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Hochsensibilität oder Co-Abhängigkeit? Und warum das nicht wichtig ist…

Ende der 1990er Jahre las ich erstmals von dem Begriff Co-Abhängigkeit. Irgendetwas an diesem Thema berührte mich. Ich selbst war viel für andere da und es fiel mir ausgesprochen schwer, bei mir zu bleiben. Abgrenzung war ein besonders schwieriges Thema. Es passte also vieles.

Eine Zeit lang verschlang ich jedes Buch dazu und besuchte anonyme 12-Schritte-Gruppen. Der Austausch tat mir anfangs gut. Irgendwann bemerkte ich jedoch, dass ich mich mit dem Begriff Co- Abhängigkeit nicht richtig identifizieren konnte. Etwa zu dieser Zeit las ich erstmals über Hochsensibilität.

Ein Online-Test bestätigte mir dann meine Hochsensibilität. „Okay, ich habe Läuse und Flöhe. Co- abhängig und hochsensibel. Eine krasse Mischung.“ So dachte ich. „Und nun? Was mache ich nun mit dieser Information? Hilft mir das irgendwie weiter?“

Wieder graste ich alle Informationen ab, die ich finden konnte. Aber ich fand nichts, was sich für mich wahr anfühlte. Vieles blieb an der Oberfläche. Zudem beobachtete ich unter Hochsensiblen die Tendenz, sich wegen dieser Eigenschaft entweder als etwas Besonderes zu fühlen oder sie als Entschuldigung zu nutzen. Beides fand ich wenig einladend.

Konzepte sind nicht die Lösung

Mit der Zeit wurde mir klar, was mich störte. Es war die Tatsache, dass sowohl Co-Abhängigkeit als auch Hochsensibilität Konzepte sind. Es sind Beobachtungen anderer Menschen, die sie auf ihre Weise sortiert und in ein Format gebracht haben, so dass sie für eine bestimmte Gruppe Menschen Gültigkeit hat.

Es sind Schubladen. Keine Lösungen!

In den 12-Schritte-Programmen startet man mit dem Suchtbekenntnis: „Ich gebe zu, dass ich meiner Co-Abhängigkeit gegenüber machtlos bin…“ In mir war ein großer Widerstand gegenüber diesem Satz und irgendwann auch den Gruppen. Verstehe mich nicht falsch, in Krisensituationen sind diese Gruppen hilfreich. Sie bieten eine echte Chance, sich mit seiner Not zu zeigen und damit in einem sicheren Raum gesehen zu werden.

Ich glaube aber auch, dass die Gruppen alleine noch keine Lösung sind, so wie es Psychotherapie ebenfalls häufig nicht ist. Gerade die Hochsensiblen und Co-Abhängigen, die bisher in meine Praxis kamen, hatten teilweise lange Therapien hinter sich, die nicht die erwünschten Resultate gezeigt hatten. Keiner dieser Menschen hatte gelernt, wie er sich souverän selbst führt.

Erlerntes oder angeborenes Verhalten?

Also suchte ich nach echten Lösungen, um mir und diesen Menschen besser helfen zu können. Von da an las ich kein einziges Buch mehr über Hochsensibilität oder Co-Abhängigkeit. Ich wandte mich nach innen, erforschte meine eigene Gefühlswelt und meine Reaktionen auf innere und äußere Reize. Die Achtsamkeitspraxis war mir dabei eine große Hilfe.

Co-AbhängikeitIch bin mir sicher, dass es Menschen mit einer Wahrnehmungsbegabung gibt. Mir ist dieser Begriff lieber als Hochsensibilität. Er lenkt den Fokus mehr auf die Stärke. Ob es bei diesen Menschen tatsächlich weniger Filter im Gehirn gibt, bleibt noch zu belegen.

Ich habe bisher ebenfalls keinen Beleg darüber gefunden, ob sich die Filter mit der Zeit abgebaut oder schon immer gefehlt haben. Wenn ich nicht irgendwelche wichtigen Studien verpasst habe, bewegen wir uns mit vielem noch im nicht erwiesenen Bereich.

Sehe ich mir hingegen gesunde Neugeborene an, ist bei allen eine hohe Sensibilität und Sensitivität zu beobachten. Das lässt mich eher von einem erlernten Verhalten ausgehen. Meine persönliche Geschichte zeigt, dass mein Leben selbst ein Wahrnehmungstraining war. Ich weiß auch, dass meine ersten Lebensmonate eine hohe Reizfrequenz hatten. Auch im weiteren Verlauf musste ich sehr gute Antennen entwickeln, um meine Umgebung richtig einschätzen zu können. Es leuchtet mir nicht ein, warum ich wissen muss, ob das schon von Geburt an so war, oder sich erst mit der Zeit entwickelt hat – ich also primär oder sekundär hochsensibel bin.

