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Entwicklungstrauma: Wie das verletzte Kind in dir deine Wahrnehmung prägt – und wie du es heilst

Unsere Erlebnisse als Kind prägen auch als Erwachsene unsere Wahrnehmung der Dinge und wie wir auf Stress reagieren. Gerade Entwicklungstraumata können uns in frühen Mustern gefangen halten und uns in unserem Wachstum bremsen. Wie diese Traumata entstehen und auf welchen Wegen wir sie in Liebe heilen können, möchte uns Gastautorin Sylvia Römer in diesem Artikel zeigen.

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Wir begegnen der Welt niemals unbefangen. Die Brille, durch die wir schauen, hat viel mit unseren Gedanken, Überzeugungen, Prägungen und Vorstellungen zu tun. Durch sie filtern wir jeden Augenblick. Und weil wir oft in Bildern von vergangenem Leid gefangen bleiben, entwickeln wir schnell falsche Wahrnehmungen.

Wie du als Kind Stress wahrnimmst

Traumata sind weit verbreitet. Es gibt nur wenige Menschen, die ganz ohne traumatische Erlebnisse durchs Leben gehen. Traumatische Erlebnisse haben aber nicht unbedingt etwas mit „Grausamkeit“ zu tun. Für ein kleines Kind kann auch der Stress der Eltern traumatisierend sein.

Ein Entwicklungstrauma beruht auf sich wiederholenden Ereignissen, die ein hohes Stressniveau ausgelöst haben. Bei Menschen mit einem Entwicklungstrauma herrscht oft eine innerliche Alarmbereitschaft, die mit großer Angst gekoppelt ist. Ein Kind, welches zum Beispiel immer wieder dem Stress seiner Eltern und Umgebung hilflos ausgeliefert war, entwickelt ein Nervensystem, welches auch im späteren Leben sehr sensibel auf Stress reagiert.

Durch ein Entwicklungstrauma werden Muster in uns angelegt, wie wir die Welt und uns selbst wahrnehmen.

Verzerrte Wahrnehmung – verzerrte Realität

Das Trauma erfasst jedoch nie die ganze Person. Es spaltet die menschliche Psyche in traumatisierte Anteile, in Überlebensanteile und gesunde Anteile auf. Um sich vor dem Stress zu schützen, hat das Kind vielleicht einen Überlebensanteil entwickelt, welcher die Realität aus seinem Umfeld verzerrte. So können sich auch seine gesunden Anteile entwickeln. Dieser Überlebensanteil diente also ursprünglich seinem Schutz.

Doch die Kindheit ist längst vorbei, und die einstmals hilfreichen Verzerrungen dieses Teils bereiten den Erwachsenen von heute viele Probleme. Sie führen zu falschen und unklugen Entscheidungen. Sie führen zu Missverständnissen und weiten sich auf viele Lebensbereiche aus.

6 Arten verzerrter Realität

Es gibt verschiedene Arten, die Realität zu verzerren. Hier einige der häufigsten:

  1. Verleugnung: Man will Dinge nicht sehen, die jedoch existieren. Beispiel: die Verleugnung einer Sucht oder eines ernsthaften Gesundheitsproblems
  2. Illusion: Man sieht Dinge, die nicht existieren. Beispielsweise eine Freundschaft, die aber in Wirklichkeit keine ist.
  3. Idealisierung: In einer Beziehung, einer Person oder komplexen Lebenssituation sieht man nur das Beste. Dinge, die nicht gut laufen oder problematisch sind, werden ignoriert.
  4. Katastrophisieren: Negative Aspekte in einer Angelegenheit werden maßlos übertrieben. Positives wird ausgeblendet. Man geht grundsätzlich vom negativen Ausgang der Situation aus.
  5. Minimalisieren: Dinge werden heruntergespielt, deren Auswirkungen geschmälert. Beispiel: Bei einem Gewicht von über 120 kg sagt man dann vielleicht so etwas wie: „Ach das bisschen Übergewicht ist nicht so schlimm. Keine große Sache – jeder hat doch etwas Übergewicht.“
  6. Projektion: Man überträgt unbewusst die eigenen Verhaltensweisen, Gefühle und Emotionen auf eine andere Person oder Personengruppe. Beispiel: Man will die eigene Angst nicht fühlen, projiziert nach außen und ist dabei ständig auf der Suche nach Gefahrenquellen.

Kommt dir die eine oder andere Verzerrung bekannt vor? Vielleicht gibt es ja auch in dir einen Teil, der immer wieder aus dem Untergrund Nachrichten an dich sendet, die nicht richtig sind. Oder du beobachtest deine Umgebung ganz genau, weil du ständig in der Erwartung von Gefahr lebst. Wenn das der Fall ist, liegt dahinter meist die Angst der frühen Verletzung aus der Kindheit.

Das verletzte, innere Kind – der traumatisierte Teil in uns

kind-wahrnehmungDer traumatisierte Teil ist die größte Quelle der Angst in uns. Er sorgt dafür, dass wir uns auf die Außenwelt als Quelle unserer Probleme fokussieren (Projektion) und nicht auf das Trauma selbst. Wir konzentrieren uns dann auf das, wovor wir Angst haben, und neigen dazu, überall Gründe hierfür zu sehen. Dabei übertreiben wir die tatsächliche Gefahr maßlos und verschwenden eine Unmenge an Energie, diese zu vermeiden. Das ist ein typisches reaktives Muster der Angst, welches im Kreislauf des Leidens enden kann.

