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Geschichte der Krankheitsbilder & Deutung: Dr. Rüdiger Dahlke

Wohl zu allen Zeiten haben Menschen versucht, Sinn in ihrer Existenz zu finden. In Frage gestellte Krankheitsbilder spielten da sicherlich eine besondere Rolle. Wenn Krankheitsbilderdeutung in unserer Zeit als neues Verfahren erscheint, liegt das daran, dass moderne Menschen wohl als erste in der Menschheitsgeschichte die Suche nach Bedeutung aufgegeben haben. Beim (wissenschaftlich motivierten) Versuch, die Schöpfung zu entzaubern und ihre Geheimnisse auf streng rationale Weise zu entschlüsseln, war der Sinn des Lebens nur im Wege, und so wurden mit ihm auch Religion, Philosophie und andere Versuche der Sinnsuche aufs Abstellgleis der Geschichte geschoben.

Nun merken immer mehr Menschen, was für einem Denkfehler sie dabei aufgesessen sind. Glücklicherweise hatten Teile der Bevölkerung diese Entwicklung nicht mitgetragen und waren der Sinnsuche verbunden geblieben. Während Religion und Philosophie in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts einen beispiellosen Niedergang erlebten und die Schwerpunkte an den Universitäten von den theologischen und philosophischen auf die naturwissenschaftlichen Fakultäten verschoben wurden, blieb in der Bevölkerung die Lust am Sinn erhalten. Allerdings rutschte sie – da von oben nicht mehr abgesichert – immer mehr in Bereiche des Volks- und Aberglaubens, was ihrer Lebendigkeit aber keinen Abbruch tat. So gesehen ist es weniger verwunderlich, wenn sich meine Art ganzheitlicher Psychosomatik mit ihrer Reichweite bis in spirituelle Dimensionen, die wesentlich auf der Deutung der Krankheitsbilder beruht, viel leichter und schneller über betroffene Patienten durchsetzen konnte als über offizielle Kanäle.

Unseren frühesten Vorfahren waren Krankheitsbilder mit Sicherheit als bedeutungsvolle Zeichen übergeordneter Macht erschienen.

Dafür sprechen sowohl historische Zeugnisse als auch die Erfahrungen der Reinkarnationstherapie. In der Antike wurde noch allen Formen und Dingen Bedeutung zugemessen. Plato fasste diese Weltsicht zusammen, wenn er sagte, hinter jedem Ding stehe eine Idee. Goethe formulierte später noch unwidersprochen, alles Geschaffene sei ein Gleichnis. Ein Gleichnis lebt von der Symbolik und damit Bedeutung, und Krankheitsbilder gehören zumindest häufig in den Bereich des Geschaffenen und Geformten. Platons Satz lautete auf unser Thema übertragen: „hinter jedem (körperlichen) Krankheitsbild steht eine Idee“, und aus Goethes Formulierung ergibt sich zwanglos „was immer Form annimmt, verbirgt darin tieferen Sinn“.
Auch in Zeiten, wo das Deuten von Krankheitssymptomen ganz aus der Mode war, konnten Patienten es nie ganz lassen und konstruierten nicht selten Zusammenhänge, denen ihre Ärzte nicht mehr folgten. Gerade weil sie dabei keine ärztliche Unterstützung mehr fanden, gingen die Patienten mit ihrer ungebrochenen Sehnsucht nach Bedeutung und der daraus erwachsenden Lust an Deutung oft eigene und nicht selten eigenartige Wege. Eine Krebsgeschwulst am Bein wurde da leicht mit einem früheren Unfall, der just diese Stelle des Beines getroffen hatte, in Zusammenhang gebracht. Solche für Mediziner leicht durchschaubare Miß-Verständnisse ließen das Deuten im allgemeinen als untaugliche Methode erscheinen. Darüber hinaus war ein Verfahren, das nur (noch) von Laien angewandt wurde, Medizinern allein schon deshalb verdächtig. Dabei (er)spürten die Patienten in Ihrem Wunsch nach Bedeutung immer etwas Wesentliches und Wichtiges, auch wenn die praktischen Ergebnisse oft zu kurz und oberflächlich gerieten oder mehr von Aberglauben als von Archetypen- oder Symbolverständnis getragen waren. Insofern entsprach die neuerliche Verbindung von Sinnsuche und Archetypenverständnis, wie sie in dem hilfreichen Buch Krankheit als Weg” Anfang der 80-er ins Spiel (des Lebens) brachte, einem tiefen Bedürfnis in der Bevölkerung, was wohl auch den außergewöhnlichen und unerwarteten Erfolg des Buches erklärt.

