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Ist Depression nur ein Symptom? Erkenntnis einer Betroffenen:

Gastartikel von Anna Haußer:

Hallo, ich bin Anna. Ich bin keine Heldin!  Ich kann an so etwas wie den Paralympics nicht teilnehmen. Meine physische   Beeinträchtigung  ist nicht sichtbar und dennoch da.  Seit 40 Jahren lebe ich mit Depressionen. Zu überleben,  immer wieder neu beginnen  und zu wachsen –  das war und ist meine Heldenreise.  Mögen meine Erfahrungen anderen Mut machen  und Hoffnung geben.

Gebrochen und doch ganz – mein gelebtes und mein ungelebtes Leben. Meine Geschichte.

Ja, ich wurde gebeutelt und  geknickt. Ja, ich habe mich für etwas eingesetzt und bin gereift. 40 Jahre lang “Episoden”  von einer  “Major Depression”  zu durchleben, das prägt.

Bildschirmfoto 2016-07-18 um 11.10.59Meine  Erfahrungen  sind subjektiv und doch möchte ich, dass sie anderen dienen.  Letztlich funktioniert ja Evolution genau so: für den, der den giftigen Pilz als Erster isst, ist es tödlich. Für die Nachfolgenden nützlich.  Die Krankheit Depression ist der Menschheit lange bekannt, war immer auch Aufgabe von Heilern und  Thema in der Kunst. Es gibt höchst unterschiedliche Erklärungsansätze, je nachdem aus welcher Perspektive man schaut. Neu und erschreckend allerdings ist die enorme Zunahme von Depressionen in westlichen Kulturen. ….Wieder und weiter suche ich nach ganzheitlicher Heilung.  Ist die Depression nur ein Symptom? Die Mechanismen im Gehirn, die zu Depressionen führen, sind bisher kaum wirklich verstanden.  Die Wirkweise der meisten Medikamente, auch des Lithiums ist nicht wirklich geklärt.

Bis zu einem gewissen Grad der Depression helfen Placebos ebenso gut. Es gilt weiterhin, dass  Patienten den Leidensweg von Versuch und Irrtum durchlaufen müssen, bis sie (vielleicht) endlich ein für sie wirksames Antidepressivum gefunden haben. Lange galten Hirnbotenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin als treibende Kraft bei der Entstehung von Depressionen.  Momentan liegt der Fokus auf dem  Stresshormonsystem und der (meist nicht vorhandenen) Resilienz.

Ich verfolge die These, dass Depression ein Symptom einer physischen Unstimmigkeit  ist.  So  möchte ich   meine physischen Selbstheilungskräfte aktivieren.  Körper und Geist lassen sich nicht trennen.  Es gibt eine Psychosomatik und eine Somato-Psychik.

Ist eine „Hidden Inflammation“/eine chronische, verborgene Entzündung)   und/oder ein krankes Verdauungssystem  die Ursache vieler Krankheiten, auch von  Depression?    Ab  meiner Pubertät veränderte sich mein Essverhalten,  ich beeinträchtigte  mein  Verdauungssystem  durch  Abführmittel und als Erwachsene durch Antibiotika und durch Psychopharmaka.

Alle Antidepressiva haben Auswirkungen auf die Verdauung. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Verdauungssystem und dem limbischen System; mehr Nervenbahnen gehen  vom Bauchhirn nach oben als umgekehrt  Diese Spur verfolge ich momentan  am meisten. Seit  10 Jahren habe ich eine  kontinuierlich ansteigende Zahl der Leukozyten die „Chronisch  lymphatische Leukämie“/CLL genannt wird.  Als ich mit meinem Bruder, den ich lange nicht gesehen hatte, darüber sprach, meinte er,  „dann müsstest du doch eine Menge Leukozyten haben“ und es machte in mir so wie „klick“. Ich habe begonnen,  wieder einmal zu fasten, jedoch danach eine umfassende Darmsanierung in die Wege zu  leiten.

Auf der psychisch-sozialen Ebene  bin ich auch auf einer anderen Stufe angekommen.  Ich bin nicht mehr Patientin, sondern in Augenhöhe mit einer Trainerkollegin.  In einem Coaching-Austauschprozess mit Uschi Kellenberger(http://www.empathie-werkstatt.ch )geben wir uns Sessions von High Quality Empathy nach Marshall Rosenberg.  Wir sammeln die „Wölfe“ als Auslöser für unser weiteres Erforschen ungeheilter tiefer Glaubenssätze.  Unsere Urteile und Selbstverurteilungen führen uns zu  tiefen Glaubenssätzen aus unserer Kindheit. Wir beginnen immer mit den Empfindungen auf der Körperebene und kommen durch tiefe Empathie ins Fühlen. Ein junger Anteil wird auf dem  „Rückweg“  mit den damals unerfüllten Bedürfnisse nachgenährt.

