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Abgrenzung

Menschliche Räume achten – So gelingt deine Abgrenzung

Wie eine gute Abgrenzung gelingen kann.

Der persönliche Raum eines Menschen ist heilig. Naja, für mich ist das so. Für manch anderen leider nicht. Mit der Konsequenz, dass an dieser Stelle immer wieder Kommunikationsbedarf besteht. Lästig aber auch unerlässlich.

Was geschieht, wenn der eigene Raum nicht geachtet wird, weiß wahrscheinlich jeder. Es fühlt sich beengend oder auch beklemmend an, manchmal auch ohnmächtig, je nachdem wie sehr eine unserer Grenzen überschritten wurde.

Dass Abgrenzung ein großes Thema für uns ist, erkennt man daran, dass es so viele Seminare dazu gibt. In Vorträgen stelle ich manchmal die Frage, wem Abgrenzung leichtfällt. Ganz selten geht überhaupt ein Arm hoch. Die umgekehrte Frage lässt die meisten Arme nach oben schnellen. Das mag daran liegen, dass ich mit meinen Vortragsthemen einen bestimmten Typ Mensch anziehe, aber ich glaube, dass sich die Menschen generell schwer damit tun, Grenzen zu ziehen, weil wir häufig gelernt haben, dass ein Nein unhöflich ist oder „man“ das nicht tut.

Damit Abgrenzung gelingen kann, brauchen wir meiner Meinung nach ein tieferes Bewusstsein dessen, was der persönliche Raum eines Menschen bedeutet – und zwar von beiden Seiten.

Freiheit bedeutet, sich im eigenen Raum sicher bewegen zu können und ihn auszudehnen.

Für mich war und ist es immer wieder eine Herausforderung, andere Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich gerade in meinem Raum befinden. Die Reaktionen gehen von eingeschnappt bis zum Kontaktabbruch und doch geht es nicht anders. Denn…

Der persönliche Raum eines Menschen ist heilig.

Nur dieser Mensch kann und sollte darüber entscheiden. Wenn wir uns in unserem persönlichen Raum nicht wohl und sicher fühlen, macht das Leben nicht nur keinen Spaß. Es ist sogar so, dass wir dann die meiste Zeit damit beschäftigt sind, unseren Energiehaushalt wieder in Ordnung zu bringen. Diese Energie fehlt dann, um sie in die Ausdehnung des eigenen Raumes zu investieren.

Was macht den Raum eines Menschen aus?

AbgrenzungIch vermute, dass genau darüber Unklarheit besteht. Nicht generell, sondern bei jedem einzelnen. Der eine erlebt es als Übergriff, wenn ihm ungefragt Ratschläge gegeben werden. Dem anderen fällt das noch nicht einmal auf.

Wie wir unseren Raum definieren ist eine persönliche Angelegenheit!

Es ist für jeden Menschen wichtig zu wissen, was den eigenen Raum ausmacht. Ich war mir selbst sehr lange unklar darüber. Mit der Folge, dass ich mich nur schwer abgrenzen konnte. Ich erlaube Menschen, die mir am Herzen liegen, viel Raum einzunehmen. Das klappt so lange, wie sie es nicht allzu selbstverständlich nehmen. Sobald sie das vergessen, muss ich sie auf meine Grenze hinweisen.

Hier einige Beispiele, was deinen persönlichen Raum ausmacht:

  • Was du gerne tust und was nicht
  • Was du willst und was nicht
  • Wie du dein Leben lebst
  • Wie du etwas machst
  • Wie und was du fühlst
  • Welche Bedürfnisse und Sehnsüchte du hast
  • Welche Werte du hast
  • Was dich interessiert und was nicht
  • Deine Träume und Visionen
  • Dein Körper
  • Deine Zeit
  • Dein physischer Raum

Du siehst, die Liste ist lang. Über jeden dieser Räume bestimmst nur du. Du sagst, wie weit jemand in diese Räume eintreten und sie mit dir teilen darf. Für mich war der wichtigste Schritt, mir klar darüber zu werden, was genau zu meinem Raum gehört und wo es für mich beginnt unangenehm zu werden. Ich erforsche dieses Unangenehme stetig über meine Emotionen und Körperempfindungen. Ist eine Grenze erreicht, spüre ich eine Form von Unwohlsein und der Körper spannt an. Deshalb ist Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit so wichtig.

Spätestens als ich eine Zeit lang mit einem weiblichen Teenager zusammenlebte, durfte ich erfahren, was es bedeutet, wenn mein Raum nicht geachtet wird. Zu dieser Zeit war weder mein Schminkzeug noch mein Kleiderschrank sicher. Was blieb mir übrig, als ihr zu erklären, wie ich es mir wünsche. Es hat sie nicht besonders interessiert, weil sie ihren Raum ganz anders definierte. Für sie war ihr Raum alles, was sich in der Wohnung befindet, in der sie lebt. Entsprechend häufig hat es geknallt.

Was schenkt die Freiheit der Wahl? Ich mag es sehr, wenn Menschen fragen, ob sie an einer bestimmten Stelle meinen Raum betreten dürfen. Ein Beispiel hierfür ist der Mann, der mich fragt, ob er das gemeinsame Dinner bezahlen darf. Ein anderes Beispiel ist die Freundin, die eine SMS schreibt, dass sie etwas mit mir teilen möchte. Sie fragt, wann ich Zeit dafür habe.

