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Schulische Leistungen: Was Eltern im Schulalltag tun können

Eltern sehen sich im Bezug der schulischen Leistungen ihrer Kinder oft hilflos. Das muss aber gar nicht sein.

Email eines Sprachlehrers an die Mutter einer 14jährigen Schülerin:

Sehr geehrte Frau F.,
ich muss Sie leider darüber in Kenntnis setzen, dass sich Leonas schulische Leistungen in Englisch verschlechtert haben, da sie kaum Hausübungen macht, im Unterricht träumt und das Ergebnis ihrer letzten Klassenarbeit daher leider auch weit unter ihren Möglichkeiten blieb. Deshalb ersuche ich Sie höflich, möglichst bald in meine Sprechstunde zu kommen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Harald S.

Diese und ähnliche „Hiobsbotschaften“ aus der Schule lassen den Puls von Eltern und Kindern regelmäßig höher schlagen und bringen meist sehr unangenehme Emotionen in den Familienalltag. In vielen Fällen lösen solche Informationen eine Lawine aus, die Eltern und Kinder regelrecht überrollt.

Und wenn Eltern sich nicht  im Vorfeld Gedanken gemacht und mittel- bis langfristige Ziele gesetzt haben, wo die Erziehung ihrer Sprösslinge hingehen soll, dann können solche Nachrichten aus der Schule Mechanismen auslösen, die viel Leid sowohl bei Kindern als auch bei den Eltern hervorrufen.

Eltern und Kinder fühlen sich in diesem Schulsystem häufig als Versager – wobei es oft auch vielen Lehrerinnen und Lehrern ähnlich geht:
Eltern, weil sie es nicht schaffen, ihre Kinder zu motivieren, die Leistungen zu erbringen, zu der sie vielleicht fähig wären;
Kinder und Jugendliche, weil ihnen immer wieder mehr oder weniger subtil vermittelt wird, dass sie nicht ihr Bestes geben, dass sie zu faul sind, dass sie sich nicht genug anstrengen, …

Mir ist es in diesem Zusammenhang wirklich wichtig, festzuhalten, dass ich an dieser Stelle nicht das in Deutschland und Österreich noch immer vorherrschende Regelschulsystem zerpflücken und anprangern will, das keinesfalls als optimal zur Potentialentfaltung unserer Kinder anzusehen ist. Dazu ist der humantrust meiner Meinung nach der falsche Platz.

Mir geht es in meinen Artikeln darum, Ideen zu liefern, die es Kindern und Jugendlichen trotz dieses Schulsystems ermöglichen, psychisch gesund erwachsen zu werden, und sich zu mit Selbstwert, Selbstgefühl, Selbstvertrauen und Eigenverantwortung ausgestatteten Erwachsenen zu entwickeln. Dafür braucht es meiner Meinung nach auch eigenverantwortliche Eltern, die sich nicht vom in der Schule herrschenden Druck in Angst, Panik und Ohnmacht versetzen lassen, es braucht selbstreflektierte Eltern, die ihren Kindern vertrauen, dass diese ihren Weg gehen werden, auch wenn dieser vielleicht mit Dingen versetzt ist, die wir unseren Kindern lieber ersparen würden.

Kinder bestmöglich fördern

Das Schulsystem ist wie es ist, und ich weiß nicht, wie schnell es sich in eine „Schule im Aufbruch“ entwickeln wird. D.h. ich kann mich tagtäglich über etwas ärgern, was ich nicht ändern kann, oder ich kann meine Anstrengung sowohl als Eltern, aber auch als Lehrerin oder Lehrer dahingehend ausrichten, was ich dazu beitragen kann, damit Schule trotz dieses Systems „menschlicher“ wird, damit unsere Kinder, wenn schon nicht bestmöglich gefördert und gefordert, zumindest nicht an diesem System zerbrechen werden.

Heutigen elterlichen Verantwortung und Führung.

