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Leidenschaft – Wer wären wir ohne sie?

Leidenschaft ist ein starkes Gefühl, eine ergreifende Emotion. Sie umfasst Formen der Liebe und des Hasses, des Zorns, der Eifersucht aber auch der Begeisterung, Freude und Begierde. Gefühle und Emotionen können wir in unterschiedlichster Stärke fühlen. Manche sind schwach und lauwarm, andere dagegen kraftvoll und feurig. Je intensiver wir sie fühlen, desto leidenschaftlicher empfinden und handeln wir.

Wenn uns die Leidenschaft im Wortsinne Leiden schafft, können in uns die Fragen auftauchen: Was würde eine Verflachung der Leidenschaft bedeuten? Wie fühlt es sich an, wenn wir immer weniger oder gar nichts mehr fühlen, wenn die Leidenschaft versiegen würde?

Was, wenn wir diesen Gedanken weiterdenken?

Wir würden feststellen, dass wir nicht mehr lebendig auf unsere Gedanken und unsere Umgebung reagieren würden. Stattdessen reagierten wir nur noch mit lauen Empfindungen, die sich immer mehr glichen. Nicht Gelassenheit oder Gleichmut sind gemeint. Nein, das Erleben hätte dann keine Intensität und Vielschichtigkeit mehr. Es würde immer verschwommener werden, immer mehr zu einem Einheitsbrei von Empfindungen. Am Anfang würden wir vielleicht sogar eine Entspannung verspüren, ein Aufatmen. Es wäre wie ein Lufholen, um uns von all unseren inneren Hoch- und Tiefflügen, den emotionalen Achterbahnfahrten zu erholen. Doch schon bald würde auf diese Beruhigung die Frage folgen: Wo sind meine komplizierten, widersprüchlichen, leidenschaftlichen Empfindungen geblieben? Was ist mit den Ambivalenzen und dem ganzen bunten Spektrum meiner Gefühlswelten? Auch wenn sie uns manchmal quälen, so geben sie uns doch eine große Tiefe. Vor allem aber: Sie schenken uns Mitgefühl, die Fähigkeit, uns in die Haut anderer Menschen und Lebewesen zu versetzen und uns in sie einzufühlen.

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Foto: Ian Schneider/unsplash

Ohne unsere leidenschaftlichen Gefühle gelänge es uns nicht, mit jemanden in Resonanz und somit in Beziehung zu treten. Um uns auf etwas oder jemanden beziehen zu können, müssen wir eine Position einnehmen. Dies geschieht, indem wir die Situation oder das Verhalten eines Menschen als angemessen oder unannehmbar, anziehend oder abstoßend interpretieren. Nur dann wird in uns die Kraft erzeugt, die es ermöglicht, mit unserem Gegenüber oder der Situation eine lebendige, ja vielleicht sogar leidenschaftliche Beziehung einzugehen. Weigern wir uns, eine Interpretation zu treffen, fehlt unserem Leben genau diese Dimension der Lebendigkeit, Leidenschaft und Menschlichkeit, die mit Beziehungen einhergeht. Wir könnten uns in einen übermenschlichen Kokon des Gleichmuts zurückziehen. Berührbar, menschlich, spürbar sind wir dann aber nicht.

Ohne Leidenschaft sind wir nicht lebendig

Wenn unsere leidenschaftlichen Gefühle nicht mehr wären, dann könnten wir nur noch ihr Fehlen spüren – und vielleicht noch nicht einmal das! Wir würden dann zu einem abgeflachten, simplen Wesen werden, zu einem Einfaltspinsel in Gefühlsdingen. Wenn die Spielarten des Empfindens einfacher und weniger würden, die Konturen und Kontraste des Erlebens ausbleichen, dann weicht auch die Kraft der Leidenschaft. Die Intensität unseres Erlebens würde abnehmen und unsere Tiefe würde sich in Oberflächlichkeit verwandeln. Wir würden schlicht den Zugang zu unserer eigenen Wirklichkeit und Intuition verlieren.

Ohne die Leidenschaft würden auch unsere Werte verwässern, denn wir könnten uns nicht mehr für die Dinge begeistern, die wir als wertvoll erachten. Ohne sie würden wir unseren inneren Kompass verlieren, der uns unsere Orientierung gibt. Wir würden wie ein Schiff ohne Lenkrad orientierungslos über die Ozeane treiben. Auch unsere Antriebskraft und Vitalität werden schwächer, wenn die Schubkraft Leidenschaft entfällt.