Drache der DepressionDurch die Gewaltfreie Kommunikation habe ich ein differenziertes Gefühlsvokabularium bekommen. Jedoch ist es  oft noch mental. Den Schmerz, die Trauer und die Angst da sein zu lassen und wirklich zu fühlen  ist in dieser wechselseitigen empathischen Begleitung viel leichter möglich als alleine.  Manchmal braucht es Begleitung, ja. Die Gefühle auf allen Ebenen zu fühlen,  damit zu sein  ist   Selbstempathie  „at work“. Es ist ein Lebensweg.  Das geht jedoch nur, wenn ich frei von schwerer Depression bin.

Der Drache hat sich umgedreht und aufgerichtet. Ich fühle mich wieder lebendig und will leben, will nützlich sein.  Wieder suche ich die Balance von Schattenarbeit und Lebenslust, die Balance von Akzeptanz und dem nächsten Kampf gegen den lauernden Drachen unter der Oberfläche meines Seins.

Jedes Ende ist ein Anfang.

Anfang des Jahres  2016 war ich total überzeugt, dass es „das“ wird, was ich nun zu tun habe: Das Bilder-Buch-Projekt „Mein Weg aus der Depression“.    Es schien sich aus  meinem Lebensschicksal zu ergeben.  Wie auch beim letzten Buch bin ich wieder – TBE-erfahren –  auf die Übungsmatte gegangen und habe täglich ein Bild gemacht und einen kurzen Blogbeitrag geschrieben.

Bildschirmfoto 2016-07-18 um 11.11.13Über  die Tage und Wochen hat es  hat es sich  verwandelt. Zuerst schrieb ich nur über meine so entsetzlichen Gefühle und Gedanken. Als der Wandel in meinem Denken und Fühlen geschah,  kam eine Phase „ Kunst & Kreativität gegen Depression“.

Heute ist klar: ich schreibe kein  Depressions-Buch und halte auch keine Vorträge darüber.  Ich möchte mich nicht über lange Zeit diesen Gefühlen und Erinnerungen aussetzen. Und die „alte Anna“ ist neu wieder da. Ich vergleiche es mit einer Geburt: sobald man durch ist, ist der Geburtsschmerz vergessen. Da ist nur noch Freude  und Dankbarkeit für das Leben.  Zumindest in den ersten Wochen.

Jetzt kann ich weiter durch das Leben & Lehren einer integralen Gewaltfreien Kommunikation zur notwendigen gesellschaftlichen Transformation beitragen.  Durch das Humandesignsystem mit integraler Perspektive kann ich (m)einen Beitrag zu Persönlichkeitsentfaltung leisten.  Noch wichtiger geworden ist nun auch mein  künstlerischer Ausdruck – allein und mit Anderen.

Bildschirmfoto 2016-07-18 um 11.11.39Ja, nun geht es wieder die  Lebensspirale hinauf.  Ja, ich darf darauf hoffen, dass ich niemals mehr das Rezidiv einer schweren Depression haben werde. Sicher sein – das darf ich nicht.  Was ist in mir geschehen?  Wieder große Trauer, ein großer Schmerz über mein Schicksal.  Wieder ein Stückchen mehr Bewusstheit und die Bereitschaft zu entsprechendem Verhalten.  Ja, meine weiteren Schritte muss ich mit Bedacht setzen.  Auch wenn „sie“ scheinbar aus dem Nichts kommt – es gibt Verhaltensweisen und Lebensumstände, die sich so summieren, dass mein Muster so wie anspringt.

Ich führe Journale – Erkenntnis-, Erfolgs-, Ideen-, Dankbarkeits- und Beziehungsjournal und sammle „Wölfe“. Das sind die Glaubenssätze, die aktiv wurden und im Coaching-Austausch angeschaut werden sollen.

Mit der Ärztin werde ich besprechen, wie lange ich das Antidepressivum ihrer Einschätzung nach noch nehmen soll. Mit jeder depressiven Episode steigt das Risiko für einen erneuten Schub an. Meine Selbstverantwortung, mein Mut und eben auch meine Bereitschaft zur besonderen Achtsamkeit in Bezug auf die latent in mir schlummernde Bereitschaft meines Körpers und meines Geistes, mit Depression zu reagieren ist immer gefragt.

Ein Lächeln für dich – ein „Halte-durch- auch wenn du es jetzt noch nicht glauben kannst, dass es je vorbeigeht“ für jene, die diese Krankheit gerade erleben.

Ein riesengroßes Danke an Petra, Yasho, Angelika und meine Freunde und Freundinnen. In diesen furchtbaren Monaten dachte ich, ich hätte keine.

Und meine Hochachtung für all jene, die depressive Menschen aushalten, dableiben, ihre eigene Hilflosigkeit aushalten und gleichzeitig gut für sich selbst sorgen.

 

Den vollständigen Artikel und Annas Blog findest Du hier.

Anna Haußer, www.lebenswendezeiten.de

 

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