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Präsent sein: Wo ist mein Ich-bin?

Präsent sein im Leben, voll im Moment ankommen – das schreiben sich viele auf die Fahnen. Sie tun so einiges, um endlich ganz im Hier und Jetzt zu sein. Und laufen dabei so oft dem eigentlichen Augenblick hinterher. Denn es klingt zwar leicht, einfach jetzt zu leben – und doch ist es alles andere als das. Auch unsere Gastautorin Alexandra Kusche kann ein Lied davon singen. In ihrem ersten Beitrag für den Compassioner gibt sie einen sehr persönlichen Einblick, wie sie selbst versuchte, ihre volle Präsenz zu finden. Und wie sie dabei mehrfach scheiterte. Was sie am Ende dabei gelernt hat und ob sie schließlich doch ganz bei sich ankam? Lest selbst 🙂

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Das Prinzip der Präsenz wird zu Recht als Lösung für viele Probleme gefeiert. Es soll gegen Stress ebenso helfen, wie bei der Erfüllung unserer Wünsche. Veit Lindau nennt es das “Ich-bin”. Wenn ich vom Ich-bin-Feld höre, spüre ich sofort die Resonanz. Es kommt mir schlüssig vor, aber ich verstehe es nicht. Wie auch? Ich habe es ja nie gelernt.

Ich bin ratlos, aber nicht präsent

Das Ich-bin definiert sich vor allem über Abwesendes. Es zeigt sich, wenn ich meine Urteile, meine Gedanken, meine Gefühle weglasse. Ich bin ratlos. Wie soll ich mein Denken außen vor lassen? Mein Verstand mischt sich ein.

Der Königsweg führt über die Beobachtung des Atems, heißt es. Ich setze mich hin, schließe die Augen, konzentriere mich auf das Heben und Senken meines Brustkorbs. „Mein Atem macht Geräusche“, fällt mir plötzlich auf.

„Hey, du sollst doch nicht denken!“

„Ich hab doch gar nicht gedacht.“

„Hast du wohl. Du hast alles ruiniert.“

Ich öffne die Augen wieder. So komme ich an das Ich-bin nicht heran. Ein anderer Ansatz muss her.

Ich schätze meinen Verstand für seine pfiffigen Schlussfolgerungen, lustigen Ideen und tröstlichen Erklärungen. Ich will ihn in die Suche einbinden. Auf der Homodea-Plattform finde ich ein Mantra. Ich nutze es in der vollen S-Bahn zum Feierabend: „Ich bin. Ich bin präsent. Bin wach … Wenn der mich noch einmal anstößt, schreie ich.“

So wird das nichts.

Vermutlich werde ich das Ich-bin niemals finden

präsent-sein-ich-binMein Geist, mein Körper, meine Gefühle sind immer in Bewegung. Ich kann es nicht ändern und will es auch gar nicht. Ich liebe meine Schnelligkeit und Lebendigkeit. Andererseits sagt das Konzept des Ich-bin, dass es schon vor meinem Bewusstsein da war, dass ich jederzeit darauf zugreifen kann. Wo ist es denn nur?

Ich versuche es mit einer geführten Meditation. Konzentriert lausche ich auf die sonore Stimme aus den Kopfhörern. Doch es ist unmöglich, in eine Trance zu kommen, wenn es am Oberschenkel juckt oder an der Nase kribbelt. Ich will nicht kratzen, halte mich davon ab, denke unaufhörlich:„Das juckt nicht, das juckt nicht, das juckt nicht.“

„Du hast es schon wieder ruiniert.“

„Was soll’s? Ich kann einfach nicht still sitzen.“

Immerhin verurteile ich mich nicht.

Mein Verstand erinnert mich an Oshos aktive Meditationen. Ich habe vor Jahren einige davon probiert und erfinde eine eigene. Ich nenne sie die Zappel-Meditation. Dabei ist es erlaubt, so viel und so oft auf meinem Stuhl herumzurutschen, wie ich will. Das macht Spaß, aber mein Ich-bin finde ich so nicht.

Mein Ich-bin meldet sich

Die Suche muss warten, denn ein Kurztrip steht bevor. Ich reise gern, aber ich bin dabei immer furchtbar nervös. Habe ich meine Tickets, mein Geld, mein Handy? Kriege ich den ICE? An meinem Reisetag stehe ich mit meinem Rollkoffer an der Tramhaltestelle. Ich bin so aufgeregt, dass ich fast zittere.