Die moderne Naturwissenschaft ist es selbst mit ihren fortgeschrittensten Disziplin, der Physik, die uns inzwischen eindrucksvoll belegt, dass die Entzauberung der Schöpfung nicht wirklich funktioniert hat und sich wesentliche Geheimnisse nicht auf die hergebrachte rationale Weise entschlüsseln lassen. Der Zauber kommt unbemerkt durch die Hintertür zurück und oftmals inzwischen auch schon durch den Haupteingang. Dass in der Schöpfung alles mit allem zusammenhängt, sagten immer schon die Veden, jetzt aber stimmen dem die Atomphysiker vollinhaltlich zu. Aus dem Bell´sche Theorem folgt, dass alle aus einem einzigen Ereignis hervorgegangenen sogenannten phasenverriegelten Teilchen, auf immer zusammenhängen, wenn auch nicht auf logisch verständliche Weise. Der von der Naturwissenschaft vielbesungene Mythos vom Urknall würde aber genau solch ein Ereignis darstellen, und da alle heutige Materie letztlich aus ihm stammt, sind alle Teilchen mit allen anderen verbunden. Die Chaosforscher erkennen, daß der Flügelschlag eines Schmetterlings auf der einen Seite der Erdkugel auf der anderen einen Sturm auslösen könne, und bestätigen damit alte Texte der Traditionen. Die Lieblingsidee der experimentellen Naturwissenschaft, das sogenannte „geschlossene System“ entpuppt sich dagegen zunehmend als Illusion, weil wir eben praktisch nichts in dieser Welt wirklich isolieren können.

