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Neues aus der SchreibGlück-Werkstatt: Trude

Noch immer kommen aus dem wunderbaren Autorenkurs SchreibGlück Bücher auf die Welt. Bücher, die von den drei kooperierenden Verlagen veröffentlicht werden, oder Bücher, die im Eigenverlag herausgegeben werden.

Wir freuen uns, heute mal ein ganz anderes Buch vorzustellen:  Trude. Und weil die Heldin des Buches eine Frau ist, eine Frau, die unter allen Lebensumständen ihre Würde und Zuversicht behält und ihren Nachfahren wie ein Leuchtturm den Weg weist. Allein schon wegen dieser Eigenschaften mögen wir das Buch hier vorstellen.

Rose Marie Gasser Rist ist mit ihrem Werk ein großartiger Roman gelungen: TRUDE ist eine Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts in einer männerdominierten Welt ihren Weg findet. Trude wächst einem sofort ans Herz. Ihre Geschichte umfasst 90 Jahre pralles Frauenleben und sie lässt nichts aus: die ganz große Liebe, Mutterschaft, Migration, Erotik, Mystik, Weltgeschichte, Abschied und Neubeginn.

Hier schreibt für uns die Autorin, Rose Marie Gasser Rist, wie sie zu der Geschichte kam. weiter unten findest du auch eine Leseprobe….

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Es sind Geschichten, die einen diese Welt….

(Herbert Grönemeyer)

Als Kinder liebten wir es, auf dem Dachboden in den Schränken der Großeltern in den Schätzen aus alten Tagen zu wühlen. Heimlich. Denn weder Eltern noch Großeltern sahen es gerne, wenn wir mit der viel zu großen Schweizer Armee-Uniform, Säbel, Helm und Felltornister – Relikte aus dem ersten Weltkrieg – über die groben Holzplanken defilierten. Auch das schnörkellose, schwarze Hochzeitskleid oder die grobe Bauerntracht der Großmutter übten auf uns große Faszination aus. Das Duftpotpourri von schwerem Stoff, Kernseife, Mottenkugeln und Feuchtigkeit habe ich noch heute unmittelbar in der Nase, wenn ich an die Dachbodenspiele aus meiner Kindheit denke.

Ich bin Mitte der 60er Jahre geboren und fühle mich der Brückengeneration zugehörig. Die Erzählungen und Zeitzeugnisse meiner Ahnen reichen weit bis ins 1900 Jahrhundert zurück. Und mit meinen drei Kindern, die um die Jahrtausendwende geboren wurden, die in Superman- und Hello-Kitty-Pyjamas träumten, schweift mein Blick weit bis zum Horizont ins 21. Jahrhundert hinein. Weltgeschichte wird mit den Menschen, die ich persönlich kannte und kenne, lebendig.

Mein Großvater war ein angesehener Mann ein Denker, Meinungsmacher und Politiker. Er vertrat das Modell der Rollenverteilung als wirtschaftliche und praktische Überlebensfunktion, der klaren Einhaltung der Hierarchien. Er war gottesfürchtig und autoritätsgläubig. Und er war ein Patriarch. Das Leben war ganz klar nach seinen damals durchaus gängigen Grundsätzen geregelt. Ohne zu hinterfragen war die Frau für anständige Kinder, eine währschafte Mahlzeit und reinliche Kleider zuständig. Der Mann hatte dafür zu sorgen, dass die Sau einen anständigen Batzen einbrachte, die Ernte zum richtigen Zeitpunkt eingefahren wurde und er dem angemessenen Verein oder Partei angehörte. Ich himmelte meinen Großvater an und geringschätzte die graue Maus, meine Großmutter, die ihm den Rücken für alle seine Ämter, frei hielt.

Mit diesem inneren Bild bin ich herangewachsen, habe mich selber klein gehalten, mich unendliche Jahre lang nicht getraut mitzumischen und öffentlich mitzudenken, obwohl eine tiefe Liebe zu unserem Heimatplaneten mich drängen, der kriechenden Zerstörung der Lebensgrundlage Einhalt zu gebieten. In meinem ruralen Umfeld gab es schlicht keine Kämpferinnen, keine weiblichen Vorbilder, Vorreiterinnen, Visionärinnen.