Dieser Kreislauf kann jedoch mit Liebe und Fürsorge durchbrochen werden, wenn wir aus der erwachsenen Perspektive bereit sind, genauer hinzusehen. Das Trauma in sich zu umarmen bedeutet, das verwundete, ängstliche Kind aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu holen und es dort mit der Liebe des Erwachsenen zu heilen.

Wahrnehmung und Heilung mit Liebe und Achtsamkeit

Der Prozess der Heilung kann wie folgt aussehen:

  1. Trigger erkennen: Immer dann, wenn du bemerkst, dass deine Gedanken über eine Person oder Situation besonders negativ sind, sei bereit nach innen zu gehen. Möglicherweise wurde deine eigene Angst aktiviert.
  2. Projektionen bewusst machen: Als Erwachsener mit klarem Verstand frage dich dann: ”Basiert meine Sicht auf die Realität und meine Einstellung diesem Menschen gegenüber auf Liebe oder Angst?“ Kommt als Antwort „Angst“, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du gerade in Kontakt mit dem ängstlichen Teil in dir stehst.
  3. In den Dialog mit dem ängstlichen Teil gehen: Schau in aller Ehrlichkeit den Teil in dir an. Wie sieht er aus? Wie alt ist er? Frage ihn: Wovor hast du wirklich Angst? Sprich mit ihm wie mit einem Kind. Sobald er erkannt hat, dass seine Angst unbegründet ist, kannst du anfangen, ihn mit Liebe zu umarmen. Du kannst aus der Liebe heraus aufmunternde Botschaften an ihn senden. Diese Botschaften müssen aber wahr sein, sonst bleiben sie wie Affirmationen an der Oberfläche hängen und haben keine Wirkung.
  4. Dir selber die Wahrheit sagen: Das Aussprechen der Wahrheit ist Liebe. Wahre Botschaften sind ein mächtiges Instrument, wenn du auf Angst basierende Gedanken loslassen willst.
  5. Geduld: Sei geduldig mit dem verletzten Kind – kein Stress, gib ihm Zeit. Es braucht viel Fürsorge und Liebe, damit es wieder vertrauen kann. Es ist sein Nach-Reifeprozess, für den der liebevolle, geduldige Erwachsene in dir jetzt die Verantwortung trägt.

Körperarbeit zur Trauma-Heilung

kind-wahrnehmungDie Arbeit mit dem Körper ist bei der Trauma-Heilung fundamental. Viele psychische, emotionale Probleme und körperliche Symptome sind Folgen nicht erkannter bzw. unbehandelter Traumata. Damit auch diese Probleme und Symptome sich lösen, muss man an die Wurzel des Leidens gehen. Man muss den „eingefrorenen“ Stress aus dem Körper freisetzen, sodass die Lebensenergie wieder frei fließen kann. 

Mit bestimmten Körperübungen aus der Bioenergetik, dem Yoga, dem TRE® (Tension- & Trauma-Releasing-Exercises) kann sich der Körper vom Stress befreien. Nach den Übungen aus dem TRE®, dem neurogenen Zittern, erleben viele eine tiefe Entspannung. 

Die Natur hat eigentlich gut für uns vorgesorgt. Wenn man Tiere beobachtet, kann man sehen, dass sie sich von traumatischen Erfahrungen durch Körperzittern wieder erholen. Das neurogene Zittern wird vom autonomen Nervensystem gesteuert und ist allen Säugetieren genetisch als Erholungsprozess einprogrammiert. Nur bei uns Menschen ist die Bremse im Kopf. Bei uns wurde dieser natürliche Zitter-Vorgang durch gesellschaftliche Konditionierung verringert oder sogar ganz unterdrückt.

Doch wenn du diese Bremse im Kopf löst und dich auf das neurogene Zittern einlässt, kannst du spüren, dass etwas sehr tief im Inneren zur Ruhe kommt. Manche empfinden sogar Glücksgefühle.

Wenn du mehr über das neurogene Zittern erfahren möchtest, schau dir auch dieses Video an:

Mit lieben Grüßen,

Sylvia Römer


Über Sylvia:
kind-wahrnehmungIch bin Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPG) und Friedensbloggerin. Ich arbeite als Coach und als therapeutische Weg- und Prozessbegleiterin. Ich unterstütze Menschen in allen Krisen und verstehe mich als „Potential-Entfalterin“ zum inneren Frieden. In meinem Friedens-Blog inspiriere ich und kläre auf: Trauma-Arbeit und Friedens-Arbeit gehören aus meiner Sicht zusammen. Ein geheiltes Trauma birgt das Potential in sich zu erwachen, und kann so ein Sprungbrett zur Weisheit und zum Frieden sein.

Mehr von mir erfährst du auf meinen Websites:
https://www.bildspracheblog-frieden.com/

https://www.sylvia-roemer.de/

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