Kategorien Anzeigen

Erfolg Body Arbeit Beziehungen Deine Welt Glück Seele Podcasts humantrust @Redaktion

titel-schüchterner-erobert

Wie man als Schüchterner die Welt erobert

 

Für viele Menschen, die unter Schüchternheit leiden,  ist diese Situation ein Klassiker: Bei der Aussicht, mit fremden Leuten reden zu müssen, stellen sich einem die Nackenhaare auf und die Nerven gehen mit einem durch. In Dauerschleife schwirren nur noch diese Fragen im Kopf herum: „Was denken die Leute von mir?“ „Mache ich mich lächerlich?“ „Was ist, wenn ich etwas Falsches sage?“ Melina Royer kennt das aus eigener Erfahrung und hat sich lange Zeit selbst für “die schüchternste Person auf dem Planeten” gehalten.  Über ihren Weg zu mehr Mut und Selbstvertrauen hat sie ein Buch geschrieben: “Verstecken gilt nicht! Wie man als Schüchterner die Welt erobert“.

Wir freuen uns sehr, dass Melina sich für ein Interview mit uns Zeit genommen hat.

Liebe Melina, um was geht es in deinem Buch?

schuechternheit

Melina Royer

In meinem Buch geht es darum, seine Ängste beherrschen zu lernen. Es gibt keinen Zaubertrick, dass Ängste und Zweifel für immer verschwinden, aber es ist wichtig, dass wir der Boss über unsere eigenen Gefühle sind. Sonst verhalten wir uns wie Marionetten und das Leben passiert einfach nur, während wir hilflos zuschauen und nie unsere Stärken und Talente mal richtig einsetzen können. Wie tragisch!

Wie hat sich die Schüchternheit bei dir geäußert?

Ich konnte früher kaum mit Fremden sprechen, ohne dass meine Stimme zitterte und ich mitunter Silben verschluckte. Natürlich war mir das so unangenehm, dass ich für die Zukunft beschloss, dann lieber gar nichts mehr zu sagen, um mich nicht lächerlich zu machen. Im Job war ich immer zu ängstlich, bei Kleinigkeiten kurz Rücksprache per Telefon zu halten oder Blickkontakt zu halten, wenn jemand mit mir sprach. Von Präsentationen und Meetings wollen wir lieber gar nicht erst sprechen, das ist der Horror für schüchterne Personen. Mich trieb immer die Frage um: Wenn ich nicht einmal in der Lage war, alltägliche Anforderungen wie Telefonieren zu bewältigen – wie soll ich mich da beruflich weiterentwickeln und meinen Vorgesetzten meine Stärken zeigen? Wer soll mir Verantwortung übertragen, wenn ich beim Kontakt mit Kunden und Kollegen panisch werde?

Was denkst du, woher Schüchternheit kommt?

Ich glaube, das ist ein wilder Mix aus Veranlagung, persönlichen Erlebnissen und natürlich auch kulturellen Einflüssen. Viel hängt mit antrainiertem Verhalten als Reaktion auf unser Umfeld zusammen. Aber die Frage nach dem Ursprung der eigenen Schüchternheit ist für mich auch keine Schuldfrage, bei der man die Verantwortung einfach abgeben kann und es auf “die schlimme Kindheit” schiebt. Letztlich müssen wir alle selbst die Verantwortung für unser Leben übernehmen und unsere Ängste in den Griff bekommen.

Warum haben Schüchterne es so schwer, sich im Alltag zu behaupten?

Das Schlimme ist, dass man einen Kampf gegen sich selbst führt, der sich durch alle Lebensphasen ziehen kann. Häufig denkt man, dass sich die Schüchternheit aus der Jugend mit der Zeit von alleine legt, wenn man älter und erfahrener wird. Aber das stimmt leider nicht in allen Fällen. Bei einigen nehmen die Selbstzweifel auch so stark zu, dass sie sich mehr und mehr zurückziehen und kaum noch jemanden an sich heranlassen. Das erzeugt sehr großen Leidensdruck.

Das heißt, das Problem ist nicht unbedingt das Umfeld, sondern man selbst?

Teils ja. Durch meine negativen Annahmen und Ängste habe ich mich selbst blockiert und so blieben mir wertvolle Kontakte und viele schöne Erfahrungen im Umgang mit anderen verwehrt. Meine abwehrende Haltung anderen gegenüber wurde mir als Arroganz ausgelegt. Und das wiederum deutete ich natürlich als Bestätigung für meine negativen Glaubenssätze („die mögen mich eh nicht“) – so wird das Ganze zu einem Teufelskreis, aus dem man schwer herauskommt.

