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Grüne Welle

Projekt “Sunrise” – Grüne Welle für´s Gemeinwohl

Wie das Projekt „Sunrise“ mit der Greenroom Surf Alliance Surferfreund*innen den nachhaltigen Tourismus und die Gemeinwohl-Ökonomie nahebringt und damit eine moderne Zunft etabliert

Am Anfang dieser Geschichte steht eine Tür. „Economy for the Common Good“ (Gemeinwohl-Ökonomie) – ein Plakat mit dieser Aufschrift klebte an einer der Türen auf einem der langen Gänge an der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria.  Es war die Bürotür von Dr. Matthias Gonzales, Professor für nachhaltigen Tourismus. „Gemeinwohl-Ökonomie? Klingt ja interessant. Diese Tür könnte vielleicht passen“, dachte sich Dr. Philipp-Benedikt Schuster, ohne bereits viel über die Gemeinwohl-Ökonomie zu wissen.

Er war über die Universitätsflure geschlendert, um zu schauen, ob er doch wieder irgendwo einen Fuß in die Tür bekommen könnte. Denn eigentlich hatte er nach seiner volkswirtschaftlichen  Promotion der Wissenschaft einige Jahre zuvor den Rücken gekehrt.  Seine Dissertation über Privatisierung hatte ihn aufgefressen, die Leitplanken des derzeitigen Wirtschaftssystems schienen zu eng, um so etwas wie Sharing Economy dort integrieren zu können, wie er sich eigentlich gedacht hatte.

Wirtschaftswissenschaft, Nachhaltigkeit und Surfsport – geht da was?

Frustriert hatte sich Philipp Schuster daher aus der Forschung zurückgezogen, war mit einem Freund auf eine ausgedehnte Bulli-Tour gegangen, hatte seiner Leidenschaft, dem Surfen, gefrönt und versucht, daraus ein Business zu machen. Das Vorhaben, auf einem Bauernhof ein nachhaltiges Surfcamp mit Permakulturgarten aufzubauen wurde nach vergeblicher Grundstückssuche erstmal wieder auf Eis gelegt.

Grüne WelleDieses sollte erst ein paar Jahre später wieder relevant werden. „Also doch wieder Universität?“, fragte sich Schuster, der mittlerweile nach Gran Canaria ausgewandert war. Könnte es außerdem vielleicht möglich sein, die Leidenschaft fürs Surfen und die Wissenschaft in einem Projekt miteinander zu verbinden? Am besten auch noch anhand eines zukunftsweisenden, alternativen Wirtschaftsmodells, abseits der klassischen Marktwirtschaft, das auf eine ressourcenschonende, werteorientierte Wirtschaftsweise anstatt einer rein monetären Profitorientierung fokussiert? Wäre dieser Wunsch zu kühn?

Eine moderne Zunft für ein gemeinwohlorientiertes Unternehmertum

Nur wenige Jahre später hat das Projekt „Sunrise“ (Surfing Routes in a Sustainable Europe) in Zusammenarbeit mit der Universität und einem sorgsam ausgewählten europäischem Konsortium, unter Beweis gestellt, dass all dies sehr wohl unter einen Hut zu bekommen ist. Der Grundgedanke das Sunrise-Projektes: Am Thema Nachhaltigkeit und Gemeinwohl orientierte und interessierte Surfcamps aus ganz Europa machen ihr Engagement in Form von Gemeinwohl-Bilanzen sichtbar, loten weitere Verbesserungspotenziale aus, gehen in Austausch und stärken sich gegenseitig.

Mit dem neu eingeführten Label „Greenroom Surf Alliance“, das nur Surfcamps erhalten, die ihre nachhaltige Wirtschaftsweise durch die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz nachweisen können, können surfbegeisterte und -interessierte Menschen jetzt nachhaltig aufgestellte Surfcamps eindeutig ausfindig machen. Die Surfcamps, die Teil der „Greenroom Surf Alliance“ sind – in der Regel kleine bis mittelständische Familienbetriebe – bilden einen Zusammenschluss, der einen modernen Zunft gleicht, und sind so in der Lage, sich viel zielgerichteter zu stärken: Ein Projekt, das nach Nachahmung in weiteren Branchen ruft.

Surfen: Natürlich nachhaltig

Grüne WelleAber Moment mal: Surfen und Nachhaltigkeit? Geht das überhaupt zusammen? Ist Surfen nicht einfach ein hipper Spaßsport für Yuppies? Weit gefehlt! Surfen ist Tanzen mit einem Naturelement. Surfer haben die Qualität des Wassers genau im Blick, haben ein Interesse daran, dass es möglichst unverschmutzt bleibt. Es kommt sicherlich nicht von ungefähr, dass ausgerechnet zwei Surfer den Meeres-Müllereimer „Seabin“ entwickelt haben, der allen Meeresmüll in einer ausleerbaren Netztasche sammelt. Insgesamt sechs Surfcamps aus ganz Europa von Nordirland bis nach Portugal und sogar bis nach Nordafrika in Marokko sind derzeit beim Projekt „Sunrise“ mit dabei. Die Arbeit mit den Surfcamps wird geleitet und betreut von der Universität Las Palmas.

Auch die Workshops im Projekt haben bestätigt, dass das Nachhaltigkeitsbewusstsein in dieser Branche viel stärker ausgeprägt ist, als man auf den ersten Blick glaubt: „Einer der Teilnehmer beispielsweise war von vornherein sehr inklusiv aufgestellt und bietet schon lange Surfkurse für Menschen mit Handicaps. Ein weiteres teilnehmendes Surfcamp hat ein Surfboard entwickelt, dass zu 100 Prozent recyclebar ist. Und so könnte ich viel weitere Beispiele nennen“, erläutert Philipp Schuster.

Für eine Wirtschaftswissenschaft, die mehr als den Gewinn im Blick hat

Für ihn hat sich das Projekt „Sunrise“ ebenso gut ausgezahlt: Als Projektmanager hat er jetzt eine sinnstiftende Tätigkeit gefunden, in der er seine Leidenschaft fürs Surfen mit einer wissenschaftlichen Tätigkeit verbinden kann. Auch mit der Wirtschaftswissenschaft hat sich Schuster wieder versöhnt: „Die Gemeinwohl-Ökonomie liefert ein theoretisches Modell und einen praktischen Rahmen, wie ich mir eine ethische, werteorientierte Wirtschaftsweise vorstelle. Sie hat für mich einen Missing Link geschlossen.“ Es bleibt zu wünschen, dass das Sunrise-Projekt weitere grüne Wellen schlägt und sich andere Branchen davon inspirieren lassen. Philipp Schuster hat mit seinen Kolleg*innen eine Tür geöffnet, bei der sich hoffentlich noch viele weitere Unternehmen die Klinke in die Hand geben.

Weitere Infos zum Projekt „Sunrise“, der Greenroom Surf Alliance und zur Gemeinwohl-Ökonomie gibt es hier:

sunriseproject.org (auf Englisch)

www.greenroom-surfalliance.org  (auf Englisch)

www.ecogood.org (auf Deutsch)

 

Über die Autorin:

Stephanie Ristig-Bresser engagiert sich seit drei Jahren für die Gemeinwohl-Ökonomie und als Redakteurin für den deutschsprachigen Raum innerhalb der Bewegung sowie Mitglied des Vorstands des Wiener Gründungsvereins zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie.

www.stephanie-ristig.de

 


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