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Eltern-Sein: Ein Job, der Anerkennung verdient

Auch im zweiten Teil ihres Plädoyers zum Eltern-Sein möchte unsere Autorin Katja Artelt sich für mehr Anerkennung von Eltern aussprechen. Als Grundschullehrerin, Mutter und Coach möchte sie nicht nur mehr Bewusstsein schaffen für die enorme Arbeit, die Eltern tagtäglich leisten. Sie will vor allem auch deutlich machen, wie wichtig es für unsere Kinder ist, dass Eltern die Zeit und Anerkennung für diesen „Beruf“ bekommen. Denn fehlt ihnen beides dafür, leiden am Ende die Kinder am meisten.

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Eure zahlreichen Rückmeldungen zum ersten Teil meines Plädoyers haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir mehr über das Eltern-Sein sprechen. Ihr habt mich bestärkt, mich weiter für die Anerkennung der Eltern in ihrem Job als Mama und Papa einzusetzen. Danke dafür!

Die Anerkennung der Eltern-Arbeit durch die Gesellschaft

Da es momentan noch meist Frauen sind, die nach der Geburt von Kindern zu Hause in den Job als Managerin eines Kleinunternehmens gehen, spreche ich im Folgenden zumeist von Müttern. Das soll aber nicht heißen, dass ich all die engagierten Väter ausklammere – bitte fühlt euch genauso angesprochen.

Mütter, die sich zu Hause von morgens früh bis abends spät um alles nur Erdenkliche kümmern, leiden heute extrem unter der „Nicht-Anerkennung“. Sie sind weder sozialversichert noch werden sie entlohnt oder erfahren Wertschätzung durch die Gesellschaft. Sie fühlen sich minderwertig. Sie können nicht mehr sagen: „Ich gehe arbeiten!“, und werden komisch angesehen, wenn sie ihren Platz zu lange (länger als 3 Jahre) daheim bei ihren Kindern sehen. Trotz viel Arbeit und großem Engagement für den Staat, werden sie zu wenig sozial beachtet und gewürdigt. Ganz schlimm ist es häufig für die alleinerziehenden Mütter – in Deutschland sprechen wir von ca. 2,2 Millionen Frauen. Aber auch die etwa 416.000 alleinerziehenden Väter leben gestresst und überfordert in unserer Gesellschaft. Auch sie fühlen sich minderwertig, wenn sie nicht außerhäusig einen vorzeigbaren Job haben.

Väter, Männer, Mütter, Frauen, Gesellschaftsmitglieder – bitte steht auf! Helft mit, dass ein neues Bewusstsein geschaffen wird. Dass Gerechtigkeit entsteht, dass Mädchen und junge Frauen bewusst entschlossen und freudig „Ja!“ zum Kinderkriegen sagen können. Ohne Angst vor Burnout oder Hartz-4-Armut. Ohne selbstzerstörerische Gedanken wie: „Ich arbeite ja nicht – ich bin nichts wert!“

Ich träume davon, dass jeder, der sich in Deutschland für ein eigenes Kind entscheidet, stolz ist. Dass sich jede Mutter und jeder Vater wichtig und wertvoll fühlt durch diesen Beitrag für die Gesellschaft. Um ihren bzw. seinen Job als Elternteil für 18 Jahre bewusst und gut machen zu können.

Eltern-Sein ist ein ernstzunehmender Fulltime-Job

Ich wünsche mir, dass Eltern gelobt werden für ihr Engagement, für ihren Mut – insbesondere der Elternteil, der den Großteil des Elternjobs zu Hause  übernimmt.

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Mütter, die zu Hause bleiben, sitzen nicht nur in Cafés und trinken Cappuccino! 

