahme, dass du bewusst die positiven wie negativen Gefühle in dir annimmst, sie als zu dir zugehörig ansiehst. Das bedeutet, dass alle Gefühle gefühlt werden dürfen. Selbsterkenntnis bedeutet, dass ich meine Stärken wie auch meine Schwächen oder Begrenzungen sehe und anerkenne. Erst wenn du deine vermeintlichen Schwächen anerkennst, kannst du sie akzeptieren, und dann – bei Bedarf – weiter an ihnen arbeiten.

Mit dieser Akzeptanz kannst du in dich hinein spüren und zu deinem verängstigen inneren Kind sagen: „Ja, so ist es, das sind die Gefühle meines verlassenen, inneren Kindes. So ist es. Du darfst jetzt einfach mal da sein. Ich heiße dich und deine Gefühle willkommen.“

Du wirst sehen: Je mehr du diesen Anteil akzeptierst, desto ruhiger wird er. Er fühlt sich gesehen, angenommen und wertgeschätzt. Und desto echter und authentischer zeigst du dich in deinen Beziehungen. Weil du jetzt mit all deinen inneren Anteilen in Verbindung bist.

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Erst wenn du dich mit all deinen Anteilen annimmst, wirst du auch echte Bindung zulassen können

Du weißt, wer du bist und sprichst aus, was du willst!

Bist du so in Kontakt mit dir selbst und übernimmst radikal Verantwortung für deine Bedürfnisse wie Gefühle, verändert sich einiges in deinem Beziehungsleben. Du hast weniger Angst vor Ablehnung, wenn du deine Bedürfnisse äußerst.

Kommen wir noch einmal zurück zu unserem ersten Beispiel:

Es ist wieder Dienstagabend und du triffst dich mit deinen Freunden zum Essen. Einer deiner Freunde schlägt den Italiener um die Ecke vor. Diesmal sagst du offen, dass du eigentlich Lust auf Sushi hast. Es gibt eine kurze Diskussion und am Ende stellt sich heraus, dass Sushi doch für alle okay ist. Heute Abend genießt du dein Sushi – mit bestem Gewissen dir selbst gegenüber.

So könnte die Szene ihren Verlauf nehmen, sobald du keine Angst mehr davor hast, das auszusprechen, was du willst.

Du weißt, wer du bist, kennst deine Stärken wie Schwächen. Du hast es nicht mehr nötig, dich über andere zu erhöhen, um deine Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren. Und du bist viel weniger anfällig für die Parolen von Menschenfängern, wie selbsternannte Gurus, der Werbeindustrie, rechter Hetze, kruden Verschwörungstheorien oder Populisten. Sie alle wollen dich an deinem wundesten Punkt packen, um dich für ihre Zwecke zu gebrauchen: der Unkenntnis darüber, wer du im Kern bist. Einem suggerierten Mangel und des Gefühls, nicht geliebt, gebraucht, gesehen zu werden – egal ob von den Eltern, Lehrern, Arbeitgebern, Politik.

So wird eine neue Gesellschaft möglich

Ich bin fest davon überzeugt: Je mehr du deine negativen Glaubenssätze und die damit verbundenen Gefühle aufarbeitest, umso mehr wirst du nicht nur Erfüllung in deinen Beziehungen finden. Nein, je mehr Menschen sich ihren Glaubenssätzen widmen, umso weniger Hass, Hetze und Projektion auf anders Denkende und Aussehende und die „da oben“ (Politik, Elite, Banken etc.) würde es in der Gesellschaft geben!

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Arbeiten wir alte Glaubenssätze auf, finden wir in unsere Mitte – und können unsere Herzen mit Respekt für andere öffnen

 

Solch ein Zusammentreffen von präsenten und mutigen Männern und Frauen, die mit innerer Stabilität, Eigenverantwortung und geöffneten Herzen durchs Leben gehen, ist meine Vision von Morgen. Dann entstehen tolle Dinge, die wir alle gerade so dringend benötigen: respektvolle und ehrliche Begegnungen, Eigenverantwortung, Selbsterkenntnis, liebevolle Partnerschaften, ein friedlicheres Miteinander.

Gesellschaften, die sich aufgrund von Klimakrise und dem Aufstieg von Populisten innerlich wie äußerlich immer mehr spalten, brauchen umso mehr Menschen, die Bewusstheit, innere Stabilität und klare Werte miteinander vereinen – und leben!

Deshalb ist deine Entwicklung nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Die Gesellschaft braucht dich in deiner freiesten Version deiner selbst (wie Veit Lindau immer so schön sagt).

 

Dein Oliver Domröse

www.simplyfeelit.de

Passend zum Artikel gibt es einen 10-Tage-Intensiv-Kurs von mir: Dein Weg zu authentischen und echten Beziehungen

 

Zwischenmenschliche Beziehungen sind Olivers Spezialgebiet und er hat hierzu noch einige weitere spannende Artikel für den Compassioner geschrieben. Du findest sie in seinem Autorenprofil!

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