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Neues aus der SchreibGlück-Werkstatt: “Das Foto”

Der 70. Geburtstag.  Auszug aus dem multiperspektivischen Generationenroman

Das Foto“, von Elva Schevemann

Der Diaprojektor klickte. Es wurde dunkel, dann hell. Auf der Bildwand erschien verschwommen ein Schwarz-Weiß-Bild. Jemand drehte am Objektiv. Das Bild wurde scharf. Eine blasse, junge Frau. Langes, dunkles Haar, das ihr in Wellen über die Schultern fiel. Eine hochgeschlossene Bluse. Die Frau blickte ernst in die Kamera, auf dem Arm hielt sie einen kleinen Jungen. Die Frau kam Wolfgang bekannt vor.
Irrte er sich, oder hatte sich die Atmosphäre im Raum verändert? Die Luft fühlte sich plötzlich wattig und schwül an. Niemand sagte einen Ton. Keiner rührte sich. Alle Geräusche waren verstummt. Kein Stühlerücken, kein Tassenklappern, kein Kuchengabelgekratze. Sogar das Rauschen der Lüftung hatte aufgehört. Und hatten nicht bis eben noch die Vögel draußen gezwitschert?
Lene hatte sie geheißen, ja natürlich, Wolfgang erinnerte sich jetzt wieder, eine schöne Frau war das gewesen. Sie hatte während des Krieges einige Monate bei ihnen gewohnt.
„Wer ist das denn?“, flüsterte Leonore ihm zu.
„Das ist Lene, Gustavs erste Frau“, flüsterte Wolfgang zurück.
[…]
Draußen zündete er sich eine Zigarette an und sog den Rauch in seine Lungen. Ganz in der Nähe hüpfte eine Schar Vögel um eine große Pfütze. Wolfgang sah schwarzglänzende Amseln, ein paar Blaumeisen mit leuchtendgelben Bäuchen, unscheinbare, graubraune Spatzen, dazwischen ein weißes Vögelchen. Flügelschlagen. Blitzende Wassertropfen. Federgepluster. Ringe, die sich in kleinen Wellen auf der Pfützenoberfläche ausbreiteten.
Die Vögel hatten gezwitschert, mitten in der Nacht. Das fiel Wolfgang plötzlich wieder ein. Er wachte auf, weil alles zitterte und die Fensterscheiben klirrten. Es war kurz nach zwei Uhr nachts. Die Eltern kamen die Treppe herunter, und die schöne Lene trat aus ihrem Zimmer, im weißen Nachthemd, den kleinen Hans auf dem Arm. Alle schauten sich an und fragten: „Was ist das bloß? Gibt’s ein Erdbeben?“
Dann verließen sie das Haus. Viele ihrer Nachbarn standen bereits draußen in ihren Schlafröcken und blickten sich ratlos um. Und plötzlich sahen sie es: Der ganze Himmel fing rot zu glühen an. Ein gewaltiger Feuerschein leuchtete am Horizont.
„Jetzt brennt Friedrichshafen lichterloh!“, sagte ein Nachbar, und Wolfgang konnte es gar nicht fassen, weil Friedrichshafen doch so weit weg war.
Und dann fingen die Vögel an zu zwitschern, mitten in der Nacht, ein vielstimmiges, fröhliches Trällern und Tschilpen. Die dachten wohl, die Sonne wäre aufgegangen.
Wolfgang zog an seiner Zigarette.

……

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