NEIN, eine Mutter, die zu Hause bleibt, trinkt nicht nur Cappuccino, geht spazieren und macht sonst nichts. Es ist auch nicht nur ein bisschen Haushalt. Die Kleinen sind auch nicht immer nur easy und süß und schlafen. Und Kinder sind – entgegen der Meinung vieler – ab drei Jahren auch noch nicht groß und können ganztags abgegeben werden. Damit Mama/Papa endlich wieder etwas Produktives für die Gesellschaft macht und wieder arbeiten geht.

Daheim treten alle erzieherischen und pädagogischen Arbeitsfelder auf, die auch in anerkannten Erzieher- und Pädagogik-Berufen vorkommen. Wieso nennt man es für die Mutter/den Vater dann nicht auch „Arbeit“ oder „Beruf“? Warum müssen Eltern, insbesondere Mütter, es meistens noch sehr idealistisch und selbstaufopfernd sehen, wenn sie das Kind als Hausfrau und Mutter bis zum erwachsenen Alter begleiten? Wieso verdienen sie dafür weder Geld noch Anerkennung? Sie verrichten doch Arbeit. Sie schaffen doch auch etwas Produktives, sie tun etwas für die Gesellschaft. Außerdem halten sie, indem sie zu Hause bleiben, dem Partner den Rücken frei und sorgen so dafür, dass der voll produktiv außer Haus arbeiten kann.

Der Elternjob erfordert Zeit und Kraft!

Eine alleinerziehende fünffach Mutter (Kinder zwischen 3 und 16) erzählte mir kürzlich, dass sie stundenweise als Erzieherin arbeite, um Lohn und Versicherung zu haben. Doch sie hätte keine Kraft mehr, sie schaffe den Haushalt und die Erziehung ihrer eigenen Kinder nicht mehr. Das Arbeitsamt sagte ihr jedoch, die Kinder seien zu groß und sie müsse mindestens 15 Stunden pro Woche außerhäuslich arbeiten. Die Mutter meinte, dass würde sie total überfordern. Daraufhin wurde ihr gesagt, im Falle eines Burnouts solle sie sich krankschreiben lassen. Dann würde sie vom Staat mit sozialen Leistungen und Therapie unterstützt werden. Oder sie beantrage Hartz 4. Dafür müsse sie aber erst alles Ersparte aufbrauchen und das Auto, das mehr als 6.700 Euro wert sei (und mit dem sie endlich alle 5 Kinder plus Buggy transportieren kann), verkaufen. Außerdem müssten ihre älteren Kinder Kurse besuchen, damit diese nicht in der Hartz-4-Falle stecken blieben.

ICH WAR SOOO GESCHOCKT!!!

Kinder brauchen Nähe, Sicherheit und müssen auch seelisch gut genährt werden

Der Elternjob braucht Zeit: Zeit für die eigenen Kinder, für ihre Fragen, ihre tiefen Bedürfnisse, für ihre Themen, für all die Dinge, die anfallen und geregelt werden müssen mit Kindern und einem Familienhaushalt. Kinder brauchen ihre Eltern. Sie brauchen mindestens einen Elternteil, der Zeit und Kraft hat, um DA zu sein. Damit Bindung und Urvertrauen entstehen und sich festigen können. Damit Halt und Prägung positiv stattfinden können. Damit die menschlichen Grundbedürfnisse erfüllt werden.

So entsteht ein sicherer Nährboden beim Kind für eine selbstbewusste, gesunde Entwicklung zum Erwachsenen. Für Pflegekinder werden diese Grundbedürfnisse sehr stark eingefordert durch feste Bindung an eine enge konstante Bezugsperson. Doch bei eigenen Kindern wird eher dafür gesorgt, dass sehr früh wechselnde Fremdbetreuung stattfindet. Das ist doch komisch! Wieso dieser Unterschied?

eltern-sein-anerkennungKinder sind unsere gesellschaftliche Zukunft! Das ist wirklich, wirklich so!

