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Konventionen im Miteinander – wann darf ich sie brechen?

Dieser Tage beschäftigt mich das Thema Konventionen: Was sind Konventionen, woher kommen sie? Welche kleinen und großen Konventionen breche ich oder würde ich gerne brechen?

Konvention, vom Lateinischen conventio abgeleitet, meint „Übereinkunft“, „Zusammenkunft“ – sprich eine Regel, die von einer Gruppe aufgrund eines beschlossenen Konsenses eingehalten wird. Die Übereinkunft kann stillschweigend zustande gekommen oder ausgehandelt worden sein.

Konventionen – die positiven Aspekte

konventionen-kniggeIch vermute, in vielen freigeistigen Köpfen ist das Wort konventionell negativ besetzt – es werden engstirniges Denken und einengendes Verhalten assoziiert. Doch bei genauerem Hinsehen können wir feststellen, dass Konventionen weder negativ noch positiv sind und eine Gesellschaft auch regulieren, den einzelnen beispielsweise vor Übergriffen schützen. Sprich bürgerliche Tugenden haben auch etwas Positives: In einer durch Freiheitlichkeit und Toleranz geprägten Gesellschaft gilt es, den anderen in Ruhe zu lassen, ihn nicht zu kritisieren, weil er eine Nadel zwischen den Augenbrauen hat, oder sich nicht einzumischen, weil er gegengeschlechtlich heiratet. Gleichzeitig dürfen wir uns fragen, wann es Sinn macht sich einzumischen, beispielsweise wenn jemand auf der Straße liegt, Zivilcourage gefragt ist. Es ist also stets spannend zu schauen: In welchem Dienst steht die Konvention, wo kommt sie her?

Konventionen – die Schattenseiten

Selbstverständlich gibt es auch einengende Konventionen, die aus engstirnigem Denken resultieren. Kleine und manchmal auch größere Tabubrüche finde ich persönlich wunderbar, sie können die Geister wieder erfrischen und den einzelnen zu neuer (Selbst-)Reflexion anregen. Hier ein Beispiel zum Stichwort Kommunikation: Eine Konvention innerhalb unserer Gesellschaft ist es, Fremde nicht einfach so anzuquatschen, bzw. wenn, dann nur, um nach der Uhrzeit oder dem Weg zu fragen. Meine Schwester erzählte kürzlich, sie mache es sich immer öfter zur Gewohnheit, Menschen anzusprechen. Auf einem Spaziergang an Hannovers Maschsee beobachtete sie ein Drachenboot, dessen Team von einem einzelnen lautstark angeführt wurde, in dem die Schlagzahl zugerufen wurde. Daraufhin fragte meine Schwester etwas kühn einen älteren Herrn neben sich: „Möchten Sie so angebrüllt werden?“ Dieser war kurz überrascht, doch anschließend verwickelten beide sich ein Gespräch über den Sport und das Leben.

Deine Freude zeigen – ein Tabubruch?

Konventionen-FreudeIch habe den Eindruck, dass es schon fast einem Tabubruch gleicht, seine pure Freude auch in der Öffentlichkeit zum Ausdruck zu bringen: zu pfeifen, zu singen, zu lachen oder jemanden sehr bewusst anzulächeln. Schnell glauben wir, derjenige hätte nicht alle Latten am Zaun – oder aber es ginge ihm schlicht zu gut. In unserer leistungsorientierten Gesellschaft, in der es zum guten Ton gehört, im Stress und gehetzt zu sein, ist es eher ungewöhnlich, ja, unkonventionell, seiner Lebensfreude spontan Ausdruck zu verleihen.

Extrem entschleunigt

Mir fällt ein Junge aus „meiner“ Blindenschule ein, der sich mit seinem Langstock auffallend langsam vorwärts bewegt – träumend, singend und relativ unberührt von den Erwartungen der anderen, Mitarbeitern und Mitschülern. Mit seinem Stock hantiert er wie mit ein chinesischen Stäbchen, anstelle ihn als Mittel zur Orientierung und Fortbewegung zu benutzen. Neulich kommentierte die Sportlehrerin sein Verhalten mit den Worten “extrem entschleunigt“. Da musste ich lachen und meinte, von seinem Verhalten könne sich der eine oder andere eine Scheibe abschneiden.

