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Bindungstrauma

Kann man ein Bindungstrauma durch Spiritualität heilen?

Woher kommt dein Bindungstrauma und wie kannst du es erlösen?

Verbindung ist Leben. Die Erfahrung, in Verbindung mit sich selbst und anderen Menschen zu sein, stillt die Sehnsucht nach Kontakt und Lebendigkeit. Wir werden als bindungs- und beziehungsfähige Wesen geboren.

Doch leider ist uns oft gar nicht bewusst, welche inneren Barrieren das ersehnte Maß an Kontakt, Verbindung und Lebendigkeit verhindern. In unserem heutigen Gastartikel schreibt die spirituelle Coach und Hypnotherapeutin Sylvia Römer über die Ursachen und gibt dir wertvolle Lösungsvorschläge.

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Die Bindungsqualität, die wir als Kinder mit unseren Eltern erfahren haben, beeinflusst heute alle unsere Beziehungen – vor allem unsere Liebesbeziehungen und die Beziehung zu uns selbst.

ENTWICKLUNGS- UND BINDUNGTRAUMA

bindungstrauma-kinderBeinahe jedes Problem hat seine Wurzeln in der frühen Kindheit. Vernachlässigung, mangelnde Empathie, Fluchterfahrungen, Bindungsabbrüche, sowie psychische und körperliche Gewalt sind Ursachen für Entwicklungstrauma.

Oft geschehen Entwicklungstraumatisierungen durch Bindungspersonen, die für die Sicherheit und den Schutz des Kindes verantwortlich sind. Geht die Gefahr jedoch von den Eltern aus, weiß das Kind nicht, wohin es sich mit seiner Angst wenden soll.

Es fühlt sich verloren und desorientiert, was zu einem desorganisierten oder unsicher-vermeidenden Bindungsstil führt.

Beziehungsprobleme, die mit Nähe-Distanz, Rückzug und plötzlichem Kontaktabbruch zu tun haben, sind oft Folgen eines unsicher-vermeidenden Bindungsstils.

FRÜHE TRAUMAPRÄGUNG

Dort, wo ein frühes Trauma vorliegt, wird die biologische Stressregulation zu einem wackligen Fundament. Das Kind entwickelt zwar Impulse von Flucht und Verteidigung, kann diesen aber nicht folgen.

Stattdessen werden Stresshormone ausgeschüttet, die über den Körper nicht abgebaut werden können – das Kind bleibt in der Erfahrung des Traumas „stecken“.

So kommt es zu einer Veränderung des biologischen Grundniveaus chemischer Substanzen (Adrenalin/ Serotonin), zu einem überspannten Nervensystem, was anfällig für weitere Traumata macht.

Es ist der Gipfel der Ironie, dass in der Zeit, in welcher der Mensch am empfänglichsten für die Wirkung von Traumatisierungen ist – im Babyalter und während der Kindheit – Erwachsene sie allgemein für am flexibelsten halten.“

(Quelle unbekannt)

Menschen mit einem frühen Trauma haben ein anderes Nervensystem als Menschen, die nicht traumatisiert sind.

DIE FRAGMENTIERTE PSYCHE

Bindungstrauma-heilenEntwicklungstrauma fragmentiert die Psyche. Wenn ein Kind traumatisiert wird, während sein Gehirn noch in der Entwicklung ist, werden die Verhaltensweisen und Denkmuster, die es haben überleben lassen, als charakteristischer Zug tief in sein neuronales System eingegraben.

So prägt das Trauma auch die Persönlichkeitsstruktur.

Häufig entwickeln Traumatisierte stark polarisierende Persönlichkeitsanteile zum Schutze der traumaassoziierten, inneren Kind-Anteile.

Aufgrund der eingeschränkten Fähigkeit zur Selbstregulation kommt es dann zu einem Hin- und Herpendeln zwischen Übererregung und dissoziativen Zuständen. Ängste, Depressionen, Identitätsverzerrungen sowie stark emotionales Leiden sind weitere psychische Folgen.

TRENNUNG ALS ÜBERLEBENSSTRATEGIE

Trauma trennt uns voneinander. Bei Menschen mit einen Bindungstrauma ist die Fähigkeit zu sozialem Kontakt und Interaktion beeinträchtigt. Sie fühlen sich oft anders und fremd. Sie haben sich von ihren Gefühlen auf der Körperebene und auf der Beziehungsebene zu sich selbst und zu anderen abgeschnitten.

bindungstrauma-einsamkeitAls Reaktion auf das Verhalten ihrer Eltern entwickelten sie in ihrer Kindheit Überlebensstrategien, die mit Schmerzvermeidung (d.h. das Unaushaltbare nicht mehr fühlen zu müssen) und dem Bedürfnis nach Kontakt und gleichzeitig der Angst vor Kontakt, zu tun haben.

Menschen, die diese frühe Kontakt-Überlebensstruktur in sich tragen, haben in der Regel zwei Arten damit umzugehen.

Sie flüchten in den Kopf oder in die Spiritualität. Nach dem Neuroaffektive Beziehungsmodell NARM unterscheidet man hier zwei Typen:

  1. Der verstandesbetonte Typ: 

Dieser Typ lebt auf der Kopfebene. Für ihn zählen Denken und Logik mehr als Gefühle und Emotionen. Diese Menschen können brillante Denker sein, sie sind aber nicht mit ihrem Körper und ihren Gefühlen verbunden.

