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Reizdarmsyndrom

Integrale Medizin: Botschaften aus deinem Inneren

Was das Reizdarmsyndrom aus einer integralen Sicht bedeutet.

Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile. Das zeigt sich auch in der Medizin immer mehr. Krankheit,  aber auch Heilung entsteht oftmals aus vielen Aspekten, die die Schulmedizin außer Acht lässt.

Botschaften aus dem Darm

Als Hausarzt begegne ich tagtäglich dem Symptombild der funktionellen Darmbeschwerden. Was verbirgt sich dahinter?  Die Funktion des Darms ist beeinträchtigt, es lassen sich jedoch keine organischen Ursachen feststellen, welche diese Beeinträchtigung erklären könnten. Wechselhafte Beschwerden wie Stuhlunregelmäßigkeiten mit Durchfall und/oder Verstopfung, schleimiger Stuhl, das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung –  meist einhergehend mit Völlegefühl und Blähungen – mal schmerzhaft, mal schmerzfrei.

reizdarm-depressionDiese Symptome treten oft abwechselnd oder gleichzeitig auf. Gleichzeitig leiden Betroffene häufiger an depressiven Verstimmungen und Angststörungen. Frauen leiden ca. doppelt so häufig wie Männer unter einem Reizdarmsyndrom (RDS). Damit ein RDS diagnostiziert werden kann, müssen die Beschwerden länger als drei Monate bestehen. Damit wird das RDS von vorübergehenden Darmbeschwerden klar abgegrenzt. Eine gezielte Umstellung der Ernährung, regelmäßige Entspannung, psychotherapeutische Maßnahmen und pflanzliche Arzneimittel können die Beschwerden lindern.

Das „Problem“ welches der Patient und der Arzt oft gemeinsam haben ist, dass es für die Diagnosestellung keinen eindeutigen Labormarker gibt. Es müssen zunächst alle in Betracht kommenden organischen Ursachen ausgeschlossen werden.

Dazu gehören u.a. Laktose- und Fruktose-Unverträglichkeit, Glutenunverträglichkeit, Nahrungsmittelallergien, chronische Darmentzündungen wie Morbus Chron, Colitis Ulcerosa und natürlich auch Tumorerkrankungen. Wenn sich dann aber „nichts“ davon bestätigt, fühlt sich der Patient oft als „Psycho“ abgestempelt. Dachten Ärzte tatsächlich früher oft, dass dieses Bild als rein „psychosomatisch“ einzustufen ist; der Betroffene oft sogar als „Hypochonder“ galt, haben sich viele Ärzte heute durch neuere Forschungsergebnisse weitaus differenzierter dem Thema gestellt.

Verdauung ist hochkomplex

Die Verdauung ist ein hochkomplexes Geschehen in unserem Inneren, welches völlig unbewusst abläuft und für unsere Gesundheit so elementar wichtig ist. Einerseits muss der Darm die Nährstoffe aus der Nahrung, die unser Körper zum Leben braucht, hineinlassen und andererseits muss er uns vor Schadstoffen und Keimen schützen, die unserem Körper Schaden zufügen können.

ReizdarmsyndromBis vor wenigen Jahrzehnten ging die Wissenschaft noch davon aus, dass der Magen-Darm-Trakt vom Gehirn gesteuert wird. Doch die Neurobiologie stellte fest, dass der Magen-Darm-Trakt in seinen Funktionen weitestgehend unabhängig von Gehirn und Rückenmark arbeitet.

Sie entdeckte, das so genannte enterische Nervensystem (ENS), im Volksmund auch als „Bauchhirn“ bezeichnet. Experten sprechen heute vom „visceral brain“ oder „second brain“.

Beim Bauchhirn handelt es sich um ein eng geflochtenes Nervennetzwerk von über 100 Millionen Zellen, das sich von der Speiseröhre bis zum Rektum und Anus erstreckt. Es arbeitet im Wesentlichen selbstständig und tauscht Informationen mit dem Gehirn über das vegetative Nervensystem aus.

Dabei kommunizieren die Nervenzellen – etwa wie im Gehirn – über Nervenbotenstoffe wie beispielsweise Serotonin und Dopamin. Diese gelangen auf direktem Weg ins Gehirn und lösen dort Wechselwirkungen aus: Vorgänge im Bauch wirken sich so ebenso auf unsere Gefühle aus, wie die Gefühle Einfluss auf das Geschehen im Bauchraum nehmen können. Auf diese Weise ist unser Bauch nicht nur das Zentrum der Verdauung, sondern „aus dem Bauch heraus“ empfinden wir auch Gefühle wie Freude, Liebe oder Angst. Außerdem erfüllt der Darm als größtes Abwehrorgan die Aufgabe, körperfremde Stoffe zu erkennen und diese auf dem schnellsten Weg aus dem Körper zu befördern. Der Organismus reagiert darauf mit Schutzreflexen in Form von Erbrechen oder Durchfall.

