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Glückliche Partnerschaft: Was und wieviel muss man miteinander reden?

Die meisten Menschen können miteinander reden. Das ist erst einmal die frohe Botschaft. Es gibt viele Menschen in Beziehungen, die wollen nicht reden. Das ist die Einschränkung.

In meiner Arbeit als Paartherapeut finde ich gerade für den zweiten Punkt eine Anhäufung bei meinen Geschlechtsgenossen – den lonesome Cowboys, die alles erst einmal mit sich selbst ausmachen, bevor sie in den Dialog gehen. Und dann gibt es noch den Fall, in dem in Beziehung zwar miteinander geredet wird – allerdings nicht über das, worum es geht, sondern um Alltägliches und Funktionales.

Natürlich habe ich nichts gegen alltägliche und funktionale Gesprächsthemen, die gehören dazu und sind wichtig, weil es für Paare ja auch darum geht, den Alltag zu organisieren.

Sofern aber bei der Alltäglichkeit nicht die Gesprächsthemen, bei denen es „um das Eingemachte“ geht, einfach hinten runter fallen. Was ich oft beobachte.

Viele Paare „funktionieren“ nach einer gewissen Zeit ihrer Partnerschaft nur noch auf einer funktionalen Ebene: Wie gestalten wir den Tag, wie strukturieren wir unsere Zeit… etc. Aber der emotionale Kit und auch die emotionale Gesprächsebene ist dabei irgendwie verloren gegangen.

Oder war in dieser Form vielleicht noch nie da. Es geht also um die Themen, die uns in unserem tiefsten Inneren bewegen:

Was macht mir Angst, was tut mir gut, was erhoffe ich mir, wo sind meine inneren Nöte, mit denen ich aktuell gerade umgehe? Gerade solche Themen gehören in die Partnerschaft – wo soll ich die denn sonst loswerden?  Und gerade hier haben viele Paare großen Nachholfbedarf.

Wie Beziehung erblühen kann, kannst du hier nachlesen:

Königin & Samurai: Vom Kampf der Geschlechter hin zum Tanz gelungener Beziehungen

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Die größten Hindernisse:

  1. Ich habe Angst, mich nackt zu machen, sprich Angst vor einer etwaigen Beschämung und/oder Verletzung durch den Partner
  2. Ich will mich dem anderen nicht zumuten. Ich nehme Rücksicht auf ihn.
  3. Es ist nie der richtige Zeitpunkt – weder für mich, noch für den anderen.

Und so trage ich diese Themen dann weiter mit mir herum. Und versuche, selbst damit klar zu kommen. Warum eigentlich? Warum können wir gerade in engen Beziehungen nicht mutiger sein? Mein Klärungsversuch.

Ich habe Angst, mich nackt zu machen

Da bin ich voll bei dir. Natürlich ist es nicht schön, sich zu offenbaren und dann einen Bauchschuss zu bekommen. Die nüchterne Frage von mir: Und dann? Geht die Welt unter oder bin ich dann auf ewig verloren? Nein, realistisch betrachtet wird es auch am nächsten Tag wieder reden-in-partnerschaftenMorgen. Die Welt geht weiter.

Ich habe eine Verletzung bekommen, die kann mich aber nicht umbringen, wenn ich anderen Menschen keine Macht über meine Gefühle gebe. Damals, als Kind, war ich vielleicht den anderen hoffnungslos ausgeliefert. Heute, als erwachsener Mensch, habe ich ganz andere Möglichkeiten, darauf zu reagieren, meine Konsequenzen zu ziehen und mein Handeln danach auszurichten.

Und ja – es gibt in der amerikanischen Spieltheorie das Spiel „tit for tat“ (also Zug um Zug). Einer macht einen kleinen Schritt und wartet dann geduldig auf den Schritt des anderen. Sich auf organische Weise aneinander annähern. Ich gebe etwas von mir preis und schaue dann, was der andere macht.

So kommt man sich Stück für Stück näher, ohne den anderen zu überfordern mit seinem Teil und ohne zu viel in Vorleistung zu gehen, wenn man in dieser Beziehung eher ängstlich ist.

Oder man bekommt nichts zurück, aber auch das wäre dann vielsagend nach dem Motto „Will ich überhaupt mit einem Menschen zusammen sein, der nichts von sich und seinen Nöten preisgibt?“.

Ich will mich dem anderen nicht zumuten

Meine direkte Gegenfrage an dich: Warum bist du dann überhaupt mit einem Menschen zusammen? Partnerschaft ist gegenseitige Zumutung! Wir zeigen uns so, wie wir sind (oder zumindest wie wir glauben, dass wir sind), mit allen Ecken und Kanten.

