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Beziehungen - Was ist der Kern?

Pärchen, Single, Polyamorie – Was bedeuten Beziehungen wirklich?

Licht im Dschungeldickicht der Beziehungen – Mit diesem Artikel erklärt unsere Gastautorin Anja-Katharina Riesterer wie verschiedene Modelle aussehen, was sie im Kern eigentlich bedeuten und für wen sie geeignet sind.

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„Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.“ Mit dieser Wendung, die den Moment im Märchen vollendet, in dem sich Mann und Frau gefunden und zusammengeschlossen haben, wachsen wir auf. Das ist ein über Jahrtausende gewachsenes und unter anderem biblisch geprägtes Prinzip. Möglichst lebenslange Zweisamkeit ist ein Ur- und Wunschbild unserer westlichen Gesellschaft.

Dass es keine biologische, genetische oder sonstige Notwendigkeit für dieses Konstrukt gibt, zeigen Beispiele aus dem Tierreich, in denen alle Formen der Vereinigung, von Monogamie über Polygamie bis hin zu dauerhaftem Einzelgängertum vorhanden sind. Und auch kulturell anders geprägte menschliche Völker und Stämme leben völlig selbstverständlich polygam, haben zeitlebens mehrere Partner und ziehen ihre Kinder in Gemeinschaft auf.

Spirituelle Szene: weg vom Ego – hin zur freien Liebe?

Vor allem in der spirituellen Szene hat sich daher, unter anderem geprägt durch die Liebesideale der 68er, der Ansatz der Polyamorie durchgesetzt. Jeder kann und darf nach seinen Bedürfnissen im Moment leben, es gibt keine Verpflichtungen, keine feste Bindung. Denn diese wird als ego- und angstgetrieben betrachtet, der monogame Ansatz als ein eigentlich krankhaftes Festhalten- und Besitzenwollen. Schauspielerin Jana Pallaske, die sich seit Jahren auf einem solchen spirituellen Weg befindet, schreibt dazu auf Facebook:

„Was hat denn unfreie Liebe mit Liebe zu tun? das ist ja ein Widerspruch in sich – denn es impliziert nur Angst. ist basiert auf Angst ! Festhalten wollen. Das hat nur was mit Ego zu tun, Ungenügsamkeit, Unsicherheit – & daher Festhalten Wollen & daher : STÄÄÄNDIGE ANGST. Denn das gibt es eben im Leben nicht. Darauf basiert nun mal das menschliche Leben & ich möchte einfach nur inspirieren daß wir aufhören uns selbst & gegenseitig zu belügen & uns damit das Leben zu erschweren daß wir uns selbst und gegenseitig in Konventionen pressen (…)Nix ist fest oder permanent. Und nur unser Ego will aus Angst festhalten. am Moment.
aber das gibt es nicht.“

Selbst lebt sie in einer offenen Partnerschaft, in der es in Ordnung ist, auch mit anderen anzubändeln, solange man sich alles offen und ehrlich sagt. Damit werden die gängigen Konzepte von Eifersucht, Trennung und Besitz auf die Probe gestellt und – angeblich – aufgelöst.
Aber dieser Ansatz hat auch seine Kehrseiten. Denn er bringt oft das Heranreifen eines anderen, „spirituellen Egos“ mit sich, was dazu führt, dass generell keine Verantwortung mehr übernommen wird. Die Triggerpunkte, die feste, monogame Beziehungen mit sich bringen, können vermieden werden. Wenn es unangenehm wird, wendet man sich dem nächsten zu, getreu nach dem Motto: Du tust mir gerade nicht gut und ich muss für mich sorgen. Zu wirklicher Auseinandersetzung mit den eigenen Schatten führt also auch das nicht zwangsläufig.

Partnerschaft als Basis für geistige Evolution

Beziehungen

Foto: iStock

Wenn zwei Menschen sich bewusst und freiwillig aneinander binden und sich entscheiden, ein Stück des Lebensweges gemeinsam zu gehen, hat das nicht nur mit der Suche nach Sicherheit und dem Vermeiden von Angst zu tun. Im Gegenteil: es ist eine sehr mutige Entscheidung und man wird, mindestens genau so sehr wie in offenen Verbindungen, vor den eigenen Spiegel gestellt und mit den Schatten und Ängsten konfrontiert. Die Coaches Andrea und Veit Lindau beschreiben sehr schön, wie solche Beziehungen zu innerem und äußerem Wachstum führen kann, einfach auf Basis dessen, dass man jederzeit zu sich, aber auch zueinander steht. Sie nennen das „Standing“: Jeder hat die Möglichkeit, zu jedem Zeitpunkt alles zu sagen, was er denkt und fühlt, ohne Angst haben zu müssen, dafür verachtet oder angegriffen zu werden, auch wenn es manchmal weh tut. „Wenn ich mir den Raum erobert habe, dann ist es richtig cool, in einer Beziehung wirklich vollständig offen und ehrlich und voll gerade zu sein“, beschreibt Andrea. Auch die beiden haben Erfahrungen mit Dreiecksgeschichten. Veits Erfahrung, sich kurz vor der Hochzeit mit Andrea in eine andere Frau zu „verlieben“, beschreibt er rückblickend so: „Etwas in mir hat so einen wahnsinnigen Schiss vor dieser Hochzeit gehabt, das mich voll umgetrieben hat (…). Ich habe unglaublich viel darüber erfahren, wie viel Angst etwas in mir hat, mich wirklich einzulassen.“

