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Ich weiß nicht(s) – Interview mit einer Einfallslosen

Es ist jedes Mal dasselbe: „Ich weiß nicht, was ich schreiben soll“ ist zuverlässig mein allererster Gedanke sobald es ans Blogartikel-Schreiben geht. Aus mir selbst heraus ein Thema zu generieren und darüber zu schreiben, fällt mir enorm schwer und kostet mich große Überwindung.

Nachdem ich diesmal fast den Abgabetermin verschwitzt hätte, weil ich ihn mir falsch im Kalender notiert hatte (unbewusste Vermeidungsstrategie???), sitze ich also in letzter Minute da und der Zeitdruck macht es auch nicht besser.

Während ich so mit mir hadere, weil mir partout nichts einfallen will und ich kurz vor der Kapitulation stehe, schwirrt auf einmal ein Wunschgedanke durch meinen Kopf: „Wenn jetzt einfach jemand da wäre, der was wissen will, dann wäre es so viel leichter.“ Mir wird wieder einmal bewusst, dass ich es wirklich liebe, Fragen zu beantworten.

Nun bin ich aber gerade auf einer Fortbildung und hier in meinem Hotelzimmer ist niemand, der mir solche Fragen stellen könnte.

„Dann interview dich halt selber“ tönt es weiter im Kopf.

Also gut, warum nicht. In meiner Verzweiflung wähle ich dieses Experiment: Ich stelle mir vor, was mich eine wohlwollende Interview-Freundin fragen könnte, die mir an dieser Stelle auf die Sprünge helfen möchte.

Sie: Warum schreibst du nicht einfach darüber, dass dir gerade nichts einfällt?

Ich: Das kann ich doch nicht machen – das interessiert doch niemanden.

Sie: Woher willst du das wissen? Das kennen bestimmt einige, dass sie im entscheidenden Moment, wenn sie zu Wort kommen könnten, verstummen und auf einmal nicht klar wissen, was sie wollen.

Ich: Wir können es ja mal probieren…

Sie: Also gut. Wie geht es dir damit, vor einer leeren Seite zu sitzen und es fällt dir absolut nichts ein, worüber du gerade schreiben möchtest?

Ich: Das ist schrecklich. Ich fühle mich eng, es ist mir unangenehm. Ich winde mich, würde mich gerne ablenken oder kneifen, den Artikel absagen.

Sie: Warum tust du es nicht?

gar nicht einfallslosIch: Gute Frage. Weil ich gerne zuverlässig sein möchte und verbindlich zugesagt habe, dass ich schreibe. Weil ich mich jedes Mal freue, wenn ein Artikel fertig ist und veröffentlicht wird. Und weil es mich jedes Mal bestärkt, wenn ich dankbare Rückmeldungen dazu bekomme. Weil ich gerne teile, was mir wichtig ist und einen Beitrag leisten möchte. Weil ich Sprache mag und Freude an schönen Formulierungen habe, sobald denn endlich der Inhalt klar ist.

Sie: An welcher Stelle stehst du dir denn ganz konkret im Weg?

Ich: Diese leere Seite lässt mich zögern. Wenn ich genau hin spüre ist da Unsicherheit. Das Nichtwissen wie der Artikel werden wird, zieht mich eher runter als dass es mich anspornt. Mir fällt gerade ein Ausspruch ein, den mir ein Coach mal gesagt hat: „Die Angst des Künstlers vor der leeren Leinwand“.

Sie: Was bedeutet das für dich?

Ich: Wenn ich ehrlich bin, ist es oft gar nicht so, dass ich thematisch einfallslos wäre. Ich winke sie nur meistens gleich durch, weil ich dann sofort denke „Darüber ist schon so viel geschrieben worden, wen interessiert das, es nun auch noch von mir zu lesen?“

Sie: Ich glaube nicht, dass das schon der tatsächliche Grund ist. Worum geht’s denn eigentlich wirklich an dieser Stelle?

