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NATHALIE SPINNT NUR EIN BISSCHEN – Tagebuch der bipolaren Muse, Teil 5

Die Erfahrungen und „Lifehacks“, die mir helfen, trotz bipolarer Störung „im grünen Bereich“ zu bleiben, teile ich gerne, denn “Auf und Ab” gehört zu unser aller Leben (pathologisch wird’s erst in den Spitzen).

„Sind wir nicht alle ein bisschen BLUNA?“

Die Antwort auf diese Kult-Limonaden-Kult-Frage: Ja. Mit Betonung auf „ein bisschen“. Eben. Ist dir was aufgefallen? Erst „Nathalie spinnt“, dann „…spinnt nicht mehr“ und nun „…nur ein bisschen“. Erklärung: Inzwischen berücksichtige ich die Magie der Worte und will das Spinnen nicht länger manifestieren. Wer weiß, ob ich dauerhaft nicht mehr spinne?„Gar nicht“ wäre langweilig – und gelogen.

spinnt-gruenWie die Meisten, die die Süße der Manie kosten durften, liebäugelte ich lange Zeit mit dem „ein bisschen mehr oder anders als alle anderen“. Dank meiner neuen Therapie reihe ich mich endlich freiwillig ein in die Reihe „Normal-Neurotiker“, die eben – ganz normal – nur „bissl“ spinnen. Und darf hoffen, den Preis der Depression nicht mehr zahlen zu müssen.

Neulich ist mir ein Thema aufgefallen, das großen Einfluss auf den Ausbruch der Krankheit hat:

Angehörige, genauer die Herkunftsfamilie. An diese habe ich einen (Muster-) Brief geschrieben.

Liebe/r Angehörige/r,

die Erkrankung deines Angehörigen spielt eine Rolle in deinem Leben. Weißt du, dass du auch eine Rolle in der Erkrankung deines Angehörigen spielst?

Auch wenn wissenschaftliche Forschungen vermuten lassen, dass es genetische Hintergründe* für die bipolare Erkrankung gibt, so sind doch die tatsächlichen Ursachen im Ganzen bis heute noch immer unklar. Falls etwas vererbt wird, so ist es lediglich eine Disposition. Trifft diese auf eine vulnerabile Persönlichkeit und kommen äußere und systemische Auslöser hinzu, kann diese Disposition zu Erkrankung führen. 

Mögliche Auslöser: Traumata wie sexueller oder emotionaler Missbrauch, körperliche Misshandlung, und andere belastende Lebensereignisse wie Scheidung der Eltern, Trauerfälle, schwere körperliche Erkrankungen, Partnerschaftskonflikte, zeitlicher und emotionaler Stress im Arbeits- und Privatleben, Schlafmangel, Schichtdienst etc. aber auch erfreuliche Ereignisse wie Hochzeit, Umzug, Jobwechsel, Schwangerschaft, Geburt…

Was heißt das für dich, als Angehöriger? 

Krass ausgedrückt: Du bist Teil der Krankheit und auch der Gesundung. 

Falls du in direktem Eltern-Kind- oder Geschwister-Verhältnis zum Kranken stehst, gehörst du außerdem zur Geschichte, dieTeil hatte am Ausbruch der Störung. Und zur Geschichte seither.


Systemisch betrachtet kann es sein, dass dein Familienmitglied (in der Regel unbewusst)
etwas auf sich genommen hat, was ihn krank werden ließ.

Diese Krankheit hat auch eine Botschaft für dich. Prüfe dich. Nur weil du die Krankheit deines Angehörigen nicht in deinem eigenen Körper hast, bist du nicht erhaben. Es mag sich phasenweise vorübergehend so anfühlen, als gäbe es keine Gleichstellung mehr, wenn dein Angehöriger in einer akut kranken Phase sehr bedürftig wird. Egal, ob er dich dann rührt, braucht, nervt, provoziert, anstrengt oder was auch immer – sei froh, dass du nicht an seiner Stelle bist, denn das hätte auch geschehen können.

Das gilt übrigens für alle Krankheiten, nicht nur die bipolare Störung.

Ist deine Liebe groß, dann stehe deinem Angehörigen in kranken Phasen bei, so gut du kannst und achte gleichzeitig darauf, auch gut für Dich selbst zu sorgen. Niemand hat etwas davon, wenn du dich und dein Leben hinten anstellst oder aufgibst. 


Wird es zu anstrengend für dich, ziehe dich zurück. Es gibt andere Menschen und Profis, die deinem Angehörigen zur Seite stehen können, niemand ist allein.
Es gibt Schulmediziner wie Psychiater (verschreiben Medikamente für den neurologisch-biochemischen Aspekt) und Psychologen (

spinnt-mit-mann

bei affektiven Leiden empfiehlt sich die kognitive Verhaltenstherapie). Ergänzend zur Schulmedizin können Heilpraktiker, Sozialarbeiter (psychosozialer Dienst), Seelsorger, spezialisierte Coaches und Selbsthilfegruppen helfen. Die deutsche Gesellschaft für bipolare Störung e.V. unterhält eine sehr informative Website mit einem lebendigen Forum und Listen von Gruppen in D-A-CH.