Sich wieder selbst vertrauen

Was ich bei mir und diesen wunderbaren Menschen immer wieder wahrnehme, ist eine große Unsicherheit gegenüber den eigenen Wahrnehmungen. Dafür gibt es fast immer nachvollziehbare Gründe. Es sind also ebenfalls Reaktionen. Ich kann sie daher nicht ohne weiteres einer Hochsensibilität zuordnen.

Diese Menschen wollen von mir nicht wirklich wissen, ob sie hochsensibel sind. Sie wollen wissen, warum sie sind, wie sie sind und wie sie damit umgehen. Sie brauchen Bestätigung, dass sie sich auf sich verlassen können und so wie sie sind, ok sind.

Solange ein Konzept als Lösung herhalten muss, ist sie selbst fern

Ich habe beobachtet, dass es bei der Reizempfindsamkeit immer wieder um Gefühle und Bedürfnisse geht. Bei jedem Menschen, der mit der Aussage „Es fällt mir schwer, bei mir zu bleiben.“ zu mir kommt, beobachtete ich diese Situation:

  1. Inner- und außerhalb dieses Menschen gibt es zu viele Reize.
    Das innere Radio ist sozusagen die ganze Zeit voll aufgedreht. Auch wenn außen Stille ist, ist es im Denken laut. (Denken ist meistens eine Gewohnheit, also erlerntes Verhalten.)
  2. Gegen diese Reize besteht Widerstand.
    Dieser Widerstand zeichnet sich durch die Furcht davor aus, den Reiz selbst ganz wahrzunehmen. Das gilt ganz besonders für Gefühle.
  3. Es gibt ein entgegengesetztes (häufig unbewusstes) Bedürfnis. Dieses Bedürfnis darf noch nicht frei gelebt werden.
  4. Wird der Reiz vollständig wahrgenommen, verschwindet der Widerstand.
    Werden also die Gedanken, Geräusche, Gerüche oder Gefühle offen begrüßt, gibt es keinen Anlass mehr für Widerstand. Was eine Situation unangenehm macht, ist der Widerstand.
  5. Werden die Bedürfnisse erfüllt, treten angenehme Gefühle ein.

Was es wirklich braucht

In diesem „erfüllten“ Moment ist die übermäßige Sensibilität gegenüber Reizen kaum noch oder gar nicht mehr wahrzunehmen. Auch wenn ich wahrscheinlich mit dieser Aussage viele in Aufruhr versetze, glaube ich, dass die Tendenz zur Überreizung auf einem erlernten Verhalten basiert. Belegen kann ich das nicht. Ich beziehe mich hier nur auf das, was ich an mir und meinen Klienten in den letzten 17 Jahren beobachtet habe. Es ist also mein individueller Blick auf die Welt.

Compassioner_Co-Abängikeit2Ich nehme an, dass die Tendenz zu Überreizung in den ersten Lebensmonaten entsteht. Von einer bestimmten Disposition bei diesen Menschen ist ganz sicher auszugehen. Aber wird ein Neugeborenes zu stark gereizt oder lässt man es zu lange schreien, ohne es zu beantworten, bleibt genau diese Form von Reizempfindsamkeit bestehen, die der Hochsensibilität zugeschrieben wird. Deshalb bin ich inzwischen vorsichtig mit der Einstufung eines Menschen in dieses Konzept.

Mir ist lieber, einen Menschen in seiner persönlichen Wahrnehmung zu verstehen und dann mit ihm gemeinsam eine wirksame Lösung zu finden. Ich glaube, es macht mehr Sinn, Gefühls- und Bedürfniskompetenz aufzubauen, um mit Reizen generell leichter umgehen zu lernen.

Marshall Rosenberg sagte einmal sinngemäß, dass unter jedem unangenehmen Gefühl ein unerfülltes Bedürfnis liegt. Nach meinen Erfahrungen ist das eine der einfachsten und weisesten Aussagen, die ich je gehört habe. Sie ist allgemeingültig und immer wahr.

Überreizung ist ein sehr unangenehmes Gefühl. Die darunter verborgenen Bedürfnisse zu erforschen, sie annehmen und sich um sie kümmern, ist ein eigenverantwortlicher und liebevoller Weg, der zu innerer Ausgeglichenheit führt. Er ermöglicht gesündere Entscheidungen, einen besseren Selbstkontakt und die Fähigkeit, aus freiem Herzen geben zu können, weil es in dir an dieser Stelle keinen Mangel mehr gibt.

Deine Claudia Heipertz – Wahrnehmungsguide

 

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