Ich kann mich als Mutter/Vater tagtäglich entscheiden, wie ich mit den Schul(miss)erfolgen, dem Verhalten meines Kindes in der Schule umgehe:

  • Welche Wichtigkeit gebe ich dem o.a. Info-E-Mail des Lehrers?
  • Mache ich ein Drama daraus und nehme ich es zum Anlass, meinem Kind vielleicht zum wiederholten Mal zu vermitteln, dass es mein Vertrauen missbraucht hat, und doch nicht sein Bestes gibt? Dazu muss ich manche Dinge gar nicht aussprechen. Es reicht das Gefühl, meine Reaktion auf diese E-Mail, die mein Kind genau spüren lassen, worum es mir geht, ohne es zu sagen.

Oder sehe ich die E-Mail als das, was es auch sein kann:

einfach nur eine Information über den momentanen Leistungsstand meiner Tochter;
eine Information, dass meine wahrscheinlich gerade pubertierende 14jährige Tochter derzeit gerade keine Lust/keine Zeit oder einfach etwas „Besseres“ zu tun hatte, als in Englisch aufzupassen, ihre Hausübungen zu machen und auf die Klassenarbeit zu lernen.

Sorgen mache ich mir viel mehr um die Kinder, die immer brav ihre Pflichten erfüllen

Das ist in diesem Alter völlig normal. Sorgen mache ich mir viel mehr um die Kinder, die immer brav ihre Pflichten erfüllen, und das tun, was andere ihnen sagen, die nicht anecken möchten, die regelmäßig über ihre eigenen Grenzen gehen, damit sie Eltern und Lehrern gefallen.
Kinder müssen austesten, Erfahrungen machen, Konsequenzen spüren und auf die Nase fallen, damit sie daraus lernen können, Resilienz zu entwickeln, die sie wieder aufstehen und weitergehen lässt.

Aber wie können Eltern denn nun einen konstruktiven Umgang mit einer solchen schulischen Nachricht finden?

Mir hat es in solchen Situationen immer geholfen, zuerst in mich hinein zu spüren, was denn diese E-Mail in MIR auslöst, bevor ich mit meinem Kind darüber gesprochen habe.

  • Ist es das Gefühl, dass ich als Mutter/Vater versagt habe?
  • Ist es das Gefühl, dass ich Angst um die Zukunft meines Kindes habe?
  • Ist es Wut auf mein Kind, dass es mich in eine derart unangenehme Situation bringt?
  • Ist es das Gefühl, meinem Kind nicht vertrauen zu können? …

Und dann, wenn ich mir offen und ehrlich klar darüber geworden bin, was diese schulische E-Mail in mir ausgelöst hat, dann kann ich mich mit Interesse und Forschergeist auf die Suche nach einer Lösungsfindung zusammen mit meinem Kind machen.

Es ist Zeit für einen Dialog

Unter einem Dialog verstehe ich (nach Jesper Juul) ein Gespräch, an dem alle von einem Thema Betroffenen teilnehmen, in der Absicht am Ende mehr an Informationen zu der jeweiligen Situation bekommen zu haben, als am Anfang.

In diesem Fall würden sich die Erziehungsberechtigten mit Leona zusammensetzen, und jeder spricht offen aus, wie es ihm/ihr gerade mit dieser Situation geht. Dabei geht es im ersten Schritt nicht bereits um eine Lösungsfindung, sondern nur um eine Bestandsaufnahme. Wichtig ist dabei, dass ALLES gesagt werden darf (solange es nicht herablassend, bevormundend, kritisierend, egozentrisch, drohend, flehend und kategorisierend (s. Jesper Juul) ist; dass ALLES seinen Platz hat, dass ALLES ohne wenn und aber gehört wird. VORALLEM die Meinung des/der Jugendlichen. Es geht darum, dass jeder am Gespräch Beteiligte ernst genommen wird. Erst wenn wir uns ernst genommen fühlen, ist eine Lösungsfindung möglich.

Ich denke, ihr könnt nachvollziehen, worum es in einem Dialog geht. Ich höre mir als Eltern uneingeschränkt und mit ehrlichem Interesse die Informationen meiner Kinder an. Dies impliziert eine wirklich offene, ernst gemeinte Haltung. Denn sobald mein Kind spürt, dass es sich dabei um eine Methode meinerseits handelt, damit es endlich das tut, was ich will, dann wird kein Dialog auf Augenhöhe stattfinden. Denn dann spürt der Jugendliche mein Misstrauen. Er fühlt sich nicht ernst genommen und wird letztendlich die Verantwortung für sein Handeln nicht übernehmen können, weil er z.B. ständig damit beschäftigt sein könnte, die Eltern von seiner Sichtweise überzeugen zu wollen.

