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Beziehung-entwickeln-Gespräch

Warum rosa Wattebällchen in einer Beziehung NICHTS zu suchen haben

Ich weiß, ein etwas sperriger Titel für einen Artikel über Beziehung. Sorry dafür. Aber er ist treffender denn je, wie ich in vielen meiner Paarsitzungen feststelle.

Zunächst sind rosa Wattebällchen ja nichts Schlimmes. Sie sehen süß aus und tun auch nicht weh, wenn man den anderen damit bewirft. Kleine, süße Denkanstöße für den Partner.

Dahinter stecken aber meistens Erwartungen, Wünsche, Vorstellungen und Forderungen an den Partner – in rosa Watte verpackt. Und die kommen oft nicht so richtig rüber, weil sie eben so süß und kuschelig verpackt sind.

Und diese Art der Paarkommunikation macht auch Sinn – sie erhält  Beziehung und blendet strittige Themen und eventuell auch Streit aus.  Manchmal aber spülen wir damit unsere Wünsche und Forderungen so weich, dass sie vom anderen nicht mehr als „ernst“ wahrgenommen werden. Er nimmt uns dann nicht mehr ernst.

Fazit: Wir bleiben auf unseren Erwartungen sitzen. Das frustriert und ist schleichendes Gift für die Beziehung.

reden-in-Beziehung-hilftWas wäre die Alternative? Eigentlich ganz einfach – offene Gespräche mit offener erwachsener Ansprache, wie es einem geht, was einem fehlt und was man gerne für sich hätte.

Der Nachteil: Wir sind meistens bemüht, die Beziehung und die dahinter steckende Bindung aufrecht zu erhalten. Und rosa Wattebällchen dienen oft dazu, genau das zu tun. Den anderen nicht mit Wünschen und Bedürfnissen zu überfordern, möglichst lieb und nett zu sein (auch wenn einem das Messer schon innerlich aufgegangen ist), um so eine Art Burgfrieden zu schließen, unter dem beide leiden.

Jedes Geschlecht hat unterschiedliche Wattebällchen

Ganz nebenbei: Es scheint verschieden ausgeprägte rosa Wattebällchen zu geben – geschlechtsspezifisch.

Bei Männern stelle ich oft fest, dass sie verstummen, sich zurückziehen und aus dem Kontakt gehen. Also selbst vor den rosa Wattebällchen ihres Partners flüchten und versuchen, sich unsichtbar zu machen.

Frauen – so meine Beobachtung – werfen oft Wünsche und Bitten in den Partnerschaftsring. Wenn sie dabei auf einen stummen Mann treffen, dann ist oft stille-in-der-beziehungwiederholtes Werfen angesagt. Aber: Ohne Konsequenz, ohne klare Aussprache. Die rosa Wattebällchen gehen in die Leere. Ein tagesfüllendes Programm. Fazit wiederum: Beide unzufrieden.

Ein möglicher Ansatz – sich immer wieder dem zu stellen, was gerade ist und was ansteht. Achtsamkeit in der Partnerschaft also – ich spüre mich und den anderen und reagiere darauf.

Dann im zweiten Schritt darüber zu reden, es anerkennen, dass da etwas ist, das geklärt gehört. Und es auszuhalten, dass in einer erwachsenen Beziehung auch unterschiedliche Meinungen da sein können. Und man sich trotzdem liebt.

Dass unterschiedliche Ansichten nicht automatisch das Ende der Beziehung bedeuten, sondern ein erwachsenes Miteinander und das Ausloten der gemeinsamen Schnittmenge.

Mut und Disziplin für eine neu gestaltete Beziehung

Aber genau das erfordert Mut und Disziplin. Mut deswegen, weil du neues Verhalten ausprobieren musst und auch Differenzen aushalten lernst. Und dabei vielleicht gegen eine eigene, historisch gewachsene Verhaltensweise ankämpfst, die für dich neu ist und die dir auch Angst macht.

feuer-in-beziehungDisziplin, weil sich dein bisheriges Verhalten automatisch immer dann dazwischen schiebt, wenn es eng wird. Sprich, wenn es unterschiedliche Meinungen in der Partnerschaft gibt, die eigentlich ausdiskutiert gehören.

