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Erfolgreich gelebte Inklusion braucht eine starke Mutter im Rücken

Was braucht es, damit Inklusion nicht nur ein Versprechen bleibt, sondern tatsächlich erfolgreich umgesetzt und gelebt werden kann? Unsere Gastautorin Daniela Sportelli ist selbst Mutter wundervoller 15-jähriger Zwillinge, von denen eine Tochter mit Down Syndrom zur Welt kam. Seit über zehn Jahren berät und begleitet sie außerdem andere Familien mit „besonderen“ Kindern. Sie ist nicht bloß überzeugt, dass Inklusion gelingen kann, sie erlebt es auch immer wieder. Allerdings: Einstellung und Glaube daran müssen stimmen – und zwar ganz besonders bei den Müttern von Inklusionskindern.

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Vorweg sei gesagt, dass ich die Ansprache der Mutter hier nur wähle, weil meine Erfahrungen der letzten zehn Jahre leider zeigen, dass in den meisten Familien immer noch (nur) die Mütter die Hauptbetreuung der Kinder – gerade auch bei den besonderen Kindern – übernehmen. Wenn es bei dir anders ist, dann würde ich mich freuen, wenn du den Artikel mit demjenigen liest, der an deiner Seite steht.

Als Mutter sichtbar sein

Vielleicht fragst du dich, warum ich hier die Aussage treffe: „Erfolgreich gelebte Inklusion hat immer eine starke Mutter im Rücken“. Es ist ganz einfach: Es kann nirgendwo eine erfolgreiche Inklusion deines Kindes stattfinden, wenn du als Mutter mit deinem Kind nicht sichtbar bist. Sichtbar zu sein ist schwierig, anstrengend, verletzend, kräftezehrend, aber es ist so unglaublich wichtig. Und wenn du einmal damit angefangen hat, wirst du sehen, welch wunderbare Erfolge man damit erreichen kann. Du und dein Kind.

Die meisten Mütter, die heute ein behindertes Kind bekommen, wissen es in der Regel – dank modernster Diagnosetechniken – bereits weit vor der Geburt. Wenn sie ihr behindertes Kind zur Welt bringen, haben sie sich bewusst dafür entschieden. Wenn du als Mutter dann also endlich dein Kind in den Armen hältst, bist du wahrscheinlich der glücklichste Mensch der Welt und: Du bist vorbereitet. Du hast dich über Kinder mit den verschiedensten Diagnosen belesen und hattest vielleicht schon Kontakt zu Familien oder Frauen mit Kindern derselben Diagnose. Im besten Fall stehen dein Mann oder deine Frau und deine Familie hinter dir und freuen sich genauso wie du über den neuen kleinen Erdenbürger. Du hast gelesen, was heute alles möglich ist, und hast vielleicht sogar schon einen Plan im Kopf, wie die nächsten Jahre so verlaufen sollen. Bis zu diesem Punkt sind viele Mütter „sichtbar“ und präsent mit ihrem Kind.

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Als frischgebackene Mutter bist du voll in deiner Sichtbarkeit und stehst mutig für dein Neugeborenes ein

Wenn mangelnde Inklusion unsichtbar macht

Und dann kommt der Moment, in dem ich meistens um eine Begleitung oder Beratung gebeten werde. Der Moment der Ablehnung. Das ist meist nicht gleich beim ersten Mal der Fall, eher, wenn es das zweite oder dritte Mal passiert, dass Mütter mit ihrem Kind „abgelehnt“ werden. Das kann bei einer Spielgruppe passieren, in der eben doch nicht alle Teilnehmer so offen gegenüber behinderten Kindern sind, wie es in den Büchern steht. Oder die Kita, der man vorgeschlagen hat, doch ein Integrationskind aufzunehmen – so wie es doch überall kommuniziert wird – und die dann plötzlich „Nein“ sagt. Oder ein Treffen mit Bekannten, die – obwohl man sich ja schon so lange kennt – doch eine verletzende Bemerkung machen. Auch wenn es schwer zu glauben ist, es gibt diese Situationen. Zu oft.

In diesem Moment verschwinden viele Mütter und werden „unsichtbar“ – und somit wird auch ihr Kind „unsichtbar“. Ab da kann keine Inklusion mehr stattfinden, denn du wirst lange brauchen, bis du dein Kind wieder so selbstverständlich in das soziale Leben integrierst, wie du es vorgehabt hast. Wenn du es überhaupt wieder wagst.

Die Macht der Gedanken

Aber genau hier ist es so wichtig, dabei zu bleiben. Denn nur du kannst dein Kind dabei unterstützen, glücklich und zufrieden in sein Leben zu starten. Du bist es, die ihm beibringt, offen auf Menschen zuzugehen, die ihm zeigt, wie viel Spaß das Leben macht und wie schön es ist, Freunde zu finden. Und die ihm beibringt, seinen Weg zu gehen. Mein größter Herzenswunsch ist es, dass du als Mutter selbstbewusst hinter deinem Kind stehen kannst, seine und deine Rechte kennst und weißt, welche Unterstützung dir zusteht. Dass du gesund und entspannt auf die Dinge reagieren kannst, die das Leben mit einem besonderen Kind eben mit sich bringt.

