Human Trust
Kategorien Anzeigen

Erfolg Body Arbeit Beziehungen Deine Welt Glück Seele Podcasts humantrust @Redaktion

Hochsensibilität

Hochsensibilität und Mann-Sein: Das sind die Chancen und Herausforderungen

Wie Hochsensibilität und Mann-Sein zusammenpassen.

Oliver Domröse ist Veganer, Autor und Querdenker. Auf simplyfeelit.de schreibt er über Hochsensibilität, ganzheitliche Männlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung. In seinem ersten Buch „Der sanfte Krieger“ interpretiert er die Themen Mann-Sein und Sensibilität für die heutige Zeit. Wir freuen uns sehr, dass Oliver fortan auch für den Compassioner schreiben wird.

+++++

Ich bin ein Mann und hochsensibel – und das ist gut so. Heute kann ich diesen Satz voller Selbstbewusstsein aussprechen. Dies war nicht immer so.

Der Ausdruck Hochsensibilität ist gerade in aller Munde. Vor wenigen Jahren war dieser Begriff noch völlig unbekannt, heute beschäftigen sich zahlreiche Autoren und Medien damit, wie zum Beispiel jüngst die Psychologie Heute und sogar das Männermagazin Men’s Health.

Seit rund zwei Jahren weiß ich von meiner hochsensiblen Veranlagung. Seitdem hat sich viel in meinem Leben getan. Allen voran in meinem Selbstverständnis als Mann. Im heutigem Gastbeitrag möchte ich aus der Perspektive eines Mannes von den Vor- und Nachteilen einer hochsensiblen Veranlagung berichten. Und was wir als Mann mit dieser Anlage bewirken können.

Allgemeine Definition von Hochsensibilität

HochsensibilitätGleich vorweg: Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern eine genetische Veranlagung – die übrigens auch im Tierreich anzutreffen ist. Das ist mir von vornherein besonders wichtig zu betonen, da es immer noch Betroffene wie Experten gibt, denen es schwerfällt, zwischen einer Erkrankung und einer genetisch bedingten Veranlagung zu unterscheiden. Der heutige Stand der Forschung geht davon aus, dass ca. 15-20% einer Spezies, Männer wie Frauen, ein ausgeprägteres vegetatives Nervensystem haben als der Rest der Population, sprich eine Veranlagung der Hochsensibilität. Daraus folgt, dass Menschen mit einer hochsensiblen Veranlagung eine subtilere, umfangreichere, nuancenreichere und intensivere Wahrnehmung von Reizen und Eindrücken besitzen. Was neben einigen Vorteilen, auf die ich noch zu sprechen komme, auch gewisse Nachteile mit sich bringt, wie zum Beispiel eine frühere Erschöpfung und eine scheinbar geringere Belastbarkeit. Ebenso macht sich eine ausgeprägte Feinfühligkeit, ein höheres emotionales Reaktionsvermögen und eine gründlichere Informationsverarbeitung bei hochsensiblen Menschen bemerkbar. Die erhöhte Aufnahme von Reizen, Stimmungen und Informationen geht oftmals mit einem Zustand der Überstimulation und einem längeren Nachhallen von Erlebtem einher – weshalb sich hochsensible Menschen schneller aus besonders reizintensiven Situationen zurückziehen müssen (z.B. Feiern, Konzerte, Fahrt mit der Straßenbahn, Supermärkte, etc.)

Die amerikanische Psychotherapeutin und Autorin Elaine N. Aron hat sich als Erste in den 90er -Jahren umfassend mit dem Thema Hochsensibilität auseinandergesetzt. Durch sie wurde der Begriff Hochsensibilität erst in der Fachwelt etabliert. Sie veröffentlichte ihre Studienergebnisse in angesehenen psychologischen Fachzeitschriften in den USA. Weitere Studien und Publikationen bestätigten ihre Forschungen und verwendeten fortan den von ihr geprägten Begriff „Highly Sensitive Person“ (zu deutsch: der hochsensiblen Person).

An welchen Charaktermerkmalen erkennt man nun eine hochsensible Person?

Laut Elaine Aron gibt es 4 Hauptmerkmale der Hochsensibilität:

  1. Gründliche Informationsverarbeitung (abstraktes, assoziatives und genaues Denken, Querverbindungen herstellen, Fähigkeit mehrere Perspektiven einzunehmen, Neigung zum Grübeln, Perfektionismus)
  2. Tendenz zur Überregung / Überstimulation (schnellere Erschöpfung durch Umgebungsreize, Stimmungen, Eindrücke)
  3. Intensives Gefühlsleben (ausgeprägtes Traumleben, ausgeprägte Feinfühligkeit, Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Veganismus, Nachhaltigkeit, tiefes Gefühlsempfinden, längeres Nachhallen von Eindrücken)
  4. Sensorische Empfindlichkeit gegenüber Umweltreizen (Lärm, Licht, Gerüche, Kleidung, Nikotin, Koffein, Medikamente, Menschenansammlungen)

So wie es bei jedem Menschen Unterschiede in Bezug auf Körpergröße, Körperbau oder Augenfarbe gibt, so gibt es diese Unterschiede ebenfalls in Bezug auf Sinneswahrnehmung und Reizempfindlichkeit. Bei einer gewissen Minderheit einer Spezies ist diese Empfindlichkeit offenbar besonders ausgeprägt. Diesen Schluss legen zahlreiche Ergebnisse psychologischer und physiologischer Untersuchungen an Mensch und Tier nahe.

