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Wie eine Regionalwährung die lokale Wirtschaft stärkt

Die Geschichte des Bristol Pound

Eine Regionalwährung ist eine der Möglichkeiten, lokale Wirtschaftskreisläufe zu etablieren und damit Kommunen wieder zum Erstarken zu bringen. Der Bristol Pound gilt als eine der erfolgreichsten Lokal-Währungen Europas. Dieser Artikel erzählt seine Erfolgsgeschichte.

Es herrschte buntes Markttreiben, und die alten Bristoler Traditions-Standuhren zeigten Hochwasser an, als Bristols Bürgermeister George Ferguson, am 18. September 2012 exakt um 12.11 Uhr Ortszeit einen Laib Brot erwarb. Mit einer ganz besonderen Note: einem Bristol Pound. Der Zeitpunkt, der Ort, der Repräsentant: das Medienereignis war perfekt vorbereitet, die Resonanz enorm. Der Bristol Pound war offiziell gestartet.

Bereits zu diesem Zeitpunkt hatten sich mehr als 300 Unternehmen und Organisationen in Bristol entschlossen, den Bristol Pound als zweites offizielles Zahlungsmittel neben dem britischen Pfund zu akzeptieren. Drei Jahre lagen zwischen den ersten Treffen im Umfeld von Transition Town Bristol und der Gründung des Bristol Pound im Jahr 2012. Seitdem hat sich die Zahl der teilnehmenden Unternehmen fast verdreifacht. Mehr als 800 Unternehmen werben damit, den Bristol Pound einzusetzen. Auch die Angestellten der Bristoler Stadtverwaltung haben die Möglichkeit, sich ihr Gehalt in Bristol Pound auszahlen zu lassen. Ihr ehemaliger Bürgermeister George Ferguson ging mit gutem Beispiel voran und machte von dieser Möglichkeit zu 100 Prozent Gebrauch.

Erfolgsfaktor 1: Die lokalen Steuern können in Bristol Pound bezahlt werden

regionalwaehrung„Dass George Ferguson in Sachen Bristol Pound so mitgezogen, ist sicherlich einer der Erfolgsfaktoren. Schließlich hat er sich auch dafür stark gemacht, dass Gewerbe- und Kommunalsteuern in unserer Lokalwährung bezahlt werden können“, ist sich Michael Lloyd-Jones, Bristol Pound CIC Ltd., sicher, und er ergänzt: „Außerdem gehören ihm einige Lokale und die Bristol Beer Factory. Sie waren dann auch gleich als erste Kundinnen dabei.“ Lloyd-Jones stieß im September 2011 zunächst als Ehrenamtlicher zu Bristol Pound. Zuvor arbeitete der Betriebswirt als Vertriebsleiter bei einem Handelsunternehmen, hatte aber bereits Erfahrung bei einem Bürger*innenverein gesammelt. Der Mix, weiterhin in einem betriebswirtschaftlichen Kontext zu arbeiten und sich dennoch für einen guten Zweck einzusetzen, gefiel dem 33-jährigen und er sattelte um.

Erfolgsfaktor 2: Wichtige strategische Partner*innen

Lloyd-Jones zählt einige weitere Erfolgsfaktoren auf: „Wir haben von Anfang an strategisch wichtige Partner*innen mit ins Boot geholt.“ So wurde zum Beispiel das größte lokale Busunternehmen First Bus gewonnen, das die meisten innerstädtischen Bushaltestellen anfährt. Vertrauen erweckend ist sicherlich auch, dass mit der Bristol Credit Union eine seriöse lokale Bank als Partnerin dabei ist. Sie garantiert für jeden Bristol Pound ein britisches Pfund zum Rücktausch. Zudem können alle Beteiligten diverse Zahlungsmöglichkeiten nutzen – sowohl Cash als auch online, mit SMS oder App. In jeder Variante haben sie die Möglichkeit, die Regionalwährung in Euro zurück zu tauschen. Das gibt den mehr als 1.500 Kund*innen ein sicheres Gefühl.

Erfolgsfaktor 3: Die Banknoten – Besonderes Design aus Bürger*innenhand

„Bristol Pound. Our City. Our Money.“ hat sich in einer gewissen Szene in Bristol schon zum geflügelten Wort entwickelt. Man geht in die Läden, die den Bristol Pound akzeptieren, ist stolz auf das eigene Geld der Heimatstadt. Das Umlaufvolumen beträgt freilich nur 1,5 Millionen Pfund – eine kleine Summe. Doch die beteiligten Unternehmen seien begeistert „vor allem, weil sich das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander stärkt“, versichert Lloyd-Jones. Das liege besonders an den Banknoten, deren Design in Form von Wettbewerben, an denen sich alle beteiligen können, quasi in Bürger*innenhand bleibe.

Regionalwährung: Erfolgsmodell für deutsche finanzschwache Kommunen?

regionalwaehrungAuch für manche deutsche Kommune könnte eine Regionalwährung ein Versuch bedeuten, zumindest zum Teil aus der schier unaufhaltsamen „Schuldenspirale“ auszubrechen. Die 30 Regionalgeld-Initiativen im deutschsprachigen Raum gleichen kleinen gallischen Dörfern. Sie versuchen diesen Prozess mit ihren Mitteln zu durchbrechen. Lokale Währungen schaffen kommunale Kreisläufe, stärken lokales Unternehmer*innentum wie auch den städtischen Haushalt selbst.

In Süddeutschland macht man es klug vor: Der Chiemgauer aus Traunstein gilt als die erfolgreichste Regionalwährung neben dem Bristol Pound.

Anfang gut, Ende offen: Ob der Bristol Pound eine Erfolgsgeschichte wird, zeigt sich dieses Jahr

Mit der politischen Unterstützung, die die britische Vorzeigewährung erfährt, könnte das Regionalwährungs-Experiment zum Erfolgsmodell werden. Doch noch scheint es in Deutschland keine politische Entscheidungsträger*in zu geben, die die Gunst der Stunde nutzt. Eine Lokalwährung kann als Markenzeichen fungieren und das Profil einer Stadt schärfen. Mit dem Thema „Essbare Stadt“ ist das der Stadt Andernach vor einigen Jahren gelungen; sie ist dafür mittlerweile vielfach ausgezeichnet. Angesichts der sich ausweitenden Finanzkrisen könnte eine neue Lokalwährung in der Tat zum neuen Trendthema avancieren.

Aber auch, wenn man es richtig angeht und viele Schulterschlüsse wagte – siehe Bristol Pound – ist eine Zweitwährung nicht ohne weiteres etabliert. Die vier Stellen, mit denen die Bristol Pound CIC Ltd. ausgestattet ist, werden über ein EU-Förderprojekt finanziert. Das ist Ende 2016 ausgelaufen. In diesen Monaten zeigt, ob der Bristol Pound auch auf eigenen Füßen stehen kann. Hoffentlich mit viel weiterem Rückenwind von Entscheidungsträger*innen und Unternehmer*innen aus einer mutigen, stolzen Stadt.

Auch in Deutschland gibt es bereits einige Regionalwährungen, die sich zumeist im Verein „Regionalgeld e.V. organisiert haben. Hier gibt es mehr Informationen:
https://regionetzwerk.blogspot.de/

Dieser Artikel ist dem Lesebuch „Anders leben, besser wirtschaften“ entnommen, das die Autorin in Kooperation mit der SLU – Stiftung Leben und Umwelt – Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen im Jahr 2015 realisiert hat. Es ist hier downzuloaden

 

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