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Inklusion

Erfolgreiche Inklusion: So können sie auch indirekt Betroffene leben

Was braucht es, damit Inklusion nicht nur ein Versprechen bleibt, sondern tatsächlich erfolgreich umgesetzt und gelebt werden kann? Unsere Gastautorin Daniela Sportelli ist selbst Mutter wundervoller 15-jähriger Zwillinge, von denen eine Tochter mit Down Syndrom zur Welt kam. Seit über zehn Jahren berät und begleitet sie außerdem andere Familien mit „besonderen“ Kindern. Sie ist nicht bloß überzeugt, dass Inklusion gelingen kann, sie erlebt es auch immer wieder. Allerdings: Einstellung und Glaube daran müssen stimmen – und zwar ganz besonders bei den Müttern von Inklusionskindern.

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Inklusion sollte auch von indirekt Betroffenen gelebt werden

Ich hätte mein Kind so gerne einfach nur geliebt und es mit all seinen bunten Seiten angenommen, so wie es ist. Stattdessen hörte ich immer nur „das ist falsch, dass darf es nicht, dass kannst Du nicht durchgehen lassen, Du musst konsequenter sein“. Ich wäre gerne einfach mal nur in den Arm genommen worden, um zu hören „Du machst das gut, Du wirst das schaffen.“ Stattdessen wurde immer nur erwartet, dass ich funktionieren und mein Leben im Griff habe. Ich hätte so gerne einfach einmal nur mit meinem Kind gelacht und quatsch gemacht. Das wäre gelebte Inklusion. Stattdessen hieß es immer nur „Du musst eine Respektperson bleiben, sonst hast Du bei diesen Kindern schon verloren.“ Ich hätte mein Kind so gerne einfach sein „nicht-normal-sein“ Leben mit all seinen Eigenschaften leben lassen. Stattdessen schluckte ich meine Tränen immer nur hinunter, wenn mir wieder jemand sagte, dass mein Kind so nicht zu sein hat, wenn es hier in dieser Welt zurechtkommen möchte. Ich hätte mein Kind so gerne auch einmal seine Traurigkeit und Wut gegenüber anderen Menschen ausleben lassen. Stattdessen presste ich es in die vorgegebene Norm, damit es beschulbar und transportfähig blieb, um meinem Job nachgehen zu können.

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Andere pressen uns oft in eine vorgegebene Norm, die uns nicht entspricht


Die Messlatte des “normalen” Kindes

Ich hätte mir gewünscht, dass meine Familie die Behinderung meines Kindes gesehen und akzeptiert und nicht die Messlatte eines „normalen“ Kindes als Standard für seine Entwicklung vorgibt. Stattdessen erklärte ich jahrelang warum mein Kind etwas nicht schafft, anstatt sagen zu können, was es schon alles schafft. Ich hätte mir gewünscht, auch einmal schwach und traurig sein zu dürfen und das auch zeigen und sagen zu dürfen. Stattdessen wurde mir zum Arztbesuch geraten, damit es mir schnell wieder besser geht. Dieses sind nur einige, wenige Wünsche von Müttern, die ich in den letzten zehn Jahren während meiner Begleitung und Arbeit in den Familien gehört habe. Nicht wenige davon kamen mir bekannt vor, denn auch mir ging es in manchen Situationen ähnlich. Das was alle Mütter mit älteren Kindern gemeinsam hatten, war der Wunsch, die Zeit zurückdrehen zu können. Die zum Teil nicht ausgesprochenen Gedanken von „was ich mir gewünscht hätte“ zu „ich möchte, dass …“. Jedes Kind wird einfach viel zu schnell groß und genau deshalb ist es so unendlich wichtig, die gemeinsame Zeit zu genießen.

 

Unausgesprochene Erwartungen überwinden

Als Folgeartikel zu Erfolgreich gelebte Inklusion braucht eine starke Mutter im Rücken möchte ich mich heute in erster Linie und von ganzem Herzen, an alle „indirekt“ Betroffenen wenden.  An alle die Fragen haben oder helfen wollen. Letztendlich an all diejenigen, die dabei unterstützen, dass Inklusion gelebt werden kann, weil es den Müttern und Familien gut geht. Vorweg das allerwichtigste: Traut Euch auf die Mutter bzw. die Familie zuzugehen und sprecht miteinander. Nichts ist schlimmer als unausgesprochene Erwartungen – auf beiden Seiten. Nur weil jemand stark erscheint, heißt es nicht, dass er es auch ist. Und andersherum heißt es nicht, dass jemand kein Interesse hat, weil er seine Hilfe nicht anbietet. Nicht allzu selten sind es Angst und Unerfahrenheit, die Menschen davon abhalten, aufeinander zuzugehen. Eine Mutter hatte ihr Kind im Regelfall während der Schwangerschaft in sich (aber auch Pflegemütter oder Mütter die ein besonderer Kind adoptiert haben  möchte ich hier ansprechen), konnte im besten Fall eine Bindung zu ihrem Kind aufbauen und hat sich für ein gemeinsames Leben mit ihrem Kind entschieden. Das heißt aber nicht, dass sie in dem Moment, wo das Kind dann auch wirklich da ist, nicht doch überfordert und hilflos ist mit der neuen Situation.