Hochsensibilität bei Männern

Nach diesen allgemeinen Erläuterungen zum Thema Hochsensibilität, lautet nun die spannende Eingangsfrage, wie sich Hochsensibilität speziell bei uns Männern bemerkbar macht?

Aus meinem Verständnis heraus gibt es viele Schnittmengen zwischen den Eigenschaften von sensiblen Männern und Frauen. Es ist ja so, dass die feinfühlige Seite unserer Männlichkeit, eher weiblich konnotierten Werten entspricht, wie zum Beispiel Empathie, Kommunikation oder dem Bedürfnis nach Verständnis. Um ein Gespür dafür zu bekommen, was Hochsensibilität bei uns Männern ausmacht, möchte ich ein wenig von meinen Erfahrungen der letzten Jahre berichten.

Schon lange bevor ich von meiner Veranlagung der Hochsensibilität im Sommer 2014 erfahren habe, sind mir einige Eigenheiten aufgefallen, die ich oftmals bei anderen nicht bemerkte. Ich beruflichen Kontext empfand ich es seit jeher als störend, in einem Raum mit vielen Menschen zu arbeiten. Zu viele Eindrücke, zu viel Lärm, zu viele Menschen. Es überforderte mich stets, ich wurde unruhig und konnte mich nicht konzentrieren.

HochsensibilitätDas Nächste, was mir zum beruflichen Kontext einfällt, ist Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt, die sich wie ein roter Faden durch all meinen beruflichen Tätigkeiten ziehen. Ebenso eine schnelle Auffassungsgabe und einen stets lösungsorientierten Ansatz. Egal ob im Büro oder später im Außendienst als Versicherungsvertreter, stets versuchte ich eine tragfähige und faire Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Ich baue sehr schnell eine freundschaftliche und emotionale Beziehung zu Menschen auf. Gleichzeitig verletzt es mich aber auch immer sehr, wenn diese Beziehung von anderen missbraucht oder nur vorgetäuscht wird. Ich verabscheue aggressives und lautes Verhalten und Reden. Vor allem dann, wenn es völlig unreflektiert, plump und egozentrisch ist, wenn es nur zur eigenen Selbstdarstellung dient.

Ich war der Frauenversteher par excellence. Stets hatte ich ein offenes Ohr für die Belange und Sorgen von Frauen. Sie bauten schnell Vertrauen zu mir auf und teilten ihre Sorgen mit mir. Meist ging es um irgendwelche „Machotypen“, von denen sie ausgenutzt, angelogen und veräppelt wurden, und meist war es so, dass ich sofort mit in ihren Klagegesang über diese primitiven Männer einstimmte. Männer sind eben Schweine – und dagegen hatte ich nichts einzuwenden, weil ich mich nicht als einer dieser Typen fühlte. Ich war der männliche Verbündete der Frauen, was ihnen sehr gefiel, weil ich ihnen dadurch viele „Insidertipps“ geben konnte, wie sie einen verständnisvollen und treuen Mann (wie mich) von diesen „Machotypen“ unterscheiden konnten. Insgeheim beneidete ich aber immer diese „Machos“, da sie das hatten, was mir als Mann (und im Kontakt mit Frauen) meist fehlte: Biss, Schlagfertigkeit, Durchsetzung, Selbstvertrauen.

Ein Weg der Mitte

Heute versuche ich weder in das eine oder noch in das andere Extrem zu verfallen, weder das Macho noch das Softie Ideal zu bedienen. Ich habe verstanden, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist, wenn ich meine sensible Ader ablehne. Stattdessen versuche ich die positiven Aspekte daraus zu leben. Gleichzeitig ist mir bewusstgeworden, dass ich mich erst als ganzer Mann fühle, wenn ich meine archaische, wilde Seite in mir akzeptiere – und vor allem auch lebe. Die positiven Anteile der jahrelang abgelehnten („Macho“) Seite anerkenne. Weg von den Vorurteilen des Typus „Softie“ (Weichei, Warmduscher, Memme), wie von denen des Typus „Macho“ (Aufreißer, Gewalttäter, Egoist).

Hochsensibilität_Männer_CompassionerEin Weg der Mitte, der Ganzheitlichkeit und Integration von beiden Seiten der Medaille – einem Ansatz, den ich beim Studium zahlreicher Philosophien (Taoismus, Integrale Theorie, Buddhismus) der letzten Jahre immer wieder begegnet bin.