Viele mögliche Ursachen

Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass eine geschädigte Darmbarriere die Hauptursache für das RDS sein könnte. Studien haben nachgewiesen, dass bei Patienten mit Reizdarmsyndrom die Barrierefunktion des Darms beeinträchtigt ist. Dadurch können Schadstoffe und Erreger in die Darmwand eindringen und winzige Entzündungen verursachen, die den Darm reizen. Das lässt sich an Hand einer Stuhlprobe laborchemisch nachweisen. Die Darmflora mit seinem gesunden Bakteriensaum stellt die äußerste Schicht der Darmbarriere dar.

Eine gestörte Darmflora beeinträchtigt unsere Darmgesundheit empfindlich und zählt aus meiner Sicht ebenfalls zu den Reizdarm-Ursachen: Entscheidend für eine intakte Darmflora ist die ausreichende Anzahl „guter“ Darmbakterien (z.B. Bifidobakterien). Die Gegenspieler der guten Darmbakterien sind krankheitsverursachende Darmbakterien. Überwuchern diese die bakterielle Flora und sinkt die Anzahl der guten Darmbakterien, sind Darmprobleme „vorprogrammiert“.

Was schädigt unsere Darmflora?

reizdarm ursachenHier sind an erster Stelle Antibiotika zu nennen. Bei der Gabe eines Antibiotikums werden nicht nur die krankmachenden Bakterien abgetötet, sondern auch alle nützlichen und hilfreichen Bakterien und Mikroorganismen, die unsere Haut und Schleimhäute als Schutzwall, als Barriere besiedeln damit wir gesund bleiben. Wird die Darmflora nicht wieder mit Probiotika (=lebensfördernde Darmbakterien) aufgebaut, kann sich als Folge einer länger bestehenden gestörten Darmflora eine Darmbarrierestörung entwickeln- und damit das Bild des Reizdarmsyndrom.

Ebenso können sich nach meiner Beobachtung auf dem Boden einer chronisch gestörten Darmflora auch verschiedene Nahrungsmittelunverträglichkeiten (keine Allergien!) entwickeln, die dem Bild des RDS sehr ähnlich sein können. Leider werden schon Bagatellinfekte im Kleinkindalter oft vorschnell mit Antibiotika behandelt. Folge sind eine sich anschließende Reihe weiterer Infekte, die ebenfalls mit Antibiotika symptomatisch behandelt werden, bis das Kind ständig krank ist und dann u.U. in der Folge chronische Leiden entwickelt.

Wir nehmen über Mastfleisch regelmäßig Rückstände von Antibiotika ein – was ebenfalls wie die direkte Einnahme eines Antibiotikums unsere Darmflora negativ beeinflussen kann.

Neben der gestörten Darmbarriere und gestörten Darmflora ergaben andere Untersuchungen, dass Betroffene oft eine überempfindliche Darmwand besitzen. Patienten spüren normale Verdauungsvorgänge wesentlich stärker – diese werden von unangenehm über störend bis schmerzhaft empfunden.

Fehlfunktion im vegetativen Nervensystem

Eine andere Theorie geht von einer Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems aus. So kann als möglicher Trigger die Botenstoffübertragung auf der Gehirn-Darm-Achse (Bauchhirn) ungünstig sein. Bei etwa vier Prozent hat eine durchgemachte Magen-Darm-Grippe mit Salmonellen oder Campylobacter-Bakterien das Reizdarmsyndrom ausgelöst. Weitere Faktoren, die das Reizdarmsyndrom verstärken, sind Stressbelastungen und falsche Ernährungsgewohnheiten.

Neuere Studien haben ergeben, dass fast jeder Betroffene unter einer Kohlenhydratunverträglichkeit (Laktose, Fruktose, Sorbit und Gluten) leidet und darauf mit Schmerzen oder Durchfall reagiert. Ähnliches scheint bei der Histamin-Intoleranz zu gelten. Eine ballaststoffarme Kost, ein hoher Fettkonsum sowie Genussmittel wie Alkohol, Koffein und Nikotin spielen zusätzlich eine Rolle. Vor einigen Jahren haben kanadische Forscher konkrete Hinweise auf den Entstehungsmechanismus des Reizdarms gefunden.

Höhere Enzymkonzentration

Danach ist die Konzentration des Verdauungsenzyms Serinproteinase in der Verdauungsflüssigkeit von Kranken doppelt so hoch wie bei gesunden Menschen. Dieses Verdauungsenzym stimuliert bestimmte Rezeptoren der Nerven- und Muskelzellen – durch diesen Vorgang ruft es wahrscheinlich Schmerzen, Unwohlsein sowie Durchfall und Verstopfung hervor. Warum das Enzym beim Reizdarmsyndrom in höherer Konzentration vorliegt, ist bisher noch unklar.

Lässt sich auf organisch-funktioneller Ebene nichts nachweisen, müssen wir weiter denken und handeln. Spätestens jetzt sollte die Biografie und die Lebensumstände samt aktuellen Entwicklungsprozess angeschaut werden. Die Zeit in der wir leben produziert viele Ängste in uns. Wir kooperieren mit Lebensumständen und Lebensgefühlen, die Kompromisse darstellen aber uns nicht in unserer ganzen Wahrheit und Schönheit wiederspiegeln.

