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Erfahrungsbericht Sterbebegleitung – Kommunikation der besonderen Art

Sterbebegleitung, die von Herzen kommt, ist eine tiefgreifende und auch schöne Erfahrung. Unsere Mutter ist vor wenigen Wochen friedlich daheim eingeschlafen. Meine Schwester und ich haben sie die letzten Tage begleitet. Da unsere Mutter schwer erkrankt war, war uns allen klar, dass sie nur noch wenig Zeit haben würde. Zuletzt ging es sehr schnell.

Der erste Tag, den unsere Mutter fast ausschließlich im Bett verbrachte, war Himmelfahrt. Mama hat sich schnell mit ihrer horizontalen Lage zufrieden gegeben (“Schön im Bett”) – im Gegensatz zu meiner Schwester & mir: In einer aufwendigen Aktion beförderten wir unsere Mutter in ihren Liegestuhl in den sonnigen Garten. Dort angekommen war Mama zufrieden und behauptete, sie wolle noch leben – jedoch „nicht so doof“. (Sie litt unter ihren Einschränkungen, dem Verlust ihrer Stimme, die nur noch hauchend erklang und unserer Mutter, leidenschaftliche Chorsängerin, den letzten (Lebens-) Nerv raubte). Eine gute Stunde zuvor machte unsere Mutter Schwimmbewegungen mit dem Oberkörper und sagte mit verklärtem, motiviertem Ausdruck, sie wolle in den Himmel fahren. Zwei Minuten später fragte sie: „Welcher Tag ist heute?“ Ich erwiderte: „Himmelfahrt“. Den Witz hat selbst meine Mutter in ihrem desolaten Zustand noch verstanden.

Geduld und Demut

SterbebegleitungWir verloren in diesen Tagen das Zeitgefühl. Und lernten Geduld und Demut. Unsere Mutter erkundigte sich morgens, zwei Tage vor ihrem Tod, nach der Uhrzeit. “Viertel nach acht”, so meine Worte. “Das geht ja noch” erwiderte Mama. Was auch immer dies hieß – es entbehrte nicht einer gewissen Komik. Einstimmig stellten wir fest, dass Mama nun keine Termine mehr habe. Der Zustand unserer Mutter verschlechterte sich von Tag zu Tag. Sie wollte kaum noch etwas zu sich nehmen. Neben der Schwere, die mich umgab und die ich auch in mir fühlte, waren da auch tiefe Dankbarkeit, Freude und immer wieder sehr wohltuender Humor. Unsere Kommunikation wurde feiner – jede kleine Geste sprach für sich – und auch tiefer, verbundener. Sprache rückte in den Hintergrund, Worte verloren an Gewicht; stattdessen kommunizierten wir auch nonverbal viel miteinander.

Zwei Tage vor ihrem Tod fragte Mama Kati: „Was mache ich hier?“ Die Frage war berechtigt. Und sie transportierte fehlende Orientierung, vielleicht auch Angst – selbst wenn unsere Mutter immer behauptete, sie habe keine Angst vor dem Sterben. Ihr christlicher Glaube half ihr hierbei enorm. Meine Schwester antwortete sehr ehrlich: „Mama, du liegst hier und wartest auf den lieben Gott und auf Papa. Und du kannst es genießen, dass wir dich hier gut versorgen.“

Wir sind sehr offen mit der Tatsache umgegangen, dass wir bald ohne Renate weiterleben würden. Mama wollte auch definitiv gehen. Nach dem Tod unseres Vaters hat sie die Kurve nicht mehr gekriegt und ist – mit Ausnahme weniger heller, freudvoller Momente – in ein tiefes Loch gefallen.

Tod bedeutet Liebe

Kurz vor ihrem Tod drückten wir ihr noch das Telefon ans Ohr, so dass sie Schwester und Schwager in Kanada hören konnte. Sie selbst sagte nicht mehr viel, doch es war viel Liebe unter den Kommunizierenden zu spüren, zwischen den Zeilen auch Verzweiflung. Es war ergreifend, dieses letzte Gespräch unter Schwestern mitzuerleben. Momente, die ich sicher stets erinnern werde.