Für die Integration dieser beiden Anteile (kraftvoll und empfindsam) gibt es ein adäquates Mittel: die positiven Anteile der jeweils abgelehnten Seite anzuerkennen. Um beispielsweise unser Aggressionspotenzial nicht eskalieren zu lassen, sondern in Form von kultivierter Aggression bei alltäglichen Konflikten einzusetzen, benötigen wir Selbstbeherrschung, Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen. Auf der anderen Seite hilft uns die zentrierende Kraft unserer archaischen Seite gegen Realitätsverlust, Passivität und Orientierungslosigkeit – und einer zur großen Abhängigkeit von Frauen. Es geht also darum, eine gute Balance zwischen beiden Anteilen zu finden.

Erst aus dieser neugewonnenen Mitte ist es uns als (hochsensible) Männer möglich, alle Qualitäten und Facetten unserer beiden Anteile als Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu haben. Für die meisten hochsensiblen Männer liegt allerdings die Aufgabe zunächst einmal darin, den archaischen, kraftvollen Teil in sich zu erwecken und zu trainieren. Er wird uns dabei helfen, wachsamer, entschiedener und willensstärker durchs Leben zu gehen. Er macht uns unabhängiger von den Entscheidungen und Meinungen anderer – auch von Frauen. Erst jetzt trauen wir uns, uns auch einmal auf konstruktive Art und Weise Konflikten und Auseinandersetzungen zu stellen, ja, diese auch einmal auszuhalten und nicht immer gleich aus Harmoniegründen und aus Angst vor Ablehnung „klein beizugeben“.

Wenn wir uns fortwährend darin üben, sowohl unsere weiche als auch kraftvolle Seite als Handlungsoptionen zur Verfügung zu haben, wird sich unser soziales Umfeld verändern. Die daraus gewonnene Präsenz wird unserer Partnerin, unseren Freunden und Arbeitskollegen nicht lange verborgen bleiben. Sie spüren es, sie sehen es an der Klarheit und der Ausstrahlung unserer Augen.

Nun erst ist es uns als geerdeter und zentrierter Mann möglich, mit Rückgrat und Herz wichtige Impulse in unser Umfeld einzubringen. Aus meinem Verständnis heraus gibt es vier wichtige Impulse, die wir als sensible Männer in die Gesellschaft einbringen sollten:

  1. Entwicklung eines neuen Familien- und Erziehungsbildes
    Ein Ansatz in der Erziehung, der von Liebe, Beziehung und Wertschätzung geprägt ist. Ein authentischer Vater, Mann, Partner, der einen reflektierten Zugang zu seinem Denken, Handeln und Fühlen hat – und seiner Frau und Kindern auf Augenhöhe begegnet.
  2. Größere Verantwortung für unseren Planeten, Mensch und Tier
    Durch unser vernetztes und verantwortliches Denken können wir einen wichtigen Gegenimpuls zur Tierquälerei, Ressourcenausbeutung, Rassismus, Ressentiments (Flüchtlinge) und Umweltzerstörung setzen.
  1. Integration von weiblich betonten Werten in einer männlichen Identität
    Die Verbindung von weiblichen Werten wie Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Weitsicht und Kreativität mit männlichen Werten wie Mut, Klarheit, Entschiedenheit, Tatkraft und Zielstrebigkeit.
  2. Den Erwartungsdruck unserer Leistungsgesellschaft trotzen
    Dem stetigen Erwartungs- und Leistungsdruck in der Arbeitswelt trotzen. Dieser Druck hat gerade auf uns sensible Männer enorme (gesundheitliche) Auswirkungen. Mit einer Vision und Ziel vor Augen entwickeln wir eine ganz neue Energie und Ausstrahlung. Wir leben unser Potential und leisten unseren ganz persönlichen Beitrag als ganzheitlich denkender Mann.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Einblick in die Welt eines sensiblen Mannes ein wenig Mut und Zuversicht zusprechen. Dass du nicht verkehrt bist, mit deiner feinfühligen Ader. Dass du sogar mit deinen Werten und Impulsen für die Gemeinschaft gebraucht wirst.  Komme aus deiner Begrenzung heraus. Aus deiner Angst. Werde ein ganzheitlicher Mann. Zeige dich mit deiner sensiblen und kraftvollen Seite. Erlaube es dir, einen Unterschied zu machen! Diese Art von Mann-Sein wird für unsere Gesellschaft und unsere Nachkommen dringender gebraucht denn je. Du wirst gebraucht: als sensibler und zentrierter Mann.

Was sind deine Erfahrungen mit dem Thema?

Oliver

simplyfeelit.de

Dieser Artikel gefällt dir! 208 Personen gefällt das

Diskussion

Hole dir dein Gratis-Geschenk für Compassioner-Leser:


Das große Coaching Paket von Veit Lindau.
Sichere dir diesen wertvollen Leitfaden für ein erfülltes, glückliches Leben.

 

Wir schenken dir:
o 4 Audiovorträge mit Veit Lindau
o 1 Geführte Meditation
o Den Lebenskompass

Trag dich dazu hier ein:

 



 

 

fan

Pin It on Pinterest

Share This