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Narzissten und ihre Beziehungsmuster

Bei Narzissten herrscht oft das folgende Grundgefühl vor: „Ich kann nicht mit dir, aber ohne dich kann ich auch nicht.“ Narzissmus ist einer der größten Störungsherde in Beziehungen. Wenn wir die dahinter liegende Paardynamik verstehen, haben wir eine große Chance, aus immer wiederkehrenden Streitspiralen auszusteigen und das Liebesglück neu zu entdecken. Dies ist der zweite Teil von Sabine Groths neuer Artikel-Serie zum Thema “Narzissmus”.

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Der Selbstwertmangel

Narzissten sind meist Menschen wie du und ich. Sie leiden an einem Selbstwertmangel und sind in ihrer Selbstliebe gestört, was sich dadurch äußert, dass sie entweder sich selbst als minderwertig erleben oder dieses Minderwertigkeitsgefühl auf andere Menschen projizieren. Dann erleben sie sich nicht selbst als klein, schwach und unzulänglich, sondern sie fühlen sich groß und stark und blicken auf den anderen herab. Frauen neigen in der Regel zum defensiven Narzissmus. Sie tendieren eher dazu, sich selbst abzuwerten – was in Anbetracht der jahrhundertelangen Abwertung des Weiblichen auch nicht erstaunt. Beim offensiven Narzissmus äußert sich der Mangel an Selbstwert dagegen in Arroganz, Eitelkeit und Größenwahn. Er ist häufiger unter Männern anzutreffen. Und Selbstverständlich treffen wir auch unter Männern defensive Narzissten an und umgekehrt.

 

Narzissten haben ein Selbstwertproblem

Ist dieser Minderwertigkeits- oder Größenaspekt, den wir fast alle haben, besonders stark ausgeprägt, so wird in psychologischen Fachkreisen von einer „narzisstischen Störung“ gesprochen. Der Begriff „Narzisstische Störung“ vermittelt dabei die Vorstellung, es gäbe einen ungestörten Zustand. Den gibt es meiner Meinung nach jedoch nur als größere oder geringere Störbarkeit der Selbstliebe. Narzisstische Kränkungen sind Bestandteil des Lebens. Sie bringen unser Selbstwertgefühl zumindest für kurze Zeit ins Schwanken. Bei jedem von uns. Der Unterschied der Störbarkeit liegt in der Stärke und Qualität der Schwankung. Ein Mensch mit einem stabilen Selbstwertsystem würde demnach nicht als narzisstisch gestört gelten. Vielleicht würde er über eine Zurückweisung oder Kritik traurig oder zornig reagieren. Aber er würde nicht seine Selbstliebe und seine Existenzberechtigung verlieren. Ein Mensch mit einer narzisstischen Störung wird Kritik mit großer Verunsicherung beantworten. Und er wird nicht in der Lage sein, sein Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten. Ein gesundes Selbstwertgefühl kann man auch daran erkennen, wie wertschätzend und respektvoll ein Mensch mit sich und anderen umgeht. Wie er sich einschätzt und ob er sowohl seine Kompetenzen als auch seine Grenzen akzeptiert.

 

Er wird es – und das ist entscheidend – nicht nötig haben, sich selbst und andere ab- oder aufzuwerten und kann seinem Gegenüber auf Augenhöhe begegnen.

 

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Nur wer seinem Partner auf Augenhöhe begegnen kann, besitzt ein stabiles Selbstwertgefühl

 

Die Partnerwahl des Narzissten

Der offensive, von sich eingenommene Narzisst sucht sich meist einen defensiven Komplementärnarzissten zum Partner. Meist kommt der Frau diese Rolle zu. In der Regel sind es Frauen, die kein positives weibliches Selbstbild besitzen. Sie suchen sich daher einen idealen Partner, durch den sie ihren Selbstwert verbessern. Verwirrend ist meist der Widerspruch zwischen dem äußerlichen Selbstbewusstsein der Frau und ihren starken Abhängigkeitstendenzen in der Beziehung. Viele Frauen treten unabhängig, erwachsen und selbstständig auf. Gehen sie aber eine intime Partnerschaft ein, so werden sie abhängig, unselbstständig, anklammernd und kindlich. Bärbel Wardetzki, die viel zum Thema „weiblicher Narzissmus“ geforscht hat, weist darauf hin, dass nicht nur die Betroffenen selbst unter dieser Diskrepanz leiden. Auch die Partner tun es, da sie nicht wissen, auf welche Art von Frau sie sich einstellen müssen. Sie lernen eine selbstsichere Frau kennen und wollen mit dieser eine Beziehung eingehen. Dann begegnen sie aber einer ganz anderen Partnerin: einer Frau, die sich stark an den Mann anpasst. Sie will ihm alles recht machen, denkt nur noch an ihn und will nichts mehr allein unternehmen.

