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Freilernfamily – Kann man besser ohne Schule lernen?

Warum das Konzept der Freilernfamily für mehr Selbstbestimmung beim Lernen sorgt, erfährst du in diesem Gastartikel von Anja-Katharina Riesterer. Ganz viel Spaß beim Lesen!

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Christian und Anita touren mit ihren vier Kindern als „Die Freilernfamily“ durch Europa und machen anderen Familien Mut, zum natürlichen Lernen zurückzukehren.

„Wie würdest du dein Kind aufwachsen lassen, wenn du wüsstest, es hat nicht lange zu leben?“

Mit dieser Frage wurden Christian und Anita Hahn konfrontiert, als sie ein schwerbehindertes Mädchen zur Welt brachten und wussten, dass ihm nicht viel Zeit auf unserem Planeten bleiben würde. Schon lange hatten sie als Eltern und Lehrer mit dem deutschen Schulsystem gehadert und sich in ihrem Bestreben, ihre Kinder ermutigend zum Wachstum und zur Selbstverantwortung zu erziehen, eingeschränkt gefühlt. Das Schicksal ihrer zweiten Tochter Hanna half ihnen, mutig zu sein. 2013 wagten sie den Sprung und meldeten sich und ihre zwei schulpflichtigen von inzwischen vier Kindern aus Deutschland ab. Seitdem touren sie als „Die Freilernfamily“ durch Europa, erkunden neue Möglichkeiten und machen anderen Familien Mut.

Schon immer war das Elternpaar auf der Suche nach mehr „Selbstbestimmung, Wahrhaftigkeit und Freiheit“. Um alternative Schulen kennenzulernen, reisten sie durch ganz Deutschland, aber nie wollte es so richtig passen. Für Christian als Lehrer nicht und für die Kinder erst recht nicht. Zunehmende Verstaatlichung, Beschränkungen der erzieherischen Freiheit und Mobbingerfahrungen führten auf beiden Seiten zu Bauchschmerzen und Lernunlust. Bald waren sich Anita und Christian einig: „Das wollen wir für unsere Kinder nicht!“ Damit stehen sie nicht alleine da – offiziell gehen in Deutschland über tausend Kinder nicht zur Schule, tendenz steigend. Sie werden in begründeten Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Krankheit, zuhause von den Eltern unterrichtet. Das findet unter regelmäßiger staatlicher Prüfung statt. Ohne diese Ausnahmeregelungen sind Freilernen und Homeschooling in Deutschland allerdings verboten – als beinahe einzigem Land in Europa. Das Lebensmodell der Freilernfamily wird daher immer beliebter.

Ermutigung zum Wachstum als oberstes Erziehungsprinzip

spiritualität titelAnita und Christian reisten 2013 aus, touren seitdem durch Europa und haben eine Basisstation in Südspanien. Sie gestalten gemeinsam einen Nährboden, auf dem ihre Kinder wachsen können, statt kleingehalten zu werden. Ein Umfeld, das ihre Stärken anerkennt und fördert, statt sie permanent mit ihren Schwächen zu konfrontieren. Ein Heranwachsen zu gesunder Selbstverantwortung – indem sie früh lernen, zu entscheiden, was gerade gut für sie ist – und mit den Konsequenzen umzugehen. Ihre Kinder Emmi (15), Sara (11) Noah (7) und irgendwann auch die kleine Salomé (3) sind an einer Schule für Reisende angemeldet, die ihnen regelmäßig Materialien zusendet. Damit können sie frei umgehen. Wenn ihnen ein Thema nichts sagt, werden sie nicht zum Lernen gezwungen – sie beschäftigen sich entweder mit etwas anderem oder finden mit ihren Eltern alternative Wege, um ein Thema interessanter und lebensnäher zu gestalten. „Meistens sind die schulischen Aufgaben derart theoretisch, dass sie überhaupt nichts mehr mit unseren Leben zu tun haben. Das ist für die Kinder ein echter Kampf – und eine unnatürliche Form des Lernens, die langfristig zu Erschöpfung, Unlust und Bauchweh führen muss!“, sagt Christian.
Der siebenjährige Noah lernt derzeit Rechnen durch den Umgang mit Geld. Er überlegt, wie viel er zum Einkaufen mitnehmen muss oder was zwei Briefmarken kosten. Liegt er falsch, verrät Papa Christian ihm einfach sein eigenes Ergebnis. Dann kann Noah nochmal neu und von einer anderen Seite darüber nachdenken, wie man wohl auf diese Zahl kommt – das macht richtig Spaß. Sein Interesse ist dann echt und der Lernerfolg auch – ohne jegliche Ermahnung, Abfrage oder Bloßstellung. Auf diese Weise, weiß Christian, lernen seine Kinder den Schulstoff von mehreren Wochen oft in wenigen Tagen. „Der Wunsch, etwas zu lernen, weil es im Leben gerade eine Rolle spielt, stellt sich natürlicherweise ein – nur eben nicht bei allen Kindern gleichzeitig, weder um die gleiche Uhrzeit noch im gleichen Lebensalter.“

Neurobiologie stützt Freilerner, das Gesetz (noch) nicht

„Begeisterung ist Dünger fürs Gehirn. Das Gehirn eines Kindes, das sich begeistern darf, badet sozusagen permanent im Dünger!“, weiß der Hirnforscher Gerald Hüther. Wenn ein Kind den Raum bekommt, in dem es selbstbestimmt lernen darf, entwickelt sich ganz natürlich eine Begeisterung für die Inhalte. Die Botenstoffe, die dabei ausgeschüttet werden, lassen die Lernprozesse schneller und intensiver ablaufen. Die Kombination von Herz und Kopf führt also erwiesenermaßen zur gesunden Weiterentwicklung – übrigens auch bei Erwachsenen.