Auf diese Weise halten sie emotionale Distanz zu anderen Menschen. Wenn diesem Typ sein Trauma bewusst wird, versucht er es über den Verstand zu lösen, was aber nicht geht, da der Kindheitsschmerz auf der Beziehungsebene ist.

  1. Der spiritualisierende Typ:

Dieser Typ bewältigt den fehlenden Kontakt zu seinem Körper und zu anderen Menschen, indem er mehr nach Verbundenheitserlebnissen in der Natur und mit Gott sucht. Die Frage nach dem Sinn des Schmerzes macht diese Menschen oft zu spirituell Suchenden. Oft sind sie außerordentlich sensibel.

bindungstrauma-hochsensibelSie neigen dazu, im energetischen Feld zu leben und können dadurch auch gute übersinnliche Fähigkeiten entwickelt haben. Meist besitzen sie eine sehr gute Beobachtungsgabe und ein feines Gespür dafür, was in ihrer Umgebung und in anderen Menschen vor sich geht.

Dabei kann es jedoch vorkommen, dass die Gefühle anderer Menschen ungefiltert in sie eindringen, und sie sich dadurch bedroht fühlen. Typisch ist dann die Neigung zum Rückzug oder Kontaktabbruch. Dadurch verstärkt sich allerdings ihr Kindheitsschmerz, der viel mit allein sein und dem Gefühl isoliert zu sein, zu tun hat.

Passend dazu im Compassioner:

Wie hochsensible Menschen das Gefühl von Zugehörigkeit erleben...

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Selbst wenn der spirituelle Mensch erwacht ist, heißt das noch lange nicht, dass seine Trauma-Prägung verschwunden ist.

EIN LÖSUNGSANSATZ ZUM WACHSTUM

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Menschlicher Kontakt ist die Wachstumsherausforderung für diese frühe Trauma-Überlebensstruktur. Auf lange Sicht ist es wichtig, einen Zugang zum eigenen Spürbewusstsein zu entwickeln.

Ziel ist die Entspannung des Nervensystems, die Nachreifung und Integration der verletzten, inneren Kind-Anteile, sowie das Erleben von Achtsamkeit und Verbundenheit.

“Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.”

(Tich Nhat Hanh).

Heilung des Bindungstraumas

Zu Beginn einer jeden Heilreise steht der Ressourcen-Aufbau. Die Natur, Mantra-Singen und Spiritualität können wertvolle Ressourcen sein. Doch sie bleiben Ressourcen, und sie ersetzen nicht die Lösung. Die Lösung muss auf der Ebene gesucht werden, wo sich das Leiden befindet. Und das ist …

  1. auf der Beziehungsebene: im sicheren Kontakt mit einem Partner oder Therapeuten (-> Co-Regulation)
  2. auf der Köperebene, im Nervensystem: Körperübungen zur Trauma-Heilung, Loslassen und Freisetzen von Stress, Umgang mit Gefühlen (-> Selbstregulation)
  3. auf der Persönlichkeitsebene: Nachreifung und Integration von traumaassoziiertenPersönlichkeitsanteilen(-> Charakterbildung, Persönlichkeitsentwicklung)

Der Heilungsweg kann hier nicht im einzelnem beschrieben werden. Generell kann man aber sagen, er führt über eine kontinuierliche Verfeinerung der inneren, körperlichen Wahrnehmung. Der Kindheitsschmerz kann durch neue, positive Erfahrung – in einem liebevollen Kontakt mit einem Menschen – geheilt werden.

Video: Ein wahrer Meister in der Kontaktaufnahme findest du hier (ein Hund als Vorbild):

Mögliche Fallstricke auf dem Heilungsweg:

Wenn die Heilung auf den oben genannten Ebenen durch bestimmte Methoden im spirituellen oder therapeutischen Bereich umgangen wird, endet das oft im Desaster.

Das Ausagieren von großen Emotionen ist für Menschen mit einem traumatisierten Nervensystem kontraindiziert.Es sprengt die Selbstregulationsfähigkeit. „Sei damit …“ hört man oft in spirituellen Kreisen.

Doch das „Darin-Sein“ kann zur Überflutung oder Dissoziation führen. Manchmal kommt es auch zur Verwirrung, wenn z.B. Dissoziation mit Meditation verwechselt wird.

WIRKLICHE VERBUNDENHEIT

bindungstrauma-liebe„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, hat Martin Buber einmal gesagt. Es gibt wohl keine intensivere Begegnung als die mit einem Menschen, der zum ersten Mal entdeckt, wie sich Sicherheit, Frieden und Entspannung mit einem anderen Menschen anfühlt.

Die spirituelle Dimension öffnet sich, wenn wir fest verwurzelt auf der Erde sind, wenn sich unser Nervensystem entspannt und wir in Verbindung mit anderen Menschen sind.

Wir sind alle durch das Netz der Natur miteinander verbunden und das befähigt uns zu natürlichen und gesunden Beziehungen.

bindungstraumaIn Liebe & Verbundenheit

Sylvia Römer

www.sylvia-roemer.de

Kurz-Vorstellung:
Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPG) und Friedensbloggerin. Ich arbeite als Coach und als therapeutische Weg- und Prozessbegleiterin und unterstütze Menschen in allen Krisen,  verstehe mich als „Potential-Entfalterin“ zum inneren Frieden. In meinem Friedens-Blog inspiriere ich und kläre auf: Trauma-Arbeit und Friedens-Arbeit gehören aus meiner Sicht zusammen. Ein geheiltes Trauma birgt das Potential in sich zu erwachen, und kann so ein Sprungbrett in die Weisheit und zum Frieden werden.

 

 

 

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