Zu allem Überfluss brachte Rupert Sheldrake mit der Postulierung seiner morphischen oder formgebenden Felder die Biologie auf eine ähnlich zauberhafte Spur. Insofern liegen Patienten, die all ihre Symptome in einen Zusammenhang zu äußeren und inneren Umständen ihres Lebens bringen, nicht nur auf der Linie der (ur)alten Medizin, sondern ebenso im Trend neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wo die Physik die Symmetriegesetze als der Wirklichkeit am angemessensten erkennt, läßt der alte hermetische (Grund-)Satz „wie oben so unten – wie innen so außen“ freundlich grüßen.
Obwohl wir derlei Zusammenhänge heute bereits naturwissenschaftlich belegen können und ich sie auch im Rahmen der von der deutschen Ärztekammer anerkannten und von der österreichischen mit Fortbildungspunkten abgesegneten Ausbildung zum Arzt für Naturheilverfahren lehre, bleibt es in der offiziellen (Schul-)Medizin noch immer verblüffend schwierig, den Horizont für solche Erkenntnisse zu weiten. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Wissenschaft einen weiten Weg hinter sich bringen musste, auf dem ihre einzelnen Bereiche weit auseinander fielen. Während die Spitzen der Vorhut nach einer enormen Spezialisierung erkannt haben, dass diese eine Art notwendiger Denkfehler war und eigentlich große Zusammenhänge die Wirklichkeit bestimmen, sind Disziplinen wie die Medizin noch damit beschäftigt, durch weitere Spezialisierung und einen verblüffend einseitigen Reduktionismus zunehmend den Überblick aufzugeben und sich in Einzelheiten zu verlieren.
Nicht selten leiden Internisten schon unter Minderwertigkeitsgefühlen gegenüber ihren noch weiter spezialisierten Kollegen, die bereits Pulmologen, Hepatologen, Nephrologen, Gastroenterologen oder Kardiologen sind. Tatsächlich könnte der Internist auch ein Minderwertigkeitsgefühl gegenüber dem alten praktischen Arzt haben, weil er bereits so viel aus dem ärztlichen Gebiet ausgeschlossen hat. Das aber liegt nicht in der Zeit. Nicht nur in der Medizin, sondern auch darüber hinaus gibt es immer mehr Leute, die von fast nichts alles wissen und immer weniger Menschen, die von allem eine Ahnung haben. In der Wertschätzung innerhalb der Medizin steht der Spezialist weit über dem sogenannten Haus- oder Allgemeinarzt – nicht nur was das Ansehen, sondern auch was das Einkommen angeht.
So ist es nicht verwunderlich, wenn eine Medizin, die schon Schwierigkeiten hat, jemanden anzuerkennen, der sich innerhalb der körperorientierten Medizin nicht spezialisiert hat, weit überfordert ist, wenn es darum geht, allen Trends nach Spezialisierung zum Trotz auch noch die Seele mit einzubinden. Folgerichtig hat die Schulmedizin eine Psychosomatik entstehen lassen bzw. deren Entstehung (widerwillig) geduldet, die ebenfalls spezialisiert ist und der eigenen Bezeichnung nicht gerecht werden kann. Die offizielle Psychosomatik wird vor allem von Psychoanalytikern verwaltet, die sich gar nicht um den Körper kümmern, sondern ganz eindeutig auf die Seele eingestellt sind. Das lässt sich z.B. daran ablesen, dass sich bis heute praktisch keine Verbindung zwischen dieser Art von Psychosomatik und Naturheilkunde ergeben hat. Der in der Wortschöpfung Psycho-somatik angestrebte Brückenschlag fiel so weitgehend aus. Was wie ein Vorwurf an die Medizin klingen mag, ist eher als Analyse unser Zeit und ihrer Trends gemeint, und natürlich ist die Medizin immer auch ein Kind ihrer Zeit.
Aus der alten Medizin einer Hildegard von Bingen oder eines Paracelsus ergibt sich die Zusammenschau von Körper und Seele dagegen ganz von selbst – in ihrer Zeit war Spezialisierung noch gar kein Thema, und so ging es ihnen natürlich um das Große und Ganze. Dass die Medizin dieser beide großen Geister der Vergangenheit gerade eine verblüffende und allen Trends zuwiderlaufende Renaissance erlebt, lässt sich als Korrekturversuch der einseitigen Situation sehen. Paracelsus ist bekannt für seinen Satz: Mikrokosmos (Mensch) gleich Makrokosmos (Welt). Er ging davon aus, dass ein guter Arzt aus dem jeweiligen Umfeld erkennen müsse, an welchen Krankheitsbildern ein Mensch erkranken würde. Damit wird er nicht nur zu einem Vorläufer jeder modernen Umweltmedizin, sondern auch einer umfassenden Psychosomatik, denn er bezog diesen Satz durchaus nicht nur auf materielle Schadstoffe, wie viele moderne Umweltmediziner. Paracelsus kannte auch bereits die Umkehrung dieses Satzes und ging ebenso davon aus, ein wirklicher Arzt müsse auch aus den Krankheitsbildern des Patienten auf dessen Umwelt schließen können.