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Ohne das innere Brennen, ziehen wir Langzeitprojekte selten durch.

Es ist dann nur noch die pure Vernunft, die uns erklärt, was gut für uns ist. Wir können uns dann nur widerwillig aufraffen und kommen wahrscheinlich nicht sehr weit. Denn wir brauchen eine überwältigende Leidenschaft für den oft langwierigen Entstehungsprozess eines Projektes. Man muss Monate und manchmal Jahre vor dem Computer, in der Werkstatt oder im Studio verbringen. Das heißt, man muss wirklich bei der Sache sein, man muss in sein Projekt verliebt sein. Wir können noch so viel Disziplin aufbringen, doch ohne diese Leidenschaft, ohne diese Liebe schafft man es einfach nicht. Alle längeren Vorhaben – sei es ein Schulabschluss, eine Therapie, die Arbeit an einer Beziehung, die Fürsorge für ein krankes Familienmitglied, der Aufbau eines Projekts, alles, was unsere Energie für längere Zeit beansprucht, braucht ein gewisses Maß an Leidenschaft. Ohne sie kommen wir nicht bis zum erfolgreichen Abschluss.

Der innere Motor: Leidenschaft lässt Ziele erreichen

Letztlich spielt es eine entscheidende Rolle, ob wir nur eine schwächelnde Motivation verspüren oder ob wir uns bereits in die Idee, das Projekt oder den Menschen verliebt haben. Dann ist im besten Falle der Funke auf uns übergesprungen und wir sind schon bei dem Gedanken daran Feuer und Flamme. Dieses leidenschaftliche Feuer ist von großer Bedeutung, denn ohne seine Hitze schaffen wir es nicht durch die kalten stürmischen Nächte, die jeder Schaffensprozess und jede Beziehung mit sich bringt.

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Fehlt die Leidenschaft, kann kein Funke überspringen, die nötige Motivation fehlt.

 

Ohne Leidenschaft würden der Glanz in unseren Augen verschwinden. Ohne leidenschaftliche Gefühle würden wir unsere Verbindung zu uns selbst und unseren Mitmenschen verlieren. Das zu merken – das wäre das Ende der Lebendigkeit und der Beginn einer tiefen Depression. Auch wenn die Leidenschaft Leiden schaffen kann, so ist ihr Fehlen noch viel unerträglicher. Und vielleicht tröstet uns diese Erkenntnis: Wer intensiv lebt, spürt sowohl das Leiden als auch die Freude, denn beide gehören als Folgen intensiven Lebens zusammen.

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Geteilte Leidenschaften – doppelte Freude

Suche dir daher Weggefährten, die einen ähnlichen Weg einschlagen wie du. Menschen, die mit ebenso glühender Leidenschaft, Feuer und Herzblut ans Werk gehen wie du. Vielleicht findest du eine Gruppe Gleichgesinnter, die du regelmäßig triffst. Suche dein Rudel, das dich darin unterstützt, bewusst deine einzigartigen Qualitäten und deine Leidenschaft zu entfalten. Versammle die ehrlichsten, authentischsten, tiefsinnigsten Menschen um dich herum, die das Meer des Lebens an deinen Strand spült. Gründe deine eigene Seelenfamilie, die sich aus Freigeistern, Lebenskünstlern und wilden Seelen zusammensetzt. Achte darauf, dass sie alle das Herz am rechten Fleck haben, um mit großer Leidenschaft DEINEN Weg fortzusetzen.

 

Über Sabine:

Sabine Groth ist Körperpsychotherapeutin, Paartherapeutin und Autorin.

Das Herzstück ihrer Arbeit ist das Jahrestraining für Frauen. Das Frauentraining läuft über ein ganzes Jahr an einem Abend in der Woche. (Beginn des neuen Frauen-Jahrestrainings: 28. Oktober 2019)

Darüber hinaus bietet sie Wochenend-Seminare für Frauen zum Thema „Weiblichkeit“, EinzeltherapiePaartherapie und -beratung an.

 Info und Kontakt unter: www.sabine-groth.com

 

Der Text enthält Auszüge aus dem Buch „Die Heldinnenreise“ von Sabine Groth (Kösel Verlag).

Kennst du schon Sabines Artikelserie über die weiblichen Archetypen? Diese  findest du hier  und hier (Teil 2).

Die weiteren weiblichen Archetypen:

Die Liebende

Die Kriegerin

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