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Es ist nicht alles Gold, was brüllt! – Interview mit Erfolgscoach Martin Wehrle

Leise Menschen fühlen sich oft als B-Ware in einer Welt, in der sich das schnellste und lauteste Wort durchsetzt – völlig zu Unrecht, sagte Martin Wehrle in seinem neuen Buch „Der Klügere denkt nach“. Hier regt er introvertierte Menschen an, das eigene Temperament mehr zu würdigen und die eigenen Stärken besser zu nutzen.

Herr Wehrle, in Ihrem neuen Buch „Der Klügere denkt nach“ beziehen Sie besonders für die leisen Menschen Partei. Werden die Leisen im Alltag zu oft überhört? 

Wir sehen das genau genommen ständig im Alltag:  Die Lauten werden als Vorbilder gepriesen, die Leisen als Nachhilfeschüler des Lebens behandelt. Oder haben Sie schon mal von einem Lauten gehört, der ein Seminar im Zuhören belegt hat? Aber pausenlos werden die Leisen in Rhetorik-Trainings gedrängt. Mir ist einfach die Botschaft wichtig: Nicht nur leise Menschen können von den Lauten lernen, sondern auch umgekehrt. Introversion ist keine Krankheit, sondern ein gesundes Temperament.

Werden leise Menschen oft in eine Ecke gedrängt, in der sie sich als Mängelexemplare fühlen?

Absolut, denn von Kindheit an empfangen sie Botschaften wie: „Du musst mehr aus dir herauskommen!“, „Sprich lauter!“, „Mach mehr auf dich aufmerksam.“ Das geht doch schon in der Schule los: Wer sich nicht am laufenden Band meldet, wird mit der mündlichen Note abgestraft – sogar wenn er ausgezeichnete Arbeiten schreibt. Warum ist es mehr wert, wenn jemand laut lernt, und weniger, wenn es jemand leise tut? Das Temperament, ob introvertiert oder extrovertiert, ist angeboren wie die Haarfarbe. Wir würde doch auch nicht blonde Kinder gegenüber dunkelhaarigen bevorzugen oder umgekehrt.

Ist das Temperament Ihrer Meinung nach angeboren? Oder hat es auch mit der Erziehung zu tun?

In meinem Buch weise ich auf ein Experiment hin: Wissenschaftler haben Babys durch laute Geräusche gereizt. Und raten Sie mal, wer am lautesten geschrien hat? Jene, die im späteren Leben zu Introvertierten wurden. Das klingt jetzt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht: Introvertierte Menschen haben ein sehr reiches Innenleben, also viele Impulse im eigenen Kopf – wenn dann noch viele Außenreize hinzukommen, zum Beispiel Lärm oder Menschenmengen, fühlen sie sich überfordert. Bei Extrovertierten ist das umgekehrt, sie werden durch Außenreize belebt. Und das bleibt von der Kindheit bis zum Erwachsensein relativ stabil.

Welchen Einfluss übt dann die Erziehung aus?

Wer seine ganze Kindheit lang hört, dass er zu leise ist, glaubt es eines Tages selbst. In den USA halten sich nach Studien bereits 50 Prozent der Menschen für „schüchtern“. In Deutschland sind es auch viel zu viele. Das hat aber nichts mit diesen Menschen zu tun, sondern viel mit den Maßstäben unserer Gesellschaft: Wer sein frischgeborenes Baby nicht sofort für Facebook vor die Kamera hält und als Pressesprecher in eigener Sache agiert, fühlt sich schon als schüchtern. Meine Botschaft aber ist: Wir brauchen mehr Redlichkeit und weniger Reden. Ein leises Wesen ist ein großer Segen, es bietet viele Vorteile.

Bitte geben Sie uns doch mal ein paar Beispiele.

Leise Menschen sind wunderbare Zuhörer. Man fühlt sich in ihrer Gesellschaft wohl und bekommt Raum für die eigene Persönlichkeit. Gerade in Führungsfunktionen und auch in der Politik brauchen wir Menschen, die nicht nur große Reden schwingen, sondern auch zuhören. Ebenso sind Introvertierte oft stark im schriftlichen Ausdruck, im gründlichen Abwägen, und sie fällen nachhaltiger Entscheidungen. Wer sie einmal zum Freund gewinnt, kann sich dauerhaft auf sie verlassen – eben weil sie nicht jeden einen „Freund“ nennen, sondern höchstens eine Handvoll Menschen. Es geht ihnen mehr um Qualität als um Quantität.

Demnach müssten leise Menschen ja äußerst begehrt in unserer Gesellschaft sein. Aber sind Sie das wirklich?

