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Trotz Krankheit heil sein

Wenn eine Krankheit plötzlich Sinn macht.

„Und trotzdem heil sein – The Work bei Krankheit und Burnout“ so hieß der Titel meines Vortrags, den ich im Frühjahr bei einer Fachtagung vom Verband für The Work of Byron Katie (vtw) in München gehalten habe.

Die positiven Rückmeldungen dazu haben mich ermutigt, das Thema hier noch einmal aufzugreifen und weiter zu vertiefen.

Vor einigen Jahren war ich aufgrund einer Virus-Infektion im rechten Auge für mehrere Monate arbeitsunfähig. Einige OP´s waren voraus gegangen und es wollte einfach nicht heilen. Diese längerfristige Krankschreibung riss mich mitten aus dem typischen Leben einer hamstergeräderten Führungskraft ins gefühlte Abseits: mit einem zugeklebtem Auge und Computer-Verbot.

„Warum das Auge?“, „Warum gerade jetzt?“, „Was will ich nicht sehen?“, „Kann ich überhaupt jemals wieder richtig sehen oder „Wird es schlimmer werden?“ waren die Fragen und Ängste, die mich damals umtrieben.

Das Leben lieferte prompt die Antwort in Form eines Buches, welches mir kurz darauf in die Hände fiel: „Lieben was ist“ von Byron Katie.

Auch eine Krankheit lieben???

Auf meiner hilflosen Suche nach dem Sinn meiner Situation fing ich an, mich diesem radikalen Aufruf neugierig zuzuwenden.

Kleine Randnotiz für all diejenigen, die „The Work“ als Ansatz zur Selbsterkenntnis nicht kennen: die Idee ist, stresserzeugende Gedanken ritualisiert zu hinterfragen, um der dahinter liegenden Wahrheit ein Stück näher zu kommen – meine Lieblingsform der sogenannten „Schattenarbeit“, oder schöner gesagt der „Schatzsuche“.

Mein AHA-Erlebnis war,  hatte ich bei der Untersuchung des Gedankens: „Ich will, dass die Krankheit verschwindet!“

Mein Stress bei diesem Gedanken lag dabei in der Tatsache, dass das Virus keinerlei Anstalten machte, meinem Willen Folge zu leisten. Heilung war buchstäblich nicht in (meiner) Sicht. Ich musste mit der Krankheit leben.

selbsterkenntnisKrank zu werden war schon schlimm genug, aber nicht wieder gesund zu werden, ließ mich immer strenger mit mir umgehen: „Irgendwas mache ich falsch!“ war meine logische Schlussfolgerung und die Stimmung sank weiter. Ich fand das Leben ungerecht.

„Ich will aber, dass die Krankheit verschwindet!“ war daher mein trotz- und stressgeladener Gedanke.

Am Ende der Hinterfragung mit „The Work“ kehren wir diesen Gedanken ins Gegenteil um und meiner wurde also zu „Ich will NICHT dass die Krankheit verschwindet!“

Auf den ersten Blick eine absurde Vorstellung. 

Doch je länger ich diesen neuen Satz auf mich wirken ließ, umso wahrer fühlte er sich an!

Heute weiß ich, dass das, was ich damals für mich erkannte, in der Psychologie als Primär- und Sekundärgewinn von Krankheiten bezeichnet wird. 

Warum war es auch stimmig, dass ich NICHT wollte, dass die Krankheit verschwindet – zumindest nicht im Augenblick? Was war mein subjektiver Gewinn darin? 

  • Ich hatte mich in meinem Job aufgerieben, war nach jeder OP viel zu schnell zurückgekehrt und Körper und Seele genossen jetzt die lang ersehnte Pausentaste.
  • Ich bekam von allen Seiten eine bis dahin ungekannte Rücksicht und Anteilnahme die mir so gut tat.
  • Ich hatte offensichtlich bis dato nicht wirklich gelernt, an entscheidenden Punkten „Nein“ zu sagen und die Rahmenbedingungen für mich gut zu gestalten. Krankheit war für mich zu dem Zeitpunkt die einzig akzeptable Form für „Nicht-Funktionieren“ die ich mir und anderen gegenüber vertreten konnte.
  • Die Krankheit bot mir vorerst den nötigen Freiraum, um mich besser kennen zu lernen und mich zu fragen, wie ich meine Lebens- und Arbeitsweise künftig gestalten wollte.
  • Mir wurde so deutlich wie noch nie: in punkto Selbstfürsorge hatte ich großen Nachhol- und Nachhilfebedarf, damit künftig keine Krankheit als Rückzugsmethode mehr notwendig würde. Ich musste und wollte lernen, gesündere Strategien zu entwickeln, um meine Bedürfnisse zu erkennen und aktiv für ihre Erfüllung zu sorgen. Meine Lust auf Leistung brauchte einen sanfteren Anstrich, damit die Freude bleiben konnte.

So betrachtet, machte für mich auf einmal alles Sinn.

Natürlich wäre es mir lieber gewesen, die Erkenntnisse hätten sich auf angenehmere Weise gezeigt. Und natürlich war meine Diagnose im Vergleich zu anderen Krankheiten noch ein relativ harmloser Schreckschuss.

Dennoch: diese Krankheit war nun erst einmal meine Realität auf ungewisse Dauer.

Und mit ihr musste ich nun klar kommen, ob ich wollte oder nicht.

Und das ging ab dem Moment, als ich mir eingestehen konnte, dass sie auch Vorteile mit sich zog, für die mir bislang noch keine andere Herangehensweise zur Verfügung stand.

Dieses Eingeständnis brachte mir enorme Erleichterung. 

Ab diesem Moment war mein innerer Widerstand gegen die Krankheit deutlich gemildert. Ich war nicht mehr gefangen im Kampf dagegen sondern kümmerte mich auf einmal darum, wie ich künftig leben wollte. Ich begann genauer hin zu schauen und achtsamere Selbstführung zu lernen.

Das Klima in meinem Kopf änderte sich, weil der Fokus und die Farbe meiner Gedanken klarer wurden.

Ich konnte meine Sehnsucht nach einer anderen Lebens- und Arbeitsweise entdecken und beginnen, ihr zu folgen.

Ich fühlte mich auf seltsame Weise gleichzeitig vom Leben getragen und neu ausgerichtet. 

Das ist es was ich meine mit „und trotzdem heil sein“. Die Krankheit war immer noch da, aber sie wurde Nebensache.

Denn gleichzeitig begann innerlich etwas ganz Wesentliches zu heilen: Mein Blick auf das Leben und mein Umgang mit mir selbst.

Ach ja: das Virus zog sich langsam zurück und kam nur noch dann erneut zu Besuch, wenn ich mal wieder über einen längeren Zeitraum neben meiner Spur lief und den Sinn meines Tuns aus den Augen verloren hatte. Auch das macht irgendwie Sinn.

P.S. Wer sich mehr für The Work of Byron Katie interessiert: www.thework.com/de

Hast du auch mal solche gewinnbringenden “Erlebnisse” gehabt? Bitte teile sie mit uns, damit wir alle wachsen können.

Sehr herzliche Grüße,

Katja

Katja Lutz-Deklerk – Expertin für Achtsame (Selbst-)Führung

 

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