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Gelebte Sehnsucht – Wenn Mut geboren wird

„Wenn die Sehnsucht größer als die Angst ist, wird Mut geboren. 

Ohne Sehnsucht machen wir uns nicht auf den Weg.“ Rainer Maria Rilke

Vielleicht hast du das auch schon erlebt:

Dein Schiff dümpelt schon viel zu lang in seichtem und windstillem Hafengewässer. Frust macht sich breit. Aber Angst und Zweifel halten dich davon ab, abzulegen und die sicheren Gefilde zu verlassen.

Was lockt ist das offene Meer – und es schreckt zugleich.

Denn nicht selten ist unsere größte Sehnsucht auch unsere größte Angst!

Doch eines Tages passiert es dann: dein Schiff setzt sich in Bewegung. Es folgt einer Art Sog – mal stärker, mal schwächer, aber irgendwie zieht er dich immer wieder in seinen Bann. In der Regel gibt es dann kein Zurück mehr, selbst wenn das Ziel noch gar nicht klar ist.

Was geschieht da?

Ich glaube, dies sind die magischen Momente von denen Rilke spricht: wenn unsere Sehnsucht stärker geworden ist, als die Angst.

Wenn neben der Unzufriedenheit über das Gewohnte eine Ahnung wächst, dass es etwas Anderes, Besseres gibt – auch ohne Beweis.

Wenn sich die Leere mit Hoffnung füllt, dieses Andere, Bessere tatsächlich finden zu können – auch ohne Gewissheit.

Wenn daraus die Bereitschaft reift, auf die Sicherheit des Bekannten zu verzichten und sich dem offenen Meer, dem Leben anzuvertrauen – auch ohne Garantie. 

Die Unzufriedenheit allein reicht als Antriebskraft nicht aus, um der Angst etwas entgegen zu setzen.

Es braucht diese innere Stimme, die sich tief in uns rührt und von anderen Ufern und Möglichkeiten erzählt – laut oder leise, drängend oder zart, freudig oder schmerzvoll.

Erst das Verheißungsvolle, das diesem Rufen innewohnt, wird zu Wind in unseren Segeln.

Erst wenn wir dieser Sehnsucht genügend Raum geben und ihr lauschen, kann daraus der Mut geboren werden, sie auch zu leben. 

Trotz und mit der Angst.

In einer Meditation bekam ich neulich ein deutliches Gefühl dafür: ich sah und spürte mich im Meer unter Wasser, stromlinienförmig, fast wie ein Fisch. Etwas zog mich zielstrebig in eine bestimmte Richtung und gleichzeitig kam die Bewegung auch aus mir heraus – beides in völligem Einklang.

Ohne benennen zu können, wohin es ging, wusste ich instinktiv, dass ich einer eindeutigen Bahn folgte. Die unsichtbare Kraft die mich zog sorgte dafür, dass ich den Kurs halten konnte – ganz leicht und ohne Anstrengung. Es gab für mich nichts Anderes zu tun, als mich hinzugeben und mich führen zu lassen. Und doch war ich nicht willenlos ergeben. Ich war hellwach und zutiefst einverstanden, weil etwas in mir „wusste“, dass es richtig war. Dass dies meine Spur war. Und dieses „Wissen“ kam nicht aus dem Verstand.

Paper toy ship and deep blue sea. Conceptual design.

Ich war weder auf der Suche noch hatte ich bereits gefunden. Ich war einfach unterwegs in unsagbar lebendiger Vorfreude und in vollem Vertrauen. 

Dieses Bild und Gefühl lässt mich seither nicht mehr los.

Ich mag meine Sehnsucht, auch wenn es überall dort schmerzt, wo ich sie noch nicht lebe, sondern der Angst noch den Vortritt lasse.

Auf meine Sehnsucht kann ich mich verlassen: sie ist immer da – auch wenn ich ihr gerade nicht lausche. Ich wünsche mir, dass sie mir immer mehr zu Vertrauten wird, von der ich mich führen lasse.

Bei Pablo Picasso habe ich ganz passend dazu folgendes gefunden (ohne gesucht zu haben):

„Ich suche nicht – ICH FINDE!
Suchen ist, wenn man von alten Dingen ausgeht
und im Neuen das bereits bekannte wiederfindet.

Finden ist etwas völlig Neues,
neu auch in der Bewegung.

Alle Wege sind offen,
und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heilendes Abenteuer.

Die Ungewissheit solcher Wagnisse
können nur jene auf sich nehmen,
die im Ungeborgenen sich geborgen wissen,
die in die Ungewissheit,
in die Führerlosigkeit geführt werden;
die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen,
die sich vom Ziel ziehen lassen
und nicht menschlich beschränkt
und eingeengt das Ziel bestimmen.

Das Offen-Sein für jene neue Erkenntnis,
für jedes neue Erlebnis im Außen und Innen:
das ist das Wesenhafte des modernen Menschen,
der in aller Angst des Loslassens
noch die Gnade des Gehalten-Seins
im Offenbarwerden neuer Möglichkeiten zulässt.“ 

Inmitten aller Angst des Loslassens diese „Gnade des Gehalten-Seins“ zu erfahren, aus der unser Vertrauen ins Leben erwächst, ist vielleicht das allergrößte Geschenk unserer Sehnsuchtsreise.

In diesem Sinne wünsche ich dir und mir den Fokus auf diesen unsichtbaren und doch richtungsweisenden Stern unserer Sehnsucht, damit Mut geboren wird.

Ich wünsche uns die Bereitschaft, uns in den entscheidenden Momenten immer wieder auf das Nichtwissen einzulassen und uns in die Unsicherheit des Unbekannten zu öffnen, um die Weichen neu zu stellen.

Ich wünsche uns die Wachheit und Gegenwärtigkeit, die sich dann offenbarenden Gelegenheiten auch zu erkennen und unsere Sehnsucht in gelebtes Leben zu verwandeln.

Und ich wünsche uns Dankbarkeit und Erfüllung in allem was wir dabei finden und was uns findet.

Möge unsere Sehnsucht stets größer sein, als unsere Angst!

Mit sehnsuchtsvollen Grüßen

Katja

Was ist gerade deine größte Sehnsucht?

Was braucht es noch von dir, damit daraus Mut geboren werden kann?

Wann hast du schon einmal erfahren, getragen und geführt zu sein inmitten des Aufbruchs ins Unbekannte?

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