Damit aber hat er bereits eines der spannendsten Kapitel der Krankheitsdeutung vorweggenommen. Denn wenn wir die großen Krankheitsbilder unserer Zeit wie Herzinfarkt und Krebs, aber auch Allergien und Karies deuten, ergibt sich ein Spiegelbild unserer gesellschaftlichen Verhältnisse, das jeder politischen oder wirtschaftlichen Analyse um Längen voraus ist, weil es eine viel tiefere Ebene unserer Existenz berührt.
Paracelsus wird weiter mit dem Satz zitiert, „ein Arzt, der nichts von Astrologie versteht, ist keiner“. Zur Erleichterung für ärztliche Kollegen, die solches lesen sollten, können wir natürlich davon ausgehen, dass Paracelsus mit Astrologie noch die Urprinzipien-, Archetypen- beziehungsweise Lebensprinzipien-Lehre meinte, da er zu seiner Zeit noch nicht mit Illustriertenastrologie und anderen Mißverständnissen unserer Zeit konfrontiert war. So ist er auch hier bereits Wegbereiter einer Medizin, die letztlich bis zu wirklicher Vorbeugung vordringt.
Von Hildegard von Bingen sind uns nicht annähernd so viele theoretische Gedanken überliefert,  Gleichberechtigt stehen bei ihr 35 Laster oder Süchte nebeneinander, denen es durch angemessene Lebensführung und die entsprechenden Behandlungen zu begegnen gilt. Wenn sie heute für eine körperorientierte Natur-Medizin in Anspruch genommen wird, so liegt das eher an unserer Zeit als an Hildegard, die z.B. das Fasten als generelle Therapie für 29 der 35 Laster vorschlägt und damit natürlich keineswegs eine Nulldiät meint, sondern eine umfassende Therapie für Seele, Geist und Körper. Interessant in diesem Zusammenhang, wie klar sie auch schon erkennt, dass eines der 35 Laster, nämlich die Hybris oder Anmaßung, durch (falsch verstandenes) Fasten sogar verschlimmert werden kann.
Wir finden in unserer Zeit, in der so viele völlig gegensätzliche Strömungen aufeinanderstoßen, auch in der Medizin eine Fülle von scheinbar zuwiderlaufenden Entwicklungen. Einerseits geht die Schulmedizin unbeirrt ihren Weg der Spezialisierung und Propagierung von Hightech-Medizin und Fortschrittsglauben, andererseits orientieren sich große Teile der Bevölkerung und kleinere Gruppen von Ärzten schon wieder zu den (Ur)Anfängen zurück.
Zwischen diesen auseinanderstrebenden Gruppierungen sehe ich meine Medizin, die Krankheitsbilder in ihrer Körperlichkeit ernst nimmt und doch die Brücke schlägt zu ihrer seelischen Dimension. Enstanden ist sie aus Erfahrungen meiner ärztlichen Beratungs- und Psychotherapiepraxis, wie auch aus theoretischen Überlegungen auf dem Boden jener oben erwähnten alten Medizin und der spirituellen Philosophie. Vor allem an den theoretischen Grundlagen hat Thorwald Dethlefsen großen Anteil wie es in “Krankheit als Weg” auch deutlich wird.
Da nach den Schicksalsgesetzen alles schon im Anfang liegt ähnlich wie die Volksweisheit davon ausgeht, dass der erste Eindruck der entscheidende ist, möchte ich einen ersten Fall schildern, der mir die Augen für die Wichtigkeit einer weitergehenden Medizin öffnete und – rückwirkend betrachtet – den Schlüssel bildete zu diesem uralten und auch wieder neuen Verständnis der Krankheits-Be-Deutung. Ein junger Mann kam in meine Praxis, der einen äußerst gehemmten und verunsicherten Eindruck machte. Noch bevor er ganz saß, entschuldigte er sich für sein Kommen und gab der Befürchtung Ausdruck, auch ich werde ihm wohl nicht helfen können. Er wisse überhaupt nicht mehr wohin. Selbst ein Besuch bei einem Nervenarzt habe zu keinem Ergebnis geführt. Er sei, was man gemeinhin einen Pechvogel oder Unglücksraben nenne, sein Leben sei eine Kette von mittleren bis schweren Katastrophen. Tatsächlich wusste auch ich ihm keinen Rat bzw. traute mich nicht zu wiederholen, was mir auf der Zunge lag, was er schon unzählige Male gehört hatte: Passen Sie einfach besser auf, reißen Sie sich zusammen, geben Sie acht, seien sie vorsichtiger! Angesichts seines verängstigten Zustandes und der extremen Gehemmtheit, die schon Ausdruck seines vergeblichen Versuches war, sich permanent zusammenzureißen, blieben mir solche Ratschläge aber im Hals stecken. So spielte ich auf Zeit und bestellte ihn eine Woche später wieder, um „den Fall“ in Ruhe – homöopathisch, wie ich hoffte – zu klären. Allerdings merkte ich bald, wie ich auch damit kaum weiterkam.