Ein Leben unter der Käseglocke

Sich zurückzuhalten, wenn es darum geht, sein Inneres nach außen zu kehren, hat meines Erachtens viel mit alten Konditionierungen und Konventionen zu tun. Viele Menschen deckeln sich stark, leben große Teile ihres Lebens unter einer „Käseglocke“: Wir verlieren – zumindest in unserer Kultur – die Reinheit, das Unschuldige, Spielerische, ja, auch das Wilde auf unserem Weg ins Erwachsenendasein. Wie schade. Und wie erfrischend gleichzeitig, Kinder in ihrer meist ungezügelten Art zu beobachten. Dies heißt keineswegs, dass aus introvertierten Zeitgenossen plötzlich expressive Extrovertierte werden sollen. Ich kann mein Introvertiert-Sein, mein Bedürfnis nach Einkehr und Zeit für mich ja wunderbar leben und gleichzeitig den inneren Regungen in mir neugierig begegnen ohne etwas zu unterdrücken.

Nun steht die Weihnachtszeit zwar nicht direkt vor der Tür, doch sie naht. In den vergangenen Jahren machte ich die Erfahrung, dass es schon fast provokativ wirkt, jemandem eine „ruhige und gesegnete Weihnachtszeit“ zu wünschen. Ich werde dies dennoch auch in Zukunft tun, um mich selbst und andere daran zu erinnern, dass es insbesondere in dieser Zeit auch um Innehalten und Muße geht.

Zocken im  Treppenhaus

Konventionen-TreppenhausEin weiteres Beispiel für eine unkonventionelle Situation: Ich habe unserem Sohn erlaubt, sich mit Tablet und Kissen ins Treppenhaus unserer Westerländer Wohnung zu setzen, um das WLAN eines Freundes zu nutzen, der Souterrain wohnt. Durch Zufall erfuhr ich, dass ein Mieter unseren Sohn mehrfach unfreundlich ansprach mit den Worten „Hast du kein Zuhause?“ oder alternativ: „Du schon wieder.“ Unser Sohn hat sich interessanterweise in keinster Weise beirren lassen, geschwiegen und sein Spiel fortgesetzt. Mir ist schon klar, dass es eher ungewöhnlich ist, in einem Treppenhaus zu zocken anstelle in den eigenen vier Wänden. Gleichzeitig dachte ich: Wir stören niemanden wirklich. Doch offenbar fühlte sich der Mieter bemüßigt, seinen Senf abzugeben und seine Macht spielen zu lassen.

Kommunikation ins Leere laufen lassen

Manchmal ist es gut, unangemessene Worte eines anderen schlicht ins Leere laufen zu lassen, nicht zu kommentieren. Vielleicht ist es auch eine Konvention, immer hübsch und brav zu antworten, stets Rede und Antwort zu stehen. Doch unkonventionell zu kommunizieren – was für alle Beteiligten lehrreich und heilsam sein kann – heißt oft auch: schweigen, nicht reagieren. Die Konvention des „unmittelbar Antwortens“ möchte ich demnach häufiger brechen, wenn ich es für sinnvoll erachte. Gesagtes einfach mal stehen lassen, ein Gespräch, das sich in eine für mich wenig sinnvolle oder unangenehme Richtung entwickelt nicht fortführen.

Saunagespräche

Konventionen-SaunaZum Abschluss ein erheiterndes Beispiel, welches zeigt, dass ein jeder immer wieder überprüfen darf, ob und wo eine bestimmte Konvention gilt: Manchmal glaubt man eine Konvention zu kennen und wird dann eines Besseren belehrt. In der Sauna wird in der Regel geschwiegen. Als ich mich mit meiner Schwester neulich flüsternd unterhielt und sich ein Gast lautstark darüber echauffierte, nahmen uns andere Gäste in Schutz und klärten den guten Herrn auf: Nein, in dieser Sauna wird explizit gequatscht – „Was meinen Sie, was hier am Wochenende los ist?“ Da mussten wir innerlich schmunzeln.

Es braucht mehr Klar- und Freidenker!

Ich glaube, dass unsere Gesellschaft mehr denn je Menschen braucht, die klar und frei denken können, Menschen, die ihre Werte und Bedürfnisse kennen und auch keine Angst vor Eigenwilligkeit haben – eigenwillig nicht im Sinne von rücksichtlos oder gar egoistisch, sondern im Sinne von autonom und widersprechend, wenn etwas für mich keinen Sinn macht, auch wenn die Mehrheit davon überzeugt ist. Es geht also darum, Dinge aus „innerer Einsicht“ heraus zu tun, resultierend aus den eigenen Wertmaßstäben. Ich darf mich stets fragen: Wie kann ich mich für meine Rechte und Interessen einsetzen, ohne dabei die Rechte und Gefühle anderer zu verletzen?

 

So dürfen Konventionen und Gepflogenheiten immer wieder in einem selbst und im Austausch mitanderen überprüft werden.


Viel Spaß dabei!

Carolin Stark

seisofrei-lebenskunst.de

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