„Ich bin hier. Ich bin präsent“, höre ich meine eigenen Gedanken. Keine Ahnung, wo das plötzlich herkommt. Ich hinterfrage es nicht. Stattdessen nehme ich wahr, dass mein Herz wie wild schlägt. Ich lausche meinem Herzschlag. Bin mit dem Klopfen. Als würde ich neben einer Freundin stehen und ihr zuhören.

Mein Herz ist freudig erregt über meine Reise. Heißt das, ich bin gar nicht nervös, sondern freue mich so sehr, dass mein Herz laut klopft? Ich bekomme keine Antwort. Allerdings lächle ich. Das könnte die Antwort sein.

Bin ich jetzt präsent?

Die Tram ist voll. Ich quetsche mich mit meinem Köfferchen neben eine Frau mit Rollator. Bloß nicht die helle Hose schmutzig machen. Ich verrenke mich, um mich von den Rädern des Rollators fernzuhalten. Da spüre ich die Drehung in meinem Rumpf, meine Hand an einer Haltestange, die andere hält den Griff meines Trolleys.

Meine Mundwinkel heben sich. Vor lauter Beobachten habe ich vergessen, mich über die Enge aufzuregen. Ist das der Zustand von Ich-bin? Dieses Gefühl, meine Erfahrungen zu beobachten und nur das zu tun? Tatsächlich werte ich gerade nicht. Ich ärgere mich nicht. Mein Körper ist in dieser Tram und ich bin vollkommen auf ihn konzentriert. Es gibt nichts außerhalb. Kein Denken, kein Fühlen, kein Wollen. Keine Rollen, keine Verhaltensmuster, keine Erwartungen. „Ich glaube, ich hab das Ich-bin gefunden. Ich bin ganz nah dran“, plappert mein Verstand los.

Der Moment ist vorbei, ich kann ihn nicht zurückholen.

Ich lasse das Ich-bin los

Ich werde mich einfach auf meine Reise konzentrieren. Soll das Ich-bin eben warten.

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Berlin-Alexanderplatz: Ich steige aus der Tram und fahre zum Gleis hoch. Auf dem Bahnsteig sehe ich all die wartenden Menschen, höre das schrille Bremsen der einfahrenden S-Bahn, spüre den Griff meines Trolleys in der Hand. Sonne scheint mir durch die Oberlichter ins Gesicht. Das Aftershave eines Reisenden steigt mir in die Nase. Ich schmecke den Staub der Stadt auf der Zunge. Ich bin mit allen meinen Sinnen präsent. Was ich sonst tue, wo ich herkomme, wo ich hin will, wie ich mich dabei fühle, hat keine Bedeutung.

Ich bin.

Alles ist gut und friedlich. Die Stimme aus dem Lautsprecher fordert mich zum Einsteigen auf.

Das Ich-bin ist kein Ort zum Verweilen. Dort kann ich nicht handeln. Beschwingt richte ich meine Aufmerksamkeit auf die S-Bahn und steige ein. Ich habe das Ich-bin gefunden. Dabei ist es mir längst vertraut. Solche kurzen Momente hatte ich schon häufiger. Ich wusste nur nicht, dass es das ist, wonach ich so verkrampft gesucht habe. Jetzt werde ich es leichter finden und erkennen. Ich werde mich hinein entspannen, gerade so lange, bis mein Leben wieder nach Handeln verlangt.

 

Über Alexandra:

alexandra-kusche2007 lernte ich Klopfakupressur kennen und bin seitdem fasziniert von EFT, Familienaufstellungen, Kinesiologie, Somatic Experiencing und vielem mehr. Ich wollte mein Wissen weitervermitteln und brachte im Selbstverlag zwei Romane heraus: “Familienaufstellung oder Ewig Streit mit den Lieben” und “Das Glück in der Dunkelheit”. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass alternative Methoden in unterhaltsame Geschichten eingewoben sind. So können die Lesenden unbekannte Techniken miterleben und auf ihre persönliche Entwicklung übertragen – oder sich nur an den Geschichten erfreuen.

In meinem Blog „Jeden Tag neu denken?“ drehe ich außerdem einmal in der Woche Gedanken um, demontiere Glaubenssätze oder stelle alternative Coaching-Methoden vor.

Mehr über meinen Blog und meine Bücher erfahrt ihr auf meiner Homepage www.alexandrakusche.de. Ich freue mich auf euch.

 

Wünschst auch du dir, präsenter zu sein und mehr im Augenblick anzukommen? Dann schau dir unsere 43 Achtsamkeitsübungen für den Alltag an!

Auch die folgende geführte Meditation wird dir sicher helfen, mehr in dein Ich-bin zu kommen:

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