FreilernfamilyChristian und Anita wollen die Erziehung ihrer Kinder nicht dem Staat überlassen, der ihrer Meinung nach zu Unfreiheit und Unselbstständigkeit erzieht und Kinder vor allem darauf vorbereitet, später nützlich in der Wirtschaft zu sein, statt nach ihrer wirklichen Lebensaufgabe und ihren Talenten zu fragen.Vor ihrem Aufbruch ins Ungewisse haben sie ihre Kinder deshalb aus der Schule genommen und wollten sie daheim unterrichten – ihr gutes Recht als Lehrer, wie sie dachten. „Ein Zahnarzt darf sein Kind schließlich auch selbst behandeln“. Aber weit gefehlt. Ein besorgter Nachbar zeigte sie an – und verhalf ihnen damit zu einem jahrelangen Kampf mit Behörden und Ämtern, der vor Gericht endete. „Heute sind wir diesem Menschen sehr dankbar, denn er hat uns geholfen, aus unserer sicheren Komfortzone auszubrechen und neue Wege zu beschreiten“. Dennoch waren die Stunden angstvoll und hart – denn sie wurden per Paragraph in eine Schublade mit Fällen von akuter Kindeswohlgefährdung gesteckt und mussten fürchten, das Sorgerecht entzogen zu bekommen. Am Ende hatten sie die Wahl: Die Kinder zur Schule schicken oder das Land verlassen.

Damit Kinder unabhängig vom Elternhaus den gleichen Zugang zu Bildung haben, gilt in Deutschland eine strafbewehrte Schulpflicht – und das, obwohl laut Grundgesetz die Pflege und Erziehung der Kinder ein natürliches Elternrecht ist. Das Schulwesen, so heißt es dort ebenfalls, steht unter der Aufsicht des Staates. Hieraus leiten die Gerichte einen staatlichen Erziehungsauftrag ab, was aber umstritten ist. Rechtsanwalt Dr. Andreas Vogt, der viele Freilernfamilien vertritt, sieht darin vielmehr eine Wächterrolle des Staates, dessen Eingreifen erst dann nötig wird, wenn die Eltern ihre Pflichten vernachlässigen. So funktioniert es auch in den meisten anderen Ländern, es heißt dann beispielsweise Bildungspflicht statt Schulpflicht. Alle Kinder haben die gleiche Grundchance auf Bildung und können auf staatliche Schulen gehen, müssen es aber nicht – so halten es viele europäische Länder.

Vision: Manufakturen für Potenzialentfaltung

FreilernfamilyDer Richterin, die den Fall der Familie Hahn betreute, waren im Rahmen dieser Gesetze noch die Hände gebunden, auch wenn sie durchblicken ließ, dass sich etwas ändern wird und muss. Anita vergleicht das mit der Entwicklung der Frauenrechte: „Die Frauen haben auch schon Jahrzehnte anders gelebt, bevor sich Gesetze änderten. Es musste halt erst einmal ins Bewusstsein der Gesellschaft. So wird es auch mit der freien Bildung sein“, ist sie sich sicher.

Viele Familien haben sich inzwischen dem Weg der Freilernfamily angeschlossen und suchen Rat bei Christian und Anita. In Freilern-Facebookgruppen wird gemeinsam diskutiert, ermutigt und es werden Wege aufgezeigt. Christian hat dabei, auch wenn er das nicht gerne zugibt, eine Vorreiterstellung. Gerade hat er seine Vision der „Manufakturen für Potenzialentfaltung“ auf Facebook veröffentlicht:

Stell dir vor, du könntest jederzeit – mit deinen Kindern – ohne Geld an einem wunderschönen Ort mit Strand, Palmen, eigener Hütte sein. Umgeben von verschiedenen Bildungs-, Forschungs- und Meditationszentren, mit Abenteuerspielplätzen, Pools… Du könntest leben, relaxen, lernen, singen, schweigen, arbeiten. Mit anderen zusammensein in respektvollem Umgang. Ein neues Fühlen, Denken und Handeln einüben. Ein Mindset entwickeln, das uns alle in die Fülle führt“.

Es ist ein Gedankengut, das erst langsam in einer Leistungsgesellschaft ankommen kann. Wenn man die Familie Hahn erlebt, und sieht, wie sie von innen heraus strahlen, wie verbunden sie mit dem sind, was sie tun, wie viel sie mit sich selbst und der direkten Realität anfangen können, hat das eine hohe Beweiskraft für den Weg den sie eingeschlagen haben. Ein Weg, dessen Ziel weder sie noch andere genau kennen. „Aber wir wissen, dass es richtig ist, ihn weiterzugehen!”

Deine Anja-Katharina Riesterer
www.anja-katharina.de

Auch in ihrem ersten Artikel für den Compassioner ging es um Lebenskonzepte, die ausserhalb unserer angestammten Normen liegen: Welche Beziehungsform ist die richtige? Hier findest du diesen Artikel.

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