 

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Oft hilft es, wenn man offen auf einander zugeht


Inklusion: Hilfe ist immer willkommen

Vielleicht kommt hinzu, dass das Kind krank ist und doppelt viel Aufmerksamkeit benötigt. Lasst die Mütter zu Hause ankommen und dann sprecht mit ihnen; in Ruhe und ohne Angst zu haben, dass ihr etwas verkehrt macht. Bietet Eure Hilfe an. Fragt nach, womit ihr helfen könnt und wenn ihr dann Antworten bekommt: helft. Auch wenn es noch so banale Dinge sind wie ein Essen kochen, etwas einzukaufen, mit zum Kinderarzt zu kommen, einen Spaziergang mit dem Kind zu unternehmen damit die Mutter schlafen kann, den Müll rausbringen. Es ist egal was es ist – wenn es hilft ist es gut. Etwas was mindestens genau so wichtig ist, wie Hilfe anzubieten, ist: kein Druck in Bezug auf die Entwicklung des Kindes aufzubauen. Egal ob mit gut gemeinten Ratschlägen wie „Heute ist alles möglich. Auch behinderte Kinder können heute studieren und einem normalen Job nachgehen.“ oder aber Fragen wie „Müsste es denn nicht schon längst krabbeln können? Warum schläft es denn noch nicht durch?“. Ja, es gibt Erwachsene, die trotz Diagnose einer geistigen Behinderung studiert haben. Aber es sind Ausnahmen! Und auch ein neues Bundeteilhabegesetz macht den Einsatz eines behinderten Menschen auf dem 1. Arbeitsmarkt nicht unbedingt einfacher. Genau so wenig wie bei jedem „normalen Kind“, kann keiner sagen was mal aus ihm wird.

 

Körperkontakt und Zuspruch

Aber es kann viel schöne und unbeschwerte Zeit von Mutter und Kind kosten, wenn es von klein auf nur „gedrillt“ wird.  Selbstverständlich gibt es auch für behinderte Kinder Richtwerte für die Entwicklung. Wann es krabbeln sollte, wann es allein sitzen sollte usw. Aber es sind Richtwerte und kein „muss“. Besondere Kinder benötigen mehr Unterstützung und oft auch fachlich betreute Unterstützung, um die einfachsten Dinge zu erlernen, aber sie lernen besser mit viel Liebe und Spaß. Jeder weiß, dass das ohne Druck wesentlich besser funktioniert. Ein letzter Tipp: Körperkontakt und Zuspruch. Ja. Für die Mütter und Familien. Jede! Mutter hat Zweifel, ist unsicher und fühlt sich manchmal überfordert. Sie kommt körperlich, geistig und seelisch an ihre Grenzen. Mit einem „besonderen“ Kind vielleicht noch einmal mehr. Und genau aus diesem Grund ist es wichtig ihr zu zeigen, sie spüren zu lassen und ihr zu sagen „Du machst das gut. Komm her und lehn dich an – auch Du darfst Deinen Gefühlen mal freien Lauf lassen und schwach sein oder traurig oder wütend. Ist egal – ich bin da.“ Und bitte nicht abschrecken lassen, wenn es eben nicht der Körperkontakt ist, der hilft. Nicht jeder mag die Nähe oder kann sie aushalten. Manchen bedeutet zuhören mehr als in den Arm genommen zu werden. Ihr werdet schon fühlen was richtig ist. Danke, für das lesen, dass sich Gedanken machen und das helfen wollen.

Es ist schön, dass es Euch gibt.

Über Daniela:

daniela-sportelliIch bin Mutter von 15-jährigen Zwillingsmädchen, eines davon mit Down Syndrom. Seit über 10 Jahren arbeite ich selbständig in der Beratung und Begleitung von Müttern und Familien mit „besonderen“ Kindern. Hauptberuflich bin ich Sozialarbeiterin, zusätzlich habe ich Aus- und Fortbildungen als Gesundheitscoach, Inklusionstherapeutin, Anthroposophischer Heilkunde und psychologischer Beratung absolviert.

Mit meinen Angeboten möchte ich vor allem Mütter körperlich, geistig und seelisch so stärken, dass sie ihr Kind auf seinem Weg bestmöglich begleiten und unterstützen können. Zum einen helfe ich als Gesprächspartner und Gesundheitscoach zum Thema Stressmanagement und Alltagsorganisation. Ich unterstütze aber auch, wenn es um Dinge wie Schul- und Wohnformen für behinderte Menschen, Unterstützung bei Antragstellungen und Therapieangeboten geht. Viele Frauen begleite ich über viele Monate in Einzelcoachings; manche Familien mit meiner Jahresbegleitung sogar schon über mehrere Jahre. Jeder braucht so lange, wie er braucht. Und jeder darf sich diese Zeit nehmen.

Mehr über mich und meine Angebote unter www.daniela-sportelli.de

 

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Danielas ersten Artikel zum Thema Inklusion findest du hier.

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