Gesunde, stabile Kinder werden gesunde stabile Mitbürger und Steuerzahler, kraftvolle zufriedenen Arbeitnehmer, glückliche Wunscheltern. Kinder von heute sichern unseren Sozialstaat von morgen!

Doch im Moment bedeuten Kinder in Deutschland noch oft ein Armutsrisiko. Wer kann sich schon mehr als ein Kind leisten?

Es wird Zeit, dass die Gesellschaft umdenkt und nicht bloß zuschaut

Wir haben so viele Probleme, die entstehen, weil „zu Hause bleiben bei den Kindern” als Zeitverschwendung gilt, als unproduktiv und nicht rent(e)abel. Gestresste Eltern erzeugen gestresste Kinder. Kinder, die nicht zackig funktionieren, sind Problemkinder. Zeit und Ruhe sind Mangelware. Die Folge: Der (Ersatz-Befriedigungs-) Konsum steigert sich unermesslich! (Zucker und Fett, Medien, Alkohol, Drogen, Materielles …). Wer nimmt sich der Themen unserer Kinder an? Wer hat noch Zeit? Wer kann heute noch wirklich anwesend zum eigenen Kind sagen: „Ich bin da für dich! Ich habe Zeit für dich!“

Wenn beide Elternteile außer Haus arbeiten, wer macht dann die daheim anfallende Arbeit mit Familien-Haushalt und Kindererziehung, Pflege, Begleitung? Wer hat dann noch Zeit und Kraft für gesundes Kochen, für ruhige Gespräche, für Aufmerksamkeit? Wer schaut darauf, was das Kind macht, womit es seine Zeit verbringt und wie es dem Kind wirklich geht? Wer von den außerhäuslich arbeitenden Eltern hat noch Energie frei, um sich in Kindergärten und Schulen zu engagieren?

Die Kinder leiden am meisten

Neulich sagte mir ein 16-jähriger netter, offener, unauffälliger Jugendlicher:

„Jetzt trinke und zocke ich nicht mehr!“

Bitte was? Der junge Mann ist 16! Im Laufe des Gesprächs erzählte er, er hätte drei Jahre regelmäßig getrunken und täglich acht Stunden gezockt – am Wochenende mehr! Die Eltern seien getrennt, sein Vater bekäme nicht viel mit, da nur ab und zu Kontakt da wäre. Seine Mutter bekäme ebenfalls nicht viel mit, da sie arbeiten gehen müsse. Beide Elternteile hatten kaum Zeit. Das Argument beider Eltern war stets: „Solange deine Noten gut sind!“ 

Dieser Junge ist in keiner Statistik für auffälliges Verhalten oder Schulversagen gelistet. Solch ein Konsumverhalten gilt bereits als normal. Seine Noten wurden (Gott sei Dank!) nach zwei Jahren etwas schlechter, was er doof fand. Und durch den vernünftigeren, positiven Einfluss seiner Freundin hat er jetzt entschieden: „Ich zocke nicht mehr! Der Computer steht im Keller!“ Nun – nach einigen Wochen ohne – merkte der tolle Kerl erst, was ihm alles an Zeit entgangen war.

Wir müssen etwas ändern!

Welche junge Frau sollte angesichts der drohenden Problemen wie Überforderung, Krankheit und Armut motiviert sein, ein Kind (oder sogar mehrere) zu bekommen? Die Unterstützung durch Großfamilien oder Großeltern fällt mittlerweile ebenfalls immer häufiger weg. Die Großeltern, vor allem die Omas, müssen noch lange für ihre Rente weiterarbeiten oder ihre kleine Rente aufstocken. Damit sind auch sie zu erschöpft, um planbar dauerhaft als unentgeldliche Kinderbetreuung zur Verfügung zu stehen.