 

Das nähere Kennenlernen

Plötzlich hat die eben noch selbstbewusst auftretende Frau keine eigene Meinung mehr. Sie orientiert sich nun an dem, was sie glaubt, tun zu müssen. Das Wichtigste ist ihr, dem Mann zu gefallen, anstatt daran zu denken, was sie will, fühlt und braucht.

 

Sie glaubt: „Wenn ich mich nur genug anstrenge, ganz toll bin, sehr gut aussehe, alles richtig mache und keine Probleme verursache, dann wird er bei mir bleiben.“

 

Was allerdings so selbstlos aussieht, nämlich bedürfnislos zu sein und keine eigenen Ansprüche zu stellen, ist eigentlich ein Moment der Manipulation. Denn die Anpassung hat zum Ziel, etwas zu bekommen: die Aufmerksamkeit und Liebe des Partners. Sie selbst ist sich ihrer Manipulation in den seltensten Fällen bewusst. Stattdessen erlebt sie sich als aufopfernd und durch die Anpassung eingeengt und beschnitten. Was der Mann also als Manipulation erlebt, empfindet sie selbst als Aufopferung. Irgendwann hat sie den Eindruck, dass sein Lohn für ihre Opfer nicht ausreicht. Sie erwartet zunehmend, dass er sich mehr um sie kümmert und auf sie eingeht. Der Mann beginnt sich jedoch allmählich zurückzuziehen, um sich vor der Manipulation zu schützen. Nun setzt das verstärkte Klammern ein, das meist zu Streit oder sogar zur Trennung führt.

 

Wenn sich der Partner jedoch nicht zurückzieht und ihr eine Beziehung anbietet, so kommt es zu einer nahen Begegnung.

 

Das Beziehungsdilemma 

Diese Begegnung ist für die Frau mit dem Gefühl von Ich-Verlust begleitet, der Angst verschlungen zu werden. Keine Luft mehr zu bekommen. Sie geht dann innerlich weg. Die Distanz muss die Frau nun selbst herstellen, wenn es der Partner nicht tut. Diese Distanzierungsarbeit hat viele Ausprägungen: sie kann im Anzetteln von Streit bestehen, in Kritik am Partner, im Ausagieren von Wut und Hass, in fortwährender Nörgelei, Ablehnung und Entwertung. Sie gibt weder ihm noch sich die Chance für eine langanhaltende Beziehung – sicherlich auch, weil sie nie erfahren hat, was eine gute Beziehung ausmacht, wie sie aufgebaut wird und wie man sie erhält. Ihr Verhalten wird durch ihre Unsicherheiten und ihre Ängste bestimmt. Es sind die fehlenden guten Beziehungserfahrungen, sowohl bei Frauen als auch bei Männern, die sich entweder in häufigem Partnerwechsel aus oder in längerfristigen, aber ständig schwankenden Beziehungen ausdrücken, deren Existenz durch Krisen leicht bedroht ist. Die Partner stellen sich im Streit immer wieder die grundlegende Frage, ob sie zusammenbleiben wollen oder sich doch lieber trennen.

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Narzissten sind in gewisser Weise in einem kindlichen Stadium steckengeblieben – sie haben Angst vor Verletzung und wenig Stabilität

 

So vehement, wie sich narzisstisch beeinträchtigte Menschen in eine Beziehung stürzen, so schnell gehen sie daran zugrunde. Ja, sie gehen im wahrsten Sinne des Wortes zum Grunde ihres Wesens, wo sie auf die alten kindlichen Ängste und Unsicherheiten stoßen. An diesem Punkt sind sie weder fähig, sich auf den anderen einzulassen, ohne sich selbst zu verlieren, noch können sie dauerhaft Nähe aufbauen.

 

Das Beziehungsdilemma der Narzissten

Viele Menschen, deren Selbstwert schwach ist, erleben sich in einer Partnerschaft grundsätzlich ein Dilemma. Dilemma bedeutet die Wahl zwischen zwei unangenehmen Dingen. Narzisstisch beeinträchtigte Menschen haben die Wahl zwischen Nähe und Distanz.

 

Wenn sie die Nähe wählen, dann bekommen sie Angst, sich selbst aufzugeben, sich aufzulösen und ihre Eigenständigkeit und Autonomie zu verlieren. Wählen sie die Distanz, dann fürchten sie Alleinsein, Leere, Einsamkeit und Depression.

 

Wie sie sich auch entscheiden, sie sind nie glücklich. Gefangen im scheinbar unauflöslichen Widerstreit zwischen Nähe und Autonomie, befinden sie sich stets auf einer kräftezehrenden Achterbahnfahrt der Gefühle. Dieses Beziehungsmuster führt entweder dazu, sich bei zu großer Nähe vom Partner zu trennen und dasselbe mit dem nächsten Partner zu praktizieren. Oder sie pendeln immer mit demselben Partner zwischen Nähe und Distanz hin und her, verbunden mit den dazugehörigen Gefühlen, der Angst, Panik, verzehrenden Sehnsucht, und dem Wunsch wegzurennen. 

