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Männlicher und weiblicher Narzissmus

Narzissten? Das sind immer die anderen. Zu negativ ist der Begriff Narzissmus besetzt, als dass wir ihn mit uns selbst in Verbindung bringen wollten. Dass das Thema jedoch mehr mit uns zu tun hat, als wir dachten, und eine durchaus erkenntnis- und hilfreiche Angelegenheit sein kann, erfahren wir, wenn wir uns damit beschäftigen und uns unseren eigenen narzisstischen Anteilen liebevoll zuwenden. Damit der Schritt hin zur liebevollen Zuwendung gut gelingt, stelle ich euch den Narzissmus in meiner neuen dreiteiligen Artikelserie etwas genauer vor. 

In den vergangenen Jahren ist das Thema Narzissmus immer stärker in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Das liegt zum einen daran, dass Männer an den Schalthebeln der Macht sitzen, die offensichtlich unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden. Es liegt aber auch daran, dass sich immer mehr Menschen bewusst mit den Themen „Selbstwert“ und „Selbstliebe“ auseinandersetzen. Hinzu kommen Fragen, die uns alle beschäftigen: Warum verlaufen manche Beziehungen so zerstörerisch und unbefriedigend? Wie kann ich zu mehr Selbstwert finden? Und warum sind Männer und Frauen noch immer nicht gleichgestellt – auch heute noch? Die Mechanismen des Narzissmus liefern uns Antworten auf genau diese Fragen.

Was ist Narzissmus?

Umgangssprachlich sind mit Narzissten vor allem Menschen gemeint, die durch ihre Überheblichkeit, Eitelkeit, ihr Geltungsbedürfnis oder durch besondere Selbstbezogenheit auffallen. Ganz allgemein bedeuten „Narzissmus“ und „narzisstisch“ jedoch eigentlich: Es herrscht ein Mangel Selbstwert, der sich wiederum auf die Fähigkeit auswirkt, langfristig stabile Beziehungen aufzubauen. Demnach sind Narzissten also Menschen, die sowohl in ihrer Selbstliebe und in ihrem Selbstwert beeinträchtigt sind als auch in ihrer Möglichkeit, nachhaltig gesunde, nährende Beziehungen zu führen. Und das sind wir an irgendeinem Punkt ja mehr oder weniger alle.

Der narzisstische Teufelskreis

Wenn ein Mensch mit einem schwachen Selbstwertgefühl kritisiert oder abgelehnt wird, dann fühlt er sich meist niedergedrückt, minderwertig und schwach. Selbstabwertende Gedanken wie „Ich bin einfach nicht gut genug“ oder „Was bin ich doch für ein Idiot!“ können nun auftauchen. Die Fähigkeit, die Kritik konstruktiv für sich zu nutzen, sie als hilfreichen Hinweis zu werten, um aus den eigenen Fehlern zu lernen, ist nicht gegeben. Stattdessen verstärkt sich ein Gefühl der Minderwertigkeit und Selbstabwertung, das bis hin zum Selbsthass führen kann.

Damit die Minderwertigkeitsgefühle nicht zu übermächtig und schmerzhaft werden, hat sich die Psyche einen besonderen Trick ausgedacht: Sie wechselt von dem Erleben der Minderwertigkeit einfach ins Gegenteil – zu einem Gefühl der Grandiosität. Dann können wir uns nicht nur stark, sondern stärker als unser Gegenüber fühlen. Wir denken dann vielleicht „Sie hat eigentlich sowieso keine Ahnung!“ oder „Ich wusste schon immer, dass er dumm und dreist ist.“ Die abwertenden Gedanken, die wir vorher uns selbst gegenüber hatten, projizieren wir nun auf unser Gegenüber. Und wir fühlen uns stark und überlegen. Es sind dann die anderen, die uns minderwertig und unzulänglich erscheinen.

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Um sich nicht minderwertig zu fühlen, erhebt sich der Narzisst über die anderen und projiziert seine abwertenden Gedanken auf sie

 

Da es jedoch die wenigsten Menschen mögen, dass man arrogant auf sie herabblickt, reagieren sie auf unser überhebliches Denken und Verhalten mit Ablehnung und Kritik. Das wiederum aktiviert unsere Minderwertigkeitsgefühle – ein Teufelskreis, der in Fachkreisen auch narzisstischer Teufelskreislauf genannt wird. Gefangen in diesem Kreislauf von Selbstabwertung und Selbstaufwertung, ist eine Begegnung auf Augenhöhe nicht möglich. Nähe und nährender Kontakt können so nicht entstehen.

