Human Trust
Kategorien Anzeigen

Erfolg Body Arbeit Beziehungen Deine Welt Glück Seele Podcasts humantrust @Redaktion

Gefühle

Gefühle liebevoll fühlen – So kommst du aus dem Widerstand heraus

Gefühle wirklich zu fühlen, ist eine Kunst. Nur unter besten Bedingungen bleibt uns die Fähigkeit, mit Gefühlen liebevoll umzugehen erhalten. Da bei den meisten Menschen Gefühle nicht immer positiv beantwortet wurden, verbinden wir sie mit diesen Erfahrungen. Diese und die damit verbundenen Bewertungen führen uns dabei heute immer wieder in die Irre – häufig ohne, dass uns das bewusst ist.

Was uns dabei im Weg steht, sind unsere Widerstände gegen etwas, von dem wir glauben, dass es geschehen würde, wenn wir das Gefühl ganz fühlen.

Widerstände gegen Gefühle

In der Achtsamkeitspraxis ist ein Widerstand etwas, mit dem wir arbeiten können. Wie das Gefühl selbst, ist er ein Objekt der Wahrnehmung. Er ist die Türe, die noch verschlossen ist, weil sie noch gebraucht wird. Je nach Erfahrung in der eigenen Historie bleibt diese Türe solange verschlossen, bis wir anerkennen, wovor sie uns beschützen will. Darum achte ich in der Spürarbeit ganz besonders auf solche Widerstände. Werden sie nicht beachtet, bleibt das tiefere Gefühl verborgen.

Hinweise auf einen Widerstand sind Aussagen wie „Aber ich fühle doch…“, „Es ist doch eh schon so schlimm…“, „Ja, aber…“ oder „Wenn ich das jetzt wirklich fühlen muss, dann kommt die ganze Scheiße hoch.“, was nichts anderes bedeutet, als „Dann habe ich keine Kontrolle mehr darüber.“.

Jede dieser Aussagen zeigt an, dass das Gefühl noch abgewehrt wird. Das ist nicht schlimm. Wir alle tun es mehrfach täglich. Wichtig ist nur, dass wir uns dessen bewusst werden.

Ein weiterer gängiger Weg ein Gefühl abzuwehren ist, ein Ersatzgefühl zu fühlen. Nehmen wir an, du hast für einen kurzen Moment Angst vor zu viel Nähe. Nehmen wir weiter an, du fürchtest dich davor diese Angst zu fühlen oder bewertest sie als Schwäche. Statt die Angst zu fühlen, wirst du wütend.

Oder du beschließt, einem Gefühl endlich die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Ganz plötzlich ist es weg. Du fühlst es nicht mehr. Das geschieht gar nicht so selten. Wenn wir in solchen Momenten aufmerksam sind, bemerken wir vielleicht, dass statt des ursprünglichen Gefühls nun der Nacken oder eine andere Körperpartie angespannt ist. Hier zeigt sich dann die Resonanz des Widerstands im Körper.

Dies sind nur einige Beispiele, wie sich Widerstand äußern kann.

Gefühle liebevoll fühlen

Dich selbst liebevoll durch ein Gefühl hindurch zu begleiten, folgt einem bestimmten Ablauf. Ich habe beobachtet, dass dieser Ablauf immer derselbe ist. Wenn du das ein paarmal gemacht hast, ist es gar nicht so schwer.

Zunächst nimmst du das Gefühl wahr, um das es geht. Du benennst es und erforschst es im Körper. Jedes Gefühl zeigt eine Resonanz in einer bestimmten Körperregion. Durch die Fokussierung auf die Körperempfindung bekommst du mehr Abstand zu dem Gefühl. So ist es leichter auszuhalten.

Während du die Körperempfindung erforschst, können Bilder aus längst vergangenen Situationen auftauchen. Diese Bilder nimmst du ebenfalls nur wahr. Du beobachtest weiter, welchen Einfluss sie auf die Körperregion haben, ohne dich in der alten Geschichte zu verlieren. Folgst du der Geschichte – also deinen Gedanken, kannst du dich selbst nicht mehr durch diesen Prozess hindurch führen. Es geht also darum, dass du weiter als Beobachter die Körperempfindungen zu dem Gefühl oder Bild erforschst.

Bedürfnisse erfüllen

Hast du das lange genug getan, verändern sich die Körperempfindungen. Du kannst dich dann fragen, was diese Empfindungen von dir brauchen, damit es ihnen gut geht. Hier kommst du auf der Ebene deiner Bedürfnisse an.

Compassioner_GefühleSchauen wir uns diese Bedürfnisse etwas genauer. Du wirst feststellen, dass es sich überwiegend um Bedürfnisse handelt, die für eine gute kindliche Entwicklung notwendig sind. Da geht es etwa darum, dass etwas da sein darf und gesehen, gehört oder wahrgenommen wird. Ein Gefühl wünscht sich mehr Raum oder Zeit, mehr Beachtung oder Würdigung. Es will verstanden, eingefühlt und mit liebevoller Fürsorge behandelt werden.

Findest du einen Weg, dir diese Bedürfnisse während der Übung zu erfüllen, wird sich das Gefühl wahrscheinlich auflösen.