Und wie hast du es dann letztlich geschafft, die Schüchternheit zu überwinden?

schuechternheit-1Ich habe mir vorgenommen, in kleinen, zumutbaren Schritten mehr aus mir herauszukommen und frage mich zum Beispiel auch jetzt immer noch bei jeder neuen Situation: „Ist das eine Gelegenheit zu wachsen und anderen etwas zu geben?“ Ich musste dabei auch meine Sicht auf Misserfolge grundlegend verändern. Die Angst vor einem Fehler war so riesig, dass ich erstarrte und lieber gar nichts mehr tat, selbst wenn es mir Freude bereitet hätte.

Darum liebe ich das Motto „Failing Forward“. Es eröffnet einem den Blick auf eine ganz neue Perspektive: Hinfallen ist gut. Hinfallen heißt lernen. Es gibt keinen Erfolg und kein Wachstum, wenn ich diese Erfahrung nicht mache.

Hast du ein paar Tipps, die man sofort umsetzen kann?

Tipp 1: Einer meiner Lieblingstipps, weil er so universell für vieles im Leben ist: Sport.

Kleine sportliche Erfolge haben mir schnell neuen Mut und mentale Stärke gegeben. Man wird wesentlich stressresistenter und kann sich besser auf neue Situationen einstellen.

Tipp 2: Affirmationen stärken das Selbstvertrauen

Sich mit solchen positiven Glaubenssätzen ein Ziel vorzugeben, programmiert nach und nach die eigene Wahrnehmung um: „Ich werde das schaffen und an dieser Herausforderung wachsen“. Sprache ist so ein mächtiges Werkzeug! Wie wir mit uns selbst reden, ist absolut entscheidend dafür, wie wir uns fühlen. Das passiert nicht über Nacht, man muss am Ball bleiben und immer wieder gegen negative Gedanken ankämpfen. Sehr hilfreich ist hier zum Beispiel das Führen eines Dankbarkeitstagebuchs oder das 5-Minuten-Journal.

Tipp 3: Unterstützung suchen

Wir brauchen unbedingt Menschen, die sagen: „Komm versuch es nochmal, bald wirst du sicherer werden.” Mein bester Freund und Impulsgeber ist mein Mann. Er hilft mir, meine Ängste und Befürchtungen in ein vernünftiges Verhältnis zu setzen. Je öfter ich mich ihm und anderen mitteile, desto häufiger stelle ich fest, wie viel positiver eigentlich die Wahrnehmung anderer ist als meine eigene. Dieser Realitätsabgleich ist sehr wichtig, damit man nicht in seiner negativen Gedankenwelt verweilt.

Welche Erfolge hast du seitdem erzielt?

Als ich langsam anfing mich zu öffnen, habe ich meinen Blog “Vanilla Mind” gegründet. Ich wollte mein Wissen teilen, aber auch lernen mich anderen mitzuteilen. Mein Glaubenssatz war immer: “Andere werden mich nicht wahrnehmen oder wegen meiner Probleme belächeln.” Der Blog hat das Gegenteil bewiesen: Eine bestimmte Personengruppe schätzt es, dass ich offen bin und mein Wissen teile.

Nicht jeder muss mich mögen, aber für eine kleine Gruppe Menschen zählt mein Wissen. Das war auf alle Fälle ein einschneidendes Erlebnis. Ich habe seitdem viele Zweifel überwunden und war 2015 sogar zu diesem Thema bei 3Sat im Fernsehen zu sehen. Ich habe auch meinen Job gekündigt und mit meinem Mann etwas Eigenes auf die Beine gestellt. Und dann ist da ja noch mein Buch, “Verstecken gilt nicht” – nichts von dem wäre so gekommen, wenn ich nicht beschlossen hätte, meine Opferrolle zu verlassen und mich ins Leben zu stürzen.

Liebe Melina, es wirklich toll, wie du dich jetzt zeigst und ich sehe ja von Schüchternheit keine Spur mehr 😉 – Hab herzlichen Dank für das Gespräch!  Wir sind sicher, dass dein Buch vielen zurückgezogenen Menschen eine Türe ins soziale Leben öffnen wird. Dir alles Liebe!

+++

Wie ist das bei dir? Hast du immer den Mut nach vorne zu gehen, oder plagt dich auch manchmal die Schüchternheit? Wir freuen uns, wenn du dich hier zeigst <3

 


 

Noch mehr Selbstvertrauen gefällig? Dann bitte hier entlang….

Wenn du denkst, du bist nicht gut genug: 5 Tipps wie du das loswirst

Gefällt mir 288 Personen gefällt das

Wie hilfreich fandest du den Artikel?1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

Diskussion

fan