Erziehung braucht Vertrauen

Das Geheimnis, das für mich der Schlüssel für eine gelungene „Erziehung“ ist, heißt Vertrauen. Unter Vertrauen verstehe ich nicht, dass unsere Kinder das tun, was wir als Eltern (in bester Absicht) meinen, was gut für sie ist. Das Beste für jemand anderen zu wollen, ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit NIE das Beste für den Betroffenen.

Vertrauen, das unsere Kinder im Allgemeinen und Jugendliche im Besonderen brauchen, ist unser Vertrauen darin, dass sie das Beste machen werden aus dem, was ihnen auf diese Welt mitgegeben wurde, und dass sie nicht all das machen, was ihre Eltern sich wünschen oder für richtig halten. Jugendliche wollen dafür anerkannt werden, wer sie sind und nicht dafür beurteilt werden, wie wir meinen, dass sie sein sollten. Und diese Haltung kann nur von den Eltern gelebt werden, was für uns alle eine große Herausforderung darstellt, zumal es uns meist an Vorbildern fehlt.

Die erste Klassenarbeit ohne Eimischung der Eltern

Meine Tochter hat sich – Gott sei Dank (im Nachhinein) 😉 – ab der 6. Schulstufe geweigert, dass ich mich in ihre schulischen Belange ohne Aufforderung einmische:
„Ich mache das alleine. Und wenn ich Unterstützung brauche, werde ich dich darum bitten!“
Diese Aussage und ihre dazu gehörige Haltung waren so klar, dass mir gar nichts anderes übrig blieb, als mich daran zu halten. Ich nahm die Herausforderung schweren Herzens unfreiwillig an (und hielt mich auch unzählige Male nicht daran).

Und nach der ersten Klassenarbeit, die sie ohne meine Unterstützung (Einmischung) geschrieben hatte, kam sie mit stolzgeschwellter Brust (mit einer schlechteren Note als bisher) nach Hause, schaute mir in die Augen und sagte:
„Ich weiß, die Note ist nicht so gut wie sonst, aber dieses Mal ist es MEINE Note. Ich habe sie ALLEIN geschafft. Und bei den guten Noten wusste ich nie, was ICH wirklich kann. DU hast  MEIN Ergebnis verfälscht!“ Von da an kam ihr eigener Ehrgeiz zum Vorschein, und ihre Noten hatten meist dasselbe oder sogar ein besseres Ergebnis als mit meiner unwillkommenen Hilfe und Kontrolle. Außerdem war damit auch das größte Konfliktthema in unserer Familie fast komplett vom Tisch.

Da habe ich begriffen, dass es u.a. meine Aufgabe als Mutter ist, meinem Kind seine eigenen Erfahrungen inkl. Fehlern machen zu lassen und einfach für es da zu sein, wenn es mich braucht.

Ab da habe ich begonnen, eine Haltung zu entwickeln, dass ich meinen Kindern vertrauen WILL, IHREN Weg zu gehen. Ich habe erkannt, dass Vertrauen (nicht Kontrolle) der Schlüssel für die Entwicklung eines gesunden Selbstwerts, Selbstgefühls, Selbstvertrauens und von Eigenverantwortung für einen jungen Menschen ist.

Der Weg war kein leichter und er brauchte ständige Korrektur, unzählige Gespräche und auch zahlreiche Coachings meinerseits, wenn mich meine Ängste wieder einmal mitgerissen hatten. Aber mit dem Ziel vor Augen, dass dieser Weg wichtig für die Entwicklung eines jungen Menschen ist, wurde es mit der Zeit immer leichter, meine Kinder IHREN Weg gehen zu lassen.

Ines Berger

Ines Berger

Ich freue mich auf eure Kommentare oder Fragen.

Eure Ines

Den ersten Beitrag über  Klassenarbeiten von Ines findest du HIER im Compassioner.

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