In der Literatur über Unfälle fand ich dann immerhin die Existenz von tatsächlichen Pechvögeln bestätigt: Ca, 80 % aller Unfälle gehen offenbar auf das Konto von nur 20 % der Bevölkerung. Die entsprechenden Unglücksraben schienen Katastrophen geradezu anzuziehen. Weiter fand ich Untersuchungen, die von unbewussten Ereigniswünschen bei den sogenannten Unfallpersönlichkeiten sprachen. Bei den Untersuchern war offenbar der Eindruck entstanden, diese Unglücksraben täten unbewusst alles, um zu Unfällen zu kommen. Sobald man ihre Arbeitsplätze besser absicherte, neigten sie dazu, sich die Unfälle auf dem Weg zum Arbeitsplatz oder in der Freizeit zuzuziehen. Auch der Versuch, sie innerhalb der Firma auf einen anderen Platz zu (ver)setzen, hatte nur kurzfristig Erfolg. Erst der Ansatz, sie permanent wechseln zu lassen, ergab eine nachhaltige Besserung. Als ich das Fazit einer dieser Untersuchungen las, fiel der Groschen. Es hieß dort, Unfallpersönlichkeiten seien in monotonen Arbeitsprozessen nicht einsetzbar, sondern verlangten häufigen Wechsel. D

ie Lösung war eigentlich ganz einfach. Der Gegenpol zur Monotonie ist Abwechslung. Bestimmte Menschen haben offenbar ein so großes Bedürfnis nach Abwechslung, dass sie sie sich zur Not sogar in Form von Unfällen verschaffen. Das wertfrei betrachtete Wesen eines Unfalls war offensichtlich Abwechslung, wenn auch auf einer sehr ungeschickten Ebene. Sobald man also Abwechslung auf einer anderen, im Idealfall angemesseneren Ebene anbot, verschwanden die Probleme.

Als ich diese Idee und entsprechende Vorschläge meinem Patienten nahe zu bringen suchte, reagierte er mit Angst und Abwehr aus Sorge, durch ein abwechslungsreicheres Leben seine Probleme noch zu verstärken. Nach anfangs zaghaften Versuchen wurde er aber immer mutiger in dem Maße wie er erlebte, wie sich seine Lage entspannte, sobald er anfing, mehr zu wagen und ungewöhnlichere Wege zu wählen. Schließlich führte er ein recht bewegtes Leben, zeigte eindrucksvollen Mut und wurde mit den Unfällen im wahrsten Sinne des Wortes fertig.
Im Nachhinein begriff ich, warum ich dem Patienten anfangs nicht hatte helfen können. Er wollte statt Reparatur Heilung und eigentlich sogar Vorbeugung. Mit Reparaturmaßnahmen hatte ihm die Schulmedizin immer bestens geholfen – sein Körper war ein eindrucksvolles Zeugnis gelungener Reparaturmedizin: Er war erfolgreich genäht, geschraubt und genagelt worden. Nur Heilung war nicht gelungen und Vorbeugung gänzlich außer Reichweite. Dazu musste das Wesen des Krankheitsbildes erkannt werden, um dem dahinterliegenden Prinzip auf angemessenerer Ebenen gerecht zu werden. Vorbeugen ist erst möglich, wenn man weiß, wovor es sich freiwillig zu beugen gilt, bevor das Schicksal oder wie immer man diese Instanz nennen wollte, Zwangsmaßnahmen durchsetzte.
Eindrucksvoll war für mich, wie dankbar mein Patient zurückschauend seinen Unfällen war, hatten erst sie ihn doch auf seinen Weg zu einem bewegteren und unvergleichlich erfüllteren Leben gebracht. Insofern waren die Katastrophen in seinem Fall jedenfalls eine Art Zwangsbelehrung durch das Schicksal. Von da war es nicht mehr weit zu Krankheit als Weg, denn tatsächlich trat die heilsame Charaktereigenschaft  des Schicksalsschlages hier bereits deutlich hervor.
Mit diesem Verdacht im Hinterkopf bestätigte sich nun Fall auf Fall, wie eindrucksvoll Krankheitsbilder auf ihre jeweils individuelle Weise eine Chance darstellen, sobald sie ihrem Wesen nach durchschaut und entsprechende Konsequenzen gezogen werden. So war neben Heilung auch Vorbeugung möglich, falls es gelang, das Thema auf anspruchsvollere Weise auf der übertragenen Ebene zu leben. Es musste nur in angemessener Weise zum Ausdruck gebracht werden, in der Wahl der Ebene haben wir offenbar Freiheit. Dieser Punkt machte auch klar, was für unschätzbare Dienste die Urprinzipienlehre leistete und wie sie die Sicherheit beim Deuten erhöhte.