 

Die Paardynamik 

In der Verliebtheits- und Werbungsphase erleben wir die volle Aufmerksamkeit des Partners. Endlich findet jemand alles an uns besonders und gut, betrachtet alles durch die rosarote Brille und ist von unseren Stärken fasziniert. Viele Menschen wollen weiter in diesem Zustand der Verliebtheitsphase, der Akzeptanz und des Bewundertwerdens bleiben. Erst wenn wir uns näher kennenlernen, wenn wir den Mut aufbringen, uns auch mit unseren Widersprüchen, Schattenseiten und Schwächen zu offenbaren, beginnt eine neue Form der Intimität. Denn nun müssen wir es wagen, uns mit unserem wahren Gesicht, den echten Gefühlen, Bedürfnissen und Sonnen- und Schattenseiten zu zeigen, denn wir können nicht ewig eine perfekte Fassade aufrechterhalten. Ebenso müssen wir über kurz oder lang bereit sein, mit Tabubereichen der partnerschaftlichen sexuellen Routine zu brechen, wenn wir die Beziehung lebendig erhalten wollen.

 

Irgendwann müssen wir über Dinge reden, von denen wir wissen, dass sie unserem Partner nicht gefallen.

 

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Zu einer funktionierenden Beziehung gehört Mut, sich dem anderen auch mit den Schattenseiten zu zeigen und dazu zu stehen

Wir müssen es aushalten können, wenn der Partner uns nicht bestätigt, wenn wir über Themen zu reden beginnen, die bei ihm Gefühle der Angst oder Wut hervorrufen. Und irgendwann werden wir Dinge zu hören bekommen, die uns in unserem bisherigen Selbstbild erschüttern. Und Eigenschaften zu Tage treten lassen, die wir über Jahre erfolgreich verdrängt haben. Dies ist ein schmerzlicher und oft auch schamvoller Prozess und kann zu regelrechten Identitätskrisen führen, die nun häufig in der Konfliktdynamik gegen den Partner abgewehrt werden.

 

Die Konfliktdynamik von Narzissten

Die Konfliktdynamik mit ihren dahinter liegenden Abwehrmechanismen kann wie folgt beschrieben werden:

 

Mit dem Finger auf deine Schwächen zeigen, als mich zu meinen Schwächen und Verletzungen bekennen.

 

Lieber

  • dich als feige beschimpfen, als meine Angst spüren
  • dich abwerten, dich kritisieren, als meine eigene Unsicherheit oder Unfähigkeit fühlen
  • trotzig schweigen als dir einzugestehen, dass ich gar nichts zu sagen habe
  • dich manipulieren, dich herumkommandieren, als meine eigenen Ohnmachtsgefühle wahrzunehmen
  • dir vorwerfen, dass du nicht genug Zeit für mich hast, als mir einzugestehen, dass ich nicht auf eigenen Füßen stehen kann
  • mit dem Finger auf deine Schwächen zeigen, als mich zu meinen Schwächen und Verletzungen bekennen

 

Auf eine einfache Formel gebracht: Du rührst durch dein Verhalten an verdrängte bis abgespaltene Gefühle in mir. Also wehre ich mich gegen dich, statt diese Gefühle ins Bewusstsein treten zu lassen und mich damit vor dir zu zeigen. Die Palette der Beziehungsstörungen durch Narzissmus ist also lang:

 

Unpassende Partnerwahl, Beziehungsdilemma zwischen Nähe und Autonomie, häufige Partnerwechsel, ständig schwankende, instabile Beziehungen, starke Anpassung und Manipulation, Rückzug und starke Kränkungswut.

 

Die narzisstische Paardynamik ins Bewusstsein zu rufen ist der erste Schritt aus dem narzisstischen Leid und eine große Chance, aus immer wiederkehrenden Streitspiralen auszusteigen und das Liebesglück neu zu entdecken. Wie die weiteren Schritte aussehen, erfahrt ihr im 3.Teil der Artikelserie „Narzissmus“.

 

 

Über Sabine Groth:

sabine-grothSabine Groth ist Autorin und arbeitet als Seminarleiterin und Paartherapeutin. Herzstück ihrer Arbeit bilden das Jahrestraining für Frauen sowie die Jahresgruppe für Paare.

Beginn des neuen Jahrestrainings für Frauen: 28. Oktober 2019

Infoveranstaltung:

21.10.2019 um 19.00 Uhr

Ort: Coaching Etage, Akazienstr. 28, 10823 Berlin

Beginn des neuen Jahrestrainings für Paare: 25. März 2020

 

Darüber hinaus bietet sie Wochenend-Seminare für Frauen zum Thema „Weiblichkeit“, EinzeltherapiePaartherapie und –beratung an.

 

Info und Kontakt unter:

Tel.: 0159 01 46 28 15

contact (at) sabine-groth.com

www.sabine-groth.com

 

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Auf der Suche nach mehr? Weitere Artikel von Sabine Groth findest in ihrem Autorenprofil.

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Buchtipp: „Die Heldinnenreise“ von Sabine Groth, erschienen im Kösel Verlag, 2018

 

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