Und die Frauen, die sich in den 70ern und 80ern auf das politische Parkett getrauten, wurden verrissen. Ich habe Alice Schwarzer und das Schweizer Pendant Julia Onken gelesen, sie an Vorträgen besucht und fand Gefallen an ihrem Feuer. Obwohl mich ihr rüder Ton, der Rundumschlag gegen die Männer abgestoßen hat, bin ich den Vorreiterinnen der Frauenbewegung unendlich dankbar für ihr Wirken. Sie haben Pflöcke eingeschlagen, an denen wir Frauen uns orientieren können.

Mein Exkurs in die Lokalpolitik ist gründlich in die Hose gegangen. Ich hatte kaum Luft geholt, um mein Anliegen, mehr Brachflächen und Grünwiesen für die Bienen stehen zu lassen, anzubringen, walzte mich der geübte Rhetoriker, der von einer starken Männerlobby im Rücken geschult und gestärkt wurde, platt. Sein Votum, dass Parkplätze mehr Tourismus und mehr Einkommen generierten, erntete Applaus – und ich Häme von der Dorfbevölkerung. Ich musste mir danach eingestehen, das mir schlicht die dicke Haut, Schlag- und Standfertigkeit für diese streitlustige Plattform fehlten, wo mit verschieden langen (Finanz-) Ellen um Macht, statt um Inhalte und Nachhaltigkeit gekämpft wird.

Die Sehnsucht nach einem neuen Wir, in dem Männer und Frauen auf Augenhöhe in eine Zukunft in einem intakten Ökosystem hineinwachsen bleibt unverändert. Ich stellte mir die Frage, wie ich Menschen erreichen kann, sie einladen kann, Lust zu bekommen, sich selber, Mitmenschen und dem Planeten Sorge zu tragen. Und kam zu zwei Erkenntnissen:

– Was ich liebe, (be)hüte ich wie einen Schatz

– Starke Vorbilder, gelingende Beispiele geben Orientierung

Heute erreiche ich Menschen mit Geschichten und Melodien. Dadurch fühlen sich nicht angegriffen oder falsch, sondern eingeladen, über sich, die eigenen Wurzeln und den Horizont nachzudenken.

Manchmal zwingt einen das Leben zum Glück. Mich zum SchreibGlück. Den Kurs habe ich, pappsatt von anderen Lehrgängen, eigentlich nicht mehr machen wollen. Als ich im Mai 2016 im SchreibGlück die Vision bekam, eine Saga zu schreiben, war ich erst einmal platt. Doch die fünf Frauen der Ahnenlinie (Marthe, Trude, Annie, Meilin und Amber), die kristallklar vor meinem geistigen Auge stehen und die mich heute als bunte Reisegruppe in meinem Kopf als ständige Begleiterinnen stupsen und führen, machen mir unmissverständlich klar, was ich zu tun habe: zu schreiben und zu erzählen.

Den Einstieg in das kühne Vorhaben, habe ich mit Trude relativ einfach geschafft. Eine Trude aus Fleisch und Blut habe ich als zweiundzwanzigjährige Backpackerin 1988 in einer kleinen Bücherei in Brisbane kennengelernt. Ihre wahre, faszinierende Migrationsgeschichte hat mich jahrzehntelang gewärmt und zur Roman-Trude inspiriert. Die Schweizer Wurzeln, die Kindheit im Baltikum, der deutsche Mann, die Kinder, die Migration nach Australien und die Lebenszeit stimmen mit der „richtigen“ Trude überein. Ein Brief, den Trude im Roman auf dem Sterbebett geschrieben hat, habe ich 1998 tatsächlich erhalten. Alles andere ist Fiktion und wurde mir eingegeben.

