Kategorien Anzeigen

Erfolg Body Arbeit Beziehungen Deine Welt Glück Seele Podcasts humantrust @Redaktion

Prof. Gerald Hüther: Raus aus der Demenz-Falle

Demenz? Besser wäre es, man gerät gar nicht erst in eine hinein…

Schon mehr als ein Jahrhundert ist es her, als Alois Alzheimer im Gehirn von schwer demenzkranken Patienten all diese Ablagerungen und Degenerationen nachweisen konnte, die seitdem als die Ursache für den bei älteren Menschen immer häufiger auftretenden Gedächtnisverlust gelten.

Und es schien ja auch sehr plausibel: Wenn der altersbedingte Abbau von Hirngewebe so weit vorangeschritten ist, dass davon auch diejenigen Bereiche und Strukturen betroffen sind, die für das Erinnerungs- und Orientierungsvermögen zuständig sind, bekommt man eine Demenz. Zu Alzheimer`s Zeiten hieß das noch Altersschwachsinn.

demenzKein Wunder also, dass immer mehr Demenzforscher in immer mehr Ländern und Forschungseinrichtungen mit immer mehr Aufwand nach Mitteln und Wegen suchten, um diese Abbauprozesse und die damit einhergehenden Ablagerungen zu verhindern. Und mitten in diese intensive Suche hinein platzte dann vor etwa 20 Jahren ein völlig irritierendes Forschungsergebnis.

Ein Epidemiologe aus den USA hatte herausgefunden, dass es auch Personen mit einem genauso stark geschädigten Gehirn gibt, wie die von Alzheimer beschriebenen Gehirne von Demenzpatienten. Aber die waren bis ins hohe Alter geistig fit und zeigten keinerlei Anzeichen einer Demenz.

Weil dieser Befund so gar nicht in das von den Demenzforschern verfolgte und in der Öffentlichkeit verbreitete Bild von den Ursachen der Demenz passte, wurde er zunächst einmal, so gut es ging, verschwiegen, verdrängt und unter den Teppich gekehrt.

Eine zeitlang hat das auch geklappt – bis dann in den letzten Jahren zunehmend deutlicher zu werden begann und in einer Vielzahl von Untersuchungen nachgewiesen werden konnte, dass das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter in der Lage ist, neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen aufzubauen. Und ja sogar neue Nervenzellen zu bilden und auf diese Weise die durch altersbedingte Abbauprozesse auftretenden Defizite durch derartige „Wiederaufbauprozesse“ auszugleichen.

Neuroplastisches Potential nennen die Hirnforscher diese Fähigkeit zur Regeneration und Selbstheilung im Gehirn aufgetretener Abbauprozesse.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse erscheint die Herausbildung von Demenzen in demenz-gehirneinem neuen Licht: Entscheidend ist also nicht der altersbedingte Abbau von Nervenzellverknüpfungen und Verbindungen im Gehirn, sondern die unzureichende Fähigkeit, diese Abbauprozesse durch die Neubildung und den Wiederaufbau entsprechender Netzwerke auszugleichen.

Der Abbau ist ein relativ einfacher Prozess. Der klappt immer. Der Wiederaufbau aber ist sehr kompliziert. Er klappt nur unter äußerst günstigen Bedingungen.

Die herrschen leider für die meisten älter werdenden Menschen hier in unseren westlichen Gesellschaften nicht, wohl aber für diejenigen, die dieser Epidemiologe untersucht hatte: über 400 Nonnen aus verschiedenen Nonnenklöstern.

Was aber ist es, das die Gehirne dieser Nonnen in die Lage versetzt, ihr neuroplastisches Potential so gut zu aktivieren?

Es ist ein Gefühl, dass das Leben dieser Nonnen bestimmt. Die Mediziner, die sich mit der Frage befassen, was Menschen hilft, seltener krank und schneller wieder gesund zu werden, also ihre Selbstheilungskräfte und ihr neuroplastisches Potential optimal zu entfalten, nennen es „Kohärenzgefühl“.

Damit eine Person dieses Kohärenzgefühl entwickeln kann, müsste sie all dass, was in ihrer demenz-nonnejeweiligen Lebenswelt geschieht, als vorstehbar, als gestaltbar und als sinnvoll erleben. Bei den Nonnen ist das bis ins hohe Alter der Fall. Bei uns hier draußen, außerhalb solcher Klostermauern, kann dieses Gefühl nur sehr schwer entstehen. Und je älter wir werden, desto schwieriger wird es, all das, was wir dann erleben als verstehbar, gestaltbar und sinnhaft zu empfinden. Das ist unser Problem und das haben die Nonnen nicht.

Aber wir könnten auch anders leben…

Wir könnten einander helfen, besser als bisher zu verstehen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Wir könnten dieses Leben und vor allem unser Zusammenleben auch so verändern, dass wir uns wieder als Gestalter erleben und unserem Dasein wieder einen Sinn verleihen, der zumindest ein wenig über uns selbst hinausreicht. Anstatt uns gegenseitig zu Objekten unserer Vorstellungen und Erwartungen, unserer Belehrungen und Bewertungen oder gar unserer Maßnahmen zu machen, könnten wir einander auch einladen, ermutigen und inspirieren, uns gemeinsam auf den Weg zu machen.

Wir könnten einander helfen, die Freude am eigenen Entdecken und am gemeinsamen Gestalten wiederzufinden. Das würde auch unsere Freude am Leben zurückbringen und im Hirn die Nervenzellfortsätze wieder sprießen lassen.

Wir könnten das alles durchaus, und wir könnten auch sofort damit beginnen, wenn wir es nur selbst und wirklich wollten. Vielleicht sollten wir es einfach einmal versuchen. Manchmal reicht es schon, einen anderen Menschen anzulächeln, um dieses wunderbare Kohärenzgefühl zu erleben.

Mit herzlichem Gruß,

Gerald Hüther

Mehr Informationen über Demenz findest du in dem Buch:  Gerald Hüther: “Raus aus der Demenz-Falle! Wie es gelingen kann, die Selbstheilungskräfte des Gehirns rechtzeitig zu aktivieren”
144 Seiten
Arkana Verlag

 

 

 

 

Hier gibt es noch einen spannenden Artikel von Prof. Gerald Hüther, der dich vielleicht interessiert…

Prof. Hüther: Wie kann ich meinen Geist dazu bringen, die Komfortzone zu verlassen?

 

Gefällt mir 72 Personen gefällt das

Wie hilfreich fandest du den Artikel?1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

Diskussion

Hole dir dein Gratis-Geschenk für Compassioner-Leser:


Das große Coaching Paket von Veit Lindau.
Sichere dir diesen wertvollen Leitfaden für ein erfülltes, glückliches Leben.

 

Wir schenken dir:
o 4 Audiovorträge mit Veit Lindau
o 1 Geführte Meditation
o Den Lebenskompass

Trag dich dazu hier ein:

 



* Mit der Eintragung bestätige ich die Informationen zum Datenschutz insbesondere nach §13 DSGVO zur Kenntnis genommen zu haben.

 

 

 

fan