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Gemeinwohl-Ökonomie: Interview mit einem Vorbild der Nachhaltigkeit

Die Gemeinwohl-Ökonomie schafft ein Fundament für eine neue wirtschaftliche Realität.  Es stehen nicht mehr die finanziellen Interessen im Vordergrung, sondern das Wohl von Mensch und Umwelt.

Interview mit Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin des Bergsportausrüsters Vaude
Text & Fragen von: Stephanie Ristig-Bresser

Wenn es um das Thema Gemeinwohl-Ökonomie geht, dann wird diese Firma immer als eines der ersten Unternehmen genannt – nicht ohne Grund: Vaude wurde 2015 sogar zur nachhaltigsten Marke Deutschlands gekürt – und hat obendrein eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Gute Gründe für ein Interview mit der Geschäftsführerin Dr. Antje von Dewitz, die das Unternehmen seit 2009 in Richtung Nachhaltigkeit umgebaut hat.

Du kannst dir das Interview gern als Podcast anhören, untenstehend ist es aber auch verschriftlicht, wenn du es lieber lesen magst:

 Interview mit Dr. Antje von Dewitz

Wie sind Sie auf die Gemeinwohl-Ökonomie aufmerksam geworden?

Dr. Antje von Dewitz (AD): Vor einigen Jahren saß ich gemeinsam mit Christian Felber, dem Initiator der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung, bei einer Veranstaltung im Podium. Kurze Zeit später besuchte er uns auf meine Einladung hin hier im Betrieb. Seine Ausführungen überzeugten mich sehr, denn die Gemeinwohl-Ökonomie ist die Verkörperung dessen, was wir hier seit Jahren machen. Also haben wir beschlossen eine Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen.

Was hat sich in Ihrem Unternehmen durch den Prozess der Gemeinwohlbilanz-Erstellung verändert?

AD: Eigentlich gar nicht so viel, weil wir uns ja bereits seit Jahren mit den Themen der Nachhaltigkeit und Transparenz auseinander setzen. Wir haben vielmehr lediglich in der Gemeinwohlbilanz  dokumentiert, was wir bereits praktizieren. Für uns war allerdings ein Aha-Erlebnis, dass wir dabei auf Themen gestoßen sind, mit denen wir uns bisher noch nicht beschäftigt hatten – Themen, die viel weiter reichen als die klassische Nachhaltigkeit. Wie etwa, dass Mitarbeiter sich ihre Führungskräfte selbst wählen, anstatt welche vorgesetzt zu bekommen, oder aber Mechanismen zu entwickeln, mit denen auch die Bedürfnisse der kleineren Kunden auf dem Radar bleiben anstatt nur die der großen. Das hat unternehmensintern zu spannenden Diskussionen geführt und den einen oder anderen neuen Aspekt eingeläutet.

Eine Argumentation, die häufig kommt, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit, aber insbesondere um das Thema Gemeinwohl-Ökonomie geht, ist, dass ein Unternehmen sich das ja erstmal leisten können muss. Kann denn ein Unternehmen überhaupt tragfähig bleiben, wenn es sich den Auflagen von Nachhaltigkeitsindizes oder auch der Gemeinwohl-Ökonomie unterwirft und nicht allein profitorientiert denkt? Erfährt es dann nicht Wettbewerbsnachteile?

AD: Ich finde schon die Frage falsch. Eigentlich müsste es für jedes Unternehmen eine Grundvoraussetzung sein, Verantwortung zu übernehmen und nicht rein profitorientiert zu agieren. Von daher bin ich stolz darauf, dass wir als Beispiel hergenommen werden können, dass ein Unternehmen tragfähig funktionieren kann, auch wenn es andere Werte in sein unternehmerisches Schaffen einbezieht. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Dieser Prozess braucht Zeit und Raum um aufzublühen, aber es funktioniert, und es ist machbar.

arbeiten für GEmeinwohlSie haben ja Recht, dass der Fokus eines Unternehmens nicht allein auf dem Unternehmensgewinn liegen sollte. Aber unser System ist nun einmal so gepolt und bevorteilt finanziell erfolgreiche Unternehmen. Was müsste sich verändern, damit  sich Unternehmen mehr an den Themen Nachhaltigkeit und Gemeinwohl ausrichten?