Das hält der andere schon aus. Ich auch, wenn der andere sich zeigt. An anderer Stelle habe ich hier schon über „Rosa Wattebällchen“ in der Beziehung geschrieben. Zumutung im positiven Sinne ist die Anti-Rosa-Wattebällchen-Strategie. Wo sonst kann ich mich denn heute noch zumuten, wenn nicht in der Partnerschaft?

Gegenseitige Zumutung setzt dann irgendwann auch die beiderseitige Erkenntnis voraus, dass wir einem anderen Menschen nicht in 100% der Fälle weiterhelfen können. Dass wir seine Grenzen anerkennen und unsere Grenzen gut kennen.

Und darüber auch reden – siehe Punkt 1.

Geflügeltes Wort zwischen mir und meiner Frau (Psychotherapeutin) – “Da solltest du mal mit deinem Therapeuten drüber reden.”- Will heißen, ich bin zwar auch vom Fach, aber in erster Linie ihr Ehemann. Hier die verschiedenen Rollen nicht zu verwechseln, ist schon mal die halbe Miete.

Kleine Vorübung für dich, wenn du gerade mit dem Punkt Zumutung deine Herausforderung hast: Setz dich in einer stillen Minute hin und beginne die Punkte zu sammeln, die du von deiner Seite aus für eine Zumutung hältst. Ich nenne das dann bewussten Reality-Check. Wenn du die Punkte schwarz auf weiß vor dir siehst, dann egalisieren sich Befürchtungen meistens schnell. Ansonsten: Angebot von mir – schick mir die Liste und ich schreibe dir kurz was dazu. Oder frage eine Freundin oder Freund.

Es ist nie der richtige Zeitpunkt

Ist ebenfalls ein Teil der „Rosa-Wattebällchen-Strategie“: Immer nach dem geeigneten Zeitpunkt zu suchen, wenn es für dich und/oder den Partner passt. Funktioniert meistens nicht richtig und sorgt für Missverständnisse und Verstimmung.

verabredung-zum-reden-in-partnerschaftenMeine Empfehlung für Abhilfe:

Setze konkrete Termine dafür an – beim schönen Spaziergang, auf der Couch, beim Glas Wein. Man kann sich nicht nur für Sex verabreden, sondern auch für emotionale Gespräche, für den Herz-zu-Herz-Austausch. Je mehr du das machst, desto mehr Nähe wird entstehen.

Chuck Spezzano hat irgendwo in seinen Büchern mal geschrieben:

Distanz schafft Distanz, nur Nähe schafft Nähe.

Unterschreib ich sofort. Nähe und Herzlichkeit ist für uns Menschen durch nichts anderes zu ersetzen, als durch mehr Nähe und Herzlichkeit.

Betrifft alle Lebewesen, wie ich seit exakt neun Monaten wieder bei unserem neuen Hundewelpen feststelle: Er durfte in den ersten zwei Wochen auf einer Matratze auf dem Boden zwischen mir und meiner Frau schlafen, damit ihm der Abschied von seinem Rudel nicht so schwer fällt.

Was ist daraus geworden: Er sucht und bekommt nach wie vor die Nähe zu uns, auch wenn es mit seinen mittlerweile 41 Kilo manchmal nicht mehr so einfach ist, genügend Platz auf dem Sofa dabei zu behalten.

Und wenn du jetzt bemerkst, dass es gerade die Nähe ist, die Angst macht? Gehe zurück zu Antwort eins – es ist nie zu spät, genau diese Nähe-Erfahrungen zu machen. Schritt für Schritt. Vorsichtig bleibend und immer darauf achtend, möglichst erwachsen zu bleiben. Das kann auch für zwei Erwachsene eine sehr spannende Erfahrung auf der gemeinsamen Reise werden.

Mein Fazit: Reden in Partnerschaften hilft. Und gemeinsam über emotionale Themen zu reden, bringt immer näher zusammen. Wenn du dich traust.

Vielleicht noch eine kleine Übung aus meinen Seminaren und Paarberatungen dazu:

Setzt euch einander gegenüber bequem hin. Lenkt euren Atem zu euren Lungen, da wo auch das Herz sitzt. Wenn das etwas schwer fällt, dann legt die Hände auf den Brustkorb und atmet leicht dagegen. So bewegt ihr euren „Körperpanzer“ und lockert ihn ein wenig.Und haltet Augenkontakt. Und redet und schaut, ob es eine Veränderung gibt.

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Viel Erfolg beim nächsten Miteinander Reden wünscht dir,

Volker Hepp,

Paartherapeut

http://www.volkerhepp.com

hier geht es zu den Büchern von Volker Hepp

 

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