Ein Beispiel:

Nehmen wir an, du spürst eine Traurigkeit in der Mitte deiner Brust. Dort nimmst du sie als Druck wahr. Je länger du diesen Druck spürend erforschst, desto mehr freut sich diese Körperstelle, dass sie endlich einmal wahrgenommen und gesehen wird. Du erfüllst dir diese Bedürfnisse, indem du dir Raum gibst, die Körperempfindung noch länger zu erforschen. Im Laufe dieses Prozesses können immer wieder Bilder und Erkenntnisblitze auftauchen. Etwa wenn du erkennst, dass die Empfindung sich nun dein Mitgefühl wünscht. Vielleicht ist es das, was du früher häufig vermisst hast. Begegnest du dir nun mit Mitgefühl, wird sich die Körperempfindung wieder verändern. Mit jedem erfüllten Bedürfnis tut sie das.

Aber Achtung! Machst du diese Übung mit der Absicht, das Gefühl wegzubekommen, wird es nicht funktionieren.

Das war jetzt der Ablauf, wenn ein Gefühl ohne Abwehr spürbar ist. Wie funktioniert das Ganze aber, wenn ein Widerstand vorhanden ist?

Einen Widerstand auflösen

Wie schon zuvor gesagt, ist ein Widerstand ebenfalls ein Gefühl. Es handelt sich dabei um eine Angst – die Angst vor einem Gefühl. Bei Widerstand denkt es in dir dabei vielleicht Gedanken wie „Das halte ich nicht aus.“ oder „Ich verliere die Kontrolle über mich und mein Leben, wenn ich das jetzt alles fühle.“ Diese Gedanken sind zwar meistens unwahr, wollen aber trotzdem angenommen und gewürdigt werden. Das ist Teil des Verstehens. Dadurch wird Einsicht möglich.

Die schmerzhaften Gefühle – vor allem der Widerstand – waren einmal die einzig mögliche Reaktion auf die Ereignisse in deinem Umfeld. Sie waren eine Überlebensstrategie. Das Kind, das du warst, hatte nur diese Strategie zur Verfügung. Es hat sich für das Kind tatsächlich so angefühlt, als würde es die Kontrolle verlieren. Wenn das Gefühl heute noch eine große Rolle spielt, ist anzunehmen, dass es sich mit dem Gefühl damals sehr allein gefühlt hat. Ein Kind kann noch nicht reflektieren, wie ein Erwachsener. Es ist abhängig von den Reaktionen seiner Umgebung. Bleibt es im Schmerz alleine oder wird sogar damit abgewiesen, muss es das Gefühl unterdrücken.

Von nun an bewertet es das Gefühl und alles, was damit zusammen hängt.

Der Widerstand ist geboren.

Dieser Vorgang braucht Würdigung, denn er hat dich mal beschützt. Darüber hinaus braucht er Verständnis und Mitgefühl. Das alles geht nicht, ohne den Widerstand zu beachten. Indem du dir in der Übung die Bedürfnisse erfüllst, schließt du die verschlossene Türe auf.

Wenn der Prozess bei jedem Gefühl funktioniert, tut er das auch bei einer Angst – also auch bei einem Widerstand. Ich nenne diesen Ablauf WAVE. Das lässt sich leicht merken und du hast den Ablauf sofort vor Augen.

Hier die WAVE-Übung auf einen Blick:

Die WAVE-Übung

Bei manchen Gefühlen reicht es, das einmal zu machen. Manche wollen ganz oft gefühlt werden. Wie Zähneputzen kann das zu einer täglichen Gefühlshygiene werden.

Grenzen der eigenen Spürarbeit

Dieser Ablauf funktioniert bei allen Gefühlen, die wir als Beobachter wahrnehmend erforschen können. Manchmal gelingt das jedoch nicht alleine.

Das ist der Fall, wenn der Widerstand zu groß ist. Hier ist unser Ego dann sehr stark mit dem Gefühl oder dem Gedanken dahinter identifiziert. Mit einer starken Identifikation wird es schwieriger, Distanz zu dem Gefühl einzunehmen. Ob du mit einem Gefühl identifiziert bist, erkennst du daran, dass dich die Gefühle überfluten oder du einen bestimmten Standpunkt nicht aufgeben „kannst“. An dieser Stelle spürst du tatsächlich keine Wahl. Es fühlt sich an, als müsstest du einen Teil deiner Identität aufgeben und das kann sehr beängstigend sein.

Hier empfehle ich, begleitet durch das Gefühl hindurch zu fühlen. Durch die Führung fühlst du dich sicherer und es gelingt leichter, dich in die Angst hinein zu entspannen. Das Ego kann dann leichter loslassen. So wird dir auch eher bewusst, mit welchem „unwahren“ Gedanken über das Gefühl du identifiziert warst. Ist dir dieser Gedanke erstmal bewusst, kannst du ihn überprüfen. Wie das geht, beschreibt Ina Rudolph in ihren Beiträgen.

In Kürze beginnt mein neuer Kurs mindful moments zunächst als Beta-Version. Wenn du mehr darüber erfahren und dich unverbindlich informieren möchtest, erfährst du hier mehr.

Deine Claudia Heipertz – Wahrnehmungsguide

 

Dieser Artikel könnte dich auch interessieren:

43 Achtsamkeitsübungen für den Alltag

Gefällt mir 128 Personen gefällt das

Diskussion

Hole dir dein Gratis-Geschenk für Compassioner-Leser:


Das große Coaching Paket von Veit Lindau.
Sichere dir diesen wertvollen Leitfaden für ein erfülltes, glückliches Leben.

 

Wir schenken dir:
o 4 Audiovorträge mit Veit Lindau
o 1 Geführte Meditation
o Den Lebenskompass

Trag dich dazu hier ein:

 



 

 

fan

Pin It on Pinterest

Share This