Es war eben kein Zufall, wenn die Volkssprache von Pechvögeln und Unglücksraben sprach, gehört der Unfall doch zum uranischen Lebensprinzip wie eben auch der Vogel. Nachdem ich auf diese Weise Ende der 70-er, Anfang der 80-er Jahre begonnen hatte, Krankheitsbilder zu deuten und ihr Wesen zu erforschen, wagten wir es, die ersten Ergebnisse bei einigen großen Krankheitsbildern in “Krankheit als Weg” zu veröffentlichen.
Anstatt aber froh zu sein, nun einen Ansatz für Heilung im psychosomatischen Sinne und Vorbeugung zu haben, bestand die schulmedizinische Reaktion in Ignorieren. Man blieb beim gewohnten Etikettenschwindel, gab weiter Früherkennungsmaßnahmen als Vorbeugung aus und verzichtete auf Heilung im umfassenden Sinne. Natürlich ist Früherkennung besser als Späterkennung, nur hat sie eben mit Vorbeugung nichts zu tun. Es ist hart, aber notwendig, sich einzugestehen, dass es seitens der Schulmedizin überhaupt keine Krebsprophylaxe gibt und beim einseitig allopathischen Ansatz auch nicht geben kann. Niemand wird wohl behaupten, die unzähligen Mammographien könnten die Brustkrebsgefahr bannen. Wie gefährlich diese mißverstandene „Krebsprophylaxe“ werden kann, zeigen die Überlegungen des Münchner Strahlenbiologen Professor Lengfelder, der davon ausgeht, dass von den Tausenden Menschen, die in Deutschland unserem Land jährlich an überflüssigen Röntgenuntersuchungen sterben, ein Großteil auf übertriebene Mammographien entfällt. Tatsächlich ist das eine strahlenintensive Untersuchung im Rahmen der Früherkennung und nur bei ernstem Verdacht gerechtfertigt, mit Vorbeugung aber hat sie nichts zu tun. Wie ernst die Lage tatsächlich schon ist, zeigt sich in den USA, wo Frauen wie Angelina Jolie, die eine genetische Disposition zu Brustkrebs haben, sich bereits gesunde Brüste amputieren lassen. In Zukunft werden wir wohl noch eine Reihe genetischer Anteile auch bei anderen Krebsarten finden. Wenn wir dann immer nur die entsprechend bedrohten Organe wegoperieren, wird das Ende dieser Art von Vorbeugung makaber sein. Zum Schluss könnte dann ein Gehirn in einer Nährlösung übrigbleiben mit wahnsinniger Angst vor Gehirntumoren. Diese schreckliche Karikatur mag aufzeigen, wo die Schulmedizin steht, was wirkliche Vorbeugung angeht.