Dann gehst du in den gelernten Fluchtmodus. Und hier könnte ein Lernweg sein, dass du immer schneller bemerkst, wann dein automatischer Fluchtmodus zuschlägt. Wie er sich bemerkbar macht und wann die Stimmung kippt.  Das zu bemerken, stehen zu bleiben, kurz durchzuschnaufen und dann umzuschalten – das ist die Kunst, die neu gelernt werden will.

Zu diesem Erkennen gehört auch, dass du dich mit den Stimmen in deinem Kopf auseinander setzst. Stimmen, die dir vielleicht pausenlos sagen, dass das sowieso nichts bringt, dass es wieder unendlich lange Diskussionen gibt…und dass du dich besser zurückziehst oder eben in den Klagemodus ohne Konsequenz gehst.

Auf die Stimmen im eigenen Kopf zu achten bedeutet, den Fokus auf das JETZT zu legen. Achtsam präsent zu bleiben und nicht aus Erfahrungen aus der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen. Und irgendwann auch die Projektionen zu erkennen, mit denen wir unsere Kindheitserfahrungen (meistens) jetzt als Erwachsene auf unseren Partner richten. Denen widerstehen. Präsent bleiben. In der Gegenwart.

Klare Kommunikation unter Erwachsenen ist ein erster, guter Schritt

Reden hilft immer. Wenn wir uns nicht mitteilen, überlassen wir uns und den anderen dem Kopfkino, dem eigenen Mindfuck und spielen das Spiel „Was wäre, wenn“. Anstatt durch ein Gespräch für Klarheit zu sorgen. Auch weil durch ein Gespräch wieder ein erster Kontakt entsteht. Im Gegensatz zu schweigen und Rückzug – damit gehen wir aus dem Kontakt und schaffen Distanz. Und wir Menschen brauchen den Kontakt.

Richtiger Kontakt übrigens entsteht nur an unseren Grenzen. Also da, wo wir selbst unsere Be-Grenzung spüren und auch unser Partner uns spüren kann. Unsere Grenzen sind auf der einen Seite unsere Haut, aber auch das klar ausgesprochene „Nein, ich will das nicht so“. Genau an diesen Grenzen entsteht Reibung und damit sprichwörtlich auch Kontakt. Im Gegensatz zu den rosa Wattebällchen, die wir nicht spüren. Weil sie entweder zu leicht und fluffig sind oder wir schon viel zu weit weg geflüchtet sind und die rosa Wattebällchen auf den Boden fallen. Ohne uns zu treffen.

Meine Erfahrung: Viele Paare haben gerade diesen lebendigen und vitalen Kontakt verlernt, weil sie sowohl ihre eigenen als auch die Grenzen des anderen nicht mehr kennen. Und sich damit voneinander entfernen. Distanz schafft dabei immer mehr Distanz.

Obwohl wir uns eigentlich nach Nähe und Kontakt sehnen. Nur Nähe schafft noch mehr Nähe.

Und vielleicht versuchst du als ersten Schritt wieder mehr Nähe durch das Gespräch. Über dich, deine Bedürfnisse, deine Grenzen und lädst deinen Partner dazu ein, dasselbe auch für seine Seite zu tun. Was vielleicht unterstützt: Schaut euch beim Reden in die Augen, dann habt ihr an zwei Punkten Kontakt – eure Augen und eure Stimmen.

Klärung-in-einer-beziehungIch drücke euch die Daumen.

Volker Hepp

http://www.volkerhepp.com

Eine Möglichkeit, sich als Paar wieder anzunähern und sich und den anderen neu zu entdecken ist zum Beispiel die fortlaufende Gruppe Persönlichkeitsentfaltung.

 

 

Und hier haben wir auch noch einen schönen Artikel zum Thema…

Echte Kommunikation – Bei sich selbst bleiben und mit dem Herzen spüren

 

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