Ich: Ich glaube es stockt immer dann, wenn ich zwar eine Idee habe, worüber ich schreiben könnte, aber noch nicht genau wie. Wenn der Textaufbau und die Kernaussagen noch nicht greifbar sind für mich.

Vielmehr denke ich dann schon weiter an die Konsequenzen.

Das hat etwas mit der vielzitierten Angst zu tun, sichtbar zu werden.

Damit, mich der Meinung anderer öffentlich auszusetzen. Zu wissen, es niemals allen recht machen zu können. Zu wissen, dass Widerspruch manchmal sehr harsch rüber kommen kann. Zu wissen, dass es für mich schwer ist auszuhalten, wenn ich merke, dass ich falsch verstanden wurde und meine Worte anders interpretiert werden. Zu wissen, dass das geschriebene Wort lange Bestand hat. Das „Schwarz auf Weiß“ hat etwas Endgültiges.

Die positiven Rückmeldungen, die ich oft bekomme, die verblassen dann schlagartig.

Sie: Geht dir das immer so beim Schreiben?

Ich: Vor allem dann, wenn ich nicht über etwas schreibe, sondern wenn ich Persönliches teile. Wenn ich mich nicht hinter Wissen, Fakten oder Themen verstecke, sondern mich als Mensch öffne, Einblick gewähre und mich dadurch verletzlicher mache.

Sie: Das müsstest du ja nicht tun…

Ich: Das ist richtig. Als ich letztes Jahr angefangen habe, Artikel zu schreiben, habe ich zunächst eher allgemeine Artikel verfasst und mich ein bisschen dahinter versteckt. Wenn ich jetzt meine Erfahrungen zur Verfügung stelle, dann fühlt sich das an, als ob eine zarte Verbindung erwachsen kann zu allen, denen es ähnlich geht. Als ob ich ihnen zurufen möchte: „Schau mal, wir sind nicht allein, wir haben etwas gemeinsam.“

Das löst zwar erst einmal keine Probleme, aber mich stärkt es innerlich, wenn ich merke, dass ich eingebunden bin in eine Gemeinschaft von Menschen, denen es ähnlich geht wie mir. Das gibt mir irgendwie Halt, um dann nach Lösungen suchen zu können. Und ich habe die Hoffnung, dass es anderen auch so geht.

Sie: Woher kennst du das sonst aus deinem Leben?

Ich: Ich kenne die Sehnsucht nach Verbundenheit und Nähe und gleichzeitig ist gerade das die Quelle meiner größten Angst. Himmel und Hölle zugleich.

Ich verstehe, dass ich mich zeigen muss, um gesehen zu werden und will das auch. Und gleichzeitig fürchte ich unangenehme Konsequenzen. Mein Unterbewusstsein leitet dann meine ganze Kreativität um in die Produktion von Ablenkungsmanövern, um den nächsten Schritt nicht gehen zu müssen: scheinbar fehlende Klarheit, Aufschieberitis, Vergessen, krank werden, Hochleistungs-Zweifeln etc..

Wenn ich wach genug bin, mich zu durchschauen und trotz der Unsicherheit und Angst einen Schritt nach vorne zu gehen, dann wurde ich bislang meistens belohnt.

Sie: Und wie willst du dein kreatives Potenzial künftig stattdessen nutzen?

Ich: Indem ich mich öfter und rechtzeitig mit anderen austausche, sie frage und mich fragen lasse. Indem ich mir erlaube, es nicht immer alleine schaffen zu müssen. Auf Dauer sind Selbstgespräche ja doch recht einsam ….

Indem ich mir den Spruch ins Herz nehme: „Nichtwissen ist Neuanfang.“

Herzliche Grüße

Katja

An welchen Stellen vermeidest du Unsicherheit und Nicht-Wissen?

Und was wünschst du dir künftig stattdessen von dir?

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