Dass sie im Akutfall durch Unterdrückungs- und Substitutionsmaßnahmen auch Leben retten kann, ist unbestreitbar, aber Heilung ist so nicht möglich, Vorbeugung nicht einmal denkbar. Eine Frau mit Angst vor Brustkrebs, vielleicht verstärkt durch Fälle in ihrer Familie, müsste also das Wesen des Krebses durchschauen lernen, die archetypische Bedeutung der Brust erkennen und so freiwillig den hier ausgedrückten Themen gerecht werden. Näheres zu Krebs und Brustkrebs in den einschlägigen Kapiteln der Taschenbücher “Krankheit als Sprache der Seele” und “Frauen-Heil-Kunde”.
Dass unser Ansatz die anfängliche Ignorierung durch die offizielle Medizin so gut überstand, ist den Patienten zu danken, die ihre Gesundheit in die eigenen Hände nahmen und für sich begannen zu deuten. Wohl vor allem dieser Basis, die sich allmählich mit Millionen Büchern zu einer Art Massenbasis entwickelte, ist es zu danken, wenn dieser Ansatz inzwischen auch in der Schulmedizin Beachtung findet. Die Mehrheit der Ärzte ist aus vielen Gründen eben doch am liebsten dort, wo die Mehrheit der Patienten ist.
Als ich zehn Jahre nach “Krankheit als Weg” mit meinen Beobachtungen so weit gediehen war, um “Krankheit als Sprache der Seele” herauszubringen, war die Aufnahme bereits wohlwollender. Hier konnte ich nun jene großen Krankheitsbilder ausführlich deuten, für die Anfang der 80-er Jahre die Erfahrungen noch nicht gereicht hatten. Außerdem kam zu der einfachen Übersetzung von der körperlichen auf die seelische Ebene nächste Schritt bezüglich Bearbeitung und Einlösung hinzu, die Betroffenen die praktische Umsetzung erleichterten. Überhaupt war dieses Buch nun gleich für Betroffene konzipiert, verzichtete auf die Einteilung nach Organsystemen, und wandte sich stattdessen den Regionen zu, um medizinischen Laien den Umgang zu erleichtern. Von den Haaren wie Haarausfall bis zu den Füßen wie Fußpilz kam alles der Reihe nach dran. Jetzt hatte ich auch den Mut, auf jenes Archetypen- bzw. Lebensprinzipien-Denken in einem eigenen Kapitel hinzuweisen, das dem Deuten zugrunde liegt und den Weg zum Wesen der Krankheitsbilder ungemein erleichtert.
Wiederum einige Jahre später war die Zeit reif, mit „Krankheit als Symbol“ ein Nachschlagewerk mit Anspruch auf Vollständigkeit zu veröffentlichen. Nach 20 Praxisjahren war mir die alte Erkenntnis zur praktischen Gewissheit gewordenen, dass alles mit Form auch Inhalt haben muß und folglich zu jedem körperlichen Aspekt auch ein seelischer Inhalt gehört. Daraus wuchs die Sicherheit, gestützt durch die alte Medizin und die spirituelle Philosophie, alle Krankheitsbilder mit ihren Tausenden von Symptomen der Reihe nach zu deuten.

