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Schatten und Licht – was wir von unseren Eltern lernen können

Gemeinhin haben wir einen kleinen Graben mit unseren Eltern, aber es gibt so viel Wunderbares, was wir von unseren Eltern lernen können.

Am vergangenen Wochenende habe ich  eine Reise zu meinem geliebten Muttilein unternommen. Wir begegnen einander ganz regelmäßig, aber  dieses Mal war unsere gemeinsame  Zeit von  besonderer Intensität.

Gemeinsam Nostalgie mit den Eltern fühlen verbindet

Meine Mutter erblickte  am 20.März 1929 das Licht der Welt, ihr Geburtstag steht also kurz bevor, und sie kann nun auf 90 Lebensjahre zurückblicken. Wir haben das zum Anlass genommen, nochmal gemeinsam auf die Reise zu gehen, gemeinsam sozusagen Nostalgie zu fühlen, indem wir einen Blick auf ihre Lebenslinie nahmen  und so ihre sagenhafte Geschichte beleuchteten.

Meaning makings – den Sinn neu anfertigen

Dieses  gemeinsame Erinnern,  das mir tiefe Einblicke in das Leben meiner Mutter gewährte, war für mich sehr emotional, und ich empfand es als großes Geschenk, dass sie ihren ganz persönlichen Mythos mit mir teilte.

Beim  Durchleuchten des Erlebten kamen natürlich  auch existentielle Fragen ans Licht, weshalb der Blick zuweilen  auch aufwühlend und schmerzhaft sein kann, am Ende aber hält er das Tor zu uns selbst bereit und führt uns  zu mehr Selbstverständnis.

Wir haben die Möglichkeit eines brandaktuellen Meaning makings; wir können den Sinn also nachträglich neu anfertigen und dem Geschehenen so einen neuen Rahmen geben.

Schatten und Licht im Lebensrückblick – durchlichten oder überschatten?

Klar, unsere gemeinsame Reise führte uns an viele verschiedene Plätze, durch unterschiedlichste Szenarien – idyllische und fordernde. Durch Schatten und Licht. Meine Mutter ließ all das in ihrer wunderschönen Sprache wieder lebendig werden, weshalb ich hier ein paar Bilder von meinen Eltern mit euch teilen möchte:

So berichtete sie sehr farbenfroh, dass ihr Vater oft Gitarre spielte und ihre Eltern gemeinsam dazu sangen. An lauen Sommerabenden gesellten sich Nachbarn dazu, und auch im Winter beim knisternden Herdfeuer wurde gesungen. Auch ihren ersten Verlust schilderte sie mir eindrücklich: 1934, an einem sonnendurchfluteten Septembertag, trugen die Kinder das über den Sommer in einer Finne getrocknete Holz in den Schuppen.

Ihre Großmutter schichtete das Holz. Um  16:30 Uhr sagte sie, dass sie sich nicht wohlfühle und zu Bett gehe. Das schien unfassbar. Die Großmutter, deren Hände nie ruhten, ging noch vor Sonnenuntergang zu Bett. Sie hatte in ihrem ganzen Leben noch keinen Arzt aufgesucht und würde es auch nicht tun. Sie starb in dieser Nacht.

Das sollte nicht der einzige Verlust meiner Mutter bleiben. Sie würde in ihrem Leben noch viele Verluste durchleben.  1944 würde sie ihren Bruder verlieren,  der  im Alter von  nur 22 Jahren in Italien auf eine Mine trat.

Sie würde schwere Zeit haben, sie würde leiden –nicht nur Hunger. Und sie würde siegen und scheitern, lieben und verachten, ihr Abitur machen, aber nie Sportlehrerin werden, sie würde um ihre Brüder bangen, von denen der letzte erst 1950 aus dem Krieg heimkehrte.

Sie  würde den Krieg überstehen und bemerken, dass selbst in schwersten Zeiten schöne Erlebnisse versteckt sein können – wie das erste Verliebtsein. Die Zeit  würde voranschreiten und eine ungeheure Lebens-und Vergnügungslust würde sich bei den jungen Menschen  breitmachen. Dann würde sie heiraten und diesen 15.Mai 1954 später beschreiben als einen strahlenden Frühlingstag, an  dem die Bäume in zarten Farben blühen.