Mit der Roman-Trude habe ich mir eine Heldin, wie ich sie mir immer gewünscht habe, geschaffen. Eine Frau, die unter allen Lebensumständen ihre Würde und Zuversicht behält und ihren Nachfahren wie ein Leuchtturm den Weg weist. Mit der Bernsteinsaga, die Trude als Band eins eröffnet hat und die in den nächsten Jahren peu à peu entstehen wird, möchte ich den Weg alltäglicher Frauen aufzeigen und die Entwicklung der Frauenbewegung streifen. Denn wer seine Wurzeln kennt, ist frei, sich über den Horizont hinaus zu wagen.

 

Rose Marie Gasser Rist, CH-Altnau

Schriftstellerin & Liedermacherin

kontakt@rose-marie-gasser-rist.com

www.rose-marie-gasser-rist.com

https://www.facebook.com/rosemariegasserrist/?ref=bookmarks

 

Und hier findest du eine Lesprobe:

TRUDE

 

TARTU 1908 – 1929

1908 Karge Kindheit 

Das Neugeborene zitterte zwischen den Schenkeln seiner Mutter, seine Nabelschnur pulsierte noch. Seine Haut schimmerte bläulich-rosa unter der Käseschmiere und machte die Verletzlichkeit des jungen Lebens im Kontrast zu dem grellen Rot, auf dem es lag, deutlich. Die Laken, in denen Mutter und Kind gebettet waren, waren von Blut durchtränkt. Als der Säugling seinen ersten Atemzug nahm, hauchte die entkräftete Mutter ihren letzten aus. Trudes Patenonkel war der Tod. Von der ersten Lebensminute an machte er deutlich, dass er nicht von der Seite des Mädchens weichen würde.

Mutter Marthe konnte das ersehnte Mädchen nicht in die Arme nehmen, es nicht mit nährender Wärme in der Welt willkommen heißen. Es war nicht Trudes Schuld, dass die Mutter unter der Geburt verblutete. Vielmehr war es die Erschöpfung, vielleicht sogar eine Erlösung nach einer Dekade Dauerschwangerschaft, die die ergebene Gattin dahinraffte. Seit der Vermählung hatte sie in regelmäßigen Abständen sechs Söhne zur Welt gebracht. Eine Tante, eine Patin, eine ältere Schwester hätte vielleicht Trudes Ankommen sanfter betten können. Eine Frau auf dem Hof hätte vielleicht die folgenden Jahre mit etwas Fürsorge milder gestalten können. Doch es war, wie es war: Das schutzlose Trudekind betrat eine männliche, herbe Wirklichkeit.

Marthes Tod versteinerte Vater Heinrich. Sieben Kinder verloren ihre Mutter und mit einem Schlag auch die Zuwendung ihres Vaters. Mit dem Verlust der Lebensgefährtin und Arbeitskraft schwand Heinrichs Lebensfreude. Sein Gram überlagerte alles. Für die Trauer seiner Söhne, die ihre Mutter ebenso schmerzlich vermissten, und das Vakuum, in das seine Tochter hineingeboren wurde, war er blind. Er flüchtete vor dem Trauerbrand im Herzen und wurde ein missionarischer Kirchgänger.

Trude wuchs in einem Männerhaushalt auf. An Essen und Kleidung mangelte es nie. Vater Heinrich war ein tüchtiger Mann. Er konnte mit dem Käsereibetrieb für die Familie aufkommen und manchmal beschäftigte er Wandergesellen. Den Haushalt organisierte er militärisch diszipliniert und leitete die Kinder zu Reinlichkeit und Disziplin an. Je älter das Mädchen wurde, desto mehr musste es mithelfen. Und als heranwachsende junge Frau fand sie sich für die Männer kochend, putzend und Wäsche versorgend wieder, während die Brüder mehr und mehr einem Erwerb nachgingen.

Es war in Fels gemeißelt, dass Trude als Frau nie einen eigenen Beruf erlernen, geschweige denn einem Studium nachgehen würde. Es war vorausbestimmt, dass ihr Vater Trude, sobald sie alt genug wäre, einem Burschen aus der Täufergemeinde zur Gattin überlassen würde. Sie würde dessen Kinder großziehen, ihm den Haushalt führen und bis ans Lebensende von seiner Gunst und Existenz abhängig sein. Dafür reichten Grundschule und Kirchgang am Sonntag vollends aus.