Mann und Frau – Unterschiede im Selbstwerterleben

Auffällig ist, dass wesentlich mehr Männer den Größenaspekt ausleben und viel mehr Frauen Gefühle der Minderwertigkeit erleben. Daher wird auch von männlichem und weiblichem Narzissmus gesprochen. Bei beiden handelt es sich um einen Mangel an Selbstwert und Beziehungsfähigkeit, nur die Folgewirkungen werden anders erlebt. Sicherlich hängt das damit zusammen, dass wir seit Jahrhunderten in einer patriarchalen Kultur leben. Einer Gesellschaft, die von ihren Männern erwartet, groß und stark zu sein, und von ihren Frauen, anpassungsfähig, bescheiden, hilfreich und gut – auch heute noch.

Männlicher Narzissmus

Daher sind es also in der Regel Männer, die den offensiven Narzissmus entwickeln. Der Betroffene überdeckt einen Mangel an Selbstwert, indem er sich selbst als besonders, herausragend, als genial begabt, ja nahezu vollkommen betrachtet. Oder zumindest als einer, der eigentlich keine Probleme hat, und wenn es doch welche gibt, so kommt er gut mit ihnen zurecht. Grundsätzlich haben die anderen Probleme und sind schuld, d.h. er projiziert seine Selbstzweifel auf andere.

In Beziehungen setzen sich die männlichen Narzissten meist durch und verhalten sich egozentrisch und rücksichtslos. Wenn solch ein Mann in die Paartherapie kommt, dann weil er davon ausgeht, dass seine Frau ein Problem hat. Es besteht eine große Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdbild.

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Ein männlicher Narzisst betrachtet sich als herausragender Macher

 

Diese Menschen können schlecht zuhören, und in ihren Themen kreisen sie meist um sich selbst. Für sie ist es schwer, den anderen als eigene Persönlichkeit anzuerkennen. Für sie dient der andere vielmehr dazu, sich von ihm Selbstwertzufuhr und Bestätigung zu holen. Diese Menschen können sehr großzügig sein, die Liebste reich beschenken, doch die Geschenke sollen ausdrücken: „Sieh, wie großartig ich bin!“ Die materiellen Gaben sollen dann ersetzen, was als seelische Gabe nicht möglich ist: das Mitschwingen mit dem anderen, das Mitgefühl und das gemeinsame seelische Erleben.

Männliche Narzissten in der Liebe

Die Liebesenergie, die in der Kindheit frustriert und verletzt wurde, richtet sich vom anderen Menschen weg auf sich selbst. Gleichzeitig besteht eine hohe Kränkbarkeit, die sich in tagelangem Schweigen, trotzigem Rückzug, mürrischem Verhalten und Verbreiten von schlechter Laune zeigen kann. Die Partnerin, die ganze Familie, die Kinder sind davon betroffen. Alle benehmen sich vorsichtig, sind in ihren vitalen Äußerungen gebremst, denn alle wissen: Schon die kleinste Kritik, alles, was nicht nach seinen Vorstellungen läuft, kann zu schlechter Stimmung im Haus führen.

In der Sexualität versuchen die offensiven Narzissten oft verzweifelt, ihre innere Leere und ihren Hunger durch Sex zu sättigen. Nicht selten üben sie Druck aus und fordern vehement den Sex ein. Oder sie üben passiven Druck durch Rückzug und schlechte Laune aus. Viele versuchen, ihren unstillbaren Hunger nach Bestätigung auch durch immer neue Reizzufuhr zu sättigen und suchen sich dann Affären und Nebenbeziehungen. Narzisstisch gestörte Menschen sind oft nur an Äußerlichkeiten und Körperoberflächen interessiert. Der Körper des anderen wird als Teilobjekt vereinnahmt und zur eigenen Selbstwertzufuhr missbraucht. 

Weiblicher Narzissmus

Die entgegengesetzte Möglichkeit, den Mangel an Selbstwert und die damit einhergehenden Gefühle von Angst, Minderwertigkeit, Scham und Schuld abzuwehren, ist der Komplementärnarzissmus. Er wird auch „weiblicher Narzissmus“ genannt, da er vorwiegend bei Frauen anzutreffen ist. Komplementärnarzissten schreiben alle Größenfantasien dem Gegenüber zu. Der andere wird in diesem Fall idealisiert. Er wird zum Zentrum der Aufmerksamkeit. Alle Energie wird auf ihn gerichtet, alle Anstrengungen dafür verwendet, endlich die ersehnte Anerkennung, Resonanz und Liebe zu erhalten, die sie als Kind oft so schmerzlich vermisst haben.