Ein Tag vor ihrem Tod verabschiedeten mein Bruder und seine Frau sich unter Tränen von Mama. Wir drei Geschwister saßen später auch gemeinsam am Sterbebett – Claus, unseren verstorbenen Bruder, haben wir mit einbezogen. Während wir Mama zärtliche Worte und Gesten schenkten sagte unser Bruder „Mama, du hast es so gut gemacht“. Da öffnete sie mit aller Kraft ihre Augen und schaute etwas ungläubig drein: „Was habe ich gut gemacht?“ Wir drei daraufhin einstimmig: „Alles!“ Letzteres war vielleicht etwas übertrieben, doch in jenem Momenten dachten wir offenbar: „Keine Einschränkungen mehr an dieser Stelle.“ Es waren auch lustige Momente, z. B. als Martin – sich positiv über den Tod äußernd – meinte: Nun, ganz so sicher sei er sich nicht, er habe mal gehört: „Alle die den Himmel loben waren noch nicht oben.“

Ich habe kurz vor ihrem Tod für Mama gesungen – Eichendorfs „O Täler weit, o Höhen“ und Bonhoeffers „Von guten Mächten“. Hier kam die Musiktherapeutin in mir durch. Ich glaube, es war auch stimmig – Mama sagte „schöne Stimme“ und ich spürte ihren inneren Aufruhr. Kurz darauf übergab sie sich, und ich zweifelte wieder daran, ob meine Gesangseinlage so passend war.

Am Morgen des 31. Mai – die Morhpintherapie in sehr geringen Dosen hatte am Tag zuvor begonnen – hatte Mama bereits ungewöhnlich kalt-klamme Hände – wie ich jetzt weiß ein Zeichen für den nahenden Tod, ein Erlöschen des Feuer-Elements, würden die Yogis sagen. Noch atmete sie. Interessant war auch, dass sie quer über das ganze Ehebett, sprich auch Papas Seite, ausgebreitet lag – was sie bis dato nie tat. Als wolle sie ihm näher und näher rücken.

Es ist vollbracht

In einer kurzen Zeitspanne, in der meine Schwester und ich uns einer stärkenden Yoga-Kriya hingaben, muss unsere Mutter „hinüber geglitten“ sein. Wir fanden sie – nun war auch das Luft-Element erloschen –  friedlich in ihrem Bett vor. Es heißt, es sei ideal, wenn ein Mensch zu Hause im eigenen Bett oder in einem guten Hospiz sterben kann. Wir sind so traurig wie dankbar, diese Erfahrung und Nähe geteilt haben zu können.

Ich fange an, den Tod tatsächlich gar nicht mehr so schlimm zu finden. Ich meine etwas von dem Frieden und Glück der anderen Seite erfahren zu haben. Vielleicht bedeutet der Tod ja wirklich kein Ende, sondern eine Transformation. Vielleicht brauchen wir keine Angst vor dem Tod zu haben und können stattdessen – frei von Todesangst – ein mutiges, erfülltes Leben leben.

Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass Mamas Schwester in Kanada schlicht wusste, dass Renate genau an diesem Tag gestorben war. Eine enge Freundin meiner Schwester spürte dies ebenso –  sogar in der entsprechenden Stunde.

Vermutlich gibt es viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die unser Verstand schwer greifen kann. Eine Seele auf ihrer Reise ist ein schönes und gleichzeitig viele Fragen aufwerfendes Bild. Zutiefst dankbar sind wir unserem Onkel Heiner, Mamas Bruder, der die vergangenen Tage mit uns geteilt und uns viel Trost und Unterstützung geschenkt hat.

„Um leben zu können, musst du wissen, wie man stirbt.“

Satya Singh, Kundalini-Yoga-Ausbilder

 

Von Herzen

Carolin Stark

seisofrei-lebenskunst.de

 


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