Auf der einen Seite beobachte ich als Karriereberater, dass die Leisen oft unterschätzt und übersehen werden – weil die Lauten einfach viel mehr Lärm um ihre Leistung machen. Auf der anderen Seite: Unser Land wird reagiert von Angela Merkel, eine introvertierten Frau. Unsere Fußballnationalelf wurde zum Weltmeistertitel geführt von Joachim Löw, einem introvertierten Mann. Und auch bekannte Schauspieler und Sänger sind oft introvertierte Menschen. In meinem Buch erzähle ich zum Beispiel die Geschichten von Bruce Springsteen und Reinhard Mey – beide introvertiert, aber vorzügliche Bühnenkünstler. Das schließt sich nicht aus, im Gegenteil: Jeder introvertierte Mensch hat extrovertierte Anteil – es muss sich nur erlauben, sie zu leben. Also: Introvertierte können durchaus erfolgreich sein. Auch wenn sie um ihren Erfolg wenig Lärm machen.

Was empfehlen Sie stillen Menschen, um mehr Beachtung und Würde zu finden?

An erster Stellen: sich selbst akzeptieren! Wer mit sich im Reinen ist, bekommt eine Ausstrahlung, die auch andere überzeugt. An zweiter Stelle: gezielt die eigenen Stärken einsetzen. Wenn ein leiser Mensch in eine Verhandlung oder in ein Meeting geht, kann er sich schriftlich vorbereiten – das verleiht ihm Sicherheit. Und wenn er in der Verhandlung eine Leistungsmappe vorlegt, macht das gewaltig Eindruck. Denn so gut sind die durchschnittlichen Arbeitnehmer eben nicht vorbereitet.

Und wie sieht es außerhalb der Arbeit aus, zum Beispiel beim Flirten?

Vergessen Sie nicht: Leichte Schüchternheit wird oft als attraktiv empfunden. Es ist also gar nicht nötig, sich zu verstellen. Aber wer zum Beispiel gut schreiben kann und einen Liebesbrief auf den Weg bringt, wird damit viel mehr Eindruck machen als mit flüchtigen gesprochenen Worten. Übrigens halten Partnerschaften zwischen Menschen desselben Temperaments am längsten. Aber in meinem Buch gebe ich auch Tipps, wie man als stillerer Mensch mit einem lauteren zusammenlebt. Man muss die Bedürfnisse des jeweils anderen erkennen. Zu diesem Zweck enthält mein Buch auch einen langen Selbsttest. Dort kann man auch prüfen, ob man hochsensibel ist.

Hochsensible spüren immer sofort, was die anderen von ihnen wollen – oft so intensiv, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse übersehen. Übrigens sind 30 Prozent der Hochsensiblen extrovertiert. Ich gebe Tipps, wie man die eigenen Bedürfnisse wieder entdecken und konsequenter Nein sagen kann – zum Beispiel, indem man sich bei Anfragen etwas Zeit nimmt: „Danke für Dein Anliegen – ich komme späterer noch einmal auf dich zu.“ Dann kann man in sich horchen und herausfinden: Will ich das wirklich? Oder täte ich es nur dem anderen zum Gefallen? Im zweiten Fall, wenn er erste erkannt ist, fällt das Nein leicht – weil es zugleich ein Ja zum eigenen Ich ist.

Vielen Dank !

Martin Wehrle ist Bestseller-Autor, Karriereberater und Coaching-Ausbilder mit eigenem Institut (www.karriereberater-akademie.de). Dieser Artikel ist ein gekürzter Auszug aus seinem gerade erschienenen Spiegel-Bestseller „Der Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“

Der Klügere denkt nachAm kommenden Mittwoch kannst dich auf einen  Auszug aus seinem gerade erschienenen Spiegel-BestsellerDer Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“ freuen….:

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…Wir alle kennen Menschen, die vor Selbstbewusstsein fast aus dem Anzug platzen. Immer haben sie einen Spruch auf den Lippen, eine Story auf Lager. Der Mittelpunkt jeder Party ist dort, wo sie sich aufbauen. Freundschaften schließen sie so schnell, dass man in Steno mitschreiben müsste, um auf dem neusten Stand zu bleiben. Und Sie sich vorsichtshalber erneut die Visitenkarte geben lassen, wenn Sie einen solchen Typen ein paar Monate nicht gesehen haben – gut möglich, dass er auf der Karriereleiter gestiegen ist…. Fortsetzung am kommenden Mittwoch.

 

 

Wir bedanken uns sehr herzlich beim Mosaik Verlag für die Genehmigung einer Auszugsveröffentlichung.

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