In der Kirchenbank fand Trude Abwechslung zum grauen Dasein. Wenn die Gemeinde sang, und sie mitten im mehrstimmigen Klangbad saß, schloss sie die Augen und war für wenige Augenblicke glücklich. Im Schmelztiegel des Gesangs gab es keine Moral, keine Schuld, keine Last – nur Wohlklang und Verbundenheit. Unterricht und Kirchgang schenkten ihr Bildung und Seelennahrung, wenn auch nicht befriedigende Antworten auf ihre Fragen. Trude taumelte durch ihre Kindheit wie eine Außerirdische. Zu Tisch wurde geschwiegen, aus der Bibel zitiert oder über die Arbeit der jungen Männer gesprochen. Das Wohl des Mädchens stand nie im Mittelpunkt des Interesses. Sie war als kleines Kind ein geduldeter Schatten und als Heranwachsende eine willkommene Dienstmagd.

Sie nahm ihr Schicksal an, verrichtete die aufgetragenen Aufgaben, ohne aufzubegehren, doch in ihrem Kopf stritten widerspenstige Gedanken. Die Schuld an Mutters Tod hatte sie nie angezweifelt. Doch warum konnte sie den Gott, den der Pfarrer lobpreiste, nicht spüren? Innen und Außen standen in ständigem Widerstreit. Sie tat, was von ihr erwartet wurde, während etwas, wofür sie keinen Namen hatte, rebellierte. Trude spürte in ihrem Herzen ein aufblitzendes Feuer, eine Sehnsucht, die, sobald sie versehentlich nach außen entschlüpfte, an der Eiseskälte erstarb. Es mangelte ihr an lieben Worten und Zuwendung, auch wenn sie das nicht ausdrücken konnte. Sie spürte Vaters seelische Not sehr wohl und wollte ihn nicht durch Aufbegehren in Zorn versetzen. Trude war der Männergesellschaft und der baptistischen Gemeinde auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Sie hatte keine Macht, irgendetwas zu ändern.

Die Brüder waren nicht gemein zu Trude. Sie teilten sich die Hänseleien gegenseitig aus, wenn der Vater nicht zugegen war, ließen die kleine Schwester aber in Ruhe. Alle Kinder teilten sich ein Schlaflager in einer Kammer oberhalb der Wohnstube. Um zu ihr zu gelangen, musste man eine schmale Stiege zum Giebelzimmer hochklettern. Trude gelang es erst mit sieben Jahren, die schwere Falltür nach oben aufzudrücken und war auf die Hilfe einer der Brüder angewiesen. Ein schlichter Holzrahmen war auf den groben Riemenboden genagelt und diente als Umrandung für Schlafplätze. Der Ordnung halber, teilten sich die Kinder nach dem Alter das Lager. Der älteste Bruder schlief an der Außenwand der Kammer. Trudes Platz war am anderen Ende neben der Falltür.

Einmal im Jahr nach der Ernte wurde ein Fuder frisches Stroh eingestreut und die Flachstücher wurden ausgewechselt. In den ersten Nächten, wenn die Schlafstatt nach gesundem Getreide roch und die Unterlage wieder dick genug war, um nicht auf den blanken Boden abzusacken, lag eine feierliche Stimmung in der Kammer. Überschwänglich Freude zu zeigen, war keinem der Burschen gegeben. Aber Trude spürte, dass ihre Brüder das aufgefrischte Nachtlager als willkommenen Unterschied schätzten. Im Winter, wenn Eisblumen die Luke bedeckten, rückten die Kinder enger zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen…..

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…..wenn du weiterlesen willst, kannst du Trude hier bestellen. 

 

Herzlichen Dank an den Sheema-Verlag für die freundliche Abdruck-Genehmigung!

 

Schau doch heute Nachmittag auf unserer facbookseite vorbei, wir verlosen dort drei Trude-Exemplare….

https://www.facebook.com/compassioner.magazin/

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