Es heißt nicht umsonst „Die Macht der Gedanken“ und in den meisten von mir betreuten Fällen hat sich herausgestellt, dass es wirklich „nur“ die Gedanken sind, die Mütter davon abhalten, ihr besonderes Kind zu integrieren. Die erlebten, gefühlten und abgespeicherten Gedanken. Deshalb ist das Hauptthema, an dem ich mit den Frauen arbeite, die Akzeptanz für das, was ist, und den gleichzeitigen Mut, negative Gedanken umzuwandeln. Der Rest ergibt sich dann meist von ganz allein.

Gib deinem Kind die Chance, Erfahrungen zu sammeln

Im Urlaub diesen Jahres habe ich eine Situation erlebt, die genau das zeigt. Ich habe Zwillingsmädchen, die mittlerweile 15 Jahre alt sind. Eine von ihnen hat das Down Syndrom. Beide ziehen es seit einigen Jahren vor, im Urlaub lieber mit anderen Kindern die Tage zu verbringen, als ständig bei uns Erwachsenen zu sitzen und sich zu langweilen. Es hat natürlich auch bei meiner Tochter Zeit, Geduld und Arbeit gebraucht – das tut es immer noch –, damit sie heute so offen auf Menschen zugeht, schnell ihren Platz findet und auch weiß, wie sie mit Ablehnung umgeht.

In unserer Nähe war ständig eine Familie mit einem 14-jährigen Jungen, der ebenfalls das Down Sydrom hat. Er fragte seine Mutter jeden Tag, ob er nicht auch zu den anderen Kindern gehen könne, weil ihm langweilig war. Seine Mutter verneinte konsequent. Nach ein paar Tagen kam ich dann mit der Mutter ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass allein ihre bisher erfahrene Ablehnung sie ängstlich gemacht hat und sie ihrem Sohn Zurückweisung ersparen wollte. Wir vertieften unsere Gespräche und letztendlich war sie bereit, es auf eine neue Erfahrung ankommen zu lassen.

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Kinder möchten nicht allein, sondern dabei sein. Geben wir ihnen die Chance, sich zu integrieren.

 

Ihr Sohn ging am nächsten Tag mit meiner Tochter in die Teens-Gruppe und wurde dort prima aufgenommen. Natürlich gab es auch dort Kinder, die nicht mit den beiden umzugehen wussten, weil sie einfach noch nie Kontakt zu behinderten Kindern hatten. Aber auch hier konnten wir mit einer kleinen gemeinsamen Runde informieren und zusammenführen. Es war das schönste Urlaubsandenken, dass ich aus diesem Urlaub mitgenommen habe.

Traut euch

Liebe Mütter, jedes Kind ist ein Geschenk – auch wenn jedes Kind eine andere Aufgabe mit sich bringt. Traut euch mehr zu. Ihr dürft schimpfen, weinen und auch mal verzweifeln. Holt euch Hilfe, wenn ihr sie braucht, und nehmt euch Auszeiten. Informiert euch und lasst euch aufklären, welche Rechte und welche Unterstützungen euch zustehen. Denkt an euch und eure Gesundheit – ihr seid wichtig und ihr werdet noch gebraucht. Und dann: aufstehen, schütteln, Luft holen und das Leben zusammen mit eurem Kind genießen. Die Welt ist so bunt – es gibt für jeden hier einen Platz.

Herzlich Eure Daniela

Über Daniela:

daniela-sportelliIch bin Mutter von 15-jährigen Zwillingsmädchen, eines davon mit Down Syndrom. Seit über 10 Jahren arbeite ich selbständig in der Beratung und Begleitung von Müttern und Familien mit „besonderen“ Kindern. Hauptberuflich bin ich Sozialarbeiterin, zusätzlich habe ich Aus- und Fortbildungen als Gesundheitscoach, Inklusionstherapeutin, Anthroposophischer Heilkunde und psychologischer Beratung absolviert.

Mit meinen Angeboten möchte ich vor allem Mütter körperlich, geistig und seelisch so stärken, dass sie ihr Kind auf seinem Weg bestmöglich begleiten und unterstützen können. Zum einen helfe ich als Gesprächspartner und Gesundheitscoach zum Thema Stressmanagement und Alltagsorganisation. Ich unterstütze aber auch, wenn es um Dinge wie Schul- und Wohnformen für behinderte Menschen, Unterstützung bei Antragstellungen und Therapieangeboten geht. Viele Frauen begleite ich über viele Monate in Einzelcoachings; manche Familien mit meiner Jahresbegleitung sogar schon über mehrere Jahre. Jeder braucht so lange, wie er braucht. Und jeder darf sich diese Zeit nehmen.

Mehr über mich und meine Angebote unter www.daniela-sportelli.de

 

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