Sie haben oft einen überhöhten Anspruch an sich, wollen perfekt sein – sowohl äußerlich als auch beruflich und familiär. Sie wollen beste Leistung im Beruf zeigen, eine fabelhafte Mutter sein, den Haushalt gut organisieren und obendrein eine gute Ehefrau und erotische Geliebte sein. Unterstützt werden sie dabei durch die Medien, durch Filme und Werbung, die ihnen vorgaukeln, es wäre möglich, „Superwoman“ zu sein, wenn sie sich nur genug anstrengen. Dabei bleiben sie hinter ihren eigenen überhöhten Erwartungen zurück und fühlen sich dann als Versagerinnen. Bei aller Emanzipation und Gleichstellung der Frau in unserer Gesellschaft leben viel zu viele Frauen in dieser Haltung.

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Weibliche Narzissten wollen überall perfekt sein und haben völlig überhöhte Erwartungen an sich

Weibliche Narzissten in der Liebe

In der Partnerschaft zeichnen sich die Komplementärnarzissten aus durch schamvolle Gehemmtheit, übermäßige Empfindlichkeit und hohe Selbstabwertung bis hin zu Selbsthass. Sie sind altruistisch und aufopfernd. Sie können kaum ihre eignen Bedürfnisse wahrnehmen und sich etwas Eigenes wünschen.

Weil sie sich nicht ausreichend für sich selbst einsetzen können, haben sie oft das Gefühl, zu kurz zu kommen oder zu versagen. Ihr Selbsterleben wird dadurch im Laufe einer Liebesbeziehung immer instabiler. Allerdings fühlen sie sich gleichzeitig als die moralisch Besseren und in Wirklichkeit Überlegenen, was den Narzissten zur Weißglut bringen muss. Weil sie aufopfernd und nachgebend sind, wirken sie nach außen für alle sichtbar als Opfer und dennoch werden sie gerade auf diese Weise zur Täterin.

In der Sexualität sind sie meist die Defensiven. Sie verweigern sich oder geben dem Druck nach, weil sie kaum eigene Wünsche spüren oder ausdrücken können.

Narzisstische Wut

Was sowohl männliche als auch weibliche Narzissten gemeinsam haben: Sie sind äußerst misstrauisch sowie empfindlich gegenüber Kritik, Kränkung und Verletzung. Und sie reagieren darauf mit Wut und Empörung, anstatt mit echter Trauer. Diese sogenannte narzisstische Wut übersteigt meist in ihrem Ausmaß den Anlass und wird von Rachegefühlen begleitet. Im Gegensatz zur gesunden Aggression will die narzisstische Wut bestrafen und verletzen, so wie man selbst verletzt wurde.

Die narzisstische Wut richtet sich gegen die Beziehung und den anderen. Sie hat zum Ziel, dass dieser sich mindestens ebenso so schlecht fühlen soll wie man selbst. Ärger und Wut können beziehungsstiftend sein, Rache und das Verlangen zu verletzen dagegen führen zu Kontaktabbruch und Einsamkeit. Das Gefühl der Einsamkeit bestätigt dann wiederum die tief liegende Angst narzisstischer Menschen, abgelehnt und ungeliebt zu sein. Durch ihr Verhalten kreieren sie letztlich eine solche Erfahrung: Indem sie den Kontakt zum anderen abbrechen, sind sie wirklich allein. Erneut befinden sie sich in einem Teufelskreis.

Wie die narzisstischen Teufelskreise unterbrochen werden können, erfahrt ihr in meinem nächsten Artikel, der Fortsetzung zum Thema Narzissmus.

Über Sabine Groth:

sabine-grothSabine Groth ist Autorin und arbeitet als Seminarleiterin und Paartherapeutin. Herzstück ihrer Arbeit bilden das Jahrestraining für Frauen sowie die Jahresgruppe für Paare.

Beginn des neuen Jahrestrainings für Frauen: 28. Oktober 2019

Infoveranstaltung:

21.10.2019 um 19.00 Uhr

Ort: Coaching Etage, Akazienstr. 28, 10823 Berlin

Beginn des neuen Jahrestrainings für Paare: 25. März 2020

 

Darüber hinaus bietet sie Wochenend-Seminare für Frauen zum Thema „Weiblichkeit“, Einzeltherapie, Paartherapie und –beratung an.

 

Info und Kontakt unter:

Tel.: 0159 01 46 28 15

contact (at) sabine-groth.com

www.sabine-groth.com

 

Auf der Suche nach mehr? Weitere Artikel von Sabine Groth findest in ihrem Autorenprofil.

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