In manchen Phasen hast du es vielleicht nicht mit dem Menschen zu tun, den du sonst kennst. Nimm dir sein Verhalten dann nicht zu Herzen und warte, bis der Mensch wieder er/sie selbst ist. 

In eurer Aufarbeitung sind Vorwürfe und Schuldgefühle kontraproduktiv.

Bemüht euch um ehrliche, achtsame und wertschätzende Kommunikation und lasst einander sein, wie ihr seid.

Wenn eine bipolare Störung bereits einmal ausgebrochen ist, sind Stressoren unbedingt zu vermeiden, damit der Betroffene wieder in ausgeglichenen Bahnen selbstwirksam leben kann. Vieles kann ein Stressor sein. Genauso wie der Betroffene für seine Stabilität auf reichlich regelmäßigen Schlaf und ein ausgewogenes Leben mit gesunder Ernährung, Bewegung und Pausen achten muss, ist auch dafür zu sorgen, jeglichen emotionalen Stress möglichst gering zu halten:

Angriffe, Kritik, Forderungen, Vorwürfe, Erwartungen, Jammern, Schuldzuweisungen etc. tun keiner Beziehung gut, für Deinen Angehörigen kann Dein Verhalten Auslöser einer lebensgefährdenden Phase sein. Du musst ihn nicht in Watte packen oder alles hinnehmen, aber dennoch stets gut darauf achten, die Krankheit Deines Angehörigen nicht durch dein Verhalten noch zu befeuern!

Wenn dein Betroffener Angehöriger Distanz braucht, dann respektiere dies.

Schaue nicht nur auf ihn/sie, sondern vor allem auf dich selbst. 

In gesunden Zeiten, könnt ihr Eure Beziehung klären, stärken und gemeinsam Gründe sammeln, das Leben zu lieben. Das Zauberwort heisst “Resilienz” …

Mein Lieblingsbuch dazu findet ihr auf meiner Bipo-Seite. Und mehr in meinem neuen Job und Herzprojekt, dem Magazin für seelische Gesundheit MILES!**

* Die Erklärung des Leidens durch angeborene Faktoren (Gene) ist ein Schwert mit zwei Seiten. Einerseits erleichtert die Erklärung: Niemand kann etwas dafür, es ist kein persönliches Versagen, ich bin “berechtigt”, Mitgefühl, Hilfe, Geduld und Verständnis zu erhalten… Angst, Schmerz, Feigheit, Faulheit bzw. Schwächung lassen mich die Diagnose gerne als ultimatives Gesetz verstehen und den bio-genetischen Hintergrund als Trost.

Der Preis für diese vermeintliche Beruhigung ist hoch, denn die zweite Seite ist OHNMACHT – das Gefühl eine Marionette zu sein, in letzter Konsequenz die Zügel nicht selbst zu halten. Genau das kann in der grausamen Konsequenz zu suizidalen Gedanken und Taten führen.

Der Suizid lockt dann als Freiheit aus der Sackgasse heraus. Vermeintlich.

Meinem Leiden und der ohnmächtigen Erstarrung entkomme ich nur mit Mut. Dem Mut, hin zu sehen, dem Grauen direkt ins Auge, zu sehen und anzunehmen, was ist, im Feuer stehen zu bleiben, die Marionettenfäden zu kappen und die Zügel wieder aufzunehmen. Eigenmacht und Selbstwirksamkeit schlagen die Ohnmacht und befreien. Dabei helfen Vertrauen ins Leben und Gebet.

Entweder dies gelingt mir ein- und letztmalig und ich bleibe fortan gesund oder ich gehe den Weg eben immer wieder. Und wenn ich nicht aufgebe, wird meine Ausdauer letztlich belohnt. Mit immer längeren und stabileren gesunden und immer seltener und schwächer auftretenden Phasen. Und dem Leben!

** Ein schönes Beispiel für Co-Kreation: Miles! ist das erste und bisher einzige Print-Magazin für seelisches Wohlbefinden in Deutschland, das von Betroffenen und ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten gemacht wird. Die Übergänge von Magazin, Facebookseite, Onlineshop, LeserInnen und AutorInnen sind fließend. Alles zusammen bildet eine Community, die stark macht. Die Artikel orientieren und helfen, die einzelnen Krankheitsbilder der psychischen Erkrankungen besser zu bewältigen und zu verstehen. Persönliche Geschichten motivieren und zeigen: niemand ist allein. Das breite Themenspektrum beschäftigt sich mit Depression, Borderline, Burnout, Mobbing, Essstörungen, Kultur, Sport, Bewegung, Recht, Entspannung, (Suizid-)Prävention und vor allem mit Menschen! Stiftungen, Verbände, Ärzte und Selbsthilfe-Gruppen bereichern das Angebot durch eigene Beiträge und Expertenrat.

spinnt-nicht-mehrZiel: bestehende Vorurteile abbauen und das Verhalten der Öffentlichkeit gegenüber psychisch erkrankten Menschen durch gezielte Interventionen positiv beeinflussen. Leben retten.

 

Deine Nathalie

https://diebipolaremuse.jimdo.com/

PS: Weiterhin immer her mit euren Fragen und Anregungen 🙂

 


Die vorherigen Tagebuch-Artikel findest Du hier:

https://compassioner.com/author/nathalie-karg-2/

 

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