AD: Ich finde es frappierend, dass ein Großteil von uns so aufgewachsen ist, dass unser Wirtschaftssystem eben so funktioniert, dass finanzieller Erfolg der einzige wesentliche Fokus zu sein hat. Schon in der Schule lernen wir den Homo oeconomicus kennen, den Menschen, der scheinbar rein nutzenorientiert funktioniert. Natürlich gibt es heute schon Strömungen zum ethischen Wirtschaften, und die klassischen Konzepte werden hinterfragt, doch noch immer stoße ich auf ungläubiges Erstaunen und tiefen Sarkasmus, wenn ich darüber berichte, dass ein Unternehmen sich auch anders gestalten kann. Das Paradigma des Kapitalismus als einzig gangbarer Weg hat sich wie ein ganz dicker Panzer um die Menschen herum gelegt. Diesen Panzer mussten wir übrigens bei vielen unserer Mitarbeiter auch erst einmal aufbrechen: Denn als wir mit der Idee kamen, unseren Betrieb nachhaltig und gemeinwohlorientiert aufstellen zu wollen, haben die meisten entweder gedacht, wir hätten keine Ahnung oder aber, das wäre irgendeine Marketing-Masche.

Jetzt werden wir mal persönlich: Gab es für Sie eigentlich ein Schlüsselerlebnis, dass Sie dazu bewogen hat, ein am Thema Nachhaltigkeit und Gemeinwohl ausgerichtetes Unternehmen zu führen?
AD: Als kleines Kind wollte ich die Welt retten. Daran hat meine Erdkundelehrerin einen großen Anteil. Denn sie machte uns Schüler damit vertraut, dass alles mit allem zusammenhängt – beispielsweise dass es Auswirkungen auf das Klima hat, ob ich Fleisch esse oder mich vegetarisch ernähre.  Außerdem bin ich in einer Familie aufgewachsen mit einem typischen Unternehmer, meinem Vater, und einer sehr sozialkritisch eingestellten Mutter. Beim Abendbrot gab es also oft sehr heiße Diskussionen, die  zwischen Unternehmertum und Greenpeace pendelten. Beide Seiten haben mich sehr geprägt. Ich dachte während des Studiums sehr lange, dass ich mich einmal als Aktivistin in irgendeiner NGO engagieren würde. Doch als ich gegen Studienende mein letztes Praktikum im familieneigenen Unternehmen bei Vaude machte, öffneten sich mir die Augen. Ich erkannte: „Wenn du wirklich Verantwortung übernehmen willst für diese Welt, dann ist genau hier der richtige Platz dafür, denn hier kannst du Unternehmensrealität verändern.“

Einmal vom persönlichen Beitrag, den jeder leisten kann, abgesehen: Wie kann uns das, was gemeinhin als die „große Transformation“ bezeichnet wird, also ein umfassender Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft, gelingen?

AD: Dafür gibt es meiner Ansicht nach drei Wege. Der erste ist der über gesetzliche Vorgaben. Wenn bspw. das Steuersystem geändert wird und am Gemeinwohl orientierte Unternehmen Erleichterungen erfahren, wird das sehr große Anreize bieten, dass sich Unternehmen anders aufstellen. Das ließ sich bspw. sehr gut beobachten, als die REACH, die europäische Chemikalien-Verordnung eingeführt wurde. VAUDE ist seit 2001 nach bluesign, dem strengsten Umweltstandard in der Textilindustrie, zertifiziert – das hat damals keinen Menschen interessiert. Mittlerweile bestehen circa 80 Prozent  unserer Bekleidungskollektion aus bluesign-zertifizierten Materialien. Das macht mich an die große Macht gesetzlicher Vorgaben glauben.

Den zweiten Weg schlagen immer mehr Menschen ein. Es ist der Weg einer veränderten Nachfrage und eines veränderten Bewusstseins. Ich werde beispielweise immer öfters für Vorträge angefragt, weil sich Unternehmen und Politiker dafür interessieren, wie man alternativ wirtschaften kann. Die Nachfrage ist enorm, die Menschen sind auf der Suche – und es werden immer mehr, ist mein Empfinden.

Und der dritte Weg ist der Weg der Unternehmen, die selbst anfangen etwas zu verändern. Auch dort wird irgendwann die kritische Masse erreicht sein, die eine Veränderung des kompletten Systems herbeiführt.

Frau von Dewitz, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview wurde im Rahmen des Gemeinwohlfestes am 13.02.2016 im Volkstheater in Wien geführt.

Mehr zur Gemeinwohl-Ökonomie

www.ecogood.org

Wenn du wissen willst, welche Unternehmen sich für das Gemeinwohl ausrichten, dann findest du alle nachhaltigen und menschenfreundlichen Unternehmen HIER 

Zum Thema Gemeinwohl-Ökonomie sind bereits folgende Artikel veröffentlicht:

Neue Werte für die Wirtschaft: Gemeinwohl-Ökonomie

Gemeinwohl-Ökonomie: Eine faire, sinnvolle Wirtschaft ist möglich

 

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