Hinzu kamen jetzt auch jene Krankheitsbilder, die bei uns als Geisteskrankheiten bezeichnet werden.

Dieser Schritt geht natürlich über die reine Psychosomatik hinaus, passt aber sinngemäß zwanglos in das Konzept einer ganzheitlichen Medizin. Die praktische Arbeit mit der Schattentherapie hatte gezeigt, wie auch Geisteskrankheiten ihrem Wesen nach gut verständlich sind, wenn man sich nur tief genug auf sie einlässt. Bahnbrechende Arbeit hat hier der amerikanischen Psychiater und Buddhist Edvard Podvoll geleistet, der in eindrucksvoller Weise in seinem Buch „Verlockungen des Wahnsinns“ offenbart, wie einfühlsam sich auch solchen Krankheitsbildern auf die Spur kommen lässt.
Die Einschätzung der Psychotherapie-Ergebnisse über die Jahre und inzwischen Jahrzehnte offenbart die Qualität dieser Denkweise. So war auf Grund theoretischer Überlegungen und ohne alle prophetische Begabung klar, dass Cholesterinsenken mit chemischen Mitteln nur schaden könne. Viele Jahre hatte man erst mit Clofibrat und dann mit Lipobay nicht den Cholesterinwert, sondern auch die Lebenserwartung der Patienten gesenkt haben. Die Namen der Mittel haben sich mit der Zeit geändert, das Prinzip ist aber gleich geblieben. Mit einem tiefer gehenden Denken, wie es der Krankheitsbilder-Deutung zu Grunde liegt, wäre das auch ohne teure Studien zu erkennen gewesen, wie in der Monographie “Verdauungsprobleme” nachzulesen. Auch die Operationsorgie an Gebärmüttern war völlig überflüssig wie heute die gesunder Brüste, um Krebs zu verhindern.
Im Taschenbuch “Lebenskrisen als Entwicklungschancen” wurde die seelische Problematik der Hormontherapie in den Wechseljahren aufgeworfen, lange bevor Studien deren Gefährlichkeit zeigten. Den wichtigsten und für mich natürlich auch befriedigendsten Beleg für die Wirksamkeit der deutenden Medizin liefern die vielen Berichte von Patienten, die sich damit heilten und auf offizielle Anerkennung dieser Richtung nicht warten wollten oder konnten. Sie machten sich in Selbstverantwortung auf den Weg zum Heilwerden. Wie notwendig das schon lange war und immer noch ist, zeigt die Schattenseite der Schulmedizin, die mittlerer Weile mit den Kunstfehlern der Mediziner und den Nebenwirkungen ihrer Pharmaka zur dritthäufigsten Todesursache nach Herz- und Krebstoten avanciert ist.
Natürlich gelten die Schicksalsgesetze auch für die deutende Medizin und so kann auch sie eine schreckliche Schattenseite hervorbringen. Sie liegt vor allem in der Schuld- und Sündenkrämerei, die immer wieder im Zusammenhang mit dem Deuten betrieben wird. Schuld ist ein Thema der Religion, mit dem diese sich schon schwer genug tut und im christlichen Bereich einfach nicht fertig wird. In der Medizin hat dieses Thema nichts zu suchen. Es geht nicht darum, Menschen zu bewerten oder gar zu be- oder verurteilen. Natürlich mag es manchem verlockend erscheinen, nach einer Lesestunde in „Krankheit als Symbol“ die ganze Familie und obendrein den Chef, die Nachbarn und die Arbeitskollegen in ihrer seelischen Problematik und damit in ihrem Lebensmuster zu durchschauen. Wer so ins Werten verfällt, erlebt nur Leid daraus. Es geht ausschließlich um Deutung und Bedeutung und die Erkenntnis, dass sich in Krankheitsbildern Schatten ausdrückt. Wer diesen anderen um die Ohren schlägt, zeigt damit nur, wie wenig er den Ansatz verstanden hat. Nun scheint es in der christlichen Gesellschaft manchen besonders schwierig, auf Schuldprojektionen zu verzichten. Wer diesen Begriff so gar nicht lassen mag, könnte sich fragen, was er persönlich in Bezug auf sein individuelles Krankheitsbild der Zukunft schuldet. Viel naheliegender als die Schuldfrage wäre die nach der Verantwortung. Welche Antwort erwartet das Schicksal von mir in dieser speziellen Situation der Herausforderung? In diesem Sinne könnte aus jeder Forderung eine Förderung und aus dem Krankheitsbild eine Chance werden.

Dr. Rüdiger Dahlke

Infos: www.dahlke.at

Dr. Rüdiger Dahlke mit Veit Lindau: LICHT & SCHATTEN Tagesseminar am 3.10 in München: 

DVD: Krankheit als Symbolebene

 

 

 

 

 

Buch: Krankheit als Weg:

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