Ein Tag, wie Seide so leicht und von seltener Schönheit…

Diese seltene Schönheit würde sich verflüchtigen, aber auch in dieser späteren  Zeit würde es Ereignisse und Momente geben, in denen sie glücklich ist. Bei der Geburt ihrer Kinder zum Beispiel,  von denen sie sagt, sie seien das größte Geschenk, das ihr vom Leben überreicht wurde.

Heute nun, nachdem all das hinter ihr liegt,  wird es ihre Entscheidung sein, auf welche Ereignisse sie ihren Fokus legen wird, welchen Spuren sie folgt.

Eines wurde mir beim Lauschen sehr bewusst: Unsere  Erinnerungen an unsere Vergangenheit machen nicht nur Sinn, sondern geben uns Sinn.  Je älter wir werden, je bewusster wir uns unserer existentiellen Vergänglichkeit werden, desto wichtiger wird der Blick auf die Spuren, die wir hinterlassen haben auf unserer Lebenslinie.

Und diese gibt es ohne Zweifel in jedem Leben. Es lohnt sich, einen genauen Blick darauf zu werfen und sich zu erinnern, denn selbst wenn wir glauben, mehr Trauriges als Schönes erlebt zu haben, wird ein detaillierter, bewusster Blick auf das ganze Leben uns auch an die schönen Momente heranführen, deren Erinnerung durch die Gewalt des Traurigen oft verblasst.

So  haben meine Mutter und ich uns an ein paar Zeilen von Hugo von Hofmannsthal erinnert, der  einst schrieb:

„ Es gibt viel Trauriges in der Welt und viel Schönes. Manchmal  scheint das Traurige mehr Gewalt zu haben, als man ertragen kann, dann stärkt sich indessen leise das Schöne und berührt wieder unsere Seele.“

Die gemeinsame Zeitreise mit meiner Mutter hat meine Seele sehr berührt , und ich empfand sie als Offenbarung

Sie brachte wie ein Mythos existentielle Fragen auf den Punkt und versuchte Antworten zu finden, in denen sich der tiefe Sinn schicksalhafter Begebenheiten und Verstrickungen offenbart.

Dass dies möglich war, dafür bin ich ihr und meinen Eltern sehr dankbar.

Wenn auch du deinem persönlichen Mythos Raum geben möchtest, findest du hier einen sehr aufschlussreichen Fragenkatalog zu diesem Thema. Erstellt von der Sinnforscherin Professor Tatjana Schnell.

Ich wünsche dir viel Spaß bei deiner ganz persönlichen Reise und  wertvolle Ein-und Aussichten!

Von Herzen

Beate

  1. Stellen Sie sich Ihr Leben als ein Buch oder einen Film vor. Teilen Sie es nun in mehrere Kapitel ein und betiteln Sie diese. Über die Anzahl der Kapitel können Sie frei entscheiden (es sollten jedoch nicht weniger als drei und nicht mehr als sieben sein). Es ist sinnvoll, zu diesem Zweck ein extra Blatt zu verwenden, und dort einen Pfeil als Zeitleiste aufzuzeichnen. Ob Sie Ihr Leben bis heute darstellen, oder auch Ihre Erwartungen der Zukunft mit abtragen, bleibt Ihnen überlassen.
  2. Denken Sie nun über Schlüsselerlebnisse in Ihrem Leben nach:

Das schönste, besonderste, großartigste Erlebnis meines Lebens war … (Warum?)

Ein wichtiger Wendepunkt in meinem Leben, ein Moment, der dazu geführt hat, dass ich mich deutlich verändert habe, war … (Wodurch kam dieser Wendepunkt zustande?)

Das schlimmste Erlebnis in meinem Leben war… (Wodurch kamen Sie über diesen Augenblick hinweg?)

Wenn die ersten Fragen dein Interesse geweckt haben, geht es hier zu dem gesamten Fragenkatalog:

http://www.sinnforschung.org/mein-lebenssinn/leitfaden/persoenlicher-mythos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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