Sowohl der Mann als auch die Freundin gehen in diesen Beispielen nicht davon aus, dass ich das will und allzeit bereitstehe. Das empfinde ich als einen sehr achtsamen Umgang mit dem Raum eines anderen Menschen. Sie schenken mir damit die Freiheit der Wahl. Ich fühle mich sicherer und vertraue diesen Menschen mehr. Leider verliert sich diese Art der Annäherung mit der Zeit, wenn Menschen sich näher kommen.

Am Anfang tasten sie sich vorsichtig heran. Nachdem der geliebte Mensch einige Male auf dieselbe Weise reagiert hat, glauben sie, dass er zukünftig immer so entscheiden wird. Es wird eine Erwartung daraus. Wenn er dann einmal anders entscheidet, sind sie enttäuscht. Was ist geschehen? Sie haben gedacht, sie kennen sich im Raum des Anderen aus. Was für ein Irrtum.

Zweimal gleich gehandelt ist keine Garantie für eine Regel!

Was sagt die Gehirnforschung dazu?

AbgrenzungDie Ursache für diesen Irrtum liegt in unserem Gehirn. Es hat die Angewohnheit, bei häufiger Wiederholung in einen Routinemodus zu fallen. Es geht fälschlicherweise davon aus, dass es den anderen kennt, wenn dieser sich ein paarmal gleich verhalten hat. Die gute Nachricht ist deshalb: Wir können nichts dafür! Unser Gehirn versucht einfach nur Energie zu sparen.

Immerhin benötigt es bis zu 20 Prozent unseres Gesamtenergieverbrauchs. Ein weiterer Vorteil ist, dass uns diese Fähigkeit des Gehirns mehr Sicherheit spüren lässt. So empfinden wir seltener Furcht vor dem Unvorhersehbaren. Eine sehr schöne Illusion.

Aus diesem Grund ist es am Anfang ein bisschen anstrengend, bewusster zu sein. Der Geist ist nicht besonders daran interessiert, seine Denkgewohnheiten zu verändern.

Auch Verhaltensänderungen sind für unser Gehirn Energiefresser. Es lehnt sich dagegen auf und versucht den alten Zustand wiederherzustellen. Deshalb benötigen wir vor allem Disziplin und Wachheit, wenn wir etwas langfristig verändern wollen.

Halten wir fest: Das Gehirn ist stinkfaul!

Kleiner Scherz! Tatsächlich ist es ein Höchstleistungsapparat.

Welche Einsicht befreit?

Wenn wir so handeln, wie zuvor beschrieben, sind wir nie sicher, wie ein Mensch reagieren wird. Seine Abgrenzung trifft uns unvorbereitet, wenn wir von den falschen Voraussetzungen ausgegangen sind.

Deshalb ist es empfehlenswert, sich diesen Sachverhalt bewusst zu machen:

Ein anderer Mensch ist eine Black-Box – IMMER!

Wir können uns nicht darauf verlassen, dass er auf die eine oder andere Weise handelt. Je eher wir das anerkennen, desto leichter wird es mit der Kommunikation. Denn achtsame Kommunikation nimmt genau hierauf Rücksicht.

Nichts im Umgang mit einem anderen Menschen ist selbstverständlich!

Erkennen wir das an, lernen wir zu fragen, ob etwas erwünscht ist. Unser Gegenüber spürt, dass sein Raum geachtet und respektiert wird. Er oder sie wird sich sicherer in seinem Raum fühlen und eher vertrauen.

Es ist angenehmer NEIN zu sagen, wenn wir gefragt werden, als wenn der andere schon mit der Tür ins Haus gefallen ist.

Mit wem verbringst du lieber Zeit? Mit einem Menschen, der achtsam mit deinem Raum umgeht oder mit jemandem, der einfach eintritt, ohne anzuklopfen?

Deshalb ist das Einzige, das wirklich Sicherheit gibt, die Einsicht, dass wir nichts (über den anderen) wissen.

Ist es einer deiner Werte?

Für mich ist der achtsame Umgang mit Raum ein wichtiger Wert. Auf diese Weise erhalte und schenke ich Freiheit in meinen Beziehungen. Menschen, die mich an dieser Stelle nicht allzu selbstverständlich nehmen und meine Grenzen achten, sind mir angenehm. Sie dürfen mir näherkommen. Die anderen halte ich etwas weiter entfernt, bis sie gelernt haben, meinen Raum zu achten.

Andererseits bemühe ich mich zu fragen, ob jemand gerade offen für meine Wünsche und Bedürfnisse ist. Das klappt auch bei mir nicht immer. Was dieses Thema angeht, gibt es noch viel Luft nach oben. Was für mich zählt, ist das Engagement dafür, nicht Perfektion in der Umsetzung. Wer Perfektion erwartet, wird wenig Spaß in Beziehungen haben. Hier schleicht sich gleich eine neue Erwartung ein.

Die Würdigung des Raumes – meines und den eines anderen – ermöglicht es, Menschen als eigenständige Wesen anzuerkennen und nicht als erweiterten eigenen Raum.

Wie handhabst du das? In beide Richtungen…

Fragst du vorher, wenn du den Raum eines anderen Menschen betreten möchtest? Magst du es, wenn dich jemand vorher fragt?

Alles Liebe,

Deine Claudia Heipertz – Wahrnehmungsguide

www.claudiaheipertz.de

 

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