Das zeigt, dass Mehrgleisigkeit nicht unbedingt die Konfrontation mit dem Ego und absolute Freiheit, sondern eben gerade ein Weglaufen davor sein kann.

Statt Monogamie als Flucht vor Angst und Unsicherheit abzuwerten, kann man sie also auch anders betrachten: als eine bewusst eingegangene Verbindung, um gemeinsam zu gehen und zu wachsen – und um gerade zu zweit unterbewusste psychische Muster und Projektionen zu enthüllen, einander zu beflügeln und zu unterstützen und so die geistige Evolution von Mann und Frau voranzutreiben – unter bewusstem und gerne geleistetem Verzicht auf mehrere Vergnügungspartner, damit man stehen bleibt, wenn es ans Eingemachte geht.

Frühe mediale Prägung des Wunsches nach Zweisamkeit

Aber auch die Möglichkeit, solo und glücklich zu sein, soll es durchaus geben und sogar die Basis für eine stabile Beziehung sein, in der der andere nicht die Droge sondern das Sahnehäubchen auf einer ohnehin vorhandenen Zufriedenheit ist. Problematisch ist nur, dass wir mit diesem Wissen nicht aufwachsen. Ob es Märchen, Bücher, romantische Filme oder Serien sind: Uns wird vermittelt, dass Partnerschaft der Schlüssel zum Glück ist und irgendwo die ganz, ganz große Liebe wartet. Singlesein ist ein Zustand des Grauens, der vermieden werden muss und wer nicht vergeben ist, gilt kaum als vollwertiger Mensch. Besonders prägnant ist das in deutschen Daily Soaps wie GZSZ oder Alles was zählt. In der letztgenannten Soap sind von aktuell 19 Hauptfiguren nur drei Single und das Leben funktioniert natürlicherweise so, dass neue potenzielle Partner wie auf dem Silbertablett präsentiert werden. Munter werden die Beziehungen gewechselt, jeder hat mal was mit jedem, es zählt nur, dass man nicht lange allein ist. Die Option „Single und glücklich“ gibt es nicht.

Beziehungen

Foto: iStock

Marian und Lena aus Alles was zählt waren seit 2012 verheiratet, bis sie einander wechselseitig mit anderen Hauptdarstellern betrogen. Dramen und Krisen folgten, schließlich die Trennung. Danach standen gleich die nächsten Geschlechtspartner parat, Lena schmust mit Marians Mitbewohner und er mit seiner neuen Kollegin, zwischendrin versuchen die Getrennten, sich einander wieder anzunähern. Als Lena genug hat und beide von sich weist, schmunzeln ihre Serienfreundinnen über die von ihr verkündete „Männerpause“ und haken bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach oder unternehmen Verkupplungsversuche. Keine zwanzig Minuten später läuft Lena zufällig in Patrick hinein, mit dem sie fortan anbändelt, während Marian eifersüchtig zuschaut.

Wir brauchen neue Vorbilder für Beziehungen

Da solche Angebote gerade von Jugendlichen rezipiert werden, sich entwickelnden Menschen also, die sich von den Eltern abnabeln und neue Vorbilder und Ansichten suchen, kann davon ausgegangen werden, dass der Einfluss groß ist und sich die Herangehensweise an Beziehungen auch deshalb kaum und nur schleichend verändert.

Wir brauchen daher neue Vorbilder, die uns schon jung vermitteln, dass Selbstliebe die Basis für alles und Partnerschaft eine Entwicklungschance, aber kein Muss und schon gar nicht der ultimative und automatische Schlüssel zum Glück ist. Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis alternative Partnerschaftsansichten und auch die Lehre vom alleine-glücklich-sein Eingang in die klassischen Medien findet, denn schließlich nährt diese Suche ganze Wirtschaftszweige und hält die Menschen abhängig und klein. Wer von den Compassioner-Lesern solche Bücher, Filme oder Serien kennt, die sich vor allem an junge Leute richten, möge gerne einen Kommentar hinterlassen.

Deine Anja-Katharina Riesterer
www.anja-katharina.de

 

 

(Titelbild: Fotolia.com / Jacob Lund)

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