Aus chronischer, latenter Angst, die uns meistens nicht bewusst ist, werden körperliche Symptome. Weil wir uns dessen nicht bewusst sind, suchen wir oft viel zu lange auf der rein körperlichen Ebene – die durchaus ihre Berechtigung hat – nach Antworten.

Was ist zu tun? Findet man sich in der Symptomatik des Reizdarms wieder, sollte unbedingt als erstes ein kompetenter Arzt aufgesucht werden. Dieser sollte zunächst die körperlich-funktionelle Ebene abklären und eine den Befunden entsprechende Therapie einleiten.

Ratschläge für den Alltag

Auf verträgliche Kosten achten:

Frische und natürliche Lebensmittel in Bio-Qualität sind die Basis einer gesunden Lebensweise. Nahrungsmittel mit ausreichendem Anteil an Vitaminen und Ballaststoffen sind lebensnotwendig. Da eine vitalstoffreiche Vollwertkost am Anfang zu einer vermehrten Gasbildung führen kann, sollten der Ballaststoffanteil während der Umgewöhnungsphase langsam gesteigert werden.

Stress abbauen:

Stress und Angst stören die normalen Verdauungsvorgänge. Entspannungstechniken (z. B. Qi Gong und Tai Chi oder Yoga) sowie eine allgemeine Kneippkur verbessern die Organfunktionen. Nach meiner Beobachtung ist es zweifelsfrei so, dass Stress und psychische Belastungssituationen  funktionelle Darmbeschwerden verstärken.

Sport treiben:

Regelmäßige körperliche Betätigung wirkt sich positiv auf die Darmfunktion aus.

Ausreichend Zeit zum Essen nehmen:

Sorgfältiges Kauen ist eine wichtige Vorbereitung für die Verdauung. Mit der F. X. Mayr-Kur kannst Du diese oft vernachlässigte Funktion erlernen. Hierbei werden trockene Semmeln durch eine spezielle Ess- oder Kautechnik sehr langsam bis zur Sättigung gekaut und eingespeichelt. Sorge zudem für einen geregelten Tagesablauf mit festen Essenszeiten.

Weitere Essenstipps

Mehrere kleine Essensportionen sind verträglicher als drei große Mahlzeiten.

Am Abend schaltet die Verdauungsaktivität einen Gang runter. Verzichte also um diese Uhrzeit auf besonders üppige Portionen.

Experten empfehlen, mind. 1,5 Liter am Tag zu trinken. Am besten sind stilles Wasser oder ungesüßte Kräutertees. Zu viel Kohlensäure ist tabu!

reizdarm-ernaehrungViel Obst und Gemüse sind für eine ausgewogene Ernährung unverzichtbar. Doch Vorsicht! Nicht jeder verträgt dasselbe und bei rohen Lebensmitteln arbeitet der Darm auf Hochtouren. Deshalb: Am Abend lieber auf größere Mengen Salat und Rohkost verzichten.

Finger weg: Alkohol, Kaffee, Rauchen

Sehr heiße oder sehr kalte Speisen, fette Nahrungsmittel (auch versteckte Fette in Wurst, Käse oder Fleisch) und scharf gewürzte Gerichte können bei Betroffenen mit dem Reizdarmsyndrom zu Problemen führen.

Süßigkeiten sowie blähende Lebensmittel sind mit Vorsicht zu genießen. Fertigprodukte sind kritisch.

Verschiedene Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit können in größeren Mengen abführend wirken – wer unter Durchfall leidet, sollte besser darauf verzichten.

Es kann hilfreich sein, über einen gewissen Zeitraum ein Ernährungstagebuch zu führen.

Was ist gerade?

Meine persönliche Schlussfolgerung: Der Verdauungstrakt hat u.a. die Funktion zwischen „Gutem und Schlechtem“ zu unterscheiden. Das hat auch mit dem Thema „Abgrenzung“  zu tun und damit, ob ich unterscheiden kann was mir gut tut und was nicht. Vielleicht ist das eine Aufforderung des Körpers uns darüber klarer zu werden, indem er uns signalisiert, wie der „Ist-Zustand“ gerade ist.

Wenn erstmal der Zustand der dauerhaften Überreizung des Verdauungstrakts vorliegt, gibt es manchmal sogar das Phänomen, dass sogar das Trinken von Wasser eine Überreizung darstellt und Reizdarmsymptome auslöst. Wir leben in einer Welt der dauerhaften und permanenten Sinnesüberreizung und da der Darm gewissermaßen mit seinen vielen Nervenzellen auch ein Sinnesorgan ist, liegt es für mich nahe, dass viele Menschen unter dieser Sinnesüberreizung leiden und Reizdarmsymptome entwickeln.

Passt auf euch auf!

Herzliche Sinnesgrüße!

Dein Matthias Struve

www.dr-struve-integrale-medizin.de

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