Ich wünsche mir für alle Mütter und Frauen, die Mütter werden möchten, sowie für alle Väter, die sich Anwesenheit und echte Bindungszeit mit ihren Kindern wünschen, eine Anerkennung für ihre Erziehungsarbeit. Sie selbst sollten die freie Wahl haben, wie viel sie ihr eigenes Kind selber betreuen möchten oder abgeben.

eltern-sein-anerkennungBitte: Keine Mutter/kein Vater sollte sich wertlos fühlen, weil sie/er nur zu Hause ist. Keine Mutter/kein Vater sollte durch den Spagat von außerhäuslicher und innerhäuslicher Arbeit krank werden. Ich wünsche mir ein Deutschland, in dem es keine Abtreibungen aus sozialen und finanziellen Gründen mehr gibt. Sondern in dem Frauen gerne Kinder bekommen, weil sie sich getragen, gesehen und sicher fühlen – auch, weil sie sich als wichtiger Teil der Gesellschaft empfinden. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die nicht nur Scheitern, Krankheit und Problemfälle finanziell unterstützt, sondern die mithilft, dass es soweit gar nicht kommt…. Eine Gesellschaft, die ihr Geld in Prophylaxe – und damit auch in Elternarbeit für stabile, bindungsfähige Kinder – investiert.

Was können wir tun?

  1. Lasst uns alle damit beginnen, Wertschätzung zu zeigen und zu sagen: „Du arbeitest bei deinen Kindern zu Hause! Klasse!“
  2. Setzen wir uns bitte ein für ein Erziehungsgeld für Eltern, damit sich Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen, wichtig und wertvoll fühlen und freier entscheiden können.
  3. Steht auf und sagt eure Meinung dazu – laut! Lasst uns diskutieren! Lasst uns nicht mehr weggucken, sondern die Statistik von überbelasteten Eltern und besonders die Burnout-Rate von Alleinerziehenden ernst nehmen.
  4. Lasst uns uns gegenseitig helfen! Unterstützt Eltern! Denn ohne Eltern keine Kinder, ohne Kinder keine tragfähige Gesellschaft.

Je mehr wir werden, umso eher können wir etwas erreichen

Es tun sich gerade immer mehr Mütter in meinem Umfeld zusammen und wir stellen in einigen Wochen eine Petition auf die Beine für dieses Anliegen. Bitte helft uns, schaut die Fortschritte bei Instagram (katjaartelt_mit_freude_leben) an, schreibt uns (katjaartelt@web.de). Und unterschreibt unsere Petition für die gesellschaftliche Anerkennung der Elterlichen Erziehungsarbeit, für eine Sozialversicherung und für Entlohnung der Arbeit, die Eltern durch Begleiten und Erziehung ihres Kindes/ ihrer Kinder für die Gesellschaft leisten.

Vor einigen Jahren ist eine ähnliche Petition abgelehnt worden – nur 64 Menschen hatten unterschrieben. Die inhaltliche Begründung zur Ablehnung war, dass die Arbeit des Elternteils, der sich zu Hause um die Kinder kümmert, keine Tätigkeit ausführt, die einem Erwerb dient – daher nicht wie ein Beruf gesehen werden kann.

Lasst uns das ändern!

Helft mit!

Eure Katja

 

Über Katja:

Über Katja Artelt:

Ich bin Katja Artelt, 46 Jahre alt, Mutter von zwei tollen Jungs, Coach für Lebens- und Erziehungsfragen und Grundschullehrerin. 

Unter dem Motto: “Mit Freude leben und erziehen“  begleite ich seit 15 Jahren Klienten von Jung bis Alt im Einzelcoaching, als Paare, als Familien, in Seminaren, Elternkursen, Workshops und Fortbildungen. Mich erfüllt es mit großer Freude, bei Lebensherausforderungen beim Auffinden von Lösungen unterstützen zu dürfen, sowie beim Übersetzen von Botschaften an die Eltern oder an die Kinder behilflich zu sein. Selbstliebe, Frieden mit seinen Eltern und Zufriedenheit mit den eigenen Kindern sind dabei die Hauptziele meiner Arbeit.

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