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Kannst du “Nein” sagen?

Warum dich “Nein” zu sagen oft vor den falschen Entscheidungen bewahrt.

Ich bin gerade in Frankfurt am Main angekommen und brauche vor meinem Termin etwas zu essen. Es ist Mittagszeit und ich laufe die belebte Kaiserstraße entlang auf der Suche nach einem „unkomplizierten“ Mittagessen.

Ich sehe ein ansprechendes italienisches Restaurant und gehe hinein. Der Duft verspricht leckeres Essen und auf der Karte entdecke ich ein attraktives Angebot: Blumenkohlsuppe und mit Spinat und Käse gefüllte Gnocchi. Das Essen hält, was der Duft versprochen hat, und ich bin satt und zufrieden.

Plötzlich steht eine kleine Portion Pannacotta vor mir. Ich habe dies  nicht bestellt und sage das der Bedienung. Sie schaut mich strahlend an und erklärt, dass ein kleines Dessert Teil des Mittagsangebotes sei. Was tun? Mein Magen sagt „ich bin satt“, mein Tagesprogramm sieht später weiteres Essen vor.

Die Kalorienbilanz des Tages passt überhaupt nicht. Auf der anderen Seite registriere ich: Die   Bedienung möchte mir eine Freude machen, das Dessert ist bezahlt und natürlich sieht es lecker aus.

Allzu häufig sagen wir dann „ich nehme es“. Um nicht unhöflich zu sein, weil Süßes immer passt und das Geld sonst weg wäre. Schön geredet wird die Entscheidung dann mit „heute mal“. Das Ergebnis dieser vielen kleinen „heute mal“ sehen wir dann nach einigen Jahren im Spiegel und wundern uns, weil wir uns doch scheinbar immer so klug ernähren.

Ich entscheide mich für ein freundliches aber bestimmtes „nein danke“. Zum einen, weil dieses „Nein sagen“ nützliche Disziplin für mich bedeutet, aber auch für langfristiges Wohlbefinden und Gesundheit sorgt.

Fazit: Miss Entscheidungen an langfristigen Zielen, nicht nur an situativen Effekten

Eine andere interessante Situation für“ ja oder nein“: Es ist Sonntag, das Wetter ist so viel schöner als erwartet und die Familie oder nein sagenFreunde laden dich spontan ein, mit ihnen wandern zu gehen.
Die Abwägungen könnten lauten: „Ich will kein Spielverderber sein“, „Es ist endlich Frühling, wie schön“, „Wir haben lange nichts zusammen unternommen, ich sollte mich aufraffen“ …  Auf der anderen Seite könnte stehen, dass genau diese Freunde oder deren Teenager bzw. Kinder so anspruchsvoll wandern oder dass du nach solchen Aktionen immer völlig kaputt bist. Vor allem aber, dass du einfach mal einen Tag ohne Termin und Vorhaben brauchst.

Du hattest anstrengende Wochen, in denen du von Aufgabe zu Aufgabe gehetzt bist. Die ganze Zeit hat dich die Vorstellung motiviert, wie du am Sonntag endlich einmal die Beine hochlegst und beim Lieblingstee den Vögeln im Garten zuschaust, liest oder ruhst.

Hin- und hergerissen entscheiden sich viele Menschen in derartigen Situationen für eine Zusage zum Wandern. Warum? Weil wir es gewohnt sind, unsere Bedürfnisse, vor allem die nach Erholung, hintenan zu stellen. Schämen wir uns nicht manchmal sogar zu sagen, dass wir müde sind oder uns etwas zu viel wird?

Natürlich könnte es ein zauberhafter Tag werden. Der Preis, den wir dafür zahlen, ist jedoch ein Wachsen der Erschöpfung und des Defizits, an dem wir länger zu knabbern haben. Geschieht dies öfter und über längere Zeit, rutschen wir tatsächlich in einen Zustand der Erschöpfung.

Dies liegt dann nicht an der sich ständig ändernden Welt und den wachsenden Anforderungen, sondern an den falschen Entscheidungen, die wir selbst treffen. Hier wäre ein „Nein sagen“ im Interesse aller besser. Auch deine Freunde oder die Familie haben mehr von dir, wenn du erholt und gut drauf bist und dich nicht zu irgendetwas zwingst.

Fazit: Definiere Erholung und Regeneration als hohe Priorität in deinem Leben

Als Priorität, für die nur du selbst verantwortlich bist. Hier kann ein „Nein“ manchmal viel bewirken.

Im Coaching fällt mir immer wieder auf, wie schwer es Menschen fällt zu formulieren, was sie wollen. In der Regel können wir besser beschreiben, was wir nicht wollen.

Wir wollen nicht mehr so träge sein, nicht mehr so viele Gummibärchen essen, uns vom Partner oder Chef nicht mehr unterbuttern lassen, nicht mehr so viel grübeln….

In solchen Fällen ist das Nein sagen eher hinderlich, denn unser Gehirn befasst sich dann zunächst mit dem Zustand, den wir grad nicht mehr haben wollen. Da Energie nicht verloren gehen kann, muss statt des nicht erwünschten Zustands klar sein, was wir an dessen Stelle setzen wollen.

Deshalb ist eine meiner Lieblingsfragen „Was statt dessen?“

Es ist eben oft nicht klar, was die Gummibärchen oder das Grübeln ersetzen sollen. Deshalb geschieht nichts.  Ist es besser, Nüsse oder Möhren zu knabbern oder ganz auf das Naschen zwischendurch zu verzichten? Soll statt zu grübeln überhaupt weniger nachgedacht werden oder optimistischer oder vertrauensvoller?

nein-sagenNur wenn du genau weißt, wohin du willst, kannst du den passenden Weg dafür suchen und finden.

Ansonsten besteht die Gefahr, dass wir Zeit und Kraft für Fehlversuche verlieren.

Fazit: Wenn es um Ziele geht, ist ein „ja für“ etwas erfolgversprechender als ein „nein gegen“

Schlussendlich kann dies so weit gedacht werden, dass man auch „Ja-Sagen“ üben muss. Vor allem beim „Ja“ zu sich selbst.

Es grüßt dich herzlich,

Ilona Bürgel

www.ilonabuergel.de

 

Wo fällt es dir denn Nein sagen oft schwer? 

 


Hier noch ein spannender Artikel von Ilona Bürgel:

Sind Versuchungen es wert, ihnen nachzugeben? So kannst du nützliche Disziplin anwenden

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