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Kürzer arbeiten = glücklicher arbeiten?

Ein Gastartikel zum Thema Arbeitszeit von Anja-Katharina Riesterer.

Stressig, schlecht bezahlt, schnellebig – so scheint der klassische Arbeitsplatz heute auszusehen. Das bringt eine regelrechte Panik vor Montagen und sehnsüchtiges Warten aufs Wochenende mit sich und schlägt auf die Lebenszufriedenheit. Europaweit gelten Deutschland und Österreich als am wenigsten arbeitszufriedene Staaten. Laut Stepstone-Studie liegen sie auf einer Skala von 1-10 unter 5, während die Belgier mit knapp 6 am glücklichsten auf der Arbeit sind. In allen dieser Fälle ist noch Luft nach oben und daher boomen derzeit Ansätze, die das Arbeitsleben verbessern sollen: Bedingungsloses Grundeinkommen, Work Life Balance, Arbeitszeit, Positive Business oder freie Zeiteinteilung sind in aller Munde.

Vorreiter Schweden: sechs statt acht Stunden

Schweden, als einer der tendenziell glücklicheren Staaten (5,5 auf der Arbeit, 6,8 bei der Lebenszufriedenheit), ist bekannt für seine Experimente mit kürzeren Arbeitszeiten. Momentan wird in verschiedenen Technikunternehmen, aber auch in staatlichen Betrieben der sechs Stunden-Tag getestet. Die Logik: da wissenschaflich mehrfach nachgewiesen wurde, dass wir maximal fünf Stunden konzentriert und produktiv arbeiten können und ein erfülltes Freizeitleben sich ebenfalls positiv auf den Beruf auswirkt, kann man so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die anderen Stunden schlüge man ohnehin nur mit Herumsurfen auf Facebook und Kaffeetrinken tot.

Bereits vor 14 Jahren hat das Toyota-Werk in Göteborg einen ähnlichen Ansatz umgesetzt. Auch beim Internet-Startup „Brath“ arbeiten die Angestellten seit 2013 nur noch 30 Stunden pro Woche. Bei beiden Firmen sind dadurch sowohl die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter als auch der Gewinn gestiegen. Und: sie waren seltener krank. In staatlichen Betrieben, zum Beispiel Pflegeheimen, gilt dies ebenfalls – jedoch mit einem Haken: auf Dauer müssen dann doch mehr Kräfte eingestellt werden und das will oder kann sich der Staat nicht leisten.

Wer gerne arbeitet, macht freiwillig länger

ArbeitszeitFraglich ist, ob kürzere Arbeitszeiten des Pudels Kern sind. Wer den Flow wirklich vertiefter und authentischer Arbeit kennt, möchte vielleicht sogar mehr als acht Stunden arbeiten, weil die Unterschiede zwischen Job und Freizeit verschwinden. Sind also statt Arbeits-Zeiten vielmehr Arbeits-Werte der Ansatzpunkt? Das Bedingungslose Grundeinkommen will auf diese Weise reformieren: mit der Annahme, dass der Mensch sich einbringen, entfalten und arbeitenderweise ausdrücken will, wird mit der Sicherstellung einer menschlich angemessenen Grundversorgung die Arbeitsmotivation von finanziellem Druck auf Schaffensdrang verlegt.

Mensch zurück in den Fokus

Möglicherweise ist es sogar noch simpler und der materielle Wohlstand ein automatischer Side-Effekt von echter Selbstverwirklichung. Bei Neale Donald Walsch heißt es:

„Im künftigen Wirtschaftsleben werdet ihr Dinge nicht um des persönlichen Profits, sondern um des persönlichen Wachstums willen tun. Doch euch wird auch ‚Profit‘ im materiellen Sinn zukommen, wenn ihr zur größeren und großartigeren Version dessen werdet, wer ihr wirklich seid.“

Mit anderen Worten: wenn sich der Fokus vom bloßen Geldverdienen in Richtung Selbstausdruck verlagert, kommt das andere von allein. Love what you do. Dieser Ansatz braucht viel Vertrauen – aber immer mehr Menschen bezeugen, dass es stimmt.

Fest steht jedenfalls: der „alte“ Arbeitsalltag orientiert sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft, an die der Mensch angepasst wird. Das funktioniert nicht länger und der Aufbau einer neuen Arbeitswelt ist in vollem Gange. In Zukunft funktioniert die Wirtschaft hoffentlich dem Menschen gemäß und kann somit Seele und Konto dienen.

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